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Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 (2.Teil)

13. Februar 2017

In der Welt, aber nicht von der Welt

In der Fortsetzung betet Jesus für die Beziehung der Seinen zur Welt. Er beginnt: „Die Welt hat sie gehasst“ (Vers 14). Es ist kein Ziel der neutestamentlichen Gemeinde, von der Welt akzeptiert oder gar bewundert zu werden. Wenn eine Kirche in der Welt berühmt ist und von ihr hoch gelobt wird, dann ist das nicht unbedingt ein Zeichen, dass Gott dahintersteht. Im Gegenteil, Jesus sagte: „Selig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen und euch ausstossen und beleidigen und euren Namen als böse verwerfen um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tag und hüpft, denn seht, ihr werdet einen grossen Lohn im Himmel haben. Denn so taten ihre Vorfahren den Propheten. (…) Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden! Denn genauso taten ihre Vorfahren den falschen Propheten.“ (Lukas 6,22-23.26)
Und nicht nur das. Jesus sagte, dass auch die religiösen Organisationen, also die Kirchen, die wahren Christen hassen würden: „Sie werden euch aus den Synagogen ausstossen; und es kommt sogar die Stunde, wo jeder, der euch tötet, denken wird, er tue Gott einen Dienst. Und das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich kennen.“ (Johannes 16,2) – Denken wir nicht, damit seien nur die jüdischen Synagogen gemeint. Heute haben sich die traditionellen christlichen Kirchen an die Stelle der Synagogen gesetzt; und ihre Pastoren nehmen den Platz der damaligen Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer ein. Tatsächlich haben die offiziellen Kirchen im Lauf der Geschichte viele wahre Christen verfolgt und getötet. Die römische Kirche verfolgte während mancher Jahrhunderte auf brutale Weise die Waldenser, die Reformierten, die Evangelischen, und andere ernsthafte Christen. Die reformierten Kirchen verfolgten ihrerseits die Täufer, die Quäker, die Puritaner, und die Methodisten. Viele Verfolger dachten, diese „Ketzer“ zu verfolgen und zu töten sei ein Dienst für Gott. Wundern wir uns nicht, wenn in naher Zukunft auch die evangelikalen Kirchen anfangen, echte Christen zu verfolgen. Sympathisanten des ökumenischen Weltkirchenrats (an den sich die Evangelikalen immer mehr annähern) haben es bereits getan.

Tatsächlich sind die echten Christen „nicht von der Welt“ (Verse 14 und 16), so wie auch Jesus nicht von der Welt war. Und das schliesst die religiöse Welt mit ein, die Kirchen, deren Mitglieder sich „Christen“ nennen, ohne wiedergeboren zu sein.

Jedes Mal, wenn eine Gruppe von Christen ein gewisses Mass an Einfluss und Ansehen erreichte, kamen sie in Versuchung, sich der Welt anzupassen. Sie begannen, sich ähnlich wie die Welt zu verhalten, um nicht verachtet zu werden. Ihre Leiter begannen, die Sünde zu tolerieren, um den reichen Mitgliedern und den weltlichen Herrschern zu gefallen. So wurde die betreffende Gruppe durch einen allmählichen Prozess zu einem Teil der Welt; und der Herr musste wieder neue Nachfolger berufen, die „nicht von der Welt“ waren.

Als Reaktion auf diese Situation können einige in die entgegengesetzte Versuchung fallen, sich völlig aus der Welt zurückzuziehen. So entstand die Idee der Klöster, christlichen Internate, und anderer Formen von geschlossenen Gemeinschaften und Versuchen, eine Art „Neues Jerusalem“ auf dieser Erde zu errichten. Aber Jesus bittet den Vater, dies für seine echten Nachfolger nicht zuzulassen: „Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt wegnimmst“ (Vers 15). Das wäre nicht gut für die Welt, denn die Welt braucht die Christen als „Salz“ in ihrer Mitte. Und es wäre auch nicht gut für die Christen; denn ein Jünger des Herrn braucht die Herausforderungen der umgebenden Welt, um geistlich wach zu bleiben. Deshalb hat der Herr oft zugelassen, dass solche geschlossenen Gemeinschaften zu wahren Brutstätten der Sünde, der Intrige und Skandalen wurden, um ihren Mitgliedern zu zeigen, dass das nicht der richtige Weg ist.

Stattdessen betet Jesus: „sondern behüte sie vor dem Bösen.“ (Vers 15). Die Jünger Jesu sollen „in der Welt“ leben, „aber nicht von der Welt“; äusserlich mitten in der Welt, aber innerlich abgeschieden von ihr. Deshalb haben sie es so sehr nötig, vor dem Bösen in der Welt behütet zu werden, und das in doppeltem Sinn: Sie müssen behütet werden vor der Bosheit der Welt, welche die echten Christen angreift, verfolgt und misshandelt, damit sie auch in den widrigsten Umständen den Glauben bewahren und dem Herrn treu bleiben. Aber sie müssen auch vor der Bosheit bewahrt werden, die sich in ihr eigenes Leben einschleichen will, und die sie dazu verführen möchte, so wie die Welt zu werden. In beiden Bereichen ist die wahre Gemeinde des Herrn schutzbedürftig. Wie gut zu wissen, dass Jesus bereits dafür gebetet hat! Die wahre Gemeinde muss nicht zu menschlichen Kunstgriffen Zuflucht nehmen, zu Menschengeboten, zu einer „geistlichen Abdeckung“ durch eine „Leiterschaft“, oder zur phyischen Weltflucht. Nicht solche Dinge sind es, welche die Gemeinde behüten; der Herr selber tut es.

Schliesslich stellt Jesus klar, in welcher Beziehung seine Gemeinde zur Welt steht: „Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe ich sie in die Welt gesandt.“ (Vers 18). Die Jünger Jesu haben in dieser Welt eine Mission zu erfüllen. Nicht nur sollen sie in der Welt leben, ohne von der Bosheit der Welt beeinflusst zu werden; sondern sie sollen auch ein „Licht“ sein, damit die Welt Jesus kennenlernen kann durch ihr Leben und ihr Wort. (Siehe Matthäus 5,13-16). Für jeden Jünger Jesu gilt dasselbe Wort, das Gott zu Jeremia sprach: „Sie sollen zu dir umkehren, aber du sollst nicht zu ihnen umkehren!“ (Jeremia 15,9).