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Petrus als Säule der Gemeinde (2.Teil)

31. März 2017

In der vorherigen Betrachtung haben wir einige Punkte im Leben von Petrus gesehen, die ihn dazu befähigten, später eine der „Säulen der Gemeinde“ (Galater 2,9) zu sein: Eine tiefe Überführung von seiner eigenen Sündhaftigkeit, und in der Folge eine Umkehr zu Jesus, und eine radikale Abkehr von allem, was mit seinem alten Leben verbunden war.

Die Überführung von Sünde sollte zur Umkehr führen, zur Bekehrung, und zum rettenden Glauben. All das sind Aspekte des Vorgangs, den das Neue Testament als „Wiedergeburt“ bezeichnet. Wenn jemand von neuem geboren wird, dann lebt Jesus in dieser Person durch seinen Heiligen Geist. (Siehe Galater 2,20, Epheser 3,16-17). Diese Wiedergeburt und diese Errettung ist möglich dank des Blutes Jesu, das er vergoss, um uns freizukaufen.
Damit ist bereits gesagt, dass es nicht möglich war, im Sinne des Neuen Testamentes wiedergeboren zu werden, bevor Jesus gestorben und auferstanden war. Auch Petrus war sich zwar bewusst geworden, dass er ein Sünder war, aber er hatte noch nicht diese radikale Veränderung der Wiedergeburt erfahren. Während er mit Jesus auf der Erde umherzog, handelte er noch aus seiner eigenen Kraft, welche die Gerechtigkeit Gottes nicht erfüllen kann. (Siehe Römer 8,3-8. Das „Fleisch“ bedeutet dort unsere eigene Kraft und Fähigkeit.) Deshalb konnte er in einem Moment empfänglich sein für die Offenbarung Gottes, und im nächsten Moment den Gedankengängen satans folgen (Matthäus 16,16-23). Deshalb konnte er in einem Moment all seinen Glauben und Mut zusammennehmen und auf dem Wasser gehen, und im nächsten Moment zweifeln und sinken. (Matthäus 14,28-31). Deshalb konnte er in einem Moment Jesus versprechen, mit ihm bis in den Tod zu gehen, und ihn im nächsten Moment dreimal verleugnen.
Als Jesus die Verleugnung des Petrus voraussagte, da sagte er etwas Bedeutungsvolles: „… und du, wenn du dich einst bekehrt hast, stärke deine Brüder!“ (Lukas 22,32). Bevor er sich wirklich bekehren konnte, musste Petrus erfahren, dass er in seiner Schwäche sogar seinen Herrn verleugnen konnte. All sein Vertrauen in seinen eigenen „Glauben“ musste zunichte werden. Seine wirkliche Bekehrung begann, als ihm Jesus nach seiner Auferstehung eine neue Gelegenheit gab, ihm zu sagen „Ich liebe dich“. (Johannes 21,15-19). Und seine Wiedergeburt war erst vollständig an Pfingsten, als der Heilige Geist kam.

Vor Pfingsten waren die Apostel (inbegriffen Petrus) ängstlich und eingeschüchtert. Sie versammelten sich hinter verschlossenen Türen aus Angst vor den Feinden Jesu (Johannes 20,19). Aber als der Heilige Geist auf sie kam, sprachen sie mutig in aller Öffentlichkeit. Und folgendes war die Wirkung der Rede von Petrus: „Als sie es hörten, wurden ihre Herzen [schmerzhaft] durchbohrt, und sie sagten zu Petrus und den anderen Aposteln: ‚Was sollen wir tun, ihr Brüder?‘ “ (Apostelgeschichte 2,37)

In diesem Moment erfüllten sich die Worte des Herrn: „Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben; und alles, was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein.“ (Matthäus 16,19). (- Man beachte, dass Jesus kurz danach diese selbe Vollmacht allen seinen Jüngern gab, Matthäus 18,18.) – Petrus gebrauchte die „Schlüssel“, die Jesus ihm gegeben hatte, um das Himmelreich vor seinen Zuhörern zu öffnen; und dreitausend von ihnen reagierten mit Umkehr und Glauben, und konnten so ins Himmelreich eintreten. (Apostelgeschichte 2,38-41). Und das war der Beginn der Urgemeinde.

So wiederholte sich in seinen Zuhörern dieselbe Erfahrung, die Petrus schon zuvor gemacht hatte: die Überführung von Sünde, der Zerbruch vor Gott, das Bewusstsein, verloren zu sein und durch kein menschliches Mittel gerettet werden zu können. Und nach der Umkehr die Erfahrung der wunderbaren Gnade Gottes, und die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist. Deshalb gehört Petrus zu den „Säulen“ der Gemeinde. Er verkörpert auf beispielhafte Weise den Weg, den Gott mit jedem Menschen geht, den er erwählt, ruft und rettet. Er konnte die neuen Jünger auf diesem Weg anleiten, weil er ihn zuvor selber gegangen war. Petrus verkörpert nicht eine Institution oder eine hierarchische Stellung. Er ist ein lebendiges Zeugnis des Erlösers und seines Heilsweges. Jeder von uns muss „mit Christus sterben“ und „mit Christus auferstehen“ (Römer 6,4-8; siehe auch 1.Petrus 1,3.23). Das ist es, was den „Felsengrund der Gemeinde“ ausmacht.

Damit stehen wir an der Schwelle zur Geschichte der Urgemeinde, die wir in späteren Betrachtungen untersuchen wollen. Ich möchte nur noch eine kurze Bemerkung zu Matthäus 16 anfügen:

Bei all diesem Interesse für Petrus könnten wir allzuleicht vergessen, dass er gar nicht die Hauptperson dieses Abschnitts ist. Das Gespräch begann mit der Frage Jesu: „Und ihr, wer sagt ihr, dass ICH BIN?“ (Vers 15) – Es ging Jesus nicht darum, darüber zu sprechen, wer Petrus war, sondern darüber, WER ER SELBER WAR. Und so sollten wir nicht übergehen, dass auch in Vers 18 Jesus sagt: „ICH werde MEINE Gemeinde bauen.“ Die Gemeinde gehört nicht Petrus; sie gehört Jesus und niemandem sonst. So sagt auch Paulus über den Aufbau der Gemeinde: „Denn niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das gelegt ist, nämlich Jesus Christus.“ (1.Korinther 3,11). Und Petrus selber beansprucht in seinen Briefen nicht, Eigentümer oder Fundament der Gemeinde zu sein. Im Gegenteil, er erklärt, dass Jesus der „Grundstein“ der Gemeinde ist: „Tretet hinzu zu ihm (dem Herrn), dem lebendigen Stein, wahrhaftig von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und wertvoll; und lasst auch euch so als lebendige Steine auferbaut werden als ein geistliches Haus und ein heiliges Priestertum, um Gott wohlgefällige geistliche Opfer darzubringen durch Jesus Christus.“ (1.Petrus 2,4-5)
– Also kann kein Mensch ein Eigentumsrecht über die Gemeinde beanspruchen, auch nicht über das geringste ihrer Glieder. Alles in der Gemeinde soll auf Christus hinweisen, nicht auf irgendeinen Menschen. Eine Kirche, die als „Haupt“ jemanden anders als Christus hat, oder die ihre Glieder lehrt, sich vor einem Menschen verantworten zu müssen statt vor Christus, ist nicht neutestamentliche Gemeinde.

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Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 – Teil 1

4. Februar 2017

Jesus betet für seine Gemeinde

Dieses Kapitel, Johannes 17, ist eine weitere hilfreiche Stelle zu einem richtigen Verständnis der neutestamentlichen Gemeinde, auch wenn das Wort „Gemeinde“ hier nicht vorkommt. Aber Jesus betet für seine Jünger, und „für jene, die durch ihr Wort an mich glauben werden“ (Vers 20). Und wir haben bereits gesehen, dass genau das die Gemeinde ist: die Gemeinschaft jener, die an Jesus glauben.

Wenn wir gut hinsehen, sehen wir allerdings, dass Jesus in den ersten fünf Versen für sich selber betet: „Verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche…“ (Vers 1). Ist das nicht ein eigensüchtiges Gebet? – Das wäre es tatsächlich, wenn es aus dem Munde eines gewöhnlichen Menschen käme. Aber nicht, wenn es der Sohn Gottes ausspricht, denn ihm gebührt es, den ersten Platz einzunehmen. Wenn Gott nicht verherrlicht würde (durch seinen Sohn), dann würde er aufhören, Gott zu sein, und damit würde die ganze Grundlage der Gemeinde (und des Universums überhaupt) zerstört. Deshalb sollte es im allerhöchsten Interesse der Gemeinde liegen, dass Gott verherrlicht wird.
Das ist eine weitere jener grundlegenden Wahrheiten, die vielen Christen allzu wohlbekannt ist, sodass sie meinen, sie müssten nicht weiter darüber nachdenken. Aber ich lade dich ein, einige Momente innezuhalten und nachzudenken: Verherrlicht deine Gemeinde Gott? Ist die Lebenspraxis dieser Gemeinde so, dass Gott in allem an erster Stelle steht?
Einige Kirchen setzen an die erste Stelle die persönliche Errettung ihrer Mitglieder – oder sogar irdische Dinge wie ihr persönliches Wohlergehen, ihre körperliche Gesundheit, ihr finanzielles Wohlergehen, ihr „Vorwärtskommen“ (in welchem Sinn auch immer), ihr persönliches Glück. Das sind lauter Dinge, die „die Heiden suchen“, während Gott den Seinen verspricht, ihnen diese Dinge als Zugabe zu geben, wenn sie zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit suchen (Matthäus 6,32-33). Die christliche Gemeinde ist nicht eine Institution zur persönlichen Errettung oder zum persönlichen Wohlergehen. Sie ist dazu da, Gott zu verherrlichen und in der Welt sein Reich zu repräsentieren, d.h. seine Herrschaft und seinen Willen.
Andere Kirchen setzen die Kirche selber an die erste Stelle. Ja, sie sprechen vom Herrn, aber ihr oberstes Ziel ist das Wachstum und der Einfluss der eigenen Organisation. Sie sprechen davon, „dem Herrn zu dienen“, aber in Wirklichkeit meinen sie damit, „unserer Organisation zu dienen“. Sie sprechen davon, „Menschen zu Jesus zu führen“, aber in Wirklichkeit meinen sie „Menschen in unsere Versammlungen zu bringen“. Sie sprechen sogar davon, „dem Herrn zu opfern“, wenn sie in Wirklichkeit meinen, „für die Leiter unserer Organisation zu spenden“. Auch die Gemeinde selber kann zu einem Götzen werden, wenn wir nicht sehr sorgfältig darauf achten, dass der Herr wirklich den ersten Platz einnimmt.

Von Gott „gegebene“ Menschen

Jesus bezeichnet seine Jünger als „die Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast … und sie haben dein Wort gehalten“ (Vers 6). Kurz zuvor hatte er ihnen gesagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ (Johannes 15,16). Die neutestamentliche Gemeinde besteht nicht aus Menschen, die irgendwann einmal die Idee hatten, „eine Gemeinde zu gründen“. Sie besteht aus Menschen, die von Gott erwählt und berufen wurden, und die auf seinen Ruf reagierten. Gott „gab“ sie seinem Sohn Jesus als Eigentum. Die Gemeinde gehört nicht sich selbst; und die Mitglieder gehören nicht den Gemeindeleitern. Die wahre Gemeinde, mit allen ihren Mitgliedern, gehört Jesus.
Es ist gut zu wissen, dass Gott es übernommen hat, die Seinen zu bewahren und zu behüten. „Als ich mit ihnen in der Welt war, behütete ich sie in deinem Namen …“ (Vers 12). „Heiliger Vater, die, die du mir gegeben hast, behüte sie in deinem Namen …“ (Vers 11). Er tut dies viel besser, als es irgendein menschlicher Leiter tun könnte. Jesus selber ist höchst interessiert daran, sein Eigentum gut zu behüten, und dass die Seinen immer bei ihm sind: „Vater, ich will, dass jene, die du mir gegeben hast, auch bei mir sind, wo immer ich bin …“ (Vers 24).

Jonathan Edwards: Ein getreuer Bericht vom überraschenden Wirken Gottes – Teil 3

4. Mai 2014

Leicht gekürzte Übersetzung

4. Der Sünder muss davon überführt werden, dass seine Verdammung gerecht ist.

Ein Diener Gottes, der mit Menschen unter solchen Umständen zu tun hat, muss ausdrücklich betonen, dass Gott in keiner Weise verpflichtet ist, irgendeinem natürlichen Menschen Gnade zu erweisen, dessen Herz nicht zu Gott umgekehrt ist; und dass niemand rechtmässig etwas von Gott fordern kann aufgrund von irgendetwas, was er getan hat, bevor er zum Glauben an Jesus Christus kam oder eine echte Umkehr in ihm begann. Hätte ich jene, die in grosser Seelennot zu mir kamen, irgendetwas anderes gelehrt, dann hätte ich sie zugrunde gerichtet. Ich hätte dann die Absichten des Heiligen Geistes mit ihnen direkt durchkreuzt; denn hätten sie mir geglaubt, dann hätten sie angefangen sich selbst zu schmeicheln und wären sorglos geworden, und hätten so der Überführung ein Ende bereitet; oder sie hätten ihren Hader gegen Gott liebgewonnen und sich so den Weg versperrt, sich vor ihm zu demütigen.

Und dennoch brauchen Menschen unter Überführung auch Ermutigung, indem sie von der unendlichen und allgenügenden Gnade Gottes in Christus hören; und dass Gott sich finden lässt von denen, die ihn suchen, und dass er seine eigenen Mittel segnet. So muss Überführung und Ermutigung, Furcht und Hoffnung in richtiger Weise gemischt und proportioniert werden, um ihren Geist in der Mitte zwischen den Extremen der Selbstüberhebung und der Verzagtheit zu halten, die beide zu Nachlässigkeit führen.
Ich denke, die gesegnetsten Gespräche waren jene, in welchen die Lehre von Gottes absoluter Souveränität inbezug auf die Errettung von Sündern betont wurde, und seine rechtmässige Freiheit inbezug auf das Beantworten von Gebeten natürlicher Menschen, solange sie in diesem Zustand verharren. Ich fand nie so viel unmittelbare Frucht der Errettung, als wenn ich über die Worte in Römer 3,19 predigte: „Damit jeder Mund verschlossen würde“, und von daher zeigte, dass es völlig gerecht wäre, wenn Gott alle natürlichen Menschen für immer verstiesse.

Bei jenen, wo die Überführung zur Errettung führt, zeigt sich normalerweise als erstes nach ihrer Seelennot eine Überzeugung, dass Gottes Verdammung gegen sie gerecht ist. In ihren Zeugnissen darüber drückten sie sich auf unterschiedliche Weise aus: einige, dass sie erkannten, dass Gott souverän ist und andere annehmen, aber sie verstossen kann; einige, dass sie davon überzeugt wurden, dass Gott gerechterweise jeder Person in der Stadt oder in der Welt Gnade erweisen könnte ausser ihnen selbst; einige, dass sie jetzt sehen, dass Gott gerechterweise alle ihre Bemühungen und Gebete für nichts achten könnte; einige, dass selbst wenn sie ihr ganzes Leben lang suchten und sich bemühten, Gott sie dennoch gerechterweise in die Hölle werfen dürfte, weil all ihre Bemühungen und Gebete nicht die geringste Sünde sühnen können, noch irgendein Anrecht auf einen Segen Gottes erwerben. Einige erklärten, dass sie sich so in der Hand Gottes befänden, dass er mit ihnen machen konnte, was immer er wollte; und andere, dass Gott in ihrer Verdammung verherrlicht würde, und dass sie sich sogar darüber wunderten, dass Gott ihnen so lange erlaubte zu leben und sie nicht schon längst in die Hölle geworfen hatte.

5. Genau in diesem Moment des Zerbruchs und der tiefsten Demütigung kann der Sünder die Gnade Gottes verstehen und annehmen.

Unmittelbar vor dieser Entdeckung von Gottes Gerechtigkeit ist der Sinn des Menschen normalerweise ausserordentlich unruhig und befindet sich in einer Art Kampf und Tumult, oder Beklemmung. Aber sobald sie zu dieser Überführung kommen, beruhigt sich im allgemeinen ihr Sinn und kommt zu einer unerwarteten Gefasstheit. Meistens, wenn auch nicht immer, wird dann das drückende Gewicht von ihrem Geist weggenommen, und eine allgemeine Hoffnung erwacht, dass Gott irgendwann gnädig sein wird. Manche beschliessen dann, Gott zu Füssen zu liegen und seine Zeit abzuwarten, und ruhen darin. Sie merken nicht, dass der Geist Gottes sie gerade jetzt in einen Zustand gebracht hat, wo sie zum Empfang der Gnade vorbereitet sind. Denn viele Menschen, wenn sie zuerst zu diesem Bewusstsein der Gerechtigkeit Gottes kommen, denken nicht, dass gerade dies die Demütigung und der Zerbruch sei, von dem sie so viel gehört hatten.

Bei vielen Menschen geht diese erste Überführung von der Gerechtigkeit Gottes über die gewöhnliche Verurteilung durch das Gesetz hinaus. Im Gegenteil, sie kommt nicht aus der Furcht aufgrund des Gesetzes, sondern ist ein Beweis der Gnade Gottes, und führt sie dazu, diese Eigenschaft Gottes, die Gerechtigkeit, zu bewundern. Einige sagten sogar, dass sie erkennen konnten, wie die Herrlichkeit Gottes gerade in ihrer eigenen Verdammnis hell aufleuchten würde, und fühlten sich dazu bereit, verdammt zu werden, damit Gott dadurch verherrlicht würde. Sie hatten aber keine klare Vorstellung von der Verdammnis, und es gibt auch kein Bibelwort, das eine derartige Selbstverleugnung verlangen würde. Aber, wie andere es klarer ausdrückten, die Erlösung erschien ihnen als zu gut für sie und wäre unvereinbar mit der Majestät Gottes, den sie so sehr beleidigt hatten.

Diese Ruhe des Geistes, den einige nach ihrer Verzweiflung finden, dauert einige Zeit an, bevor sie eine besondere und angenehme Offenbarung der Gnade Gottes im Evangelium erhalten. Aber sehr oft folgt darauf ein tröstendes und liebliches Bild des mitleidsvollen Gottes, des allgenügenden Erlösers. Oft wird ihr Sinn auf Christus gerichtet in seinem Willen, Sünder zu erretten; andere erhalten Gedanken über die angenehmen und herrlichen Eigenschaften Gottes, die sich im Evangelium offenbaren: Seine Gnade und sein Mitleid; oder seine unendliche Macht zu erlösen; oder seine Wahrheit und Treue. Einige entdecken zuerst die Wahrheit und Gewissheit des Evangeliums; andere die Wahrheit spezifischer Verheissungen.

Bei einigen liegen die erste Sicht darauf, dass sie gerechterweise die Hölle verdienen, und auf die Souveränität Gottes inbezug auf ihre Erlösung, und die Entdeckung der allgenügenden Gnade so nahe beisammen, dass sie in eins zusammenzufliessen scheinen.
Manchmal erscheint die Gnade nach der Demütigung als ein ernsthaftes Verlangen der Seele nach Gott und nach Christus: ihn zu kennen, ihn zu lieben, demütig vor ihm zu sein, Gemeinschaft mit ihm zu haben. Dieses Verlangen ist normalerweise verbunden mit dem festen Entschluss, diesem Gut für immer zu folgen, und mit einer hoffnungsvollen, erwartungsvollen Haltung. Wenn jemand mit dieser Haltung anfing, dann folgten normalerweise bald weitere Erfahrungen und Entdeckungen, die noch klarer von einer Herzensveränderung zeugten.

6.Wenn Gott so mit seiner Gnade an ihnen wirkt, erkennen viele noch nicht, dass sie bereits bekehrt sind.

Oft, wenn den Menschen erstmals dieser Evangeliumsgrund der Erleichterung offenbart wird, denken sie noch gar nicht, dass sie jetzt bekehrt seien. Sie fühlen sich einfach erfrischt davon, dass Gott ihnen für alles genügt, und dass in Christus so volle Vorsehung getroffen wurde für alles, nachdem sie so niedergeschlagen waren im Bewusstsein ihrer Schuld und in der Furcht vor dem Zorn Gottes. Das bewirkt in ihnen einen festen Entschluss, sich selbst und ihr ganzes Leben Gott und seinem Sohn zu weihen, und geduldig zu warten, bis Gott alles bewirken würde; und oft sind sie fest davon überzeugt, dass Gott es zu seiner eigenen Zeit für sie tun würde.

So entsteht in ihnen eine heilige Ruhe der Seele in Gott durch Christus. Aber sie denken nicht, dass sie jetzt bekehrt seien. Der Grund dafür ist oft, dass sie nicht erkennen, dass dieses Sich-Erfreuen an der Entdeckung der Gnade bereits die wirkliche Annahme dieser Gnade ist. Sie wissen nicht, dass diese liebliche Befriedigung an der Gnade und völligen Erlösung Gottes, die sie spüren, ein echtes Empfangen dieser Gnade ist, oder ein klarer Beweis davon, dass sie sie empfangen haben. Sie erwarteten wer weiss nicht was für einen seelischen Akt, oder vielleicht wussten sie gar nicht, was sie zu erwarten hätten.

Tatsächlich hatten viele von ihnen vor ihrer Bekehrung eine sehr unvollkommene Idee davon, was eine Bekehrung ist. Die Ausdrücke, die andere gebrauchten, um ihre Bekehrung zu beschreiben, vermittelten ihrem Sinn nicht ihre wirkliche Bedeutung. Sie verstanden davon nicht mehr als ein Blindgeborener von den Namen der Farben.

In unserer Stadt beobachteten wir, dass Menschen mit dem grössten Wissen, die am meisten über diese Dinge studiert hatten, verwirrter waren als andere. Einige von ihnen erklärten, dass all ihr früheres Wissen zunichte gemacht wurde, und dass sie sich wie unwissende Kleinkinder fühlten. Es schien, dass sie es mehr nötig hatten, über ihre eigenen Umstände belehrt zu werden, als die einfachsten Christen.

Es war wunderbar zu sehen, wie die Gefühle der Menschen manchmal bewegt wurden, wenn Gott plötzlich ihre Augen öffnete. Ihre freudige Überraschung liess ihr Herz springen, sodass einige in Lachen ausbrachen, während sie oft gleichzeitig laut weinten und ihre Tränen wie ein Strom flossen. Einige konnten es nicht vermeiden, laut aufzuschreien als Ausdruck ihrer grossen Bewunderung.

Bei vielen dauern diese Erfahrungen lange Zeit an, ohne dass sie denken, sie seien bereits bekehrt; und niemand weiss, wie lange sie so fortfahren würden, wenn ihnen nicht durch besondere Belehrung geholfen würde. Einige haben manche Jahre so gelebt; einige in grosser Hoffnung, dass sie eines Tages Gnade empfangen würden; andere kehrten zu grösserer Verzweiflung zurück, weil sie sich jetzt des Elends ihres natürlichen Zustands stärker bewusst waren und sie für die Realität der ewigen Dinge sensibler geworden waren. Der Teufel versäumt die Gelegenheit nicht, solche Menschen auf verschiedenste Weise zu versuchen. Deshalb brauchen Menschen in diesem Zustand jemanden, der sie zum Verständnis dessen führt, was das Wort Gottes über die Gnade lehrt; und der ihnen hilft, es auf sich selbst anzuwenden.

Jedesmal, wenn ich über die Beweise der Errettung bei einer Person befriedigt war, teilte ich es dieser Person mit. Ich bin deswegen von manchen beschuldigt und getadelt worden. Aber ich habe nie Menschen beurteilt, sondern nur Erfahrungen, so wie sie mir geschildert und qualifiziert wurden. Ich hielt es für meine Pflicht als Hirte, Menschen beizustehen und sie zu lehren, Regeln der Schrift auf ihren eigenen Fall anzuwenden; und wo mir ein Fall klar erschien, erklärte ich freimütig meine Hoffnung darüber. Aber ich tat dies längst nicht bei allen, über die ich gewisse Hoffnungen hegte; und ich glaube, ich war viel vorsichtiger, als manche annahmen. Aber ich möchte mich nicht des Trostes berauben, mich zusammen mit jenen zu freuen, die in grosser Verzweiflung waren, und deren Umstände ich kannte, wenn genügend Beweise vorhanden zu sein scheinen, dass die Toten lebendig geworden und die Verlorenen gefunden worden sind. Ich bin mir bewusst, dass dieses Vorgehen sicherer gewesen wäre in der Hand eines Mannes von reiferem Urteil und grösserer Erfahrung; aber es war dennoch absolut notwendig, aus den obenerwähnten Gründen; und es war eine Praktik, die Gott unter uns in bemerkenswerter Weise gesegnet hat. Viele Menschen hatten Gnade erlangt, aber sie waren wie Bäume im Winter, weil sie sich ihres Zustands nicht bewusst waren.

Gott hat nichts so benützt zur Ausbreitung seines Werkes unter uns, wie die Nachrichten über die Bekehrung anderer Menschen. Das war es, was die Sünder dazu erweckte, denselben Segen zu suchen; und was die Heiligen neu belebte. Aber ich weise meine Leute oft darauf hin, dass kein Mensch das Herz eines anderen kennen kann, und wie unsicher es ist, sich vom Urteil anderer abhängig zu machen. Auch betonte ich ständig, dass der Erweis von Aufrichtigkeit in den Früchten besser ist als alles, was mit Worten ausgedrückt werden kann, und dass ohne dies jeder Anspruch auf geistliche Erfahrungen vergeblich ist. Meine ganze Gemeinde kann dies bezeugen. Und im allgemeinen zeigten die Menschen eine grosse Furcht davor, sich selbst zu betrügen und auf einem falschen Fundament zu bauen.

Eine Bekehrung ist ein grosses und herrliches Werk der Macht Gottes. Sie verändert das Herz in einem Augenblick und flösst einer toten Seele Leben ein. Aber nicht alle können den genauen Moment angeben, als sie zum ersten Mal die Gnade erlangten. Einige hatten eine sehr klare Erfahrung. Aber andere wissen nicht, was die Gnade der Bekehrung ist, sogar wenn sie sie bereits haben. Einige wissen nicht, ob ihre erste Erfahrung nur eine gewöhnliche Erleuchtung war, und vielleicht eine bemerkenswertere spätere Erfahrung ihre Erlösung war. Das Werk Gottes in der Seele ist sehr geheimnisvoll, und die Manifestation des Reiches Gottes im Herzen ist wie es in Markus 4,26-28 gesagt wird:
„Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen in die Erde streut, und er schläft und steht auf Nacht und Tag, und der Same sprosst und wächst auf, ohne dass er weiss wie; denn die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst den Halm, dann die Ähre, und danach das volle Korn in der Ähre.“

Bei einigen ist das Licht der Bekehrung wie eine herrliche Helligkeit, die ihnen plötzlich aufleuchtet. Bei anderen ist es wie der Tagesanbruch, wo zuerst nur wenig Licht erscheint und vielleicht noch von einer Wolke verdunkelt wird, aber dann erscheint es wieder und ein wenig heller, und nimmt allmählich zu, mit dunkleren Zeiten dazwischen, bis schliesslich der klare Tag anbricht.

7. Die Bekehrung lässt alle Dinge in einem neuen Licht erscheinen.

Die Bekehrung bringt normalerweise eine aussergewöhnliche Überzeugung von der Wirklichkeit und Gewissheit der grossen Dinge der Religion mit sich; aber in einigen geschieht das erst einige Zeit nach der Bekehrung. Sie erhalten diese Sicht und diesen Geschmack von der göttlichen Vorzüglichkeit im Evangelium, was für sie überzeugender ist als viele Bücher voll von Argumenten. Oft ist die Herrlichkeit der christlichen Wahrheiten diesen Menschen so vorgeführt worden, dass sie sie sahen und schmeckten und ihre Göttlichkeit fühlten, und so wenig daran zweifeln konnten, wie sie gezweifelt hätten, dass die Sonne existiert, wenn sie mit geöffneten Augen draussen mitten im Sonnenschein standen. Und doch, wenn wir sie fragten, warum sie glaubten, dass diese Dinge wahr seien, dann wären viele von ihnen nicht in der Lage, genügende Gründe klar auszudrücken. Vielleicht könnten sie nur sagen, dass sie sehen, dass Gott wahr ist. Aber im persönlichen Gespräch mit ihnen würde man bald zufriedengestellt und verstünde, dass sie mächtige Beweise der Gottheit in sich selbst tragen.

Sie sind so erfüllt von ihrer neuen Entdeckung, und die Dinge erscheinen ihnen so offensichtlich und vernünftig, dass sie oft zuerst denken, sie könnten andere überzeugen. Zu diesem Zweck beginnen sie mit jedermann zu sprechen; und wenn sie enttäuscht werden, verwundern sie sich, dass ihre Gründe keinen stärkeren Eindruck machen. Die Dinge (des Evangeliums) erscheinen ihnen jetzt so offensichtlich und einfach, dass jedermann sie einsehen sollte. Wenn man sie fragt, warum sie selber es zuvor nicht so gesehen hatten, dann sagen sie vielleicht, sie hätten einfach nicht daran gedacht. Aber oft erleben sie dann stattdessen eine andere Schwierigkeit: wenn Gott sich von ihnen zurückzieht, finden sie sich wieder blind; sie verlieren die Überzeugung der Dinge, die ihnen so klar erschienen waren, und sie können sie mit all ihren eigenen Anstrengungen nicht wieder zurückgewinnen, bis Gott den Einfluss seines Geistes erneuert.

Nach ihrer Bekehrung sagen die Leute oft, dass ihnen die religiösen Dinge als neu erschienen: die Predigt ist etwas Neues, als ob sie noch nie zuvor eine Predigt gehört hätten; die Bibel ist ein neues Buch, wo sie neue Kapitel, neue Psalmen, neue Geschichten finden, weil sie alles in einem neuen Licht sehen.
Eine etwa siebzigjährige Frau hatte die meiste Zeit ihres Lebens unter dem mächtigen Dienst meines Grossvaters verbracht. Als sie im Neuen Testament über das Leiden Christi für die Sünder las, erstaunte sie darüber als etwas Wirkliches und sehr Wunderbares, aber etwas ganz Neues für sie. Sie verwunderte sich darüber, dass sie noch nie davon gehört hätte; aber gleich darauf erinnerte sie sich, dass sie oft davon gehört und gelesen hatte, aber es noch nie zuvor als etwas Wirkliches gesehen hatte. Sie begann darüber nachzudenken, wie wunderbar es war, dass der Sohn Gottes solches Leiden für die Sünder auf sich genommen hatte; und wie sie ihre Zeit in undankbarem Sündigen gegen einen so guten Gott und einen solchen Erlöser verbracht hatte. (Obwohl sie als eine Person von untadeliger und unanstössiger Lebensführung bekannt war.) Sie war so überwältigt von diesen Gedanken, dass sie beinahe darunter zerbrach und die Menschen um sie herum dachten, sie würde sterben.

Viele sprachen davon, wie ihre Herzen in Liebe zu Gott und Christus hingezogen wurden; und wie ihr Sinn von entzückender Betrachtung der Herrlichkeit und Gnade Gottes erfüllt wurde, und der Vorzüglichkeit Jesu und seiner opferbereiten Liebe. Mehrere unserer Kinder drückten dies aus und sagten, sie seien bereit, Vater und Mutter und alle Dinge in der Welt zu verlassen, um bei Jesus zu sein. Mehrere Personen wurden derart überwältigt von der Herrlichkeit Gottes, dass ihr Körper wahrscheinlich zerbrochen wäre, wenn Gott ihnen noch ein wenig mehr von sich selbst gezeigt hätte. Ich habe einige in einem solchen Zustand gesehen und mit ihnen gesprochen, und sie waren mit Gewissheit völlig nüchtern und weit entfernt von jeglicher wilden Schwärmerei. Und sie sprachen – wenn sie überhaupt zu sprechen in der Lage waren – von der Herrlichkeit der Vollkommenheit Gottes, von seiner wunderbaren Gnade in Christus, und ihrer eigenen Unwürdigkeit, in einer Weise, wie es gar nicht ausgedrückt werden kann.

Jene unter uns, die mit den aussergewöhnlichsten Offenbarungen ausgezeichnet wurden, zeigten in keiner Weise die anmassende, überhebliche und selbstzufriedene Haltung von Schwärmern; ganz im Gegenteil. Sie sind bekannt für einen demütigen, bescheidenen Geist. Kaum jemand sonst ist sich so seines Bedürfnisses nach Belehrung bewusst, und so eifrig, sie aufzunehmen, wie einige von ihnen; oder ist so schnell dazu bereit zu denken, andere seien besser als sie selber. Sie sprechen viel von ihrer Errettung durch die freie und souveräne Gnade, durch die Gerechtigkeit Jesu allein; und sie verzichten freudig auf ihre eigene Gerechtigkeit. Oft sagen sie, ihre Worte seien gar nicht imstande, ihre Erfahrungen auszudrücken. Einige berichten, wie ihnen diese geistlichen Erfahrungen die Nichtigkeit aller irdischen Vergnügungen gezeigt hatten, und wie gemein und wertlos ihnen jetzt alle diese Dinge erscheinen.

Viele vergassen sogar zu essen, während ihr Sinn von geistlichen Köstlichkeiten erfüllt wurde. Auch alle Dinge draussen, die Sonne, der Mond und die Sterne, die Wolken, der Himmel und die Erde, erscheinen ihnen, als läge eine göttlichen Herrlichkeit und Lieblichkeit darauf. Sie erfreuen sich auch der Gewissheit ihres Heils; aber das ist nicht das Hauptobjekt ihrer Gedanken und Meditationen. Vielmehr richtet sich die höchste Aufmerksamkeit ihres Geistes auf die herrliche Vorzüglichkeit Gottes und Christi.

Die grösste Freude finden viele von ihnen, wenn sie am tiefsten in den Staub gedemütigt und von sich selbst entleert sind; wenn sie nichts sind, und Gott alles ist. Viele spüren eine ernsthafte Sehnsucht der Seele, Gott zu loben; aber zugleich klagen sie, dass sie ihn nicht so loben könnten wie sie wollten, und sie möchten, dass andere ihnen dabei helfen, Gott zu loben. Sie möchten, dass jedermann Gott lobe, und rufen alle Dinge auf, ihn zu loben. Sie haben ein sehnsuchtsvolles Verlangen, zur Ehre Gottes zu leben, und etwas zu seiner Ehre zu tun; aber gleichzeitig beklagen sie ihr Ungenügen und ihre Fruchtlosigkeit, und dass sie nichts von sich aus tun können.

Während Gott auf so bemerkenswerte Weise unter uns gegenwärtig war durch seinen Geist, war kein Buch so köstlich wie die Bibel; besonders die Psalmen, die Prophezeiungen Jesajas, und das Neue Testament. Unsere Bekehrten waren vereint in brüderlicher Liebe zueinander. Nie wurden so viele Sünden bekannt und Schaden wiedergutgemacht wie letztes Jahr. Die Bekehrten zeigten auch ein grosses Verlangen nach der Bekehrung anderer.

Einige Personen erfuhren durch ihre Bekehrung eine grosse Hilfe inbezug auf ihre lehrmässigen Vorstellungen. Das war besonders auffällig in einem, der als Kind nach Kanada entführt und in der Religion der Papisten erzogen worden war. Vor einigen Jahren war er hierher in seine Geburtsstadt zurückgekehrt und war in gewissem Mass vom päpstlichen Glauben abgebracht worden; aber er schien sehr ungeschickt und unverständig zu sein in der reformierten Lehre, bis er bekehrt wurde. Dann war er in dieser Hinsicht ausserordentlich verändert.