Posts Tagged ‘Genie’

Wenn „Bildung“ zum Kindsmissbrauch wird

3. März 2014

Eine andere Perspektive zur geistigen Gesundheit von Kindern

Von Raymond S.Moore und Dorothy Moore

In „Acres of Diamonds“, Russell Conwells berühmtester Chautauqua-Geschichte, verkaufte Al Hafed seine Farm, um seine Suche nach einer legendären Diamantenmine zu finanzieren. Er suchte die ganze Welt ab, bis sein Vermögen dahin war. Er starb in völliger Armut, ohne je zu erfahren, dass eine grosse Diamantenablagerung entdeckt worden war im Sand des Flüsschens, das sich durch seine eigene Farm schlängelte; heute die bekannte Golconda-Diamantenmine. Amerikas Suche nach Überlegenheit – nach gesunden, selbständig denkenden Studentenhirnen – könnte sehr wohl dasselbe Ende nehmen.

Vom Weissen Haus bis zum schlichtesten Heim tasten Amerikaner nach Antworten auf den Niedergang im Leseverständnis, in der Ethik und im allgemeinen Verhalten, der unsere Nation bedroht. Anscheinend haben wenige den engen Zusammenhang bemerkt zwischen dem Erfolg, dem Verhalten und der Gemeinschaftsfähigkeit, die wir bevorzugen, und dem Lebensstil, den wir unseren Kindern täglich aufzwingen, und der möglicherweise unserer meistverbreiteten Form von Kindsmissbrauch gleichkommt. Z.B. herrscht eine überraschende Unwissenheit und Gleichgültigkeit gegenüber der Abhängigkeit von Gleichaltrigen – eine Verderbnis der geistigen Gesundheit, die bereits in Kindergärten überhandnimmt.

Statt zu untersuchen, wie wir am besten auf ihre Bedürfnisse eingehen, schicken wir oft unsere „Kleinen“ ausser Haus, weg von der Art von Umgebung, die am ehesten kontaktfreudige, gesunde, glückliche und kreative Kinder hervorbringt. In einer vom Bund geförderten Analyse von über 8000 Untersuchungen über die Entwicklung von Kleinkindern kam die Moore-Stiftung zum Schluss, dass die USA ihre Kleinkinder viel zu schnell aus dem Haus und in die Schule drängen – lange bevor die meisten, insbesondere Jungen, dazu bereit sind. (1) Die Auswirkungen auf die geistige und psychische Gesundheit sind äusserst beunruhigend. Auch der Prozentsatz an Schulabbrechern ist ein stummes Zeugnis. Obwohl in einigen Fällen der Schulabbrecher – wie Thomas Edison – besser dran ist als jene, die bleiben.

Vom Piaget-Nachfolger David Elkind bis zu William Rohwer in Berkeley, Kalifornien, warnen führende Lern- und Entwicklungsspezialisten, dass die frühe formelle Schulung zum „Ausbrennen“ der Kinder führt. Auch die Lehrer, die versuchen, mit diesen Kleinen zurechtzukommen, brennen aus. Die „Lernwerkzeuge“ des Durchschnittskindes, das heute mit vier bis sechs oder sieben Jahren in die Schule (oder Vorschule) kommt, sind nicht genügend entwickelt für die strukturierten akademischen Aufgaben, die ihnen in immer grösserem Mass aufgebürdet werden. Noch schlimmer: wir zerstören die positive Gemeinschaftsfähigkeit.

Der Ablauf für das heutige Durchschnittskind bedeutet oft eine Katastrophe für dessen geistige und psychische Gesundheit, da sich der Reihe nach folgen:
1) Unsicherheit, wenn das Kind das familiäre „Nest“ zu früh verlässt und in eine unbekannte Umgebung kommt,
2) Verwirrung angesichts des schulischen Drucks und der Einschränkungen,
3) Frustration, weil die „Lernwerkzeuge“ des Kindes (die Sinne, das Erkennen, die Gehirnhälften, die Koordination) noch nicht dazu bereit sind, den formellen Unterricht und den damit verbundenen Druck zu verarbeiten,
4) Hyperaktivität aufgrund der Nervosität, die von der Frustration ausgelöst wird,
5) Versagen, das natürlicherweise aus den vier obengenannten Erfahrungen folgt,
und 6) Kriminalität, welche die Zwillingsschwester des Versagens ist und anscheinend aus denselben Gründen gefördert wird.

Was die Untersuchungen sagen

Die Gleichgültigkeit gegenüber der geistigen und psychischen Gesundheit von Kindern ist nicht neu. Die Weltgeschichte beschreibt grosse Zyklen, die jeweils mit kraftvollen Kulturen begannen, welche sich der Bedürfnisse der Kinder bewusst waren, und die mit der Aufgabe der Familienbande und dem Tod von Gesellschaften und Imperien endeten.

Die Untersuchungen stellen ein Bindeglied von der Vergangenheit zur Gegenwart dar und bieten eine bewegende Perspektive der heutigen Kinder. Es gibt einsichtige Gründe für den Niedergang im Leseverständnis, das Schulversagen, die weitverbreitete Kriminalität, und die wuchernde Abhängigkeit von Gleichaltrigen. Alle vier wirken zusammen unserem Ziel entgegen, glückliche und vertrauensvolle Kinder zu erziehen, die an Körper, Geist und Seele gesund sind. Der Niedergang der Lesefertigkeiten in Amerika, von geschätzten 90 Prozentpunkten im letzten (19.) Jahrhundert auf 50 Prozentpunkte heute, geht parallel mit dem elterlichen Wettrennen, Kinder in einem immer früheren Alter zu institutionalisieren. (2)

Schulleistungen

Die Analysen der Moore-Stiftung (1) kamen zum Schluss, dass Kinder wenn immer möglich von formellem Unterricht ferngehalten werden sollten, bis sie mindestens acht bis zehn Jahre alt sind. Elkind (3) warnte vor dem Schüler-Burnout, der in amerikanischen Schulen alltäglich geworden ist. Rohwer (4) stimmt damit überein und gründet seine Schlussfolgerungen teilweise auf Untersuchungen in 12 Ländern von Torsten Husen (Schweden). Husen bestätigte in der Folge Rohwers Erkenntnisse in einem Brief vom 23.November 1972. Hinsichtlich der begrifflichen Anforderungen des Lesens und Rechnens schlug Rohwer folgende Lösung vor:

„Alles Wissen, das für einen erfolgreichen Abschluss der Sekundarschule nötig ist, kann in lediglich zwei oder drei Jahren formellen Unterrichts erworben werden. Den obligatorischen Unterricht in den Grundfertigkeiten bis zum Sekundarschulalter hinauszuschieben, könnte akademischen Erfolg bewirken für Millionen von Schulkindern, die unter dem (gegenwärtigen) traditionellen Schulsystem zum Scheitern verurteilt sind.“

Diese Lösung würde das Schuleintrittsalter auf mindestens 11 bis 12 Jahre hinausschieben.

Wie können diese Bemerkungen gerechtfertigt werden angesichts der gegenwärtigen Praxis? Seien wir uns bewusst, dass die gegenwärtige und zukünftige Gesundheit der Kinder auf dem Spiel steht. Erstens sind Kinder normalerweise nicht genügend reif für formelle Schulprogramme, solange ihre Sinne, Koordination, neurologische Entwicklung und ihr Erkenntnisvermögen nicht bereit sind. Experimente nach Piaget haben wiederholt gezeigt, dass die erkenntnismässige Reife oft erst gegen das Alter von 12 Jahren eintritt.

Interessanterweise beinhaltete die alte Bar Mitzvah der orthodoxen Juden keinen Schulunterricht bis nach dem Alter von 12 Jahren, wo das Kind als fähig erachtet wurde, volle Verantwortung für seine Taten zu übernehmen. Fisher, der seinerzeit als der „Dekan“ der amerikanischen Psychiater galt, beschrieb 1950, wie er mit 13 Jahren in die Schule eintrat und noch nicht lesen oder schreiben konnte. Mit 16 Jahren schloss er eine Bostoner Sekundarschule ab und dachte, er sei ein Genie, bis er herausfand, dass jedes „normale“ Kind zu dieser Leistung fähig wäre. Er fügte hinzu: „Wenn man sicherstellen könnte, dass Kinder ein gesundes Familienleben und eine angemessene körperliche Entwicklung erhalten, dann könnte dies die Antwort darstellen auf (…) den Mangel an qualifizierten Lehrern.“ (5)

Vor fast einem Jahrhundert verlangte Dewey (6) ein Schuleintrittsalter von acht Jahren oder später. Vor einem halben Jahrhundert bewies Skeels (7), dass liebevolle, aber geistig zurückgebliebene Teenager bemerkenswert gute Lehrer abgaben. Vor einem Vierteljahrhundert zeigte Geber (8), dass Mütter im afrikanischen Busch Kinder grosszogen, die sozial und geistig aufgeweckter waren als Elite-Kinder, deren Eltern sich einen Kindergarten leisten konnten. Zuneigung war der Schlüssel. Noch später bewiesen Mermelstein u.a. (9), dass mindestens bis zum Alter von neun oder zehn Jahren Kinder, die zur Schule gingen, keine besseren Leistungen erbrachten als Kinder, die nicht zur Schule gingen. De Rebello (unveröffentlichte Daten, Januar 1985) berichtete, dass Schulabbrecher, die Arbeit finden, Gleichaltrigen im geistigen und sozialen Auffassungsvermögen voraus sind.

Nur wenige konventionelle Erzieher verstehen diese Situation. Wir verstehen nicht wirklich den Schaden, den die Frustration anrichtet oder der Entzug der Möglichkeiten zum freien Entdecken. Wir verstehen auch nicht wirklich den Wert menschlicher Wärme als motivierenden Faktor zum Lernen, noch die Mentoren-Methode, der während der ganzen Geschichte keine andere Methode gleichkam. Eine Studie der Universität von Kalifornien, Los Angeles (10), von 1016 Staatsschulen fand, dass die Lehrer im Durchschnitt nur sieben Minuten pro Tag im persönlichen Austausch mit ihren Schülern verbrachten. Das bedeutet lediglich eine oder zwei persönliche Reaktionen pro Schüler. Im Kontrast dazu bewegen sich unsere Zählungen von persönlichen Reaktionen auf Kinder, die zuhause ausgebildet werden, im Rahmen von etwa 100 bis über 300 pro Tag.

Wir sollten also nicht schockiert sein über den Bericht des Smithsonian-Instituts (11) über die Entwicklung von Genies, welcher das folgende dreiteilige Erfolgsrezept anbietet:
1) Viel Zeit verbringen mit liebevollen, aufmerksamen Eltern und anderen Erwachsenen,
2) Sehr wenig Zeit verbringen mit Gleichaltrigen,
3) Viele Gelegenheiten zu freiem Entdecken, mit elterlicher Orientierungshilfe.
Der Leiter dieser Studie, Harold McCurdy, schloss:

„Die Massen-Bildung unseres Staatsschulsystems ist auf seine Art ein grossangelegtes Experiment darüber (…), alle drei Faktoren auf ein Minimum zu reduzieren; dementsprechend tendiert es dazu, das Vorkommen von Genies zu vermeiden.“ (11)

An der Moore-Stiftung erhielten wir kürzlich die gerichtlich überprüften standardisierten Prüfungsnoten von Kindern, deren Eltern verhaftet worden waren, weil sie ihre Kinder zuhause ausbildeten. Die meisten dieser Eltern hatten ein niedriges Einkommen und eine unterdurchschnittliche formelle Schulbildung; aber die Durchschnittsnoten der Kinder lagen bei 80,1%, d.h. 30 Prozentpunkte höher als bei durchschnittlichen Schulkindern.
(Anm.d.Ü: Dieser Artikel wurde zu einer Zeit geschrieben, als Homeschooling in den meisten Bundesstaaten der USA noch verboten war. Inzwischen sind breit abgestützte Daten über die akademischen Leistungen von zuhause ausgebildeten Kindern verfügbar, welche dieses Ergebnis bestätigen. Siehe dazu den 
Fraser-Report.)

Kleinkinder lernen tatsächlich sehr schnell, wie allgemein geglaubt wird – aber nur im Rahmen ihrer Reife. Ein Kind, das erkenntnismässige Reife mit zusätzlichen acht bis zehn Jahren freier Entdeckungsmöglichkeiten kombinieren kann, wird tausende von „Lern-Anknüpfungspunkten“ entwickelt haben, sowie die Fähigkeit, schlüssig zu denken – was für ein Kleinkind unmöglich ist. Kinder, die diese Reife nicht haben und in ein Schulzimmer eingesperrt werden, werden oft ängstlich, frustriert, und schliesslich „lernbehindert“.

Gemeinschaftsfähigkeit

Heute wird allgemein angenommen, um gemeinschafts- und gesellschaftsfähig zu werden, müssten Kinder der „Gemeinschaft“ einer Schule unterworfen werden. Aber reproduzierbare Beweise zeigen deutlich in die entgegengesetzte Richtung. Untersuchungen von Cornell (12) fanden, dass Kinder, die bis zum Alter von 11 bis 12 Jahren mehr Zeit mit Gleichaltrigen verbringen als mit ihren Eltern, von Gleichaltrigen abhängig werden. Durch eine solche Unterordnung unter die Werte der Kameraden gehen vier Eigenschaften verloren, die für eine gute geistige Gesundheit und positive Gemeinschaftsfähigkeit unentbehrlich sind: Selbstwert, Optimismus, Respekt vor den Eltern, und Vertrauen auf Kameraden.

Dieser Verlust ist insbesondere bei Jungen Grund zu äusserster Besorgnis inbezug auf ihre intellektuelle Entwicklung, ihr Verhalten und ihre Gemeinschaftsfähigkeit. Obwohl allgemein bekannt ist, dass Jungen sich langsamer entwickeln, fordern wir dennoch ihren Schuleintritt im selben Alter wie für Mädchen. In den letzten Jahren deuteten viele Untersuchungsberichte darauf hin, dass für Jungen das Risiko um ein Mehrfaches grösser ist als für Mädchen, in der Schule zu versagen, kriminell zu werden, oder akut hyperaktiv. Kürzlich (Education Week, 14.März 1984, S.19) wurde gefunden, dass in amerikanischen Sekundarschulen in den Klassen für psychisch Geschädigte auf jedes Mädchen acht Jungen kommen, und in den Nachhilfegruppen befinden sich 13-mal so viele Jungen wie Mädchen. Der Selbstwert, die männliche Identität und der Respekt vor Frauen gehen verloren, was sehr unglückliche Ergebnisse sind, insbesondere in der heutigen Gesellschaft.

Eine Lösung, die dem gesunden Menschenverstand entspricht

Wir brauchen mehr Elternbildung und weniger Institutionalisierung von Kindern. Im Wiederaufblühen der Homeschool-Bewegung haben Hunderttausende von Eltern ihre Erziehungsaufgabe neu ernst genommen, und begannen liebevoll die Entwicklungsbedürfnisse ihrer Kinder zu untersuchen. Das Ergebnis sind leistungsstärkere, besser erzogene und selbstverantwortliche Kinder.

Einige wenden ein, dass das „Head Start“-Programm doch funktioniert. Aber die Ypsilanti-Studie, das einzige Langzeitexperiment, das konsequent auf „Head Start“ aufgebaut ist, bezieht das Elternhaus sehr viel stärker ein als andere typische Programme. Sogar Schlüsselpersonen in der Gründung von „Head Start“ wie Bloom und Nimnicht loben jetzt die Familie als den besten Lernort, und die Eltern als die besten Lehrer. (13, 14) Hinsichtlich der körperlichen Gesundheit und des Verhaltens – Exponiertheit gegenüber Krankheiten (Wall Street Journal, 5.Sept.1984) und gegenüber negativen aggressiven Handlungen – ist die Familie 15-mal sicherer als die durchschnittliche Kindertagesstätte. (15)

Folgende Vorschläge können uns helfen, die geistige und psychische Gesundheit unserer Kinder zu verbessern:

1) Mehr Familie und weniger formelle Schule.

2) Mehr freies Entdecken, mit der Orientierungshilfe von liebevollen, aufmerksamen Eltern; und weniger Einschränkungen durch Schulzimmer und Bücher.

3) Mehr Sorge um die nötige Reife zum Lesenlernen und um die Denkfähigkeit; und weniger „Training“ zum blossen Wiederholen.

4) Mehr Hilfe für Eltern, die ihre Kinder selber erziehen; und weniger für die frühe Institutionalisierung von Kindern.

5) Mehr Priorität für die Erziehung von Kindern; und weniger für materielle Wünsche.

6) Mehr altmodische Hausarbeit – wo Kinder und Eltern zusammenarbeiten -, und weniger Wettkampfsport und Unterhaltung.

Einigen Erziehern und Eltern mögen solche Ideen prosaisch oder langweilig erscheinen – wie die alte Farm, die Al Hafed verliess. Aber jedermann mag Diamanten, und diese alte Farm kann ein aufregender Ort sein. Alles andere ist möglicherweise mehr Kindsmisshandlung als Bildung.

Quellenangaben

1. Moore RS: School Can Wait. Provo, Utah, Brigham Young University Press, 1979, pp 175-186
2. The Adult Performance Level Project (APL). Austin, Texas, University of Texas, 1983
3. Elkind D: The case for the academic preschool: Fact or fiction: Young Child 1970; 25:180-188.
4. Rohwer WD Jr.: Prime time for education: Early childhood or adolescence? Harvard Education Rev 1971;41:316-341
5. Fisher JT, Hawley LSH: A Few Buttons Missing. Philadelphia JB Lippincott, 1951, p 14.
6. Dewey J: The primary education fetish. Forum 1898; 25:314-328
7. Skeels HM: Adult Status of Children with Contrasting Early Life Experiences: A  follow-up study. Chicago, Univ. of Chicago Press, 1966.
8. Geber M: The psycho-motor development of African children in the first year, and the influence of maternal behavior. J Soc Psychol 1958;47: 185-195
9. Mermelstein E, Shulman LS: Lack of formal schooling and the acquisition of conversation. Child Dev 1967;38:39-52
10. Goodlad JI: A study of schooling: Some findings and hypotheses. Phi Delta Kappan 1983;64(7):465
11. McCurdy HG: The childhood pattern of genius. Horizon 1960;2:33-38
12. Bronfenbrenner U: Two Worlds of Childhood; US and USSR. New York, Simon and Schuster, 1970, pp97-101.
13. Bloom BS: All Our Children Learning. Wash. DC, McGraw-Hill, 1980
14. Hoffman BH: Do you know how to play with your child? Women’s Day 1972; 46:118-120.
15. Farran D: Now for the bad news… Parents Magazin1982 (Sept.)

Anm.d.Ü: Das englische Original dieses Artikels wurde gefunden auf http://www.moorefoundation.com. Zuerst veröffentlicht im „Journal of School Health“, Februar 1986.

Werbeanzeigen

Genies ohne Schule. Weltbekannte Persönlichkeiten, die nicht zur Schule gingen oder mit der Schule Probleme hatten. – Teil 3

13. September 2011

Teil 3: Verschiedene

(Zur vorhergehenden Folge)

Dies ist der letzte Teil einer Zusammenstellung biographischer Angaben zu berühmten Persönlichkeiten, die ihre Ausbildung nicht – oder nur zu einem geringen Teil – der Schule verdanken. Entweder weil sie durch homeschooling ausgebildet wurden und gar nicht zur Schule gingen, oder aber weil sie die Schule nur als hinderlich empfanden für ihre persönliche und geistige Entwicklung, und sich deshalb ihre wichtigsten Kenntnisse und Fertigkeiten ausserhalb der Schule aneigneten. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.


John Wesley, Erweckungsprediger

Wesleys Mutter Susanna bildete alle ihre neunzehn (!) Kinder zuhause aus. Sie tat das – im Gegensatz zu manchen anderen hier vorgestellten Familien – im Stil einer äusserst disziplinierten Schule. Sie stellte an ihre Kinder äusserst hohe Anforderungen, sowohl bezüglich Gehorsam als auch in den Schulleistungen. Und anscheinend waren ihre Kinder in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen. Zum Beispiel lernten sie alle im Alter von fünf Jahren innerhalb weniger Tage das Lesen. Der ganze Unterricht beruhte auf christlichen Prinzipien; als Lesebuch diente die Bibel.
John Wesley scheint unter der strengen Erziehung nicht gelitten zu haben; im Gegenteil. Als Erwachsener bat er einmal seine Mutter, ihre Erziehungsprinzipien und -methoden schriftlich niederzulegen, weil er sie so hoch schätzte. Auch er selber war dafür bekannt, dass er bis ins hohe Alter ein äusserst diszipliniertes Leben führte.
In einer späteren Predigt („Über die Religion in der Familie“) spricht er ausführlich über die Pflicht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen und zu lehren; und warnt seine Zuhörer ausdrücklich davor, ihre Kinder an eine öffentliche Schule zu schicken:
„Wozu schickst du deine Kinder zur Schule? – ‚Natürlich, damit sie auf das Leben in der Welt vorbereitet werden.‘ – Von was für einer Welt sprichst du denn, von dieser oder von der zukünftigen? Vielleicht denkst du nur an diese Welt, und vergisst, dass es eine zukünftige Welt gibt, und eine, die ewig dauern wird! Bitte denke ernsthaft daran, und schicke deine Kinder zu solchen Lehrern, die diese zukünftige Welt immer vor ihren Augen haben. Sonst – erlaubt mir, es klar zu sagen – ist es kaum besser, sie zur Schule zu schicken, als sie zum Teufel zu schicken. Und auf jeden Fall, wenn dir die Seele deiner Kinder irgendetwas bedeutet, schicke sie nicht an eine dieser grossen öffentlichen Schulen (denn diese sind Brutstätten von aller Art Bosheit), sondern an eine private Schule, wo ein frommer Mann unterrichtet, der sich bemüht, eine kleine Anzahl Kinder sowohl in der Lehre wie auch in der Religion zu unterrichten.“
Das Wirken John Wesleys löste eine Erweckung aus, die ganz England tiefgreifend und nachhaltig prägte. Grosse Mengen von Menschen kamen zum Glauben an Jesus und erneuerten ihr Leben grundlegend. Es ist schon gesagt worden, nur dank dieser Erweckung sei England eine Revolution wie die französische erspart geblieben.

Jonathan Edwards, Erweckungsprediger

Jonathan Edwards war, zusammen mit George Whitefield, Auslöser der „Ersten Grossen Erweckung“ in Nordamerika während der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts. Er gilt ausserdem als der „Erweckungstheologe“ schlechthin.
Edwards wurde in seiner Kindheit von seinem Vater ausgebildet, während seine älteren Schwestern selbständig ihre jeweiligen Studienrichtungen erforschten. Ihr Vater war ein Gelehrter und hatte deshalb keine Schwierigkeiten, seinen Kindern eine höhere Ausbildung zu vermitteln. Jonathan begann sich in dieser Umgebung für viele Dinge zu interessieren, insbesondere für die Erforschung der Natur, und erwarb so ein für sein Alter überdurchschnittliches Wissen. Ein Biograph sagt: „Unter diesen Umständen war seine Ausbildung sicherlich weniger systematisch und weniger Regeln unterworfen als normalerweise in einer Schule. Aber gleichzeitig war sie besser dazu geeignet, ihn zu angenehmeren Umgangsformen, zarteren Gefühlen und reineren Regungen zu formen.“ – Mit dreizehn Jahren trat er in das Yale College in New Haven ein.

Wolfgang Amadeus Mozart, Musiker und Komponist

Mozarts Vater war Berufsmusiker und Musiklehrer. Er unterrichtete seinen Sohn zuhause – nicht nur in Musik, sondern auch in Sprachen und in anderen akademischen Fächern. Mozart ging nie zur Schule. Im Alter von 14 Jahren wurde er zum Konzertmeister am Hof des Erzbischofs von Salzburg ernannt. Während seines kurzen Lebens schuf er über 600 musikalische Werke.

Mark Twain, Schriftsteller

Im Alter von zwölf Jahren begann Mark Twain eine Druckerlehre. Abends ging er jeweils in die öffentlichen Bibliotheken, um sich weiterzubilden. Er hatte keine formelle Schulbildung und sagte: „Ich habe es der Schule nie erlaubt, sich in meine Bildung einzumischen.“

Hans Christian Andersen, Schriftsteller

Andersen war kein guter Schüler. Später sagte er, seine Schulzeit seien die dunkelsten und bittersten Jahre seines Lebens gewesen. Er hatte Schwierigkeiten im Lesen, und seine Lehrer rieten ihm von seinen Schreibversuchen ab. Dennoch wurde er später zu einem berühmten Schriftsteller.

Agatha Christie, Krimi-Autorin

Agatha Christie ging nie zur Schule. Ihr Vater brachte ihr Mathematik bei, und verschiedene Privatlehrer lehrten sie andere Themen zuhause. Als Kind erfand sie ihre eigenen Spiele, um sich zu beschäftigen.
Agatha war ein sehr schüchternes Mädchen und konnte sich nicht gut mündlich mitteilen. Deshalb begann sie ihre Gefühle mit Hilfe der Musik auszudrücken, und später durch das Schreiben von Romanen. Während ihres Lebens schrieb sie achtzig Bücher und zwölf Theaterstücke.
Über die Schule sagte sie:
„Ich nehme an, es liegt daran, dass heute fast alle Kinder zur Schule gehen, wo alles für sie vorgeplant ist, dass sie anscheinend so völlig unfähig sind, eigene Ideen hervorzubringen.“

Christopher Paolini, Bestsellerautor

Christophers Eltern beschlossen, ihn zusammen mit seinem jüngeren Bruder zuhause auszubilden. Sie zogen an einen abgelegenen Ort auf dem Land, um ihren Kindern die Freiheit zu bieten, „Zeit zu haben, um die Wolken zu beobachten, und Raum zu haben zum Nachdenken“. Sie passten die Lerninhalte den Interessen der Kinder an, und gingen mit ihnen oft in die Bibliothek der nächstgelegenen Ortschaft. Christopher sagt, er hätte dreitausend Bücher gelesen.
Im Sekundarschulalter schloss sich Christopher einem Korrespondenz-Lernprogramm an, das er mit 15 Jahren abschloss. Er beschloss, seine weitere Ausbildung noch aufzuschieben. Stattdessen begann er zu seiner eigenen Unterhaltung einen Phantasieroman zu schreiben mit dem Titel „Eragon“. Im Lauf dieses Projektes lernte er u.a, Eisen zu schmieden, um selber zu erleben, wie Messer, Schwerter und Rüstungen hergestellt werden. Er studierte auch die Prinzipien des Romanschreibens. Als der Roman fertig war, arbeitete die ganze Familie bei der Korrektur und Veröffentlichung mit. Christopher zeichnete selber die Illustrationen und Landkarten. Im Jahr 2002, als Christopher 18 Jahre alt wurde, war das Manuskript bereit zum Druck. Als Familie verkauften sie zehntausend Exemplare. Dann wurde der Roman von einem professionellen Verlag nachgedruckt, und „Eragon“ wurde zu einem Bestseller in den Vereinigten Staaten.

Soichiro Honda, Motorradfabrikant

Der Begründer des Honda-Unternehmens lernte in der Werkstatt seines Vaters, Fahrräder zu reparieren. Im Alter von fünfzehn Jahren begab er sich ohne formelle Schulbildung nach Tokyo, um Arbeit zu suchen. Dort arbeitete er sechs Jahre als Automechaniker. Dann gründete er sein eigenes Unternehmen, das sich weiterentwickelte, bis die Honda-Motorräder zur meistverkauften Marke der Welt wurden.

Erik Demaine, Computerspezialist

Erik Demaine ist ein Forscher und Universitätsdozent in Computerwissenschaften. Er sagt über seine Ausbildung:
„Ich lernte schon in einem frühen Alter lesen, aber es interessierte mich nicht besonders. Ich las keine Schulbücher, bevor ich zur Universität ging. Mein Vater bildete mich zuhause aus, bis ich in die Universität eintrat. Er war gegen die Schule und wollte selber an meiner Ausbildung beteiligt sein. Er reiste viel, und so bereisten wir zusammen die Vereinigten Staaten und Kanada. Ich sah viele verschiedene Kulturen und lernte viele verschiedene Menschen verschiedensten Alters und aus verschiedensten Hintergründen kennen.“

Sein Vater ist ein Bildhauer und Glaser ohne höhere Schulbildung.

Erik interessierte sich sehr für Computerspiele, und später fürs Programmieren. Im Alter von sieben Jahren schrieb er sein erstes Computerprogramm, ein Text-Abenteuerspiel. Als seine Ambitionen seine Kenntnisse überstiegen, meldete ihn sein Vater zu einigen Mathematik- und Informatikkursen an der örtlichen Universität an, und der Vater nahm zusammen mit dem Sohn an den Vorlesungen teil. Obwohl Erik erst zwölf Jahre alt war, erzielte er Bestnoten. Er erinnert sich: „Meine Klassenkameraden behandelten mich wie einen der ihren.“
Mit 14 Jahren erhielt er den Titel eines Bachelor und studierte weiter zum Master- und Doktortitel. Dann begann er als Informatikdozent zu arbeiten am MIT (Massachusetts Institute of Technology). Mit erst zwanzig Jahren war er der jüngste Dozent, der je dort gearbeitet hatte.

Dr.Demaine ist vor allem bekannt für seine Arbeiten über geometrische Algorithmen, welche Kunst, Wissenschaft und Spiel miteinander verbinden. Er begründete den Zweig des computerisierten Origami, mit vielseitigen Anwendungen von der industriellen Fertigung (Herstellung von Metallfolien) bis hin zur Biologie (Erforschung der Faltformen von Proteinen).


Nachgedanken

Allein schon die Tatsache, dass eine so grosse Anzahl berühmter Persönlichkeiten entweder mit der Schule nichts anfangen konnten, oder überhaupt zuhause ausgebildet wurden, sollte unsere Aufmerksamkeit erregen. Die Liste könnte übrigens noch mit vielen weiteren Namen erweitert werden. Da „Homeschooler“ im allgemeinen eine kleine Minderheit sind (möglicherweise mit Ausnahme von Nordamerika im 18. und beginnenden 19.Jh.), ist es wirklich auffällig, dass so viele anerkannte Genies aus dieser kleinen Minderheit hervorgegangen sind.

Beim Zusammenstellen dieser Biographien fiel mir auf – besonders bei den Amerikanern des 18. und 19. Jahrhunderts -, dass sie den Umgang mit Büchern suchten und pflegten. Auffallend viele von ihnen ergriffen zuerst Berufe, die mit Drucksachen zu tun haben: Drucker, Zeitungsverkäufer, Buchbinder, Bibliothekar. Bereits in einem frühen Alter wussten sie sich selber die Informationen zu beschaffen, die sie benötigten oder die sie interessierten. In anderen Worten: Sie hatten (aktives) Lernen gelernt, und waren deshalb in der Lage, sich selber weiterzubilden. Ganz im Gegensatz zum durchschnittlichen Schulkind, das nicht gelernt hat zu lernen, sondern nur passiv Wissensbrocken aufzunehmen und an Prüfungen wieder auszuspeien. (Durchschnittliche Schulkinder lesen zudem sehr ungern, wie ich tagtäglich beobachte.)
Deshalb zieht auch das Argument nicht, das manchmal in Diskussionen gegen homeschooling vorgebracht wird: Ein Elternpaar allein hätte doch nicht das nötige Wissen, um ihre Kinder auf einen höheren Wissensstand zu bringen, wie er (z.B.) beim Abitur verlangt wird. Es ist gar nicht nötig, als Eltern selber alles zu wissen! Es ist lediglich nötig, den Kindern beizubringen, wie sie selber relevante Informationen finden und sich Wissen aneignen können. Sobald diese Fähigkeit zur Reife kommt (d.h. etwa in der Pubertät), können die Kinder und Jugendlichen durch eigenes Studium viel schneller viel weiter kommen als Schulkinder, die stur und passiv einen vorgegebenen Lehrplan wiederkäuen müssen. Zu diesem eigenen Lernen gehört selbstverständlich die Möglichkeit, den eigenen Interessen und Bedürfnissen gemäss lernen zu dürfen. Und es schliesst auch nicht aus, dass für bestimmte Spezialgebiete entsprechend bewanderte Lehrer gesucht und/oder entsprechende Kurse besucht werden. Das manchmal in den Medien verbreitete Zerrbild von Homeschool-Kindern, die die ganze Zeit isoliert zuhause sitzen, trifft keineswegs zu. Homeschool-Kinder und -Eltern suchen sehr wohl nach Informationsquellen und Aktivitäten ausserhalb des eigenen Heims (wo ihnen das nicht – wie z.B. in manchen Fällen in Deutschland – durch politische Verfolgung verunmöglicht wird); aber sie behalten die Eigeninitiative und Eigenverantwortung über ihr Lernen. Diese Fähigkeit des Selber-Lernens und Selber-Entscheidens ist es, was die oben beschriebenen Personen gross gemacht hat – und genau diese Fähigkeit wird leider an den Schulen kleingeschrieben und verachtet.

Weiter fiel mir auf, dass manche der erwähnten Persönlichkeiten auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet wurden, nicht durch das, was sie in der Schule lernten, sondern durch das, was sie zuhause spielten! Maria Montessori sagte: „Das Spiel (nicht der Schulbesuch!) ist die Arbeit des Kindes.“ Sehen wir vor unserem geistigen Auge den kleinen Edison, der Maschinen nachbaut und chemische Experimente macht. Betrachten wir Wilbur und Orville Wright, die mechanische Spielzeuge erfinden. Denken wir an George Washington, der als Hobby Felder ausmisst und Landkarten zeichnet, und bald darauf ebendiese Arbeit als ernsthaften Beruf angeboten bekommt. Stellen wir uns Churchill vor, wie er mit seinen Spielsoldaten Kriegstaktiken übt, statt zur Schule zu gehen – und viele Jahre später mit richtigen Soldaten den Zweiten Weltkrieg gewinnt. Sehen wir uns den kleinen Erik Demaine an, der Computerspiele programmiert, vielleicht ohne zu ahnen, dass er später ein berühmter Computerspezialist wird. Hier – und in einigen anderen Fällen – sehen wir sogar einen nahtlosen Übergang vom Kinderspiel zum Erwachsenenberuf.
Natürlich handelt es sich bei den angeführten Beispielen nicht um geisttötende, immer-gleiche Routinespiele, sondern um ein Spielen, bei dem eigenes Denken und Schaffen gefragt ist. Wir können also sagen: Das kreative Spielen ist eine vollgültige, vielleicht sogar die ideale, Vorbereitung auf produktive Arbeit.


Quellenangabe:
Die obigen biographischen Angaben sind zusammengestellt aus Artikeln bei Wikipedia und Kurzbiographien bei http://www.knowledgehouse.info.
Zudem:
(John Wesley) John Telford, „The Life of John Wesley“; John Wesley, Predigten.
(Jonathan Edwards) Timothy Dwight, „Memoirs of Jonathan Edwards“.

Genies ohne Schule. Weltbekannte Persönlichkeiten, die nicht zur Schule gingen oder mit der Schule Probleme hatten. – Teil 2: Staatsmänner

30. August 2011

Dies ist die Fortsetzung einer Zusammenstellung biographischer Angaben zu berühmten Persönlichkeiten, die ihre Ausbildung nicht – oder nur zu einem geringen Teil – der Schule verdanken. Entweder weil sie gar nicht zur Schule gingen, oder aber weil sie die Schule nur als hinderlich empfanden für ihre persönliche und geistige Entwicklung, und sich deshalb ihre wichtigsten Kenntnisse und Fertigkeiten ausserhalb der Schule aneigneten. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.
Nachdem ich im ersten Teil neun Wissenschafter und Erfinder vorstellte, betrachten wir jetzt neun Staatsmänner.


George Washington, Begründer und erster Präsident der Vereinigten Staaten

Washington wurde zuhause ausgebildet, mehrheitlich von seinem älteren Halbbruder. Seine Rechtschreibung war nicht besonders gut, aber er hatte gern Mathematik und war gut darin. Besonders interessierte ihn die Topographie. Im Alter von 14 Jahren übte er, die Felder in der Umgebung seines Wohnortes zu vermessen. Er zeichnete so genaue Landkarten, dass er im Alter von 16 Jahren angefragt wurde, in einer Vermessungsgruppe mitzuarbeiten. Mit 21 Jahren trat er in die Armee ein, und später in die Politik. Er war Mitverfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und wurde 1789 zum ersten Präsidenten gewählt.

John Quincy Adams, Präsident der Vereinigten Staaten

Adams wurde 1824 zum Präsidenten gewählt. Er wurde von seinem Vater ausgebildet und ging nie zur Schule. Sein Vater war Offizier und Diplomat. Als John Quincy elfjährig war, nahm ihn sein Vater auf eine diplomatische Mission nach Frankreich mit. Auf der Reise durchlebten sie viele Abenteuer und Gefahren, von kriegerischen Angriffen bis zum Schiffbruch. Als Sekretär seines Vaters lernte John Quincy acht Sprachen.
Im Alter von 14 Jahren, während der amerikanischen Revolution, wurde Adams zum Assistenten des ersten amerikanischen Diplomaten in Russland gewählt. Ohne die Schule besucht zu haben, begann er mit 19 Jahren an der Universität Harvard zu studieren.

Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten

Abraham Lincoln wuchs in einer armen Familie auf und musste schon als Kind zum Unterhalt der Familie beitragen, indem er das Land bearbeitete, Holz schlug, Schreinerarbeiten verrichtete, und anderes mehr. Seine Stiefmutter ermutigte ihn, zu lesen und zu lernen. Das tat Abraham, indem er zuhause aus eigener Initiative lernte. Während seines ganzen Lebens ging er nicht länger als insgesamt ein Jahr zur Schule. Er bildete sich selber, indem er ausgeliehene Bücher und Zeitschriften las. Er löste seine ersten Rechnungsaufgaben beim Licht des Herdfeuers, indem er mit Kohle auf Holzstücke Zahlen schrieb. Später konnte er sich ein wenig Papier kaufen, aus dem er sich ein Heft bastelte. Zum Schreiben benützte er eine Feder und selbstgemachte Tinte aus wilden Brombeeren. Wenn er aufs Feld ging, nahm er immer ein Buch mit, um während der Arbeitspausen darin zu lesen.

Als junger Erwachsener hatte Lincoln verschiedenste Arbeitsstellen: als Steuermann eines Flussbootes; als Landvermesser; als Angestellter eines Ladens, und auf der Post. In seiner Freizeit lernte er Jura im Selbststudium, indem er die Gesetzbücher studierte. So wurde er mit der Zeit zu einem bekannten Anwalt.

1847 wurde er in den Kongress gewählt, und 1860 zum Präsidenten. Als Präsident schaffte er die Sklaverei ab, und hatte die schwierige Aufgabe, den amerikanischen Bürgerkrieg zu führen und zu beenden. Er gilt als einer der berühmtesten Präsidenten der USA.

Theodore Roosevelt, Präsident der Vereinigten Staaten

Roosevelt wurde 1901 zum Vizepräsidenten gewählt und 1904 zum Präsidenten. Als Kind war er kränklich und litt an Asthma, und wurde zuhause von seinen Eltern ausgebildet. Seine Eltern boten ihm eine reiche Auswahl an Büchern, aber sie zwangen ihn nie dazu, etwas Bestimmtes zu lesen. Roosevelt trieb viel Sport, um seine Gesundheit zu verbessern, und lernte Reiten, Jagen und Klettern. Er ist bekannt u.a. für seine Initiative zum Bau des Panamakanals.

Woodrow Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten

Wilson war Präsident während des Ersten Weltkriegs. Er war mehr als zehn Jahre alt, als er lesen lernte. Zum Ausgleich brachte er sich als Teenager selber Stenographie bei. Seine Ausbildung fand grösstenteils zuhause statt, unter Anleitung seines Vaters. Er ging ein Jahr lang zur Schule; danach nahm er das Studium an der Universität Princeton auf, wo er mit 23 Jahren abschloss. Später wurde er Präsident dieser Universität.

Salomo, König von Israel

Von Salomo wurde gesagt, er sei die weiseste Person der Welt. Seine „Schule“ war die Ausbildung, die er von seinem Vater erhielt, dem König David. So berichtet Salomo in seinem Buch der Sprüche:
„Als ich noch als Sohn beim Vater war, als zartes, einziges Kind in der Hut der Mutter, da unterwies er mich und sagte zu mir: Dein Herz halte meine Worte fest; bewahre meine Gebote, so wirst du leben. Erwirb Weisheit, erwirb Einsicht! Vergiss es nicht und weiche nicht ab vom Wort meines Mundes.“ (Sprüche 4,3-5)
Als König von Israel war Salomo gesetzlich verpflichtet, das Gesetz Gottes (die fünf Bücher Mose) abzuschreiben und täglich darin zu lesen (5.Mose 17,18-20). In der Folge sagte Salomo auch, der Anfang der Weisheit sei die Furcht Gottes (Sprüche 9,10).

Daniel, Prophet und Staatsmann

Daniel war ein Israelit; aber als Teenager wurde er von den Babyloniern gefangengenommen und zur Ausbildung an einer babylonischen Schule gezwungen. Dort wurden die Schüler in babylonische Gebräuche eingeführt, die mit dem Gesetz Gottes in Konflikt standen. Daniel weigerte sich, daran teilzunehmen, obwohl er damit seine Gesundheit und sein Leben aufs Spiel setzte. Am Schluss der Ausbildung wurde Daniel als „zehnmal weiser“ befunden als alle Gelehrten am Hof des Königs. Deshalb erhielt er einen hohen Regierungsposten.

Winston Churchill, englischer Premierminister

Es wird gesagt, es sei weitgehend Churchills Leiterschaft zu verdanken, dass Hitlers Armeen während des Zweiten Weltkriegs nie in England einmarschieren konnten.
Churchill konnte nie einen Sinn sehen im Schulunterricht. Stattdessen zog er es vor, seine Spielzeugsoldaten in Schlachtreihen aufzustellen. Genau das war die Vorbereitung für seine spätere Laufbahn: Er trat in eine Militärakademie ein und erbrachte hervorragende Leistungen in Kriegstaktik und Festungsbau. Dann wurde er Armeeoffizier, und wurde bekannt als Kriegskorrespondent.
Später sagte er: „Meine Ausbildung begann … als ich nicht mehr zur Schule ging.“
Er schrieb auch: „Die Schulen haben nicht notwendigerweise etwas mit Bildung zu tun… Sie sind vor allem Kontrollinstitutionen, die den Jugendlichen bestimmte Grundgewohnheiten einprägen. Bildung ist etwas ganz anderes und findet kaum in den Schulen statt.“

Konrad Adenauer, deutscher Bundeskanzler

Nach Informationen in diversen Internetartikeln wurde auch der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer nicht in der Schule ausgebildet, sondern durch homeschooling. Leider konnte ich keine Einzelheiten darüber in Erfahrung bringen. Ich erwähne Adenauer hier dennoch, damit wenigstens ein Deutscher diese Liste ziert (wenn wir vom in der ersten Folge vorgestellten Albert Einstein absehen, der deutsch-jüdischer Abstammung war, aber noch vor seiner Volljährigkeit auf die deutsche Staatsbürgerschaft verzichtete).

(Fortsetzung folgt)


 Quellenangabe:
Die obigen biographischen Angaben sind zusammengestellt aus Artikeln bei Wikipedia und Kurzbiographien bei http://www.knowledgehouse.info.
Zudem:
(Salomon, Daniel) Die Bibel.

Genies ohne Schule. Weltbekannte Persönlichkeiten, die nicht zur Schule gingen oder mit der Schule Probleme hatten. – Teil 1

23. August 2011

Teil 1: Wissenschafter und Erfinder

In einigen früheren Artikeln (z.B. Fraser-Report; „Vom Lesenlernen“) habe ich bereits verschiedene Daten angeführt, die belegen, dass der Besuch einer Schule keineswegs notwendig ist zum Lernen. („Besuch“ ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck – Besuche werden normalerweise freiwillig gemacht!) Im Gegenteil: Schule kann sogar hinderlich sein für echtes Lernen. Hier als weitere Ergänzung dazu einige biographische Angaben zu berühmten Persönlichkeiten, die ihre Ausbildung nicht – oder nur zu einem geringen Teil – der Schule verdanken. Entweder weil sie gar nicht zur Schule gingen, oder aber weil sie die Schule nur als hinderlich empfanden für ihre persönliche und geistige Entwicklung, und sich deshalb ihre wichtigsten Kenntnisse und Fertigkeiten ausserhalb der Schule aneigneten. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.


Thomas Alva Edison, Erfinder

Edison war fast vier Jahre alt, als er anfing zu sprechen. Aber schon bevor er sprechen konnte, zeigte er ein reges Interesse für mechanische Gegenstände.
Im Alter von sieben Jahren ging er drei Monate lang zur Schule. Aber die Schule langweilte ihn; und ausserdem hatte er ein Hörproblem, sodass die Lehrerin ihn als dumm betrachtete. Es gefiel der Lehrerin auch nicht, dass Thomas so viele neugierige Fragen stellte, und sie hatte keine Geduld mit ihm. Einmal bemerkte sie seiner Mutter gegenüber, sein Gehirn müsse gestört sein.
Seine Mutter nahm ihn aus der Schule und erzog ihn zuhause (was heute als „homeschooling“ bezeichnet wird). Thomas las sehr gerne und viel, vor allem über Geschichte. Er stellte auch gerne alle möglichen Untersuchungen und wissenschaftlichen Experimente an. Als Kind baute er funktionierende Modelle eines Sägewerks und einer Dampflokomotive. Im Alter von neun Jahren richtete er im Keller seines Hauses ein Chemielabor ein.
Thomas wollte Geld verdienen, um die nötigen Materialien für seine Experimente kaufen zu können. So zog er Gemüse im Garten und verkaufte es. Im Alter von zwölf Jahren begann er in Eisenbahnzügen Zeitungen zu verkaufen; und ausserdem druckte er seine eigene Zeitung auf einer kleinen Druckerpresse, die er jeweils im Gepäckwagen des Zuges mitführte. Später erlernte er den Beruf eines Telegraphen.

Edison war einer der produktivsten Erfinder aller Zeiten. Er machte über tausend Erfindungen. Zu den bekanntesten gehören die Glühbirne, der Stromgenerator, die elektrische Batterie, und der Phonograph (das erste Tonaufnahme- und Wiedergabegerät).

Blaise Pascal, Wissenschafter und Philosoph

Er wurde zusammen mit seinen zwei Brüdern zuhause von seinem Vater ausgebildet. Mit elf Jahren schrieb er eine kleine Abhandlung über die Klänge von vibrierenden Körpern. Sein Vater verbot ihm daraufhin, sich weiter mit Mathematik zu beschäftigen, weil er fürchtete, seine Latein- und Griechischstudien würden darunter leiden. Dennoch überraschte er seinen Sohn eines Tages dabei, wie er mit einem Stück Kohle auf die Wand einen eigenen Beweis dafür zeichnete, dass die Winkelsumme im Dreieck zwei rechte Winkel beträgt. Von da an wurde dem inzwischen Zwölfjährigen erlaubt, Euklid zu lesen, und er durfte als Zuhörer an den Vorträgen einiger der besten Mathematiker und Wissenschafter Europas teilnehmen.
Pascal wurde bekannt als Mathematiker, Physiker und Philosoph. Er erfand die erste mechanische Rechenmaschine (um seinem Vater bei seiner Arbeit als Buchhalter zu helfen); entdeckte die grundlegenden Gesetze über den Druck von Gasen; begründete die Wahrscheinlichkeitsrechnung; und schrieb eine philosophische Verteidigung des Christentums.

Leonhard Euler, Mathematiker

Der berühmte Mathematiker war Sohn eines evangelischen Predigers und wurde von diesem zuhause unterrichtet. Ein Biograph schreibt:
„Leonhard (…) verdankte seine geistige Ausbildung dem sorgfältigen Unterrichte, den ihm der Vater persönlich erteilte. Da letzterer, ein Kenner der Mathematik, Schüler des berühmten Mathematikers Johann Bernoulli war, so befand sich diese Wissenschaft unter den von ihm bevorzugten Lehrgegenständen. (…) Nachdem Leonhard die nötigen allgemeinen Vorkenntnisse erworben, wurde er vom Vater nach der Universität Basel geschickt, um dort Theologie zu studieren. Er beschäftigte sich zwar in Basel nicht bloss mit dem Studium seines Berufsfachs, sondern auch sehr eifrig und erfolgreich mit dem der Mathematik, unter Leitung des ehrwürdigen Johann Bernoulli.“
Wie wir sehen werden, war Euler nicht der einzige, der ohne Schulbesuch zu einem Universitätsstudium zugelassen wurde und es erfolgreich abschloss.
Er bildete auch seine eigenen dreizehn Kinder zuhause aus.
Leonhard Euler war einer der produktivsten und innovativsten Mathematiker aller Zeiten, und ein überzeugter Christ. Seine Werke umfassen 74 Bände und behandeln so unterschiedlichen Themen wie Mechanik, Schiffsbau, Optik, Musik, Integralrechnung, Astronomie, Theologie, und andere mehr. Unter anderem begründete Euler den Gebrauch der Zahl e als Basis der natürlichen Logarithmen, und entdeckte die berühmte Formel eip + 1 = 0, welche eine unerwartete Beziehung zwischen den wichtigsten mathematischen Konstanten herstellt.

Sophie Germain, Mathematikerin

Sophie Germain war die erste Frau, die für bedeutende originale Forschungen in der Mathematik bekannt wurde. Von der Französischen Akademie wurde sie für ihre Arbeit in mathematischer Physik ausgezeichnet, und sie leistete einen bedeutenden Beitrag in Richtung auf einen Beweis der Fermatschen Vermutung.
Ihre Kindheit war von der Französischen Revolution überschattet, und ihre Eltern behielten sie weitgehend zuhause. Sophie Germain ging nie zur Schule; sie eignete sich alle ihre Kenntnisse im Selbststudium zuhause an. Im Alter von dreizehn Jahren las sie die Geschichte vom Tod des Archimedes und wurde dadurch für das Studium der Mathematik begeistert. Ihre Familie wollte sie zuerst daran hindern, dieser Leidenschaft nachzugehen, die zu jener Zeit für ihr Alter und ihr Geschlecht als sozial unannehmbar galt. Aber sie stand jeweils nachts in der Kälte auf, um zu studieren, sogar nachdem ihre Eltern alle Kerzen und Kleider versteckt hatten. Nachdem sie ihre Beharrlichkeit sahen, liessen sie sie gewähren. Im Alter von siebzehn Jahren begann sie die Differentialrechnung zu lernen.
Mit achtzehn Jahren verschaffte sie sich die Lehrunterlagen einiger Professoren der neugegründeten Polytechnischen Schule (wo sie als Frau keinen Zugang hatte). Die Professoren hatten jedoch die Gewohnheit, am Ende ihrer Vorlesungen die Studenten aufzufordern, schriftliche Beobachtungen und Bemerkungen zur Vorlesung einzureichen. Sophie Germain schrieb unter dem Namen eines anderen Studenten ihre Beobachtungen an Professor Joseph-Louis Lagrange über seine Vorlesungen zur Analysis. Lagrange war von ihrer Arbeit so beeindruckt, dass er sich bemühte, die wirkliche Autorin ausfindig zu machen, und sie aufsuchte, um ihr sein Lob und seine Bewunderung auszudrücken. Später nahm sie Korrespondenz auf mit Adrien-Marie Legendre, Carl Friedrich Gauss und anderen Mathematikern.

Benjamin Franklin, Erfinder, Unternehmer, Schriftsteller und Staatsmann

Franklin ging nur zwei Jahre zur Schule (im Alter von acht bis zehn Jahren). Dann begann er in der Werkstatt seines Vaters mitzuarbeiten, der Seifen und Kerzen herstellte. Aber er brachte sich selber Grammatik und Arithmetik bei, und las alle Bücher, die er finden konnte. Mit zwölf Jahren begann er eine Lehre in der Druckerei seines älteren Bruders. Er las viele wissenschaftliche Bücher, und schrieb Artikel für die Zeitung, bei deren Druck er mitarbeitete. Mit 23 Jahren gründete er seine eigene Druckerei.
Franklin war ein sehr vielseitiger Mann: Er war Unternehmer, erfand den Blitzableiter, schrieb unzählige Artikel für Zeitschriften, organisierte das erste Feuerwehrkorps und die Post in der Stadt Philadelphia, sowie die Pflasterung und Beleuchtung der Strassen. Ausserdem trug er als Politiker zur Gründung und Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten bei.

Michael Faraday, Wissenschafter

Faraday war ein englischer Forscher des 19.Jahrhunderts. Er hatte fast keine Schulbildung, und musste auf eigene Faust studieren. Mit 14 Jahren begann er eine Lehre bei einem Buchbinder und Bibliothekar. Während dieser siebenjährigen Lehre las er viele Bücher, vor allem wissenschaftliche.
Nach dieser Lehre begann Faraday die Vorlesungen des bekannten Chemikers Humphry Davy zu besuchen, und als dessen Assistent zu arbeiten. Später führte er die Forschungen und Experimente selbständig weiter. Er gilt als einer der besten experimentellen Wissenschafter aller Zeiten.
Faraday entdeckte u.a. die elektromagnetische Induktion, und die Gesetze der Elektrolyse. Er erfand einen Vorläufer des Bunsenbrenners, und die Notation der Oxidationszahlen.
Faraday hatte auch einen festen christlichen Glauben. Als er nach seinen Spekulationen über das Leben nach dem Tode gefragt wurde, antwortete er: „Spekulationen? Ich habe keine. Ich ruhe auf Gewissheiten.“

Pierre Curie, Physiker

Der Mitentdecker der Radioaktivität und der Nuklearenergie wurde von seinem Vater ausgebildet, und erreichte mit 18 Jahren die Entsprechung eines Universitätstitels.

Wilbur und Orville Wright, Flugpioniere

Die Brüder Wright waren die Erbauer des ersten Flugzeugs, mit dem Menschen fliegen konnten. Ihre Eltern erlaubten ihnen oft, der Schule fernzubleiben, um zuhause an ihren eigenen Projekten zu arbeiten. Sie besassen viele Bücher und legten Wert auf Kreativität und konstruktives Spiel. Die beiden Kinder hatten die Freiheit, alles zu erforschen und mit allem zu experimentieren, was sie interessierte. Orville ging mit der Zeit gar nicht mehr zur Schule, weil sie in ihm keinerlei Interesse wecken konnte. Wilbur war ein guter Schüler, aber er schloss die Sekundarschule nicht ab und entschied, nicht weiterzustudieren, weil das nur „eine Zeit- und Geldverschwendung“ wäre. Dennoch verfügten die beiden Brüder dank ihrer Forschungen zuhause über Kenntnisse, die einem Universitätstitel entsprachen.
Sie verbrachten viel Zeit damit, mechanische Spielzeuge zu erfinden. So sammelten sie Erfahrung im Lösen technischer Probleme. Ihr Vater brachte ihnen von seinen weiten Reisen regelmässig Souvenirs mit. Einmal brachte er eine Art Spielzeughelikopter nach Hause, der mit Gummibändern angetrieben wurde. Dieses Spielzeug weckte in den beiden Jugendlichen das Interesse an der Möglichkeit, ein Flugzeug zu bauen, mit dem sie selber fliegen könnten. Also lasen sie sämtliche Bücher, die sie über das Thema finden konnten, studierten auf eigene Faust Aerodynamik, entwickelten ihre eigenen Theorien, und machten viele Experimente. Ihr erster erfolgreicher Flug fand im Jahre 1903 statt, mit einem Doppeldecker, der vollständig von ihnen selber entworfen und gebaut worden war.

Albert Einstein, Physiker

Als Kind hatte Einstein Lernprobleme, und seine Eltern waren besorgt um seine intellektuelle Entwicklung. Er begann erst mit vier Jahren zu sprechen, und noch im Alter von neun Jahren hatte er Sprachprobleme. In der Schule war er unglücklich. Seine Lehrer sagten, er sei langsam im Verstehen, ein Eigenbrötler und Träumer. Er selber schrieb später: „Der Entdeckergeist und das kreative Denken gehen verloren im routinemässigen Lehrbetrieb (der Schule).“
Andererseits war Albert in der Lage, komplizierte mathematische Konzepte zu verstehen, die er selber erlernte. Vom Alter von zehn Jahren an geschah sein wirkliches Lernen zuhause, wo er sich selber unterrichtete (obwohl er weiterhin zur Schule ging). Sein Onkel Jakob lieh ihm ein Algebrabuch, und schickte ihm mathematische Probleme zum Lösen. Im Alter von zwölf Jahren studierte er für sich selber die euklidische Geometrie, und mit fünfzehn Jahren beherrschte er die Differential- und Integralrechnung. Später sagte er, möglicherweise sei es gerade seine Langsamkeit im Denken, die ihn befähigte, tiefer und gründlicher als andere Menschen in die Geheimnisse des Universums einzudringen.
Ohne einen Schulabschluss bewarb er sich am Polytechnischen Institut in Zürich. An der Aufnahmeprüfung fiel er durch, obwohl er in Mathematik und Physik aussergewöhnlich gute Noten hatte (aber seine Französischkenntnisse waren ungenügend). Er ging zurück zur Schule und schloss sie im Alter von 17 Jahren ab. Danach wurde er am erwähnten Institut als Mathematikstudent aufgenommen. Aber die Lehrmethoden jener Schule sagten ihm auch nicht zu. Er fehlte deshalb regelmässig an Vorlesungen und verbrachte stattdessen viel Zeit damit, auf eigene Faust Physik zu studieren. Später schrieb er über sein Universitätsstudium:
„In der Physik jedoch lernte ich bald herauszuspüren, was zu den Grundlagen führte, und mich von allem anderen abzuwenden, von den vielen Dingen, die das Denken überhäufen und vom Wesentlichen ablenken. Der Haken daran war natürlich, dass man alle diese (unwesentlichen) Dinge für die Prüfungen in sein Gedächtnis stopfen musste, ob es einem gefiel oder nicht. Dieser Zwang hatte einen derart abschreckenden Effekt (auf mich), dass ich nach meiner letzten Prüfung ein ganzes Jahr lang auch nur den Gedanken an irgendein wissenschaftliches Problem als widerwärtig empfand. (…) Es ist ein sehr grosser Fehler zu denken, dass die Freude am Sehen und Untersuchen mit Zwang und Pflichtgefühl gefördert werden könnte. Im Gegenteil, ich glaube, dass sogar ein gesundes Raubtier seine Gefrässigkeit verlöre, wenn es mit einer Peitsche dazu gezwungen würde, ständig alles zu fressen, was ihm vorgesetzt würde, selbst wenn es nicht hungrig wäre. (Zurückübersetzt aus dem Englischen.)
Heute gilt Einstein als einer der berühmtesten Wissenschafter des 20.Jahrhunderts.

(Fortsetzung folgt)

 

Quellenangabe:
Die obigen biographischen Angaben sind zusammengestellt aus Artikeln bei Wikipedia und Kurzbiographien bei http://www.knowledgehouse.info.
Zudem:
(Leonhard Euler) Biographische Einleitung in „Vollständige Anleitung zur Algebra“ von Leonhard Euler;
James Nickel, „Foundations of Mathematics“.
(Sophie Germain) Reinhard Laubenbacher und David Pengelley, „Voici ce que j’ai trouvé: Sophie Germain’s grand plan to prove Fermat’s last theorem“, 2010.

Ausbildung der Kinder zuhause („Homeschooling“) nach Raymond Moore

23. Juli 2009

Die Vorschläge von Raymond und Dorothy Moore sind jene, die uns am meisten überzeugt haben. Sie können sich auf eine immense Zahl von Forschungen abstützen, und dazu auf ihre eigene langjährige Erfahrung als Lehrer, Schulpsychologen und -direktoren, und Eltern. Dadurch kamen sie zum Schluss:

Erziehung der Kinder zuhause („Homeschooling“) ist:
– das Beste für eine gesunde Entwicklung der Kinder,
– möglich und gar nicht so schwierig für die Eltern, unabhängig von deren schulischem Niveau,
– kein „Schulunterricht zuhause“, sondern etwas viel Natürlicheres und Kindgemässeres.

Ich gebe zu, unsere eigene Anwendung der nachfolgenden Prinzipien ist nicht ideal. Aufgrund unserer Lebensumstände haben wir auch keine „Mentoren“ o.ä. in unserer Nähe, die uns in dieser Hinsicht helfen könnten. Aber unsere Kinder lernen trotz unserer Unzulänglichkeiten. Und vielleicht können gerade unsere „halbfertigen“ und pionierhaften Erfahrungen andere Eltern ermutigen, die ihren Kindern eine gesunde Entwicklung und Lernerfahrung abseits vom schulischen Druck bieten möchten. Deshalb gedenke ich weiterhin ab und zu in der Rubrik „Aus der Schule geplaudert“ einige unserer Erfahrungen zu berichten.

Nachstehend also die „Moore-Formel“, wie sie von Raymond Moore auf seiner Homepage (http://www.moorefoundation.com/) beschrieben wird:

Die Moore-Formel

Wie man mit wenig Stress, wenig Aufwand und grossem Erfolg Kinder unterrichten kann.

(…)

DIE FORMEL:
1) Lernen,
von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden am Tag, je nach der Reife des Kindes.
2) Körperliche und Handarbeit, mindestens so viel wie Lernen.
3) Dienst zuhause oder am Wohnort, etwa eine Stunde täglich.
Konzentrieren Sie sich auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder; seien Sie ein Beispiel an Ausdauer, Neugier und Geduld. Leben Sie mit ihnen! Sorgen Sie sich weniger um Prüfungen. Wenn Sie Ihre Kinder lieben und lesen, schreiben, zählen und klar sprechen können, dann sind Sie mit der Moore-Formel ein meisterhafter Lehrer.

LERNEN: Moore bietet einige Lehrgänge zum selber Entdecken an. Benutzen Sie weniger Schul- und Arbeitsbücher. Im allgemeinen sind die Eltern die besten Lehrer für ihre Kinder. Eine Untersuchung des Smithsonian-Instituts über zwanzig Genies der Weltklasse hob drei Faktoren in ihrer Entwicklung hervor:

(more…)