Posts Tagged ‘guter Hirte’

Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 10 (4.Teil)

26. Januar 2017

Der Gute Hirte und die bösen Hirten im Alten Testament

Jesus sprach zu Juden, die das Alte Testament gut kannten. Als er begann, über den „Guten Hirten“ zu sprechen, mussten sie sich sofort an die alttestamentlichen Verheissungen eines „Guten Hirten“ erinnert haben, und besonders an das Kapitel 34 im Buch Ezechiel. Dieses Kapitel beginnt mit einer Zurechtweisung der bösen Hirten Israels:

„Wehe den Hirten Israels, die sich selber weiden! Sollen nicht die Hirten die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch und kleidet euch mit der Wolle; die Fetten schlachtet ihr, aber ihr weidet die Schafe nicht. Ihr habt die Schwachen nicht gestärkt und die Kranken nicht gepflegt; ihr habt das Gebrochene nicht verbunden, die Versprengten nicht zurückgebracht und die Verlorenen nicht gesucht; sondern ihr habt sie geknechtet mit Härte und Gewalt …“ (Ezechiel 34,2-4)

Danach muss der Prophet das Gericht Gottes über die bösen Hirten verkünden:

„So hat Gott der Herr gesagt: Siehe, ich bin gegen die Hirten; und ich werde meine Schafe aus ihrer Hand zurückfordern, und ich werde sie nicht länger die Schafe weiden lassen; und auch die Hirten werden nicht länger sich selber weiden; denn ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen reissen, und sie werden ihnen nicht länger zum Frass sein. Denn so hat Gott der Herr gesagt: Siehe, ich selber werde meine Schafe zurückfordern, und werde mich um sie kümmern.“ (Ezechiel 34,10-11)

Dann sagt Gott, dass er selber die Verantwortung eines Guten Hirten übernehmen wird:

„Auf guter Weide werde ich sie weiden, und auf den hohen Bergen Israels wird ihre Schafhürde sein: dort werden sie in einer guten Hürde ruhen, und auf fetten Weiden werden sie geweidet werden auf den Bergen Israels. (…) Ich werde die Verlorenen suchen und die Versprengten zurückbringen, und das Gebrochene verbinden und die Kranken pflegen (…)“ (Ezechiel 34,14-16)

Schliesslich verspricht Gott, dass er einen Guten Hirten über Israel setzen wird:

„Und ich werde über sie einen Hirten erwecken, und er wird sie weiden, meinen Diener David: er wird sie weiden, und er wird ihr Hirte sein. Ich, der Herr, werde ihr Gott sein, und mein Diener David Fürst mitten unter ihnen. Ich, der Herr, habe gesprochen.“ (Ezechiel 34,23-24)

Das ist eindeutig eine Prophetie auf Jesus hin, den „Sohn Davids“. Als Jesus sich selber als den Guten Hirten beschrieb, gab er zu verstehen, dass er gekommen war, um diese Prophetie Ezechiels zu erfüllen. Die Zeit war zu Ende gegangen, wo die religiösen Leiter nach Gutdünken regieren und das Volk knechten konnten. Jesus würde seine Schafe aus der Gewalt dieser Leiter befreien, und er selber würde sie weiden.

Vor diesem Hintergrund verstehen wir, dass nach dem Willen des Guten Hirten die christliche Gemeinde nie wieder unter die Gewalt anderer „Pastoren“ („Hirten“) oder Priester zurückkehren sollte. Wenn sie es trotzdem getan hat, so geschah das entgegen dem Willen des Guten Hirten. Aller Missbrauch, den Christen während all der Jahrhunderte erleiden mussten und noch erleiden müssen unter „Pastoren“, Priestern, und dem Papsttum, ist Konsequenz dieses Ungehorsams: Die Schafe Jesu hörten auf, Jesus den Herrn als ihren einzigen Guten Hirten anzuerkennen, und begaben sich wiederum unter die Herrschaft anderer Schafe (oder sogar von Wölfen in Schafskleidern). Aber das Wort Gottes bleibt weiterhin gültig: „Ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen reissen!“

Advertisements

Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 10 (3.Teil)

11. Januar 2017

Der Gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe.

Manchmal gehen wir sehr schnell über grundlegende Wahrheiten des christlichen Glaubens hinweg, weil sie uns so wohlbekannt sind: „Ja, natürlich, ich weiss, dass Jesus sein Leben gegeben hat für mich.“ Aber sehen wir uns einige der Konsequenzen an, die sich daraus ergeben.

Als Jesus sein Leben hingab, bezahlte er den Preis, um die Schafe als sein Eigentum zu erwerben. „Er gab sich selbst für uns, um uns von aller Gesetzlosigkeit loszukaufen, und um für sich selber ein besonderes Eigentumsvolk zu reinigen, ein Volk, das guten Werken nacheifert.“ (Titus 2,14). Ein echter Christ, der von Jesus losgekauft wurde, weiss, dass er ihm sein ganzes Leben schuldet. Somit wird er kein anderes Lebensziel haben, als dem Herrn zu gefallen. Er wird sein Leben nicht in einen „religiösen Bereich“ und einen „weltlichen Bereich“ aufteilen, sodass er im „religiösen Bereich“ für den Herrn leben würde und im „weltlichen Bereich“ nach seinem eigenen Gutdünken und nach den Massstäben dieser Welt. Nein, ein echter Christ weiss, dass auch sein Familienleben, seine Arbeit, sein Geld, seine Freizeit, seine Freundschaften … – dass all das Eigentum des Herrn ist, weil er es mit seinem eigenen Blut erkauft hat. Deshalb sucht ein Christ immer den Willen des Guten Hirten in allen Angelegenheiten seines Lebens.

Jesus macht einen Vergleich mit dem „Angestellten“ oder „Mietling“:
„Aber der Angestellte, der nicht der Hirte ist, und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf reisst die Schafe fort und zerstreut sie. Der Angestellte flieht also, weil er Angestellter ist und ihn die Schafe nicht kümmern.“ (Johannes 10,12-13)

Worin besteht der Unterschied zwischen dem Guten Hirten und dem Angestellten? – Einmal verrichtet der Angestellte seine Arbeit um Lohn, nicht aus Liebe zu den Schafen. Das ist tatsächlich ein Problem in einigen Kirchen: sie werden geleitet von Menschen „verdorbenen Sinnes, und die die Wahrheit nicht haben, die denken, die Gottesfurcht sei ein Mittel, um Geld zu gewinnen.“ (1.Timotheus 6,5)
– Aber auch wenn das nicht sein Beweggrund ist, und auch wenn der „Angestellte“ keinen Lohn erhielte, so bleibt doch ein grundlegender Unterschied: Die Schafe gehören ihm nicht. Kein Gemeindeleiter, „Pastor“, „Bischof“, „Apostel“, oder was auch immer seine Position oder sein Titel sei, keiner von ihnen hat sein Leben gegeben, um die Schafe loszukaufen. Deshalb kann keiner von ihnen ein Eigentumsrecht über die Schafe des Herrn beanspruchen. Somit können sie auch kein Recht beanspruchen, den Schafen zu befehlen, was sie tun sollen, über das hinaus, was der Herr selber geboten hat.

Aber wenn der Wolf die Schafe fortreisst, dann ist das nicht nur die Schuld des Angestellten. Die Schafe sind mitschuldig, weil sie sich von der falschen Person abhängig gemacht haben. Jesus sagte diese Worte in erster Linie als Warnung an die Schafe: Setzt euer Vertrauen nicht in einen Angestellten! Denkt nicht, dass er euch vor dem Wolf beschützen wird! Solange alles ruhig ist, kann der Angestellte den Anschein geben, er sei der Gute Hirte; er kann euch auf die Weide und wieder nach Hause führen; aber wenn es gefährlich wird, dann wird der Angestellte euch im Stich lassen. Setzt euer Vertrauen in den Guten Hirten, der euch zum Preis seines eigenen Lebens erkauft hat!

Und dennoch erwartet der Herr auch, dass ein Christ dazu bereit sei, für einen anderen Christen sein Leben zu geben: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gegeben hat; auch wir sollen unsere Leben geben für die Brüder.“ (1.Johannes 3,16). In extremen Not- oder Verfolgungssituationen mag das notwendig sein. Auch in weniger extremen Situationen mag es notwendig sein, dass ein Christ sein Geld, seine Zeit, seine Kraft einsetzt, um anderen zu helfen. Und besonders die „Leiter“ sind dazu berufen, zu dienen und dem Beispiel des Herrn zu folgen.
Aber solche Beispiele der Hingabe des eigenen Lebens (oder eines kleinen Teils des Lebens) für die Geschwister sind niemals vergleichbar mit dem, was Jesus für uns getan hat. Niemand von uns, auch wenn er sein eigenes Leben dafür gäbe, könnte jemanden für die Ewigkeit loskaufen. Wenn in einer Ausnahmesituation ein Christ in der Lage ist, sein Leben zu geben für einen anderen, dann kann er das nur tun, weil Jesus es zuerst tat. In solchen Situationen der äussersten Hingabe zeigt sich umso deutlicher, dass ein Christ Eigentum des Herrn ist mit allem, was er ist und hat, und dass wir „getrennt von ihm nichts tun können“ (siehe Johannes 15,5).