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Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 (3.Teil)

24. Februar 2017

Einheit in Heiligkeit

Die nächste Bitte Jesu ist um Heiligung seiner Jünger: „Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. … Und ich heilige mich selber für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt seien.“ (Johannes 17,17.19). „Heilig“ bedeutet „ausgesondert für Gott“, und damit auch „frei von Sünde“. Es ist Gottes Willen, dass die Glieder seiner Gemeinde heilig seien, nicht nur in der Theorie, sondern in Tat und Wahrheit. Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen (Hebräer 12,14).

Das ist sehr wichtig zu verstehen, denn in vielen Kirchen ist eine falsche Lehre verbreitet, wonach die Erlösung einzig in der Vergebung der Sünden bestehe, und dass es unmöglich sei, frei von der Sünde zu sein. Aber wir wissen, dass der Vater allezeit die Bitten seines Sohnes erhört (Johannes 11,42), und dass seine Gebote nicht unmöglich zu erfüllen sind (1.Johannes 5,3). Sollte es dann für Gott unmöglich sein, seine Jünger zu heiligen? Oder sollte es für einen echten Jünger unmöglich sein, Gottes Gebot der Heiligkeit zu erfüllen? Wer so etwas behauptet, macht Gott zum Lügner.

Wir können das leicht mit anderen Aussagen aus den apostolischen Briefen stützen:
„Was sollen wir also sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit wir mehr Gnade von Gott erhalten? Keineswegs! Die wir für die Sünde gestorben sind, wie sollen wir weiter in ihr leben?“ (Römer 6,1-2) – Ein echter Christ ist „tot für die Sünde, aber lebendig für Gott“ (Römer 6,11). Keinesfalls „muss er unweigerlich weitersündigen“.
„Wie alle Dinge, die zum Leben und zur Gottesfurcht gehören, uns gegeben wurden durch seine göttliche Macht … damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet, nachdem ihr der Verderbnis, die in der Welt ist, entflohen seid …“ (2.Petrus 1,3-4). – D.h. ein echter Christ hat von Gott alles erhalten, was notwendig ist, um ein heiliges Leben zu führen, an der „göttlichen Natur“ teilzuhaben und sich von der „Verderbnis, die in der Welt ist“, fernzuhalten.
„der mächtig ist, euch ohne Fall zu bewahren, und euch unbefleckt vor seiner Herrlichkeit hinzustellen mit grosser Freude…“ (Judas 24). – D.h. Gott ist vollkommen imstande, die echten Christen in Heiligkeit zu bewahren.
Wir sollen nur nicht denken, wir selber seien es, die wir uns in dieser Heiligkeit bewahren können. Gott tut es.

Johannes 17,17 lehrt uns ausserdem, dass das Wort Gottes ein wichtiges Mittel ist, das Gott gebraucht, um uns in der Heiligkeit zu bewahren.

Bevor er zur nächsten Bitte kommt, erklärt Jesus, dass er für die Gemeinde aller Zeiten bittet: „Aber ich bitte nicht nur für diese, sondern auch für jene, die durch ihr Wort an mich glauben werden.“ (Vers 20). Dieses Gebet Jesu ist auch für uns heute, für alle, die ihm wahrhaftig nachfolgen.

Glaubst du an die Erfüllung dieses Gebets für dich? Glaubt es die Gemeinde, der du zugehörst?

Die Heiligkeit der Jünger ist Voraussetzung für die nächste Bitte Jesu: die Bitte um Einheit. „…damit alle eins seien; wie du, Vater, in mir, und ich in dir, dass auch sie eins seien in uns; damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,21).

Das ist einer der schönsten Verse des Neuen Testamntes, aber auch einer der am meisten missbrauchten. Der ökumenische Weltkirchenrat hat diesen Vers zu seinem Motto gemacht. Aber die Einheit, welche die Ökumene sucht, ist etwas ganz anderes als die Einheit, für die Jesus betete:
– Jesus betete um eine Einheit in Heiligkeit. Aber die Ökumene fördert eine Einheit in Toleranz: Die ökumenischen Leiter erlauben nicht, dass jemand das Wort Gottes benützt, um jemanden wegen einer Sünde zurechtzuweisen, oder um falsche Lehren und Praktiken einer Kirche aufzuzeigen. Deshalb füllen sich die ökumenefreundlichen Kirchen mit Irrlehrern und mit sündigen und heidnischen Praktiken.
– Jesus betete für jene, „die an mich glauben“. Aber die Ökumene unterscheidet nicht zwischen wahren Christen und Namenschristen. Nach der ökumenischen Definition ist ein Christ, wer „im Namen des dreieinigen Gottes getauft wurde“ – inbegriffen alle jene Katholiken und Reformierten, die als Kleinkinder getauft wurden, aber nie persönlich dem Herrn nachfolgten.
– Jesus betete, dass seine Jünger eins seien als Menschen, auf persönlicher Ebene. Aber die ökumenischen Anstrengungen konzentrieren sich auf Institutionen und Organisationen, auf die „gegenseitige Anerkennung“ zwischen den verschiedenen Konfessionen, und dass die Christen sich den Leitern der jeweiligen konfessionellen Organisationen unterstellen.
– Jesus betete um eine Einheit „in uns“, d.h. im Vater und im Sohn. Damit die Jünger eins sein können, ist es zuallererst notwendig, dass jeder einzelne Jünger „in Jesus“ ist; dass er sich mit Jesus identifiziert und in einer reinen Beziehung zu ihm lebt. Aber die Ökumene schenkt der persönlichen Beziehung zu Jesus sehr wenig Beachtung, oder versteht sie lediglich in einem sakramentalen Sinn (getauft sein und am Abendmahl teilnehmen).

Das Neue Testament spricht nicht nur von Einheit; es spricht auch von der Notwendigkeit der Absonderung:

„… dass ihr nicht mit jemandem Gemeinschaft haben sollt, der sich Bruder nennen lässt, aber ein Unzüchtiger ist oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trinker oder Dieb; mit einem solchen esst auch nicht zusammen.“ (1,Korinther 5,11).
„Werdet nicht Jochgenossen mit Ungläubigen. Denn wie können die Gerechten an der Gesetzlosigkeit teilnehmen? Oder wie kann das Licht mit der Finsternis Gemeinschaft haben? Und wie können der Christus und Beliar übereinstimmen? Oder wie kann der Gläubige etwas mit dem Ungläubigen gemeinsam haben? Und wie kann der Tempel Gottes mit den Götzen übereinstimmen? (…) Deshalb ‚geht hinaus aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr‘, und ‚rührt das Unreine nicht an; so werde ich euch aufnehmen‘. „ (2.Korinther 6,14-17)

Täuschen wir uns nicht. In der gegenwärtigen Situation sind viele Mitglieder und Leiter von Kirchen (möglicherweise die Mehrheit) „Unzüchtige“ oder „Habsüchtige“ oder „Ungläubige“ oder „Diebe“ oder Lügner… oder sie zeigen auf irgendeine andere Weise mit ihrem Leben und mit ihren Überzeugungen, dass sie keine echten Nachfolger des Herrn Jesus sind. Diese sind in Jesu Gebet um Einheit nicht eingeschlossen. Im Gegenteil, das Wort Gottes sagt, dass ein echter Christ sich von solchen absondern soll, die sich „Christen“ nennen oder Kirchenmitglieder sind, aber mit ihrem Leben oder ihren Lehren zeigen, dass sie nicht zum Herrn gehören.

Auch viele evangelikale Kirchen, die sich nicht als ökumenisch identifizieren, haben dennoch viele Aspekte der ökumenischen Idee von „Einheit“ übernommen: Sie sehen und suchen die „Einheit“ auf institutioneller Ebene, innerhalb mittels der Anpassung an die spezielle Tradition der eigenen Konfession oder Denomination, und ausserhalb mittels Vereinbarungen und „gemeinsamen Anlässen“ mit anderen Denominationen. Viele leben in der Illusion, alle Mitglieder der eigenen Organisation seien echte Christen. Einige glauben zusätzlich, alle Mitglieder anderer Denominationen seien im Irrtum. All das führt dazu, dass man sich zu „Jochgenossen“ mit Ungläubigen macht, und gleichzeitig die Gemeinschaft mit echten Christen in anderen Denominationen ablehnt. Sie vergessen das Zentrum der christlichen Einheit, nämlich Jesus selber.

Die neutestamentlichen Kriterien für Einheit sind klar: Ein echter Nachfolger Jesu befindet sich in Einheit mit allen anderen echten Nachfolgern Jesu, unabhängig davon, zu was für einer religiösen Organisation sie zugehören oder nicht zugehören. Und er sondert sich ab von jenen, die Jesus nicht wahrhaftig nachfolgen, auch wenn es Mitglieder seiner eigenen Organisation sind.
Christliche Einheit ist nicht die gemeinsame Mitgliedschaft in einer Institution. Sie ist nicht die Übereinstimmung mit einem bestimmten Glaubensbekenntnis. Sie ist nicht die Anerkennung eines Reglements oder einer Vereinbarung zwischen verschiedenen Institutionen. Die christliche Einheit wird am besten ausgedrückt durch das griechische Wort „koinonía“ (davon werden wir sprechen, wenn wir zur Apostelgeschichte kommen), oder auch „der Leib Christi“ (das ist der Ausdruck, den Paulus verwendet).

Jesus sagte, das Ergebnis der wahren christlichen Einheit werde darin bestehen, dass „die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Die ökumenischen, institutionellen oder denominationellen Formen von Einheit bringen nicht dieses Ergebnis hervor. Sie bewirken nur, dass die Welt die Christen als eine Art weltlichen Verein oder politische Lobby wahrnimmt; aber sie kann nicht den Herrn in ihnen sehen. Wo dagegen eine echte Einheit herrscht, die auf dem Herrn selber beruht und auf Heiligkeit – und sei es auch nur eine einzige Familie, die diese Einheit lebt -, da nimmt die Welt das Licht des Evangeliums wahr. Da ist es, wo die Welt sieht, dass etwas „anders“ ist, etwas Übernatürliches; etwas, was die Welt nicht kennt. Dieses „Etwas“ ist die Gegenwart des Herrn.

Was für eine Vorstellung von Einheit hast du? Was für eine Vorstellung hat die Gemeinde, der du zugehörst? Eine ökumenische, institutionelle, denominationelle Vorstellung; oder die Vorstellung von dem, was Jesus gesagt hat?

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Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 (2.Teil)

13. Februar 2017

In der Welt, aber nicht von der Welt

In der Fortsetzung betet Jesus für die Beziehung der Seinen zur Welt. Er beginnt: „Die Welt hat sie gehasst“ (Vers 14). Es ist kein Ziel der neutestamentlichen Gemeinde, von der Welt akzeptiert oder gar bewundert zu werden. Wenn eine Kirche in der Welt berühmt ist und von ihr hoch gelobt wird, dann ist das nicht unbedingt ein Zeichen, dass Gott dahintersteht. Im Gegenteil, Jesus sagte: „Selig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen und euch ausstossen und beleidigen und euren Namen als böse verwerfen um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tag und hüpft, denn seht, ihr werdet einen grossen Lohn im Himmel haben. Denn so taten ihre Vorfahren den Propheten. (…) Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden! Denn genauso taten ihre Vorfahren den falschen Propheten.“ (Lukas 6,22-23.26)
Und nicht nur das. Jesus sagte, dass auch die religiösen Organisationen, also die Kirchen, die wahren Christen hassen würden: „Sie werden euch aus den Synagogen ausstossen; und es kommt sogar die Stunde, wo jeder, der euch tötet, denken wird, er tue Gott einen Dienst. Und das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich kennen.“ (Johannes 16,2) – Denken wir nicht, damit seien nur die jüdischen Synagogen gemeint. Heute haben sich die traditionellen christlichen Kirchen an die Stelle der Synagogen gesetzt; und ihre Pastoren nehmen den Platz der damaligen Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer ein. Tatsächlich haben die offiziellen Kirchen im Lauf der Geschichte viele wahre Christen verfolgt und getötet. Die römische Kirche verfolgte während mancher Jahrhunderte auf brutale Weise die Waldenser, die Reformierten, die Evangelischen, und andere ernsthafte Christen. Die reformierten Kirchen verfolgten ihrerseits die Täufer, die Quäker, die Puritaner, und die Methodisten. Viele Verfolger dachten, diese „Ketzer“ zu verfolgen und zu töten sei ein Dienst für Gott. Wundern wir uns nicht, wenn in naher Zukunft auch die evangelikalen Kirchen anfangen, echte Christen zu verfolgen. Sympathisanten des ökumenischen Weltkirchenrats (an den sich die Evangelikalen immer mehr annähern) haben es bereits getan.

Tatsächlich sind die echten Christen „nicht von der Welt“ (Verse 14 und 16), so wie auch Jesus nicht von der Welt war. Und das schliesst die religiöse Welt mit ein, die Kirchen, deren Mitglieder sich „Christen“ nennen, ohne wiedergeboren zu sein.

Jedes Mal, wenn eine Gruppe von Christen ein gewisses Mass an Einfluss und Ansehen erreichte, kamen sie in Versuchung, sich der Welt anzupassen. Sie begannen, sich ähnlich wie die Welt zu verhalten, um nicht verachtet zu werden. Ihre Leiter begannen, die Sünde zu tolerieren, um den reichen Mitgliedern und den weltlichen Herrschern zu gefallen. So wurde die betreffende Gruppe durch einen allmählichen Prozess zu einem Teil der Welt; und der Herr musste wieder neue Nachfolger berufen, die „nicht von der Welt“ waren.

Als Reaktion auf diese Situation können einige in die entgegengesetzte Versuchung fallen, sich völlig aus der Welt zurückzuziehen. So entstand die Idee der Klöster, christlichen Internate, und anderer Formen von geschlossenen Gemeinschaften und Versuchen, eine Art „Neues Jerusalem“ auf dieser Erde zu errichten. Aber Jesus bittet den Vater, dies für seine echten Nachfolger nicht zuzulassen: „Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt wegnimmst“ (Vers 15). Das wäre nicht gut für die Welt, denn die Welt braucht die Christen als „Salz“ in ihrer Mitte. Und es wäre auch nicht gut für die Christen; denn ein Jünger des Herrn braucht die Herausforderungen der umgebenden Welt, um geistlich wach zu bleiben. Deshalb hat der Herr oft zugelassen, dass solche geschlossenen Gemeinschaften zu wahren Brutstätten der Sünde, der Intrige und Skandalen wurden, um ihren Mitgliedern zu zeigen, dass das nicht der richtige Weg ist.

Stattdessen betet Jesus: „sondern behüte sie vor dem Bösen.“ (Vers 15). Die Jünger Jesu sollen „in der Welt“ leben, „aber nicht von der Welt“; äusserlich mitten in der Welt, aber innerlich abgeschieden von ihr. Deshalb haben sie es so sehr nötig, vor dem Bösen in der Welt behütet zu werden, und das in doppeltem Sinn: Sie müssen behütet werden vor der Bosheit der Welt, welche die echten Christen angreift, verfolgt und misshandelt, damit sie auch in den widrigsten Umständen den Glauben bewahren und dem Herrn treu bleiben. Aber sie müssen auch vor der Bosheit bewahrt werden, die sich in ihr eigenes Leben einschleichen will, und die sie dazu verführen möchte, so wie die Welt zu werden. In beiden Bereichen ist die wahre Gemeinde des Herrn schutzbedürftig. Wie gut zu wissen, dass Jesus bereits dafür gebetet hat! Die wahre Gemeinde muss nicht zu menschlichen Kunstgriffen Zuflucht nehmen, zu Menschengeboten, zu einer „geistlichen Abdeckung“ durch eine „Leiterschaft“, oder zur phyischen Weltflucht. Nicht solche Dinge sind es, welche die Gemeinde behüten; der Herr selber tut es.

Schliesslich stellt Jesus klar, in welcher Beziehung seine Gemeinde zur Welt steht: „Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe ich sie in die Welt gesandt.“ (Vers 18). Die Jünger Jesu haben in dieser Welt eine Mission zu erfüllen. Nicht nur sollen sie in der Welt leben, ohne von der Bosheit der Welt beeinflusst zu werden; sondern sie sollen auch ein „Licht“ sein, damit die Welt Jesus kennenlernen kann durch ihr Leben und ihr Wort. (Siehe Matthäus 5,13-16). Für jeden Jünger Jesu gilt dasselbe Wort, das Gott zu Jeremia sprach: „Sie sollen zu dir umkehren, aber du sollst nicht zu ihnen umkehren!“ (Jeremia 15,9).

Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 17 – Teil 1

4. Februar 2017

Jesus betet für seine Gemeinde

Dieses Kapitel, Johannes 17, ist eine weitere hilfreiche Stelle zu einem richtigen Verständnis der neutestamentlichen Gemeinde, auch wenn das Wort „Gemeinde“ hier nicht vorkommt. Aber Jesus betet für seine Jünger, und „für jene, die durch ihr Wort an mich glauben werden“ (Vers 20). Und wir haben bereits gesehen, dass genau das die Gemeinde ist: die Gemeinschaft jener, die an Jesus glauben.

Wenn wir gut hinsehen, sehen wir allerdings, dass Jesus in den ersten fünf Versen für sich selber betet: „Verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche…“ (Vers 1). Ist das nicht ein eigensüchtiges Gebet? – Das wäre es tatsächlich, wenn es aus dem Munde eines gewöhnlichen Menschen käme. Aber nicht, wenn es der Sohn Gottes ausspricht, denn ihm gebührt es, den ersten Platz einzunehmen. Wenn Gott nicht verherrlicht würde (durch seinen Sohn), dann würde er aufhören, Gott zu sein, und damit würde die ganze Grundlage der Gemeinde (und des Universums überhaupt) zerstört. Deshalb sollte es im allerhöchsten Interesse der Gemeinde liegen, dass Gott verherrlicht wird.
Das ist eine weitere jener grundlegenden Wahrheiten, die vielen Christen allzu wohlbekannt ist, sodass sie meinen, sie müssten nicht weiter darüber nachdenken. Aber ich lade dich ein, einige Momente innezuhalten und nachzudenken: Verherrlicht deine Gemeinde Gott? Ist die Lebenspraxis dieser Gemeinde so, dass Gott in allem an erster Stelle steht?
Einige Kirchen setzen an die erste Stelle die persönliche Errettung ihrer Mitglieder – oder sogar irdische Dinge wie ihr persönliches Wohlergehen, ihre körperliche Gesundheit, ihr finanzielles Wohlergehen, ihr „Vorwärtskommen“ (in welchem Sinn auch immer), ihr persönliches Glück. Das sind lauter Dinge, die „die Heiden suchen“, während Gott den Seinen verspricht, ihnen diese Dinge als Zugabe zu geben, wenn sie zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit suchen (Matthäus 6,32-33). Die christliche Gemeinde ist nicht eine Institution zur persönlichen Errettung oder zum persönlichen Wohlergehen. Sie ist dazu da, Gott zu verherrlichen und in der Welt sein Reich zu repräsentieren, d.h. seine Herrschaft und seinen Willen.
Andere Kirchen setzen die Kirche selber an die erste Stelle. Ja, sie sprechen vom Herrn, aber ihr oberstes Ziel ist das Wachstum und der Einfluss der eigenen Organisation. Sie sprechen davon, „dem Herrn zu dienen“, aber in Wirklichkeit meinen sie damit, „unserer Organisation zu dienen“. Sie sprechen davon, „Menschen zu Jesus zu führen“, aber in Wirklichkeit meinen sie „Menschen in unsere Versammlungen zu bringen“. Sie sprechen sogar davon, „dem Herrn zu opfern“, wenn sie in Wirklichkeit meinen, „für die Leiter unserer Organisation zu spenden“. Auch die Gemeinde selber kann zu einem Götzen werden, wenn wir nicht sehr sorgfältig darauf achten, dass der Herr wirklich den ersten Platz einnimmt.

Von Gott „gegebene“ Menschen

Jesus bezeichnet seine Jünger als „die Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast … und sie haben dein Wort gehalten“ (Vers 6). Kurz zuvor hatte er ihnen gesagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ (Johannes 15,16). Die neutestamentliche Gemeinde besteht nicht aus Menschen, die irgendwann einmal die Idee hatten, „eine Gemeinde zu gründen“. Sie besteht aus Menschen, die von Gott erwählt und berufen wurden, und die auf seinen Ruf reagierten. Gott „gab“ sie seinem Sohn Jesus als Eigentum. Die Gemeinde gehört nicht sich selbst; und die Mitglieder gehören nicht den Gemeindeleitern. Die wahre Gemeinde, mit allen ihren Mitgliedern, gehört Jesus.
Es ist gut zu wissen, dass Gott es übernommen hat, die Seinen zu bewahren und zu behüten. „Als ich mit ihnen in der Welt war, behütete ich sie in deinem Namen …“ (Vers 12). „Heiliger Vater, die, die du mir gegeben hast, behüte sie in deinem Namen …“ (Vers 11). Er tut dies viel besser, als es irgendein menschlicher Leiter tun könnte. Jesus selber ist höchst interessiert daran, sein Eigentum gut zu behüten, und dass die Seinen immer bei ihm sind: „Vater, ich will, dass jene, die du mir gegeben hast, auch bei mir sind, wo immer ich bin …“ (Vers 24).