Posts Tagged ‘Heiligkeit’

Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 (3.Teil)

24. Februar 2017

Einheit in Heiligkeit

Die nächste Bitte Jesu ist um Heiligung seiner Jünger: „Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. … Und ich heilige mich selber für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt seien.“ (Johannes 17,17.19). „Heilig“ bedeutet „ausgesondert für Gott“, und damit auch „frei von Sünde“. Es ist Gottes Willen, dass die Glieder seiner Gemeinde heilig seien, nicht nur in der Theorie, sondern in Tat und Wahrheit. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen (Hebräer 12,14).

Das ist sehr wichtig zu verstehen, denn in vielen Kirchen ist eine falsche Lehre verbreitet, wonach die Erlösung einzig in der Vergebung der Sünden bestehe, und dass es unmöglich sei, frei von der Sünde zu sein. Aber wir wissen, dass der Vater allezeit die Bitten seines Sohnes erhört (Johannes 11,42), und dass seine Gebote nicht unmöglich zu erfüllen sind (1.Johannes 5,3). Sollte es dann für Gott unmöglich sein, seine Jünger zu heiligen? Oder sollte es für einen echten Jünger unmöglich sein, Gottes Gebot der Heiligkeit zu erfüllen? Wer so etwas behauptet, macht Gott zum Lügner.

Wir können das leicht mit anderen Aussagen aus den apostolischen Briefen stützen:
„Was sollen wir also sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit wir mehr Gnade von Gott erhalten? Keineswegs! Die wir für die Sünde gestorben sind, wie sollen wir weiter in ihr leben?“ (Römer 6,1-2) – Ein echter Christ ist „tot für die Sünde, aber lebendig für Gott“ (Römer 6,11). Keinesfalls „muss er unweigerlich weitersündigen“.
„Wie alle Dinge, die zum Leben und zur Gottesfurcht gehören, uns gegeben wurden durch seine göttliche Macht … damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet, nachdem ihr der Verderbnis, die in der Welt ist, entflohen seid …“ (2.Petrus 1,3-4). – D.h. ein echter Christ hat von Gott alles erhalten, was notwendig ist, um ein heiliges Leben zu führen, an der „göttlichen Natur“ teilzuhaben und sich von der „Verderbnis, die in der Welt ist“, fernzuhalten.
„der mächtig ist, euch ohne Fall zu bewahren, und euch unbefleckt vor seiner Herrlichkeit hinzustellen mit grosser Freude…“ (Judas 24). – D.h. Gott ist vollkommen imstande, die echten Christen in Heiligkeit zu bewahren.
Wir sollen nur nicht denken, wir selber seien es, die wir uns in dieser Heiligkeit bewahren können. Gott tut es.

Johannes 17,17 lehrt uns ausserdem, dass das Wort Gottes ein wichtiges Mittel ist, das Gott gebraucht, um uns in der Heiligkeit zu bewahren.

Bevor er zur nächsten Bitte kommt, erklärt Jesus, dass er für die Gemeinde aller Zeiten bittet: „Aber ich bitte nicht nur für diese, sondern auch für jene, die durch ihr Wort an mich glauben werden.“ (Vers 20). Dieses Gebet Jesu ist auch für uns heute, für alle, die ihm wahrhaftig nachfolgen.

Glaubst du an die Erfüllung dieses Gebets für dich? Glaubt es die Gemeinde, der du zugehörst?

Die Heiligkeit der Jünger ist Voraussetzung für die nächste Bitte Jesu: die Bitte um Einheit. „…damit alle eins seien; wie du, Vater, in mir, und ich in dir, dass auch sie eins seien in uns; damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,21).

Das ist einer der schönsten Verse des Neuen Testamntes, aber auch einer der am meisten missbrauchten. Der ökumenische Weltkirchenrat hat diesen Vers zu seinem Motto gemacht. Aber die Einheit, welche die Ökumene sucht, ist etwas ganz anderes als die Einheit, für die Jesus betete:
– Jesus betete um eine Einheit in Heiligkeit. Aber die Ökumene fördert eine Einheit in Toleranz: Die ökumenischen Leiter erlauben nicht, dass jemand das Wort Gottes benützt, um jemanden wegen einer Sünde zurechtzuweisen, oder um falsche Lehren und Praktiken einer Kirche aufzuzeigen. Deshalb füllen sich die ökumenefreundlichen Kirchen mit Irrlehrern und mit sündigen und heidnischen Praktiken.
– Jesus betete für jene, „die an mich glauben“. Aber die Ökumene unterscheidet nicht zwischen wahren Christen und Namenschristen. Nach der ökumenischen Definition ist ein Christ, wer „im Namen des dreieinigen Gottes getauft wurde“ – inbegriffen alle jene Katholiken und Reformierten, die als Kleinkinder getauft wurden, aber nie persönlich dem Herrn nachfolgten.
– Jesus betete, dass seine Jünger eins seien als Menschen, auf persönlicher Ebene. Aber die ökumenischen Anstrengungen konzentrieren sich auf Institutionen und Organisationen, auf die „gegenseitige Anerkennung“ zwischen den verschiedenen Konfessionen, und dass die Christen sich den Leitern der jeweiligen konfessionellen Organisationen unterstellen.
– Jesus betete um eine Einheit „in uns“, d.h. im Vater und im Sohn. Damit die Jünger eins sein können, ist es zuallererst notwendig, dass jeder einzelne Jünger „in Jesus“ ist; dass er sich mit Jesus identifiziert und in einer reinen Beziehung zu ihm lebt. Aber die Ökumene schenkt der persönlichen Beziehung zu Jesus sehr wenig Beachtung, oder versteht sie lediglich in einem sakramentalen Sinn (getauft sein und am Abendmahl teilnehmen).

Das Neue Testament spricht nicht nur von Einheit; es spricht auch von der Notwendigkeit der Absonderung:

„… dass ihr nicht mit jemandem Gemeinschaft haben sollt, der sich Bruder nennen lässt, aber ein Unzüchtiger ist oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trinker oder Dieb; mit einem solchen esst auch nicht zusammen.“ (1,Korinther 5,11).
„Werdet nicht Jochgenossen mit Ungläubigen. Denn wie können die Gerechten an der Gesetzlosigkeit teilnehmen? Oder wie kann das Licht mit der Finsternis Gemeinschaft haben? Und wie können der Christus und Beliar übereinstimmen? Oder wie kann der Gläubige etwas mit dem Ungläubigen gemeinsam haben? Und wie kann der Tempel Gottes mit den Götzen übereinstimmen? (…) Deshalb ‚geht hinaus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr‘, und ‚rührt das Unreine nicht an; so werde ich euch aufnehmen‘. „ (2.Korinther 6,14-17)

Täuschen wir uns nicht. In der gegenwärtigen Situation sind viele Mitglieder und Leiter von Kirchen (möglicherweise die Mehrheit) „Unzüchtige“ oder „Habsüchtige“ oder „Ungläubige“ oder „Diebe“ oder Lügner… oder sie zeigen auf irgendeine andere Weise mit ihrem Leben und mit ihren Überzeugungen, dass sie keine echten Nachfolger des Herrn Jesus sind. Diese sind in Jesu Gebet um Einheit nicht eingeschlossen. Im Gegenteil, das Wort Gottes sagt, dass ein echter Christ sich von solchen absondern soll, die sich „Christen“ nennen oder Kirchenmitglieder sind, aber mit ihrem Leben oder ihren Lehren zeigen, dass sie nicht zum Herrn gehören.

Auch viele evangelikale Kirchen, die sich nicht als ökumenisch identifizieren, haben dennoch viele Aspekte der ökumenischen Idee von „Einheit“ übernommen: Sie sehen und suchen die „Einheit“ auf institutioneller Ebene, innerhalb mittels der Anpassung an die spezielle Tradition der eigenen Konfession oder Denomination, und ausserhalb mittels Vereinbarungen und „gemeinsamen Anlässen“ mit anderen Denominationen. Viele leben in der Illusion, alle Mitglieder der eigenen Organisation seien echte Christen. Einige glauben zusätzlich, alle Mitglieder anderer Denominationen seien im Irrtum. All das führt dazu, dass man sich zu „Jochgenossen“ mit Ungläubigen macht, und gleichzeitig die Gemeinschaft mit echten Christen in anderen Denominationen ablehnt. Sie vergessen das Zentrum der christlichen Einheit, nämlich Jesus selber.

Die neutestamentlichen Kriterien für Einheit sind klar: Ein echter Nachfolger Jesu befindet sich in Einheit mit allen anderen echten Nachfolgern Jesu, unabhängig davon, zu was für einer religiösen Organisation sie zugehören oder nicht zugehören. Und er sondert sich ab von jenen, die Jesus nicht wahrhaftig nachfolgen, auch wenn es Mitglieder seiner eigenen Organisation sind.
Christliche Einheit ist nicht die gemeinsame Mitgliedschaft in einer Institution. Sie ist nicht die Übereinstimmung mit einem bestimmten Glaubensbekenntnis. Sie ist nicht die Anerkennung eines Reglements oder einer Vereinbarung zwischen verschiedenen Institutionen. Die christliche Einheit wird am besten ausgedrückt durch das griechische Wort „koinonía“ (davon werden wir sprechen, wenn wir zur Apostelgeschichte kommen), oder auch „der Leib Christi“ (das ist der Ausdruck, den Paulus verwendet).

Jesus sagte, das Ergebnis der wahren christlichen Einheit werde darin bestehen, dass „die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Die ökumenischen, institutionellen oder denominationellen Formen von Einheit bringen nicht dieses Ergebnis hervor. Sie bewirken nur, dass die Welt die Christen als eine Art weltlichen Verein oder politische Lobby wahrnimmt; aber sie kann nicht den Herrn in ihnen sehen. Wo dagegen eine echte Einheit herrscht, die auf dem Herrn selber beruht und auf Heiligkeit – und sei es auch nur eine einzige Familie, die diese Einheit lebt -, da nimmt die Welt das Licht des Evangeliums wahr. Da ist es, wo die Welt sieht, dass etwas „anders“ ist, etwas Übernatürliches; etwas, was die Welt nicht kennt. Dieses „Etwas“ ist die Gegenwart des Herrn.

Was für eine Vorstellung von Einheit hast du? Was für eine Vorstellung hat die Gemeinde, der du zugehörst? Eine ökumenische, institutionelle, denominationelle Vorstellung; oder die Vorstellung von dem, was Jesus gesagt hat?

John Wesley und die Methodisten – Teil 9: Die Lehre von der christlichen Vollkommenheit

18. Oktober 2013

Wesley betonte, dass das Ziel eines christlichen Lebens die Vollkommenheit ist. Das ist wahrscheinlich die umstrittenste und die am meisten missverstandene Lehre Wesleys. Er betonte sehr die Verse 1.Johannes 3,6 und 9:
„Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht; jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und hat ihn nicht gekannt. (…) Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht die Sünde, denn der Same Gottes bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“
Einige missbrauchten diese Lehre, um zu sagen, dann gäbe es für einen Christen auch keine Versuchungen mehr, und sie könnten sorglos leben, ohne sich gegen das Böse vorzusehen. Umgekehrt dachten andere, sie seien verdammt, sobald sie einen kleinen Fehler begingen, und sie seien keine wahren Christen, wenn sie es nicht fertigbrachten, ein vollkommenes Leben zu führen. So legten sie sich ein zu schweres Joch auf, und Wesley wurde eines unbiblischen „Perfektionismus“ bezichtigt.

Diese Extreme waren nicht im Sinne Wesleys. Er schrieb ein ausführliches Werk, „Ein freimütiger Bericht von der christlichen Vollkommenheit“, um seinen Standpunkt zu erklären. Zugleich zeigt dieses Werk, dass Wesley nur mit grossen Schwierigkeiten definieren konnte, was er überhaupt unter „christlicher Vollkommenheit“ verstand. Einerseits stellte er klar, dass ein Christ nach der Schrift jemand ist, der „Gott von ganzem Herzen liebt“, sodass in seinem Herzen kein Raum mehr ist für irgendeine Bosheit (denn sonst würde er ja Gott nicht mehr von ganzem Herzen lieben). Aber andererseits betonte er, dass auch ein „vollkommener Christ“ noch versucht werden kann und Irrtümer sowie unbewusste Sünden begehen kann. Er sagte, es sei einem Christen möglich, „vollkommen“ zu sein; aber er wagte nie zu sagen, es sei möglich, „sündlos“ zu sein.

Eine andere Anklage gegen diese Lehre besagte, wenn jemand sich „vollkommen“ nannte, dann würde er ja die Notwendigkeit des Opfers Jesu leugnen. Aber Wesley antwortete: Im Gegenteil, die Vollkommenheit ist nur aufgrund dieses Opfers und aufgrund der Gnade Gottes überhaupt möglich. Der Sieg über die Sünde ist kein menschliches Werk oder Verdienst (siehe Johannes 15,4-5).

Die folgenden Abschnitte mögen einen Eindruck davon geben, wie Wesley um die Definitionen der Ausdrücke „Sünde“ und „sündlos“ rang:

„(…) Auch die besten Menschen benötigen weiterhin Christus in seinem priesterlichen Amt, um ihre Unterlassungen zu sühnen, ihre Begrenzungen, ihre Fehler im Urteil und in der Praxis, und ihre Mängel aller Art. Denn das alles sind Abweichungen vom vollkommenen Gesetz, und müssen deshalb gesühnt werden. Aber das sind keine Sünden im eigentlichen Sinn, wie aus den Worten des Paulus ersichtlich ist: ‚Wer liebt, hat das Gesetz erfüllt; denn die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes‘ (Röm.13,10). Aber die Fehler, und jegliche Schwäche, die sich notwendigerweise aus dem vergänglichen Zustand des Körpers ergibt, sind keineswegs der Liebe entgegengesetzt; deshalb sind sie keine Sünden im Sinne der Schrift.
Um mich über dieses Thema etwas genauer zu erklären:
1.) Nicht nur die Sünde im eigentlichen Sinn (d.h. eine willentliche Übertretung des Gesetzes) erfordert das sühnende Blut; sondern ebenso die Sünde im uneigentlichen Sinn (d.h. eine unfreiwillige Übertretung eines bekannten oder unbekannten göttlichen Gesetzes).
2.) Ich glaube, dass es in diesem Leben keine solche Vollkommenheit gibt, dass sie diese unfreiwilligen Übertretungen ausschlösse, welche natürliche Folgen der Unwissenheit und der Fehler sind, die untrennbar mit der Sterblichkeit verbunden sind.
3.) Deshalb gebrauche ich nie den Ausdruck „sündlose Vollkommenheit“, damit ich nicht mir selber zu widersprechen scheine.
4.) Ich glaube, dass ein Mensch, der voll von der Liebe Gottes ist, dennoch diesen unfreiwilligen Übertretungen unterworfen bleibt.
5.) Ihr könnt solche Übertretungen Sünde nennen, wenn ihr wollt; ich nenne sie nicht so, aus den erwähnten Gründen.

Frage: Was für einen Rat würden Sie jenen geben, die es Sünde nennen, und jenen, die es nicht so nennen?

Antwort: – Dass jene, die es nicht Sünde nennen, niemals denken sollen, sie oder irgendein anderer Mensch würden je einen Zustand erreichen, in welchem sie ohne einen Mittler vor der unendlichen Gerechtigkeit bestehen könnten. So etwas zu behaupten, wäre tiefste Unwissenheit, oder höchste Überheblichkeit und Anmassung.
Dass jene, die es Sünde nennen, aufpassen sollen, dass sie diese Mängel nicht mit der Sünde im eigentlichen Sinn verwechseln. Aber wie sollen sie es anstellen, es nicht zu verwechseln, wenn sie alles ohne Unterschied Sünde nennen? Ich fürchte, wenn wir zulassen, dass die Sünde mit der Vollkommenheit vereinbar sei, dann würden nur wenige diese Idee nur auf jene Mängel beschränken, die keine Sünden im eigentlichen Sinn sind.“

Das grösste Problem in dieser Lehre Wesleys besteht darin, dass er Heiligung und Rechtfertigung auseinanderriss. Er lehrte, die „völlige Heiligung“ sei ein „zweites Werk“ des Heiligen Geistes, das in einem einzigen Moment geschehen kann und den Christen von allen bösen Gedanken und Haltungen befreit. Infolgedessen gab Wesley zu, dass er selber diese „völlige Heiligung“ noch nicht erfahren hatte, und dass es überhaupt nur sehr wenige Christen gab, die sie erreicht hatten. Dieser Aspekt ist natürlich problematisch und kann nur sehr begrenzt biblisch begründet werden. Meines Erachtens hätte es vollauf genügt, wenn Wesley versichert hätte, es sei einem Christen möglich, durch die Gnade und Kraft Gottes, keine vorsätzliche Sünde zu begehen (wie tatsächlich aus seiner Lieblingsstelle 1.Johannes 3,6-9 geschlossen werden kann). Schon das ist in der gegenwärtigen Situation der Gemeinde eine höchst umstrittene Behauptung, aber sie ist schriftgemäss. Wesley dagegen wollte eine im Detail ausgearbeitete „Lehre“ von der christlichen Vollkommenheit darlegen, und damit ging er „über das hinaus, was geschrieben steht“.

Aber statt über lehrmässige Fehler Wesleys zu debattieren, möchte ich einen wichtigeren Punkt hervorheben: Warum fand Wesley es überhaupt nötig, über die „christliche Vollkommenheit“ zu predigen? War es nicht deshalb, weil die Christenheit seiner Zeit sich von dieser Vollkommenheit so weit entfernt hatte, dass kein Unterschied mehr zu sehen war zwischen den Christen und der Welt? Tatsächlich ist es ein gemeinsames Kennzeichen aller Erweckungen, dass sie die Heiligkeit neu betonen.
In Zeiten des Abfalls folgen die Gemeinden immer irgendeiner Variante der „billigen Gnade“. Sie predigen Vergebung der Sünden ohne Umkehr. Manchmal wird – wie in der katholischen Kirche – die Umkehr durch etwas anderes ersetzt: die Rituale und Sakramente der Kirche, der Kauf eines Ablasses, die Anpassung an die äusseren Gewohnheiten der Kirche, und ähnliches. In anderen Fällen – wie in vielen reformierten Kirchen – wird eine „automatische Vergebung“ gelehrt, als ob Gott einfach über die Sünde hinwegsehen würde. In allen diesen Fällen gibt es keine Umkehr von Herzen mehr, und die Kirche verdirbt.
Die Erweckungsprediger konfrontierten immer direkt diese Verderbnis der Kirche. Sie betonten neu, dass die Gemeinde des Herrn heilig ist; und dass deshalb eine unheilige Gemeinde nicht die Gemeinde des Herrn ist. Sie betonten, dass ein echter Christ „der Heiligung nachjagt, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Hebräer 12,14). Um die Gemeinde von ihrem Abfall zurückzubringen, muss Heiligkeit gepredigt werden.

Das muss Wesleys Motiv gewesen sein, um über die „christliche Vollkommenheit“ zu lehren. Er wollte aus der Schrift zeigen, worin der Charakter eines echten Christen besteht, und so seinen Nachfolgern eine Zielvorgabe vorhalten, als Gegensatz zu den Namenschristen.
So sagt es Wesley in einem Brief von 1767:

„Vor 35 oder 36 Jahren bewunderte ich sehr den Charakter eines vollkommenen Christen, wie er von Clemens von Alexandrien beschrieben wird. Vor 25 oder 26 Jahren kam es mir in den Sinn, selber einen solchen Charakter zu beschreiben, nur auf schriftgemässere Weise, und hauptsächlich in den eigenen Worten der Schrift. Ich gab ihm den Titel: ‚Der Charakter eines Methodisten‘, und dachte, die Neugier würde mehr Menschen dazu verleiten, es zu lesen, und so würden einige naive Menschen von einigen Vorurteilen befreit werden. Aber damit niemand denke, ich hätte eine Verteidigung meiner selbst oder meiner Freunde im Sinn, versicherte ich mich dagegen schon auf der Titelseite, wo ich in meinem eigenen und ihrem Namen sagte: ‚Nicht dass ich es schon erreicht hätte, oder schon vollkommen wäre.‘ Dasselbe sagte ich am Schluss: ‚Dies sind die Prinzipien und Praktiken unserer Gruppe; dies sind die Kennzeichen eines wahren Methodisten‘; d.h. eines wahren Christen, wie ich gleich darauf erkläre: ‚und nur durch diese möchten sich jene, die Opfer von Schmähungen sind, von anderen Menschen auszeichnen‘. ‚Wir bemühen uns, uns durch diese Kennzeichen auszuzeichnen vor jenen, deren Sinne oder Leben nicht dem Evangelium von Christus entsprechen.'“

Angesichts der Verderbnis und Lauheit der Kirche war es nötig klarzustellen, was die Kennzeichen eines echten Christen sind. In diesem Sinn war es sehr notwendig, dass Wesley über Heiligkeit und Vollkommenheit predigte. Und dieselbe Notwendigkeit besteht auch in den heutigen Kirchen, seien es Landes- oder Freikirchen.

(Fortsetzung folgt)

Das Leben John Wesleys: „Ihr müsst von neuem geboren werden“ (Fortsetzung)

21. Juli 2013

Der erste missionarische Versuch

In Georgia wurde Wesley ein Pfarramt unter den Engländern zugewiesen. Dort geschah dasselbe wie in England: Seine starke und strenge Predigt über die Heiligkeit erregte allgemeine Aufmerksamkeit, aber alle wandten sich gegen ihn. Nur wenige liessen sich von ihm überzeugen, und Wesley sah sich ständig in Streitigkeiten, Intrigen und Bedrohungen verwickelt. Ein Mitglied seiner Kirche warf ihm eines Tages vor:
„Mir gefällt überhaupt nichts von dem, was Sie tun. Alle Ihre Predigten sind Satiren über bestimmte Personen, und deshalb will ich Ihnen nicht mehr zuhören, und die ganze Gemeinde sagt dasselbe, denn wir wollen nicht länger beleidigt werden. Ausserdem sagen sie, sie seien Protestanten; aber von Ihnen kann niemand sagen, was für einer Religion Sie angehören. Niemand hier hat je von einer solchen Religion gehört. Die Leute wissen nicht, was sie davon halten sollen. Und ausserdem Ihr persönliches Verhalten – alle die Auseinandersetzungen, die es durch Ihre Schuld gegeben hat, seit Sie gekommen sind. Überhaupt kümmert sich kein Mensch in dieser Stadt auch nur um ein einziges Wort von dem, was Sie sagen. Sie können predigen, soviel Sie wollen; aber niemand wird kommen, um Ihnen zuzuhören.“
Wesley fügt in seinem Tagebuch hinzu: „Er war zu erhitzt, um einer Antwort zuzuhören. So blieb mir nichts anderes übrig, als ihm für seine Offenheit zu danken und wegzugehen.“

Wesley verwickelte sich ausserdem in eine Liebesaffäre, wo er sehr unweise handelte. Eine junge Frau, die anscheinend Gott liebte, begann sich für ihn zu interessieren. Sie gefiel Wesley auch, aber er hatte oft gesagt, es sei besser, ledig zu bleiben, um Gott besser dienen zu können. Deshalb zweifelte er, ob Gott ihm erlauben würde zu heiraten. Aufgrund dieser eigenen Unsicherheit schwankte er ständig zwischen zwei gegensätzlichen Verhaltensweisen: auf der einen Seite machte er der jungen Frau Hoffnungen, und auf der anderen Seite distanzierte er sich wieder von ihr. Dieses Verhalten verwirrte sie so sehr, dass sie schliesslich in ihrer Verzweiflung überstürzt einen anderen Mann heiratete.

Mit all diesen Problemen in der Gemeinde und in seinem eigenen Leben konnte Wesley nie seinen eigentlichen Vorsatz ausführen, die Indianer zu evangelisieren. Seine Arbeit unter den Eingeborenen beschränkte sich auf einige wenige Kontakte.

Während dieser ganzen Zeit versammelte sich Wesley weiterhin mit den Herrnhutern, die am selben Ort lebten. Ab und zu suchte er Rat bei ihnen. Anscheinend waren sie die einzigen Menschen, vor denen er sein Herz öffnen konnte. In einem Gespräch mit einem ihrer Leiter, Spangenberg, fragte ihn dieser:

– „Mein Bruder, ich muss dir zuerst eine oder zwei Fragen stellen. Hast du das Zeugnis in dir? Bezeugt der Geist Gottes zusammen mit deinem Geist, dass du Gottes Kind bist?“
John Wesley war angesichts dieser Frage so sprachlos, dass er nicht antworten konnte.
– „Kennst du Jesus Christus?“, fuhr Spangenberg fort.
– „Ich weiss, dass er der Erlöser der Welt ist.“
– „Gewiss; aber weisst du, dass er dich erlöst hat?“
– „Ich hoffe es“, antwortete Wesley, „er starb, um mich zu erretten.“
– „Kennst du dich selber?“
– „Ja“, sagte Wesley, aber er sagte es nicht mit Überzeugung.

Die Überführung durch den Heiligen Geist

Schliesslich verliess Wesley vor der Zeit Georgia und kehrte fast fluchtartig nach England zurück. Während der Schiffsreise hatte er mehrere Wochen Zeit, um über seinen Misserfolg und dessen Ursachen nachzudenken. Und da war es, wo Gott ihm ganz klar die Wahrheit zeigte: Er selber war noch nicht wiedergeboren!

Während dieser Reise schrieb Wesley die folgenden beeindruckenden Worte in sein Tagebuch:

„Ich ging nach Amerika, um die Indianer zu bekehren; aber ach! wer wird mich bekehren? Wer wird mich von diesem boshaften Herz erlösen? Ich habe eine Sommer-Schönwetterreligion. Ich kann gut reden, ja, und kann auch glauben, solange keine Gefahr herrscht; aber wenn mir der Tod ins Gesicht schaut, verstört sich mein Geist. Ich kann auch nicht sagen: ‚Sterben ist Gewinn‘.
Ich habe eine Sünde der Angst, dass wenn ich
meinen letzten Faden gewebt haben werde,
am Ufer zugrunde gehe!“

Und etwas später:

„Es ist jetzt zwei Jahre und fast vier Monate her, seit ich mein Land verliess, um die Indianer von Georgia über das Christentum zu belehren. Aber was habe ich selber in dieser Zeit gelernt? Was ich am wenigsten erwartete: dass ich, der ich nach Amerika ging, um andere zu bekehren, selber nie zu Gott bekehrt worden war.“

An dieser so wichtigen Stelle in Wesleys Leben müssen wir einen Moment innehalten. Er war ein Theologe, ein ordinierter Pfarrer, ein Prediger, ein Missionar. Er kannte und glaubte alle wichtigen Lehren des Christentums, und belehrte andere darüber. Dennoch musste er anerkennen, dass er selber noch nicht wiedergeboren war. Ja, er glaubte, dass Jesus für ihn gestorben war. Aber auf der Reise und in Georgia war sein Glaube auf die Probe gestellt worden – und zu leicht befunden worden. Wesley musste eingestehen, dass er im Grunde seines Herzens keinen Glauben hatte.

Wenn wir nur die grosse und schreckliche Lehre verstehen könnten, die in dieser Geschichte für unsere heutigen Kirchen liegt! Wie schnell sind wir dabei, jemanden als „Christ“ und „Bruder“ zu bezeichnen. Wir geben uns damit zufrieden, dass jemand zur Kirche geht, die Bibel liest, betet, Geld spendet, und „auf christlich“ sprechen kann. Und wenn wir ihn sein „Übergabegebet“ sprechen gehört haben, dann zweifeln wir überhaupt nicht mehr daran, dass es sich um einen echten, bekehrten Christen handelt. In einigen Gemeinden wird es sogar als eine Todsünde betrachtet, die Errettung einer solchen Person in Frage zu stellen. Aber Wesley hatte all das getan, was diese „Durchschnittschristen“ tun, und noch viel mehr. Er hatte seine Ordinationsgelübde abgelegt. Er war unter Lebensgefahr über das Meer gereist, um die Indianer zu bekehren. Er hatte ein disziplinierteres und frömmeres Leben geführt als alle seine Kameraden. Dennoch war er nicht wiedergeboren.

Ist es da nicht logisch anzunehmen, dass viele der angeblichen „Geschwister“ in den Gemeinden ebensowenig wiedergeboren sind? – und dass sogar viele der gegenwärtigen Pfarrer und Prediger nicht wiedergeboren sind?

Manche Jahre später sagte Wesley in einer Predigt, dass er während all dieser Jahre nur ein „Beinahe-Christ“ gewesen sei. Einer, der sich bemüht, Gottes Gebote zu halten; der sich bemüht, gute Werke zu tun; und der den ehrlichen Wunsch hat, Gott zu gefallen. Einer, der von Herzen alle seine religiösen Pflichten erfüllt. Ist es nicht das, was in vielen Kirchen unter einem Christen verstanden wird? Und gibt es etwa nicht viele „Geschwister“ in den Kirchen, die nach Wesley nicht einmal „Beinahe-Christen“ wären, weil sie noch in bewusster Sünde leben und in ihren Herzen nicht ehrlich sind? Wie können sie dann glauben, sie seien errettet?
Aber auch als „Beinahe-Christ“ fehlte Wesley noch das Entscheidende (wie er in jener Predigt sagte): die echte Liebe Gottes und der echte Glaube. Seine Frömmigkeit und seine guten Werke waren nichts als menschliche Anstrengungen. Er hatte das Leben eines echten Christen nachgeahmt; aber Gott hatte nicht wirklich in seinem Leben gewirkt.

Bei einer anderen Gelegenheit sagte Wesley, dass er während all jener Jahre den Glauben eines Sklaven gehabt hätte; aber dass ihm nachher Gott den Glauben eines Sohnes gegeben hätte.

Das Leben Wesleys sollte als Beispiel dienen, um all jenen die Augen zu öffnen, die meinen, Christen zu sein, während sie in Wirklichkeit nur religiöse Gewohnheiten haben.
Hat dich Gott je zutiefst von deiner Sündhaftigkeit und deinem Unglauben überführt?
Gab es in deinem Leben ein echtes Wirken Gottes, das dein Leben veränderte und den Sünder, der du warst, in ein heiliges Kind Gottes verwandelte?
Oder ist deine ganze Religiosität nur dein eigenes menschliches Werk?

Wichtige Anmerkung: Ich sagte oben, dass in Georgia der Glaube Wesleys als zu leicht befunden wurde. Das hat aber nichts damit zu tun, was die Leute über ihn sagten. Einige „Christen“ meinen, sie seien „bewährt“, wenn die ganze Gemeinde gut von ihnen spricht (und insbesondere der Pastor). Und sie meinen, sie seien „unbewährt“, wenn die Gemeinde schlecht von ihnen spricht (und insbesondere der Pastor). Das ist ein grosser Irrtum. Nur in deiner persönlichen Beziehung zu Gott zeigt es sich, ob dein Glaube bewährt ist. Wir werden weiter unten sehen, dass Wesley nach seiner Wiedergeburt noch viel mehr kritisiert und misshandelt wurde – insbesondere von den Pastoren. Aber da war sein Glaube fest und bewährt.

Die Wiedergeburt

Bei seiner Rückkehr nach London lernte Wesley einen anderen Herrnhuter kennen, Peter Böhler, der vor kurzem aus Deutschland gekommen war. Er sprach mit ihm über seine Verzweiflung, und während der folgenden vier Monate war Böhler sein Ratgeber in seinen geistlichen Stürmen. In einem dieser Gespräche sagte Böhler zu ihm: „Mein Bruder, mein Bruder, du musst von dieser deiner Philosophie gereinigt werden.“

Wesley erwähnt das folgende Gespräch, einige Wochen später:

„Am Sonntag wurde ich klar vom Unglauben überführt, vom Mangel an jenem Glauben, durch den wir als einziges errettet werden können.
Sofort kam mir der Gedanke: ‚Hör auf zu predigen. Wie kannst du anderen predigen, wenn du selber keinen Glauben hast?‘ – Ich fragte Böhler, ob ich aufhören sollte zu predigen. Er antwortete: ‚Keinesfalls.‘ – Ich fragte: ‚Aber was kann ich predigen?‘ – Er sagte: ‚Predige den Glauben, bis du ihn hast; und dann wirst du ihn predigen, weil du ihn hast.‘ „

Bei einer anderen Gelegenheit, als Wesley nochmals dasselbe fragte, antwortete Böhler: „Nein, vergrabe das Talent nicht, das Gott dir gegeben hat.“

So fuhr Wesley fort zu predigen, und die Wahrheit Gottes schaffte sich allmählich Raum in seinem eigenen Herzen.

Am 24.Mai 1738, vier Monate nach seiner Rückkehr von Amerika, befand sich Wesley in einer Versammlung, wo Luthers Vorrede zum Römerbrief vorgelesen wurde. Wesley berichtet:

„Etwa um viertel vor neun, während er den Wechsel beschrieb, den Gott im Herzen bewirkt durch den Glauben an Christus, fühlte ich, dass mein Herz seltsam erwärmt wurde. Ich fühlte, dass ich auf Christus vertraute, auf Christus allein, für meine Errettung; und es wurde mir eine Gewissheit gegeben, dass er meine Sünden weggenommen hatte, sogar die meinen, und mich vom Gesetz der Sünde und des Todes erlöst hatte.
(…) Wenig später flüsterte mir der Feind ein: ‚Das kann nicht Glaube sein, denn wo ist deine Freude?‘ – Darauf wurde ich belehrt, dass der Friede und der Sieg über die Sünde wesentlich sind im Glauben an den Anführer unserer Erlösung; dass aber das Gefühl der Freude (…) Gott manchmal gibt und manchmal zurückbehält, nach dem Ratschluss seines eigenen Willens.
(…) Die Versuchungen kamen immer wieder zurück. Jedesmal hob ich meine Augen auf, und Er ’sandte mir Hilfe aus Seinem Heiligtum‘. Und darin fand ich den hauptsächlichen Unterschied zwischen meinem neuen Zustand und dem vorherigen. Ich strengte mich an und kämpfte mit all meiner Kraft, sowohl unter dem Gesetz wie unter der Gnade. Aber damals wurde ich oft besiegt; jetzt war ich immer Sieger.

J.E.Hutton schreibt über diese Veränderung: „Von diesem Moment an, trotz einiger wiederkehrender Zweifel, war John Wesley ein veränderter Mensch. Obwohl er keine neue Lehre gelernt hatte, hatte er doch gewiss eine neue Erfahrung gemacht. Er hatte Frieden in seinem Herzen, war seiner Errettung gewiss, und von da an, wie alle Leser wissen, war er imstande, sich selbst zu vergessen, seine Seele in Gottes Hand zu lassen, und sein Leben zur Errettung seiner Nächsten zu verwenden.“

Es ist sehr interessant zu lesen, wie Wesley die Wirkung seiner Predigten während jener Zeit beschreibt:

„4.Februar. Am Nachmittag wurde ich gebeten, in St.John the Evangelist’s zu predigen. Ich tat es, über diese starken Worte: ‚Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung‘ (2.Kor.5,17). Danach wurde ich darüber informiert, dass die Besten in der Versammlung sich so beleidigt fühlten, dass ich nie mehr hier predigen sollte.
Sonntag, 12. Ich predigte in St.Andrew’s, Holborn, über: ‚Auch wenn ich all meine Güter gäbe, um die Armen zu speisen, und auch wenn ich meinen Körper hingäbe zum Verbrennen, aber hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.‘ (1.Kor.13,3). Oh, harte Worte! Wer kann sie anhören? Auch hier scheint es, dass sie mich nie mehr predigen lassen werden.
Sonntag, 26. Ich predigte um sechs in St.Lawrence, um zehn in St.Catherine Cree’s, und am Nachmittag in St.John’s, Wapping. Ich glaube, es gefiel Gott, die erste Predigt am meisten zu segnen, denn sie erregte am meisten Anstoss.
(…) Sonntag, 7.Mai. Ich predigte morgens in St.Lawrence, und danach in St.Catherine Cree’s. An beiden Orten wurde ich befähigt, starke Worte zu sprechen; und war deshalb nicht überrascht, als ich informiert wurde, ich dürfe in keiner dieser beiden Kirchen mehr predigen.
Sonntag, 14. Ich predigte morgens in St.Ann’s, Aldersgate; und am Nachmittag in Savoy Chapel, die freie Erlösung durch den Glauben an das Blut Christi. Man sagte mir sofort, dass ich auch in St.Ann’s nicht mehr predigen dürfe.
Sonntag, 21. Ich predigte in St.John’s, Wapping um drei, und in St.Bennett’s, Paul’s Wharf, am Abend. Auch in diesen Kirchen darf ich nicht mehr predigen.“

Was war so anstössig an diesen „neuen“ Predigten Wesleys? – Nun, es war genau das, was er selber erfahren hatte: dass es nötig war, von neuem geboren zu werden. Wesley verstand sehr gut, dass sich die Mitglieder (und Pastoren) der Kirchen in derselben Situation befanden wie er vor seiner Wiedergeburt: Sie dachten, sie seien Christen, aber sie waren höchstens „Beinahe-Christen“. Somit bewies ihnen Wesley aus der Schrift, dass sie von neuem geboren werden mussten. Das ist die anstössigste, aber zugleich notwendigste Botschaft für die Kirche. Nicht nur zur Zeit Wesleys, sondern auch heute. Wo sind heute die Prediger, die den Mitgliedern und Pastoren der evangelischen und evangelikalen Kirchen aus der Schrift zeigen, dass sie erst von neuem geboren werden müssen?

(Fortsetzung folgt)

DieTäufer – Teil 2: Der Glaube der Täufer

21. März 2013

Wie wir gesehen haben, waren die Täufer keine einheitliche Bewegung. Aufgrund ihres freiheitlichen Verständnisses hatten sie keine zentrale Organisation und kein einigendes Glaubensbekenntnis. (Sie formulierten zwar später verschiedene Glaubensartikel, die aber jeweils nur regionale Verbindlichkeit erhielten.) Deshalb konnten ihre Lehrüberzeugungen von einer Gruppe zur anderen variieren.

Natürlich hatten sie alle die reformierte Überzeugung gemeinsam, dass die Heilige Schrift die oberste Autorität im Leben eines Christen und in der Kirche ist. Einige Gruppen betonten zudem, dass Gott zu jedem Gläubigen persönlich spricht. Es gab einige Extremisten, die so weit gingen, dass sie ihre persönlichen Eingebungen wichtiger nahmen als die Bibel selbst. Aber die meisten Täufer lehnten diese Extreme ab und gründeten sich auf das geschriebene Wort Gottes.

Die Ablehnung der Staatskirche war eine gemeinsame Überzeugung der Täufer. Sie betonten, dass die Kirche die Gemeinschaft der wahren Gläubigen ist, die sich freiwillig dazu entschieden haben, Jesus nachzufolgen. Deshalb traten sie für eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat ein. Die weltliche Regierung hatte kein Recht, sich in die Angelegenheiten der Kirche einzumischen; und die Kirche hatte kein Recht, über den Staat zu herrschen. Deshalb verurteilten sie die Haltung der Reformatoren, die die weltliche Regierung dazu gebrauchten, die Sache der Reformation voranzutreiben. Nach einer Überlieferung antwortete der Täufer Michael Sattler auf die Idee, den Schutz eines wohlgesinnten Fürsten zu suchen: „Wenn ein Tuch einen einzigen falsch gewobenen Faden enthält, dann verdirbt dieser einzige Faden das ganze Tuch. Ebenso wird die ganze Kirche verdorben, wenn sie auch nur einem einzigen falschen Prinzip folgt.“ Eine weltliche Autorität über die Kirche zu setzen, wäre ein solcher „falsch gewobener Faden“.
In diesem Zusammenhang ist auch ihre Ablehnung der Säuglingstaufe zu sehen: Wenn ein Baby getauft wird, dann wird es ohne seine eigene Einwilligung und ohne eigenen Glauben zu einem Kirchenmitglied gemacht. In anderen Worten, es wird gezwungen, sich als Christ zu identifizieren, ohne persönlich Christ zu sein. Deshalb ist eine solche Taufe nicht die biblische Taufe.

Ein weiterer wichtiger Gegensatz zu den Reformatoren bestand darin, dass die Täufer den Missionbefehl Jesu (Matth.28,18-20 und Parallelen) als für alle Zeiten gültig verstanden. Deshalb stellten sie auch sich selber mit aller Selbstverständlichkeit unter diesen Auftrag. Die Reformatoren dagegen sagten, Jesus hätte diesen Auftrag nur den Aposteln persönlich erteilt, und es sei anmassend, den Missionsbefehl auf gegenwärtig lebende Christen anzuwenden. Diese reformatorische Auffassung sollte während langer Zeit als Hemmschuh der Weltmission nachwirken: Noch Jahrhunderte später musste der Missionspionier William Carey unter seinen Glaubensgeschwistern einen heftigen Kampf gegen ebendiese Auffassung führen, bis ihm schliesslich zugestanden wurde, es könnte tatsächlich der Wille Gottes sein, eine Missionsgesellschaft zur Evangelisierung Indiens zu gründen.

Die meisten Täufer waren Pazifisten und betonten das Prinzip des „Nicht-Widerstehens“. Sie gaben den Worten Jesu grosses Gewicht: „Widersteht dem Bösen nicht; sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem biete auch die andere dar…“ (Matthäus 5,39-41). Deshalb lehrten sie, dass ein Christ keine Waffen tragen soll, nicht Soldat sein kann, und gegen niemanden gerichtlich vorgehen soll. Viele sagten auch, ein Christ könne kein Regierungsamt übernehmen. Das begründeten sie mit dem Gebot: „Du sollst nicht töten“ (da die weltliche Regierung nach Römer 13,4 „das Schwert trägt“), und auch mit der Trennung von Kirche und Staat.
Persönlich meine ich, dass in der gegenwärtigen Welt diese Haltung nicht mehr sehr sinnvoll wäre: Die meisten modernen Staaten haben die Todesstrafe abgeschafft, sodass ein Regierungsamt nicht mehr automatisch den Bruch des sechsten Gebots mit sich bringt. Auch haben die Kirchen im allgemeinen nicht mehr viel politische Macht. Ein Christ von entsprechender Integrität und Fähigkeit könnte in der Politik viel Gutes tun. – Andererseits besitzen leider nur wenige Christen diese Integrität, während viele christliche Politiker von den Versuchungen der Macht verdorben worden sind. Aber das begründet noch kein Prinzip, sondern ist eine Angelegenheit des persönliches Charakters.
In der Reformationszeit war die Situation ganz anders. In jener Zeit machten sich die Regierenden tatsächlich vieler Tötungen schuldig; und wer ein solches Amt übernahm, musste damit rechnen, an religiösen Verfolgungen mitwirken zu müssen. Deshalb ist es verständlich, dass viele Täufer jede Mitwirkung in der Politik und Regierung ablehnten.
Sie weigerten sich auch, Eide zu schwören, gemäss Matthäus 5,33-37. Somit wären sie zu vielen Regierungsstellen gar nicht zugelassen worden, selbst wenn sie es gewünscht hätten. Andererseits zeigte diese Haltung an sich in späteren Jahrhunderten einen politischen Einfluss: Viele Regierungsstellen in Gegenden mit starkem täuferischem Einfluss, z.B. in der Schweiz, akzeptieren heute ein Gelübde (Versprechen) anstelle eines Eides, und anerkennen damit die Freiheit, aus Gewissensgründen den Eid abzulehnen.

Fast alle täuferischen Gruppen lehrten auch die Notwendigkeit, sich von der Welt abzusondern und ein heiliges Leben zu führen, gemäss Hebräer 12:14-16: „Strebt nach dem Frieden mit allen, und nach der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn sehen wird…“ Dadurch unterschieden sie sich von den Reformierten – insbesondere von den Lutheranern -, welche die Erlösung „allein aus Glauben, ohne Werke“ betonten. (Diese reformierte Lehre ist an sich richtig; aber bald wurde sie in eine „billigen Gnade“ verkehrt, wie Jahrhunderte später der lutherische Theologe Dietrich Bonhoeffer klagte.) Deshalb warfen die Reformierten den Täufern manchmal vor, sie wollten zu einer katholischen Werkgerechtigkeit zurückkehren. Die Täufer antworteten, dass sie das heilige Leben nicht als ein Mittel zum Erwerb des Heils ansahen, sondern als eine notwendige Konsequenz und Frucht der Bekehrung; und da die Reformierten mehrheitlich diese Frucht nicht zeigten, müsse bezweifelt werden, ob sie wirkliche Christen seien. So schreibt z.B. Menno Simons:

„Alle die dies für gewiss und wahrhaftig in ihren Herzen glauben können, und sind durch Gottes Wort in ihren Herzen und Geist versiegelt, die werden an dem innerlichen Menschen verändert, empfangen die Furcht und Liebe des Herrn, gebären aus ihrem Glauben, Gerechtigkeit, Frucht, Kraft, ein unsträfliches Leben und ein neues Wesen, wie Paulus sagt, nämlich, mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit. Durch den Glauben, sagt Petrus, reinigt Gott unsere Herzen. Und also folgen die Früchte der Gerechtigkeit stets aus einem aufrichtigen, ungefälschten, frommen Christen Glauben. Habt darauf acht. (…)
Alle, sage ich, die dieses in ihrem Herzen mit Bestimmtheit glauben, werden sicherlich vor aller Ungerechtigkeit fliehen wie vor dem Zahn der Schlange, sie wenden sich von allen Sünden ab, und scheuen sie viel mehr als ein brennendes Feuer oder ein schneidendes Schwert (…)“
(In: „Von dem wahren christlichen Glauben“.)

Und:
„Die Lutherischen lehren und glauben, dass uns der Glaube allein selig mache, auch ohne irgend welches Zutun der Werke. Diese Lehren halten sie mit solcher Strenge aufrecht, als ob Werke ganz und gar unnötig wären; ja, als ob der Glaube von solcher Art und Natur sei, dass er keine Werke neben sich zulassen oder leiden könne. Und darum muss auch Jacobi hochwichtiger, ernster Brief (weil er eine solche leichtfertige, eitle Lehre und solchen Glauben straft) als strohern von ihnen angesehen und erachtet werden. O stolze Torheit! (Menno bezieht sich hier auf eine Bemerkung Luthers, der den Jakobusbrief eine „stroherne Epistel“ nannte.)
Ein jeder sehe wohl zu, wie und was er lehrt; denn gerade mit dieser Lehre haben sie das unbedachte, dumme Volk gross und klein, Bürger und gemeinen Mann, in ein solches fruchtloses, wildes Leben geführt und so weit den Zaum gelassen, dass man unter den Türken und Tartaren (vermute ich) kaum ein so gottloses, greuliches Leben, wie das ihre ist, finden könnte. Die offenbare Tat gibt Zeugnis; denn das überflüssige Essen und Trinken, die übermässige Pracht und Hoffart, das Huren, Lügen, Betrügen, Fluchen, Schwören bei des Herrn Wunden, Sakramenten und Leiden, das Blutvergiessen und Fechten etc., welches leider bei vielen von ihnen gefunden wird, hat weder Mass noch Ende. Lehrer und Jünger handeln in vielen fleischlichen Dingen einer wie der andere, wie man sehen kann.“
(In: „Von dem lutherischen Glauben“.)

Um das heilige Leben der Brüder zu bewahren, wandten viele Gemeinden eine strenge Gemeindezucht an. Aber im Unterschied zu den Katholischen und Reformierten, und aufgrund von Matthäus 18,15-17, wurde diese Gemeindezucht nicht durch eine autoritäre Leiterschaft auferlegt. Im Gegenteil, jeder Bruder hatte das Recht und die Pflicht, seine Mitbrüder zurechtzuweisen, wenn sie in Sünde lebten.

Die Hutterer pflegten auch die Gütergemeinschaft nach dem Vorbild der Urgemeinde (Apostelgeschichte 2,44), aber die übrigen Täufer hatten diese Praxis nicht.

In der Organisation der Gemeinde behielten die Täufer weiterhin das Pfarramt bei, in der Tradition der katholischen und reformierten Kirche. D.h. sie gelangten nicht zu einer pluralen Leiterschaft von Ältesten wie in der frühen Kirche, und auch nicht zu einer konsequenten Praxis des allgemeinen Priestertums in der gegenseitigen Auferbauung unter Mitwirkung aller Gemeindeglieder gemäss 1.Kor.14,26. Ihre „Pastoren“ waren vorwiegend „Prediger“, genau wie in den reformierten Kirchen. In diesem Punkt blieb auch die Reformation der Täufer unvollendet.

Aber in allen übrigen Belangen waren die Täufer die konsequenteste Gruppe ihrer Zeit, was die Rückkehr zur frühen Kirche angeht. Keine andere Gruppierung jener Zeit folgte so treu dem Wort Gottes als oberste Autorität der Kirche. Obwohl Luther, Zwingli und Calvin in der Theorie dieses selbe Prinzip lehrten, vermischten sie doch in der Praxis die Leiterschaft der Kirche mit der weltlichen Regierung. So sahen sie sich ständig gezwungen, mit den Mächten dieser Welt Kompromisse zu schliessen, und deshalb konnten sie in ihren Reformen nicht völlig konsequent sein.

Als Folge ihres Glaubens waren die Täufer auch die meistverfolgte Gruppierung jener Zeit. An ihnen erfüllten sich die Worte von Paulus:

„Denn wie ich denke, hat Gott uns, die Apostel, als die Geringsten hingestellt, wie zum Tod Verurteilte; denn wir sind ein Schauspiel geworden vor der Welt, den Engeln und den Menschen. (…) Bis zu dieser Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blösse, werden wir geschlagen, und haben keine feste Wohnstatt. Wir mühen uns ab mit unserer eigenen Hände Arbeit; wir werden verflucht, und wir segnen; wir werden verfolgt, und ertragen es; wir werden verleumdet, und beten; wir sind bis jetzt wie der Kehricht der Welt geworden, ein Abschaum aller.“ (1. Korinther 4,9-13).

Der Reformator Martin Luther – Teil 3 – Zentrum der Korruption statt Zentrum der Heiligkeit

21. Oktober 2012

Zentrum der Korruption statt Zentrum der Heiligkeit

Luthers Romreise vermittelte ihm entscheidende Eindrücke für später. Er erwartete, ins „Zentrum der Heiligkeit“ zu kommen, das ersehnte Ziel so mancher Pilger. Stattdessen fand er, dass die italienischen Priester in aller Art Sünde lebten, keine Ehrfurcht vor Gott hatten, und selbst die Messe als ein reines Routinegeschäft betrachteten und ins Lächerliche zogen. (Er hörte z.B. einen Priester über der Hostie höhnisch murmeln: „Brot bist du, und Brot wirst du bleiben“ – ein Spott über die katholische Transsubstantiationslehre.) Er kehrte sehr enttäuscht von Rom zurück.
– Dennoch glaubte Luther anscheinend auch später noch, als der Streit mit dem Ablasshändler Tetzel den Ausschlag zu seinem Protest gab, der Papst könne Tetzels Missbräuche unmöglich gutheissen. Erst als Luther wegen seiner Schriften exkommuniziert wurde, dämmerte es ihm, dass die Korruption tatsächlich von der obersten Führungsspitze der Kirche ausging, nicht nur von einigen lokalen und regionalen Leitern.

Die Lehre, die wir daraus ziehen müssen, ist traurig: Wenn die Kirche verderbt ist, dann sind die Zustände nie so schlimm wie sie scheinen. Sie sind noch viel schlimmer! Wer mit einem untergeordneten Leiter (z.B. einem örtlichen Gemeindeleiter) ein Problem hat, wird selten Erfolg haben damit, an übergeordnete Leiter zu apellieren. Meistens haben sich die übergeordneten Leiter bereits mit den untergeordneten abgesprochen und sind mit deren Missbräuchen einverstanden. „Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut“ (und seien es die höchsten Leiter einer Kirche) „und Fleisch zu seinem Arm macht, während sein Herz sich vom Herrn entfernt.“ (Jeremia 17,5)

In ähnlicher Weise wie Luther lebte auch ich lange Zeit in der Täuschung, die obersten Leitungspositionen in christlichen Denominationen und Werken seien mit gerechten, gottesfürchtigen Menschen besetzt. (Würde es sich um neutestamentliche Gemeinde handeln, dann wäre das ja auch zu erwarten.) Wo Missbräuche und Skandale vorkamen, schrieb ich es einigen wenigen „schwarzen Schafen“ zu, und nahm an, wenn diese ihre Sünde bereuten oder einer biblischen Disziplin unterzogen würden, dann käme die Situation in Ordnung. Aber wie Luther musste ich diese Ansicht revidieren, nachdem ich meine eigenen Erfahrungen mit führenden Leitern machte, und andere Geschwister mit ähnlichen Erfahrungen kennenlernte.

Auf den „unteren Ebenen“, wie Hauskreise, Jugendgruppen, evangelistischen und Jüngerschaftsgruppen, gibt es oft noch einen echten Hunger nach Gott und ein echtes Streben danach, ihm zu gefallen. Aber je höher man in der „Hierarchie“ kommt, desto mehr wird das Verhalten der Verantwortlichen bestimmt von institutionellen Strategien, Konkurrenz- und Marketingdenken, Machthunger, Manipulation, politischem Kalkül, u.a.m. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in den meisten dieser Organisationen „Leiterschaft“ mit (ganz konkreter) Macht verbunden ist. Infolgedessen werden die Leiterschaftspositionen zu Anziehungspunkten für machthungrige Menschen, die mit den neutestamentlichen Anweisungen an Leiter (wie z.B. Lukas 22,24-27, 1.Petrus 5,2-3 – bitte lesen!) nichts am Hut haben. Wären die höchsten Positionen verbunden mit einem Höchstmass an Armut, Entbehrungen, Verachtung, Leiden und Verfolgung (1.Kor.4,10-13), – wie es heute noch z.B. in einigen Untergrundbewegungen in China der Fall ist -, dann wäre bestimmt eine andere Art Menschen in diesen Positionen anzutreffen.

Deshalb gebe ich jetzt jungen Dienern Gottes – soweit sie noch auf mich hören wollen – folgendes zu bedenken: „Jeder Diener Gottes wird früher oder später vor eine äusserst wichtige Entscheidung gestellt werden: Wirst du kompromisslos Gott dienen – oder einer menschlichen Institution, die sich „Kirche“ nennt? – Wenn du die Institution wählst, dann werden dir alle Türen offenstehen. Gemeinden und Missionswerke werden dich mit offenen Armen empfangen. Einige werden dich für deine Arbeit sogar gut bezahlen. Aber du wirst dich mehr und mehr gezwungen sehen, bei unredlichen Machenschaften mitzumachen, Sünde zu vertuschen, und die Ehre der Institution über die Ehre Gottes zu stellen. Höchstwahrscheinlich wirst du dabei korrupt werden, deine Integrität verlieren, und vielleicht sogar deinen Glauben.
– Wenn du dagegen Gott wählst, dann wird dein Weg schwierig sein. Du wirst als Störefried angesehen werden, und wirst wahrscheinlich mehrmals fälschlich angeklagt und ausgeschlossen werden. (Siehe Joh.16,2-3 !!) Du wirst deinen guten Ruf verlieren, und wirst für alle Belange deines Lebens dein Vertrauen völlig und allein auf Gott werfen müssen. Deine einzige Befriedigung wird darin bestehen, zu wissen, dass du den Willen Gottes getan hast und dass dein Lohn von ihm kommt. Überlege dir jetzt, wem du dienen wirst.“

(Fortsetzung folgt)

Guten Tag, ihr unwürdigen Sünder! (Teil 2)

23. Dezember 2011

Ein wenig Geschichte

Diese ganze Verwirrung hat einen historischen Hintergrund. Martin Luther legte grosses Gewicht auf die Lehre von der Erlösung durch Glauben, nicht durch Werke; und dass kein Mensch – auch ein Christ nicht – aus sich selber heraus gut sein kann; aber dass Gott ihm aus Gnade vergibt. Und er ging mit dieser Lehre bis zu dem Extrem, dass er sagte, ein Christ sei „simul iustus et peccator“, gleichzeitig Gerechter und Sünder. Bei anderer Gelegenheit sagte er sinngemäss: „Ich dachte, den alten Adam ersäuft zu haben; aber der Schuft kann schwimmen.“

Luther war zweifellos ein sehr grosser und bedeutender Reformator. Aber derselbe Luther stellte auch das Prinzip des „sola scriptura“ auf. D.h. dass es in der Kirche keine Lehrautorität ausserhalb der Heiligen Schrift gibt. Weder die „kirchliche Tradition“, noch der Papst, noch irgendein berühmter Pfarrer oder Theologe, kann die letzte Autorität sein in Fragen der christlichen Lehre. Somit müssen wir dieses Prinzip auch auf die Lehren von Luther selber anwenden, und müssen sagen: „In diesem Punkt haben Sie sich geirrt, Doktor Martinus. Die Schrift bestätigt das ’simul‘ nicht; und sie sagt auch nicht, der alte Mensch könne schwimmen.“ (Die Frage des ’simul‘ haben wir schon oben behandelt.)

Vom historischen Hintergrund her können wir verstehen, dass Luther in diesem Punkt über das Ziel hinausgeschossen hat. In jener Zeit hatten die Menschen ein ganz anderes Lebensgefühl als die heutigen modernen und postmodernen Menschen. Das Sündenbewusstsein durchdrang alles. Man fühlte ständig auf seinen Schultern die drückende Last der Sünde – eine Last, die nur erleichtert werden konnte mittels guter Werke zugunsten einer allmächtigen Kirche. Einige gingen so weit, dass sie all ihr Hab und Gut aufwendeten, um (wie sie glaubten) ihre Seele, oder die Seele eines Verwandten, aus dem Fegefeuer zu retten, wo sie für ihre Sünde leiden mussten. Die Bemühungen, sich von der Sünde zu befreien, nahmen einen grossen Teil des Lebens ein. Jene armen Menschen bereuten ihre Sünden bereits; sie waren bereits auf der Suche nach Erlösung. Aber es war sehr nötig ihnen zu sagen, dass ihre eigenen Bemühungen dazu weder nützlich noch notwendig waren, sondern dass die Gnade Jesu alles war. Und einmal zum Glauben gekommen, musste man ihnen sagen, dass ihre Bekehrung und Erlösung nicht ihr eigenes Verdienst war: Nicht sie selber waren es, die „so gut“ waren, dass sie die Erlösung verdient hätten. Und so können wir verstehen, dass Luther diese Wahrheit überbetont hat. Es geschieht manchmal, wenn die Kirche weit vom Weg abgeirrt ist, dass eine starke Persönlichkeit es für notwendig erachtet, sie so kräftig zurückzuziehen, dass sie im Endergebnis auf der anderen Seite vom Weg abkommt.

Das war es, was mit Luthers Lehre geschah. Diese Lehre war nötig für ein Volk, das übermenschliche Anstrengungen unternahm, um sich selber von der Last der Sünde zu befreien; und das nachher auf diese Anstrengungen stolz war. Aber die heutige Situation ist anders. Der moderne Mensch, auch der moderne Christ, spürt sehr wenig echte Überführung von seiner Sünde; und er unternimmt noch weniger Anstrengungen, sich davon zu befreien. Die kostbare Gnade, die Luther verkündet hatte, ist unter der Predigt der modernen Kirche zu einer billigen Gnade verkommen. Heute wird „Gnade für alle“ verkündet, auch für jene, die ihre Sünde gar nicht bereuen. Angesichts dieser modernen Kirche muss laut gesagt werden: „Es ist nicht möglich, Christ und Sünder zugleich zu sein. ‚Christ‘ und ‚Sünder‘ sind Gegensätze wir Feuer und Wasser.“

Damit stellt sich die Frage: Was sind denn jene, die sich „Christen“ und „Sünder“ zugleich nennen? Sind sie Heilige, die noch nicht verstanden haben, dass sie heilig sind? Oder sind sie Sünder, die irrtümlich glauben, sie seien Christen? – Soweit ich sie bis jetzt kennengelernt habe, muss ich annehmen, dass für die Mehrheit Letzteres zutrifft: Sie haben völlig recht, wenn sie sich selber „Sünder“ nennen; aber sie irren sich sehr, wenn sie denken, dass sie so Christen sein könnten. Tatsächlich ist die Mehrheit von ihnen noch nicht bis zu Römer 3,24 gelangt: sie sind nie von ihrer Sünde umgekehrt und sind nie zum echten rettenden Glauben an Christus gekommen. Beweis dafür ist, dass sie weiterhin in Sünde leben; und dass sie die Wirksamkeit des Opfers Jesu zur Befreiung von der Sünde leugnen.

Kann der alte Adam schwimmen?

Anscheinend fühlte sich Luther entmutigt, als er feststellte, dass er auch nach seiner Bekehrung noch sündigte. (Hier sehen wir wieder den grossen Unterschied zwischen jener Zeit und der heutigen Kirche: Die heutigen „Christen“ sündigen zwar auch, aber es bekümmert sie nicht mehr.) So kam er zur (falschen) Schlussfolgerung, „der alte Adam könne schwimmen“. Aber die betreffende Bibelstelle ist sehr klar:

„… unser alter Mensch ist mit (Jesus) gekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde zunichte gemacht werde, damit wir nicht mehr der Sünde dienen. (…) Denn was er (Christus) gestorben ist, das ist er der Sünde ein für allemal gestorben; was er aber lebt, das lebt er für Gott. So auch ihr …“ (Römer 6,6.10-11)

In einem echten Christen ist der „alte Mensch“ ganz klar tot, und nichts weist darauf hin, er könne auferstehen.
Warum sündigen dann auch die echten Christen ab und zu? – Die Antwort finden wir in Römer 8:

„Denn das Trachten des Fleisches ist Tod, das Trachten des Geistes aber Leben und Frieden; denn das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott; denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht; es vermag das ja auch nicht. (…) Also sind wir nun, ihr Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, nach dem Fleisch zu leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.“ (Römer 8,6-7.12-13)

Hier spricht Paulus nicht vom „alten Menschen“, sondern vom „Fleisch“. Das ist nicht dasselbe! Der „alte Mensch“ ist die Natur des nicht wiedergeborenen Menschen, die ihn unweigerlich in die Sünde zieht. Das ist der „Sünder“ von Natur aus. Das „Fleisch“ hingegen ist einfach schwach. Mit „Fleisch“ fasst Paulus alle Anstrengungen, Neigungen und Möglichkeiten zusammen, die der Mensch von sich aus hat, ohne die Hilfe Gottes. Dieses „Fleisch“ kann sogar gut und religiös sein (siehe Philipper 3,4-7). Aber es kann nicht wirklich den Willen Gottes erfüllen, wie wir soeben gelesen haben.

Ein Christ sündigt also ab und zu, nicht weil er noch Sünder wäre, sondern weil er einfach Mensch ist und deshalb schwach. Und Römer 8 zeigt uns einen Ausweg aus dieser Schwachheit: „nach dem Geist“ zu leben und zu denken, statt „nach dem Fleisch“. D.h. uns auf die Kraft und die Möglichkeiten Gottes und seines Geistes abzustützen, statt auf unsere eigenen menschlichen Anstrengungen.

Wir können den Unterschied wie folgt illustrieren: Stellen wir uns ein aus Holz geschnitztes Zebra vor, mit weissen und schwarzen Streifen. Ist das ein Zebra aus weissem Holz mit aufgemalten schwarzen Streifen, oder ist es aus schwarzem Holz mit aufgemalten weissen Streifen? Auf den ersten Blick können wir den Unterschied vielleicht gar nicht erkennen. Aber wenn wir ein wenig Schleifpapier nehmen und zu schleifen anfangen, dann wird die Farbe bald abgehen, und die wirkliche Farbe des Holzes wird sichtbar. So ist es auch mit dem Unterschied zwischen dem Sünder und dem Christen. Die wahre Natur des Sünders ist Sünde, wie sehr er sich auch bemühen mag, gute Taten zu tun und sogar in der Kirche mitzuarbeiten und sich einen christlichen Anschein zu geben. Diese Anstrengungen sind wie aufgemalte weisse Streifen. Wenn Gott anfängt, dieses Leben zu „schleifen“ und auf die Probe zu stellen, dann wird mit der Zeit seine wahre Natur zum Vorschein kommen. – Ebenso ist es mit dem Christen. Seine wahre Natur ist Heiligkeit, obwohl er noch ab und zu in Sünde fällt. Diese Sünden sind wie aufgemalte schwarze Streifen. Wenn Gott das Leben des Christen auf die Probe stellt, dann wird er nach und nach von diesen schwarzen Streifen befreit, und seine wahre Natur wird deutlicher sichtbar werden.

Das ist die grosse Wahrheit von Offenbarung 22,11-12:

„Wer Unrecht tut, der tue noch (mehr) Unrecht, und wer unrein ist, der verunreinige sich noch (mehr); und der Gerechte übe noch (mehr) Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich noch (mehr)! Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um jedem zu vergelten, wie sein Werk ist.“

Einige, die sehr „reformiert“ sein möchten, lehren, die Erlösung sei nichts anderes als eine Art göttlicher Etikettenschwindel. Als ob Gott sagen würde: „Der Sünder Soundso möchte der Strafe für seine Sünden entgehen und hat meinen Namen angerufen; also klebe ich ihm jetzt die Etikette ‚gerecht und heilig‘ auf, obwohl sein Leben immer noch so ungerecht und sündig ist wie vorher.“ Eine solche Lehre stellt Gott als Lügner dar. Die Rechtfertigung wäre keine Rechtfertigung, wenn der „Gerechtfertigte“ weiterhin ungerecht wäre. (Aus diesem Irrtum heraus übersetzen einige Bibelausgaben „gerechtsprechen“ und „Gerechtsprechung“, statt „rechtfertigen“ und „Rechtfertigung“. Noch besser wäre eigentlich der Ausdruch „Gerechtmachung„.) Man kann nicht „theoretisch gerecht und praktisch ungerecht“ sein. Gott prangert diese Haltung mit starken Worten an:

„Wie? da stiehlt man und mordet, bricht die Ehe und schwört Meineide, opfert dem Baal und läuft andern Göttern nach, die man nicht kennt – und dann kommt ihr und tretet vor mein Angesicht in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: ‚Wir sind frei!‘ – um all diese Greuel weiterhin zu treiben! Ist denn dieses Haus, das nach meinem Namen genannt ist, in euren Augen eine Räuberhöhle geworden? Auch ich, fürwahr, ich sehe es, spricht der Herr.“ (Jeremia 7,9-11)

Was sagte Jesus zu der Ehebrecherin, nachdem er ihr vergeben hatte? – „Auch ich verurteile dich nicht; geh, sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Johannes 8,11)
Und was sagte Jesus zum Gelähmten, den er geheilt hatte? – „Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerfährt!“ (Johannes 5,14)

Das „Sündige nicht mehr“ gehört untrennbar zum Werk der Wiederherstellung, das Jesus in einem Menschen tut. Legt Jesus uns damit eine unerträgliche Last auf? – Keineswegs. Das Gebot „Sündige nicht mehr“ gehört in dieselbe Kategorie wie das vorangehende Gebot, das er zum Gelähmten sagte: „Steh auf, nimm dein Bett und geh umher!“ (Johannes 5,8) Wahrlich eine unerträgliche Last! Dieser Mann konnte doch gar nicht gehen! Aber der Gelähmte sah es nicht so. Im Gegenteil, für ihn war das eine Botschaft übernatürlicher Befreiung: Wenn Jesus es mir sagt, dann kann ich! Und er stand auf und ging umher.
– Dasselbe gilt für das Gebot „Sündige nicht mehr“. Für jene, die das übernatürliche Geschenk Jesu verachten, ist dieses Gebot eine unerträgliche Last, eine „Gesetzlichkeit“, eine „altmodische Forderung“. Aber für jene, die den Herrn wirklich kennengelernt haben und auf ihn vertrauen, ist es eine Botschaft übernatürlicher Befreiung: Von mir selber aus kann ich nicht. Aber wenn der Herr Jesus es mir sagt, dann kann ich!

Die faulen Früchte der „unwürdigen Sünder“

Ginge es nur um einen Streit um Worte, dann hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, diesen Artikel zu schreiben. Aber diese Lehre der „unwürdigen Sünder“ hat ganze evangelische Gemeindeverbände verdorben. Mit dieser Lehre ist die ganze christliche Ethik auf den Kopf gestellt worden. Die Pharisäer zur Zeit Jesu verachteten die Ehebrecher, die Prostituierten, die Diebe, die Landesverräter. Aber die heutigen Pharisäer verachten jene ernsthaften Christen, die von ganzem Herzen Jesus gefallen möchten!
Heute gilt es als „gut“ und „mitleidig“, die nicht-reuigen Sünder weiter ihr sündiges Leben leben zu lassen, auch innerhalb der Kirche. Als ob das Mitleid wäre, zuzulassen, dass die Christen weiterhin bestohlen, betrogen, missbraucht und misshandelt werden von ihren „Mitbrüdern“, und sogar von ihren Pastoren! – Und es gilt als „böse“, Sünde zu konfrontieren und Sünder zur Umkehr zu rufen. Heute ist es also „böse“, dieselbe Botschaft zu verbreiten, die Jesus und die Apostel während ihrer ganzen Wirkungszeit verkündigten. (Siehe Matthäus 4,17; 9,13; Lukas 24,47; Apostelgeschichte 2,38; 3,19; 14,15; u.v.a.m.)

Die sogenannte „Gemeindezucht“ ist derart pervertiert worden, dass sie jetzt nicht mehr dazu dient, unbussfertige Sünder zu korrigieren. Im Gegenteil, die „Gemeindezucht“ dient jetzt dazu, jene zum Schweigen zu bringen und aus der Gemeinde auszuschliessen, die die Sünde aufdecken. Diese werden jetzt „lieblos“, „mitleidslos“, „Rebellen“ und „Kirchenspalter“ genannt. (Insbesondere, wenn sie die Sünde eines Leiters aufdecken.) Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir evangelikale sogenannte Geschwister „Lieblosigkeit“ vorgeworfen haben, weil ich in einem konkreten Fall erklärte, sexueller Kindsmissbrauch sei eine Sünde, die nach einer disziplinarischen Massnahme rufe. Wäre es dann „liebevoller“ zu schweigen, damit mehr Kinder zu Opfern werden?

Mit dieser falschen Lehre sind einige Kirchen tatsächlich zu Räuberhöhlen geworden. Sie wurden zu Zufluchtsorten für allerart Verbrecher, die sich dort unter dem Mantel einer falsch verstandenen „christlichen Gnade“ verkriechen können. Wie folgendes Beispiel illustriert::

„Charles Colson erzählte die Geschichte von Mickey Cohen, dem Anführer der Mafia von Los Angeles vor etwa dreissig Jahren. Mickey Cohen ging zu einer Evangelisation von Billy Graham und sprach ein Gebet, um Jesus als seinen Erlöser anzunehmen. Trotzdem führte er weiterhin die Mafia an in allen ihren ungesetzlichen und unmoralischen Aktivitäten. Schliesslich ging ein mutiger Christ, der ebenfalls Teil der Mafia gewesen war, zu Mickey und erklärte ihm, dass er nicht so weiterleben könne, wie er in der Vergangenheit gelebt hatte. Mickey widersetzte sich und sagte, an der Evangelisation hätte ihm niemand gesagt, er solle aufhören, die Mafia anzuführen. Der Christ zeigte ihm aus der Schrift, dass er aufhören sollte, solche Dinge zu praktizieren. Als Mickey das hörte, sagte er: ‚Wenn mir jemand das alles von Anfang an erklärt hätte, dann hätte ich nicht Jesus angenommen.‘ Er führte weiterhin die Mafia an, bis er an Krebs starb.“
(Quelle (auf Spanisch): Zeitschrift „PlaticAMOS“ vom Dezember 2001, bei http://www.amos524.org )

Diese Situation hat das Zeugnis von Jesus Christus befleckt, überall da, wo es solche Kirchen von „unwürdigen Sündern“ gibt. Ich kann es in meiner persönlichen Umgebung beobachten: Die Mehrheit der Menschen haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Evangelischen/Evangelikalen, und deshalb haben sie kein Interesse am Evangelium. Tatsächlich richten sich die Worte des Apostels Paulus an die gegenwärtigen Kirchen:

„Du, der du dich des Gesetzes (der Bibel) rühmst, entehrst Gott durch die Übertretung des Gesetzes (der Bibel). Denn der Name Gottes wird um euretwillen unter den Völkern gelästert, wie geschrieben steht.“ (Römer 2,23-24)

Es ist die Ehre Gottes, der gute Ruf Gottes, der hier auf dem Spiel steht.

Schluss

Wenn Sie ein „unwürdiger Sünder“ sind, dann bekehren Sie sich! Es wird Ihnen nichts nützen, einfach die Worte zu ändern und sich von jetzt an „Heiliger“ zu nennen. Das wird Ihre Natur nicht ändern. Kehren Sie zu Jesus um, von Herzen und mit Taten! Dann vertrauen Sie auf ihn für Ihre Wiedergeburt und die Wiederherstellung Ihres Lebens.

Wenn Sie ein Christ sind, der wirklich den Herrn liebt und sucht, dann schliessen Sie sich nicht einer Kirche von „unwürdigen Sündern“ an! Die dortigen Leiter verachten, tadeln und entmutigen jeden, der nach Heiligkeit sucht. Sie werden Sie „gesetzlich“, „lieblos“, „Perfektionist“, und Schlimmeres nennen. Sie werden alles tun, was in ihrer Macht steht, um Sie auf die Ebene desselben erbärmlichen, heuchlerischen Lebens hinunterzuziehen, das sie selber leben. Suchen Sie eine Gemeinschaft von Christen, die den Herrn wahrhaftig lieben.

Ich möchte nicht missverstanden werden. Es ist auch in dieser Angelegenheit möglich, sich ins andere Extrem zu verirren. So geschah es in einigen Teilen der Gemeinde des 2. und 3. Jahrhunderts, die lehrten, es gebe keine Vergebung mehr für Sünden, die nach der Taufe begangen werden. So geschah es auch in einigen Teilen des frühen Methodismus und der Heiligungsbewegung des 19.Jahrhunderts, wo eine so vollständige Vollkommenheit gepredigt wurde, dass wer sie erreichte, von keiner Versuchung mehr besiegt werden könnte. Eine solche Lehre führt zur Verzweiflung für jene, die eine solche Vollkommenheit anstreben und sie nicht erreichen. Sie kann auch zu einer übertriebenen Gemeindezucht führen, welche die Umkehr und Wiederherstellung selbst jenen verweigert, die wirklich reuig sind. – Aber gegenwärtig sehe ich keine Gefahr, dass diese Strömung wieder die Oberhand gewinnen könnte. Zumindest nicht, solange man noch in einer evangelikalen Kirche unter Gemeindezucht gestellt werden kann, nur weil man die Sünde Sünde nennt.

Im übrigen möchte ich betonen, dass die Rechtfertigung und Heiligung immer ein Geschenk Gottes ist; kein Verdienst des Menschen. Aber ebenso möchte ich betonen, dass Gott dieses Geschenk tatsächlich jedem geben will, der danach strebt. Die schlimmste Sünde der „unwürdigen Sünder“ besteht darin, dass sie dieses Geschenk verachten und mit Füssen treten, oder dessen Existenz überhaupt leugnen; und dass sie jene, die es suchen, daran hindern, es zu empfangen. Da sie selber das Vorrecht eines Lebens in der Nachfolge Jesu nicht kennen, wollen sie es auch niemand anderem zugestehen. Sie sind hierin wie jene Pharisäer, von denen Jesus sagte: „Ihr schliesst das Himmelreich vor den Menschen zu. Denn ihr kommt nicht hinein, und die, welche hinein wollen, lasst ihr nicht hinein.“ (Matthäus 23,13) Hoffen und beten wir, dass der Herr selber diesen Usurpatoren die Schlüssel des Himmelreichs entreisst und sie jenen zurückgibt, denen sie rechtmässig gehören: nämlich jenen, die wirklich hinein wollen.

Guten Tag, ihr unwürdigen Sünder!

15. Dezember 2011

Vorbemerkung: Dies ist die Wiedergabe eines Artikels, den ich ursprünglich auf Spanisch veröffentlichte, im Bezug auf eine hier sehr konkrete und sehr verbreitete Situation. Da ich nicht mehr allzuviel Kontakt ausserhalb von Perú habe, kann ich nicht beurteilen, wie weit das Folgende auch auf den deutschsprachigen Raum zutrifft. Ich veröffentliche es hier trotzdem, „nur für den Fall, dass…“.

In gewissen evangelischen/evangelikalen Kreisen herrscht die Gewohnheit zu sagen: „Ich bin ja nur ein unwürdiger Sünder.“ „Wir sind doch alle unwürdige Sünder.“ Manche wiederholen diese Worte ohne nachzudenken, weil die anderen es auch sagen. Aber Gott möchte nicht, dass wir Papageien sind, die alles gedankenlos nachplappern. Er möchte, dass wir alles prüfen, was wir hören (1. Thessalonicher 5,21). Prüfen wir also diese Gewohnheit, und sehen wir, was die Bibel dazu sagt.

¿Warum sagen sie: „Ich bin ein unwürdiger Sünder“?

Ich habe mehrere Evangelische/Evangelikale gefragt, warum sie diese Worte benützen. Wie gesagt, manche wussten nichts zu antworten, weil sie noch gar nie darüber nachgedacht hatten. Einige sagten: „Hat uns nicht Jesus beigebracht, wir sollen so beten?“ – Damit bezogen sie sich auf das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner (Lukas 18,9-14), wo Jesus sagt:

„Der Zöllner aber stand von ferne und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern er schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging mehr gerechtfertigt nach Hause als jener. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lukas 18,13-14)

Warum handelte der Zöllner so? Offenbar, weil er sich seiner Sünde bewusst war, und so vor Gott seine Reue ausdrückte. Er wusste sehr gut, dass er vor Gott nicht gerecht war mit dem Leben, das er lebte; und suchte Vergebung. Jesus erzählte dieses Gleichnis „zu etlichen, die auf sich selber vertrauten als Gerechte, und die übrigen verachteten“ (Vers 9). Diese, die Pharisäer, brauchten auch Vergebung; aber sie waren sich dessen nicht bewusst.

Wenn jetzt mein evangelischer/evangelikaler Freund in seinem Gebet in der Kirche dieselben Worte braucht wie der Zöllner, wird er dieselbe Belohnung erhalten? – Nicht unbedingt. Reue und Umkehr sind Dinge des Herzens und der Taten, nicht der Worte, die wir benützen. Und unter jenen, die ich befragte, war keiner, der geantwortet hätte, er bete so, weil er seine Sünden bereute. Stattdessen antworteten sie, sie beteten so, „weil der Herr gesagt hat, wir sollen so beten“. Sehen wir, was für eine Haltung sich hier offenbart:

Die Pharisäer hatten gelernt, dass sie, um gerecht zu sein, zeigen müssten, dass sie das Gesetz Gottes in jedem Detail befolgten. Oder besser gesagt, das „Zeigen“ vor den Menschen war noch wichtiger als das Befolgen. Deshalb dachte der Pharisäer im Gleichnis, gerechtfertigt zu sein, indem er sich seines Gehorsams rühmte. Vor den Menschen erweckte er den Anschein von etwas, was in seinem Herzen nicht Wirklichkeit war.

Und was lernen heute die Gemeindeglieder, welche die Worte des Zöllners wiederholen? Es wird ihnen gesagt, um gerechtfertigt zu werden, müssten sie „demütig“ sein und sich selber „Sünder“ nennen. Somit tun sie es, denn sie wollen, dass die anderen Gemeindeglieder sehen, dass sie die richtigen Worte gebrauchen. Das heisst, auch sie erwecken nur einen Anschein! Sie gebrauchen Worte, die in ihrem ursprünglichen Zusammenhang Reue und Umkehr ausdrückten; aber da ist keine Umkehr in ihren Herzen und in ihren Leben. Die Mehrheit jener, die sagen „ich bin ein unwürdiger Sünder“, glauben in Wirklichkeit gar nicht, dass sie Sünder sind.

Machen Sie die Probe. Nennen Sie einmal jemanden „unwürdiger Sünder“, der gewohnheitsmässig diese Worte gebraucht, und beobachten Sie die Reaktion. Ich tat das einmal in einer solchen Gemeinde, die mich eingeladen hatte. Nach der Gebetszeit begrüsste ich die Versammlung: „Guten Tag, ihr unwürdigen Sünder.“ Ich blickte in einige sehr, sehr verärgerte Gesichter. Da war es mit der Demut vorbei! – Ich sagte ihnen: „Warum ärgern Sie sich? Ich habe doch nur dasselbe gesagt, was Sie selber vor einigen Minuten in Ihren Gebeten gesagt haben.“ – Aber eben: sie hatten ihre Gebete ja gar nicht ernst gemeint. Sie waren gar nicht überführt von ihrer Sünde. Sie hatten lediglich so gebetet, um vorzuzeigen, dass sie die „richtigen Worte“ wussten.

In Wirklichkeit ist diese Art des „Anschein Erweckens“ noch schlimmer als die der Pharisäer. Ja, die Pharisäer waren stolz; aber sie zeigten ihren Stolz wenigstens offen. Jene hingegen, die sagen „Ich bin ein unwürdiger Sünder“, ohne wirklich daran zu glauben, verstecken ihren Stolz hinter einer falschen Demut.

– Ich bin mir bewusst, dass auch die gegenteilige Strömung existiert, jene des „positiven Bekenntnisses“. Dort wird den Leuten beigebracht, zu „bekennen“, sie seien gesund, während sie noch krank im Bett liegen; zu „bekennen“, sie seien siegreich, während in Wirklichkeit alles schiefgeht; und zu „bekennen“, sie seien heilig, während sie noch in einer Vielzahl von Sünden gefangen sind. In keiner Bibelstelle wird uns angeraten, so etwas zu tun. Ein echter Christ darf sich „heilig“ nennen, weil das die Wirklichkeit seines Lebens ist; aber Gott sagt nicht zu einem falschen Christen, er solle sich „heilig“ nennen, wenn in seinem Leben keine Heiligkeit vorhanden ist. Aber das ist ein anderes Problem, das in einem eigenen Artikel behandelt werden müsste.

Ein Christ ist ein Heiliger

Gibt es eine biblische Grundlage dafür, einen Christen „Sünder“ zu nennen? Das Neue Testament ist hierin konsequent: die Christen heissen „Heilige“, und die Nichtchristen heissen „Sünder“. Paulus schrieb seine Briefe an die „Heiligen“ in Korinth, Ephesus, Philippi, usw. Nicht an die „Sünder in Korinth“. – An die Römer schrieb er klar, dass ein Christ der Sünde gestorben ist:

„Was sollen wir nun sagen? Wollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade noch grösser werde? Das sei ferne! Die wir der Sünde abgestorben sind, wie sollten wir ferner in ihr leben? (…) So sollt auch ihr euch als solche ansehen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“ (Römer 6,1-2. 11)

Was die Sünder oder „Ungerechten“ betrifft, so ist die Schrift klar darin, dass diese keine echten Christen sein können:

„Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder, noch Diebe noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und das sind euer etliche gewesen. Aber ihr habt euch abwaschen lassen, ja, ihr seid geheiligt worden, ja, ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.“ (1. Korinther 6,9-10)

Klarer kann man den abgrundtiefen Unterschied zwischen einem „Sünder“ und einem „Gerechten“ oder „Heiligen“ nicht ausdrücken.

Wie sollen wir dann das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner verstehen? – Jesus verurteilt hier sicher nicht das Streben nach Heiligkeit. Im Gegenteil, der Zöllner suchte genau das: Vergebung seiner Sünden und eine Wiederherstellung seines Lebens. Deshalb nennt ihn Jesus „gerechtfertigt“. Nicht weil er ein Sünder war, sondern weil er seine Sünde bereute! Und ebendiese Umkehr bewirkte, dass der Zöllner aufhörte, ein Sünder zu sein, und zu einem Gerechten wurde.
Was Jesus hier verurteilt, ist die Selbstgerechtigkeit, d.h. das „Vertrauen auf sich selbst als Gerechter“. Und ironischerweise ist es genau das, was jene tun, die sich selber „unwürdige Sünder“ nennen: Sie glauben, dadurch gerechtfertigt zu werden, dass sie vor den Menschen zeigen, wie „demütig“ sie sind, statt die Gerechtigkeit zu suchen, die von Jesus Christus kommt.

Einige häufige Fragen und Einwände

Die „unwürdigen Sünder“ pflegen auf die Darlegung dieser Wahrheiten mit 1.Johannes 1,8 zu antworten:

„Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.“

Bedeutet das, dass ein Christ sich „Sünder“ nennen soll? – Keineswegs, und zwar aus drei Gründen:

1. Der unmittelbar vorangehende Vers versichert: „Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“ (1.Johannes 1,7) Wie soll jemand weiterhin „Sünder“ sein, wenn er soeben von aller Sünde gereinigt worden ist? Wahrscheinlicher ist, dass Vers 8 sich auf jene Sünden bezieht, die vor der Bekehrung zu Jesus begangen wurden. Natürlich hat jeder Christ solche Sünden in seinem Leben, denn niemand wird als Christ geboren.

2. Auch wenn wir annehmen, unser Vers spreche von gegenwärtigen Sünden eines Christen: Macht ihn das schon zum Sünder? – Nein, denn dann kommt sofort Vers 9 zur Anwendung:

„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, sodass er uns die Sünden vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt.“

Also auch wenn ein Christ einmal eine Sünde begeht, dann wird er diese Sünde sogleich bereuen und sie vor dem Herrn bekennen, und dann reinigt ihn der Herr, und der Christ ist wiederum rein von der Sünde. – Beachten wir, dass der Herr nicht nur „von der Strafe für die Ungerechtigkeit“ reinigt. Er reinigt uns von der Ungerechtigkeit selber!

3. Wenn wir einige Verse weiterlesen, dann wird die Absicht dieses ganzen Abschnitts klar. Leider hat irgendwann einmal in der Geschichte irgendein Schreiber beschlossen, nach 1.Johannes 1,10 ein neues Kapitel zu beginnen. Aber die Kapiteleinteilung ist nicht von Gott inspiriert, und in diesem besonderen Fall ist sie sehr unglücklich, weil sie den Zusammenhang auseinanderreisst. 1. Johannes 2,1-6 erklärt nämlich die Absicht der vorangehenden Verse:

„Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt (d.h. wenn trotz allem ein Christ sündigt, was aber nicht der Normalfall ist), dann haben wir einen Beistand beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten. (…) Und daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.“ (1. Johannes 2,1.3-4)

Johannes hat also Vers 1,8 offensichtlich nicht als Ausrede geschrieben, damit Christen weiter in Sünde leben könnten, ohne umzukehren. Im Gegenteil, er schrieb diesen Vers im Zusammenhang eines Ratschlags, wie wir von der Sünde frei sein können. Wer noch daran zweifelt, möge auch 1.Johannes 3,6-8 lesen:

„Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt. Kinder, niemand soll euch irreführen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie jener gerecht ist. Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören.“

 

– Ein anderer Einwand, den ich hörte, kommt aus Römer 3,9-10:

„Denn wir haben soeben Juden und Griechen als schuldig erwiesen, dass sie alle unter der Herrschaft der Sünde seien, wie geschrieben steht: Es ist keiner gerecht, auch nicht einer …“

„Da siehst du“, sagen die „unwürdigen Sünder“, „dass es keinen Gerechten gibt auf der Welt, wir sind alle Sünder.“

Das ist eine wirklich fürchterliche Auslegung dieser Stelle: eine Auslegung, die den Gesamtzusammenhang des Römerbriefs völlig ausser acht lässt, und die zudem die durch Jesus vollbrachte Erlösung leugnet. Wer die ersten drei Kapitel des Römerbriefs vollständig und zusammenhängend liest, wird den Gedankengang leicht verstehen: Paulus beweist in diesen Kapiteln den Nichtchristen, dass sie Sünder sind und deshalb erlöst werden müssen. Auf Nichtchristen angewendet, ist es zweifellos wahr, dass „alle Sünder sind“. Aber Paulus fährt nicht fort: „… und somit werden wir alle für den Rest unseres Lebens unwürdige Sünder bleiben.“ Im Gegenteil, er sagt (paraphrasiert): „Gerade deswegen, weil du ein Sünder bist, deswegen brauchst du Jesus!“ Und dann erklärt er, dass durch die Erlösung in Jesus Christus der Sünder aufhören kann, ein Sünder zu sein:

„Jetzt aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes geoffenbart worden, die vom Gesetz und den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus für alle, die an ihn glauben. Denn es ist kein Unterschied; alle haben gesündigt und ermangeln der Ehre vor Gott, und werden gerechtfertigt ohne Verdienst, durch seine Gnade mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist …“ (Römer 3,21-24)

Wenn also jemand sich unter die „Sünder“ und „Ungerechten“ von Römer 3,9-10 einschliesst, dann sagt er damit, dass er noch nicht bis zu Römer 3,24 gekommen ist. In anderen Worten, dass er noch nicht zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist.

(Fortsetzung folgt)