Posts Tagged ‘Matthäus 16’

Petrus als Säule der Gemeinde (2.Teil)

31. März 2017

In der vorherigen Betrachtung haben wir einige Punkte im Leben von Petrus gesehen, die ihn dazu befähigten, später eine der „Säulen der Gemeinde“ (Galater 2,9) zu sein: Eine tiefe Überführung von seiner eigenen Sündhaftigkeit, und in der Folge eine Umkehr zu Jesus, und eine radikale Abkehr von allem, was mit seinem alten Leben verbunden war.

Die Überführung von Sünde sollte zur Umkehr führen, zur Bekehrung, und zum rettenden Glauben. All das sind Aspekte des Vorgangs, den das Neue Testament als „Wiedergeburt“ bezeichnet. Wenn jemand von neuem geboren wird, dann lebt Jesus in dieser Person durch seinen Heiligen Geist. (Siehe Galater 2,20, Epheser 3,16-17). Diese Wiedergeburt und diese Errettung ist möglich dank des Blutes Jesu, das er vergoss, um uns freizukaufen.
Damit ist bereits gesagt, dass es nicht möglich war, im Sinne des Neuen Testamentes wiedergeboren zu werden, bevor Jesus gestorben und auferstanden war. Auch Petrus war sich zwar bewusst geworden, dass er ein Sünder war, aber er hatte noch nicht diese radikale Veränderung der Wiedergeburt erfahren. Während er mit Jesus auf der Erde umherzog, handelte er noch aus seiner eigenen Kraft, welche die Gerechtigkeit Gottes nicht erfüllen kann. (Siehe Römer 8,3-8. Das „Fleisch“ bedeutet dort unsere eigene Kraft und Fähigkeit.) Deshalb konnte er in einem Moment empfänglich sein für die Offenbarung Gottes, und im nächsten Moment den Gedankengängen satans folgen (Matthäus 16,16-23). Deshalb konnte er in einem Moment all seinen Glauben und Mut zusammennehmen und auf dem Wasser gehen, und im nächsten Moment zweifeln und sinken. (Matthäus 14,28-31). Deshalb konnte er in einem Moment Jesus versprechen, mit ihm bis in den Tod zu gehen, und ihn im nächsten Moment dreimal verleugnen.
Als Jesus die Verleugnung des Petrus voraussagte, da sagte er etwas Bedeutungsvolles: „… und du, wenn du dich einst bekehrt hast, stärke deine Brüder!“ (Lukas 22,32). Bevor er sich wirklich bekehren konnte, musste Petrus erfahren, dass er in seiner Schwäche sogar seinen Herrn verleugnen konnte. All sein Vertrauen in seinen eigenen „Glauben“ musste zunichte werden. Seine wirkliche Bekehrung begann, als ihm Jesus nach seiner Auferstehung eine neue Gelegenheit gab, ihm zu sagen „Ich liebe dich“. (Johannes 21,15-19). Und seine Wiedergeburt war erst vollständig an Pfingsten, als der Heilige Geist kam.

Vor Pfingsten waren die Apostel (inbegriffen Petrus) ängstlich und eingeschüchtert. Sie versammelten sich hinter verschlossenen Türen aus Angst vor den Feinden Jesu (Johannes 20,19). Aber als der Heilige Geist auf sie kam, sprachen sie mutig in aller Öffentlichkeit. Und folgendes war die Wirkung der Rede von Petrus: „Als sie es hörten, wurden ihre Herzen [schmerzhaft] durchbohrt, und sie sagten zu Petrus und den anderen Aposteln: ‚Was sollen wir tun, ihr Brüder?‘ “ (Apostelgeschichte 2,37)

In diesem Moment erfüllten sich die Worte des Herrn: „Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben; und alles, was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein.“ (Matthäus 16,19). (- Man beachte, dass Jesus kurz danach diese selbe Vollmacht allen seinen Jüngern gab, Matthäus 18,18.) – Petrus gebrauchte die „Schlüssel“, die Jesus ihm gegeben hatte, um das Himmelreich vor seinen Zuhörern zu öffnen; und dreitausend von ihnen reagierten mit Umkehr und Glauben, und konnten so ins Himmelreich eintreten. (Apostelgeschichte 2,38-41). Und das war der Beginn der Urgemeinde.

So wiederholte sich in seinen Zuhörern dieselbe Erfahrung, die Petrus schon zuvor gemacht hatte: die Überführung von Sünde, der Zerbruch vor Gott, das Bewusstsein, verloren zu sein und durch kein menschliches Mittel gerettet werden zu können. Und nach der Umkehr die Erfahrung der wunderbaren Gnade Gottes, und die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist. Deshalb gehört Petrus zu den „Säulen“ der Gemeinde. Er verkörpert auf beispielhafte Weise den Weg, den Gott mit jedem Menschen geht, den er erwählt, ruft und rettet. Er konnte die neuen Jünger auf diesem Weg anleiten, weil er ihn zuvor selber gegangen war. Petrus verkörpert nicht eine Institution oder eine hierarchische Stellung. Er ist ein lebendiges Zeugnis des Erlösers und seines Heilsweges. Jeder von uns muss „mit Christus sterben“ und „mit Christus auferstehen“ (Römer 6,4-8; siehe auch 1.Petrus 1,3.23). Das ist es, was den „Felsengrund der Gemeinde“ ausmacht.

Damit stehen wir an der Schwelle zur Geschichte der Urgemeinde, die wir in späteren Betrachtungen untersuchen wollen. Ich möchte nur noch eine kurze Bemerkung zu Matthäus 16 anfügen:

Bei all diesem Interesse für Petrus könnten wir allzuleicht vergessen, dass er gar nicht die Hauptperson dieses Abschnitts ist. Das Gespräch begann mit der Frage Jesu: „Und ihr, wer sagt ihr, dass ICH BIN?“ (Vers 15) – Es ging Jesus nicht darum, darüber zu sprechen, wer Petrus war, sondern darüber, WER ER SELBER WAR. Und so sollten wir nicht übergehen, dass auch in Vers 18 Jesus sagt: „ICH werde MEINE Gemeinde bauen.“ Die Gemeinde gehört nicht Petrus; sie gehört Jesus und niemandem sonst. So sagt auch Paulus über den Aufbau der Gemeinde: „Denn niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das gelegt ist, nämlich Jesus Christus.“ (1.Korinther 3,11). Und Petrus selber beansprucht in seinen Briefen nicht, Eigentümer oder Fundament der Gemeinde zu sein. Im Gegenteil, er erklärt, dass Jesus der „Grundstein“ der Gemeinde ist: „Tretet hinzu zu ihm (dem Herrn), dem lebendigen Stein, wahrhaftig von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und wertvoll; und lasst auch euch so als lebendige Steine auferbaut werden als ein geistliches Haus und ein heiliges Priestertum, um Gott wohlgefällige geistliche Opfer darzubringen durch Jesus Christus.“ (1.Petrus 2,4-5)
– Also kann kein Mensch ein Eigentumsrecht über die Gemeinde beanspruchen, auch nicht über das geringste ihrer Glieder. Alles in der Gemeinde soll auf Christus hinweisen, nicht auf irgendeinen Menschen. Eine Kirche, die als „Haupt“ jemanden anders als Christus hat, oder die ihre Glieder lehrt, sich vor einem Menschen verantworten zu müssen statt vor Christus, ist nicht neutestamentliche Gemeinde.

Advertisements

Petrus als Säule der Gemeinde (Matthäus 16)

8. März 2017

„Simon Petrus antwortete: ‚Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.‘
Da antwortete ihm Jesus: ‚Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas, denn nicht Fleisch und Blut hat dir das offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Und ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen; und die Tore des Hades werden nicht bestehen gegen sie. Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben; und alles, was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein.“
(Matthäus 16,16-19)

Das ist eine weitere der ganz wenigen neutestamentlichen Stellen, wo das Wort „Gemeinde“ in den eigenen Worten Jesu erscheint. In den vorhergehenden Betrachtungen haben wir gesehen, dass der Herr Jesus die Gemeinde als Versammlung von Geschwistern im Konsens beschreibt, ohne hierarchische Unterschiede und ohne Klerikalismus. Angesichts dieses Konzepts der Gemeinde als eine einfache Bruderschaft ist es ziemlich offensichtlich, dass diese Lieblingsstelle der römischen Apologeten nicht zugunsten eines Papsttums ausgelegt werden kann. Eine solche Auslegung würde allen anderen Worten des Herrn widersprechen. Sie würde auch den Worten von Petrus widersprechen, der schrieb, der „Grundstein“ der Gemeinde sei Jesus selber (1.Petrus 2,4-8), und der sich selber als nicht mehr als einen „Mitältesten unter Ältesten“ beschrieb (1.Petrus 5,1).
Es handelt sich also in Matthäus 16,18-19 vielmehr um eine Verheissung des Herrn an Petrus persönlich, und sie bezieht sich auf die anfängliche „Erbauung“ der Gemeinde in der apostolischen Zeit.

Das war auch der Konsens der alten Kirche während der ersten vier Jahrhunderte. Die „Kirchenväter“, auf deren Schriften die römisch-katholische Tradition gegründet sein soll, hatten unterschiedliche Auslegungen von Matthäus 16,18-19; aber in einem Punkt stimmten sie alle überein: Diese Stelle hat nichts zu tun mit einem angeblichen „Nachfolger“ von Petrus. Ich zitiere einen Autor, der gründlicher über dieses Thema geforscht hat:

„Es überrascht einen, dass in den ersten beiden Jahrhunderten der Petrus-Text“ (Matth.16,18-20) „kaum zitiert wird. (…) Erst am Anfang des dritten Jahrhunderts berief sich ein nicht näher bezeichneter Bischof – es dürfte der römische Bischof Kallist gewesen sein – auf diese Stelle. (…) Tertullian wandte sich gegen die Anmassung des Bischofs, das Wort, das Jesus in persönlicher Weise an Petrus gerichtet habe, umzudeuten. Er schrieb: ‚Wie kannst du dich erdreisten, die offenkundige Absicht des Herrn, der dieses dem Petrus nur persönlich überträgt, umzustossen und zu verdrehen! ‚Auf dir‘, sagt er, ‚will ich meine Kirche bauen‘, und ‚dir will ich die Schlüssel geben‘, nicht der Kirche, und ‚was du binden und lösen wirst‘, nicht was sie lösen und binden werden.‘ („De pudicitia“ 21)
(…) Augustin überliess dem Leser die Entscheidung, ob sich der ‚Fels‘ in Matth.16,18 auf Petrus oder auf Jesus selbst bezieht. (Retract.I,20,2). Hieronimus denkt, dass der Fels sich auf Christus bezieht, denn der Name Petrus bedeute ‚Stein‘: ‚Wahrlich gegründet auf dem festen Fels, welcher Christus ist.‘ *
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass von 77 Kirchenvätern, die über den Matthäustext geschrieben haben, 17 denken, der Fels habe sich auf Petrus bezogen, 44 sehen in ihm den Glauben von Petrus und 16 meinen, Jesus habe sich damit selbst bezeichnet. Keiner der Väter aber hat diese Stelle auf die Bischöfe von Rom als Nachfolger von Petrus angewandt.
(…) Leo I. der Grosse (440-461) war der erste römische Bischof, der konsequent die Papstidee verfochten hatte. Auf Berufung von Matth.16,18 begründete er den römischen Primat …“
(P.H.Uhlmann, „Die Lehrentscheidungen Roms im Licht der Bibel“, Telos-Taschenbuch 402, 1984)

* (Im griechischen Original heisst Petrus „Petros“; aber das Wort für „Fels“ ist „petra“. Somit besteht keine Übereinstimmung, sondern nur eine Ähnlichkeit, zwischen „Petrus“ und „Fels“.)

Die Lieblingsidee der Verfechter des Papsttums kam also keinem der Schriftsteller der frühen Kirche in den Sinn, und gehört deshalb nicht einmal zur „Tradition“ der alten Kirche.

Lassen wir also diese späteren Erfindungen, und sehen wir, was wir aus unserem Text über die neutestamentliche Gemeinde schliessen können.

Wie wir schon gesehen haben, ist der Name „Petrus“ nicht gleich, sondern nur ähnlich wie das griechische Wort für „Fels“. In welcher Hinsicht konnte Petrus einem Fels ähnlich sein?

Jesus sagte diese Worte, nachdem Petrus zu ihm gesagt hatte: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Vers 16). – Jesus antwortet ihm: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas, denn nicht Fleisch und Blut hat dir das offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.“ (Vers 17).
Jesus sagt hier, dass es für Petrus menschlich unmöglich war, Jesus in seiner irdischen Gestalt als den Messias und Sohn Gottes zu erkennen. Nur aufgrund einer übernatürlichen Offenbarung Gottes war es möglich, dass Petrus diese Erklärung aussprach. Und nur aufgrund dieser übernatürlichen Offenbarung konnte Petrus „fest wie ein Fels“ werden, um die Last einer wichtigen Verantwortung in der Gemeinde zu tragen.

Das wird noch deutlicher, wenn wir vergleichen, was gleich nachher geschah. Jesus kündigt seinen Jüngern an, dass er leiden und sterben muss (Vers 21). Petrus tadelt ihn und sagt: „Herr, habe Mitleid mit dir; keinesfalls soll dir das geschehen!“ (Vers 22). – Jesus antwortet: „Hinweg von mir, satan! Du bist mir ein Stolperstein, denn du denkst nicht Göttliches, sondern Menschliches.“ (Vers 23).
In diesem Moment hatte Petrus nicht mehr aufgrund göttlicher Offenbarung geredet; er sprach aus seinem menschlichen Herzen und wollte den stellvertretenden Opfertod Jesu verhindern. Und damit war er kein „Stein“ oder „Fels“ mehr, sondern „satan“ und „Stolperstein“! – Seine Fähigkeit, Autorität in der Gemeinde zu tragen, hing ganz davon ab, ob er in der Offenbarung Gottes verblieb. Nicht Petrus als Person konnte mit einem „Fels“ verglichen werden; auch nicht Petrus als Inhaber eines besonderen Amtes oder einer besonderen Position. Einzig Petrus in seiner Bereitschaft, die übernatürliche Offenbarung Gottes zu empfangen, zu verstehen, und ihr zu gehorchen.

Diese Ansicht wird gestützt durch jene andere Stelle, wo Jesus einen Vergleich mit einem Felsen vornimmt, Matthäus 7,24-27: „Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den vergleiche ich mit einem weisen Mann, der sein Haus auf den Felsen baute.“ – Hier bedeutet der feste Felsengrund, die Worte des Herrn zu hören und zu tun. Petrus war „auf Fels gebaut“, solange er auf die Offenbarung Gottes hörte und dementsprechend handelte.

Hier glaube ich, dass wir ein wenig verallgemeinern dürfen. Die neutestamentliche Gemeinde hat als „feste Steine“ oder „Säulen“ (Galater 2,9) Menschen, die durch übernatürliche Offenbarung Jesus als den Messias und Sohn Gottes erkannt und anerkannt haben. Nicht Menschen, die ihn nur deshalb kennen, weil sie über ihn studiert haben, oder weil sie die Rituale und Ausbildungsgänge durchlaufen haben, die eine kirchliche Institution vorschreibt. Es gab zu jener Zeit viele Menschen, die Jesus „nach dem Fleisch“ kannten, die seine Wunder gesehen und seine Worte gehört hatten; aber nur wenige erkannten ihn auf die Weise, wie Petrus ihn erkannte. Seien wir vorsichtig: Unterordnen wir uns nicht leichthin Menschen, die „in ein Amt eingesetzt wurden“, ohne dass sie Jesus persönlich kennengelernt hätten durch eine Offenbarung Gottes.

Dieses Kennenlernen Jesu beginnt zuallererst mit der Überführung von der eigenen Sündhaftigkeit. So ging es Petrus bei einer seiner ersten Begegnungen mit Jesus: „Und als er es sah, fiel Simon Petrus vor die Kniee Jesu und sagte: ‚Geh weg von mir, Herr, denn ich bin ein sündiger Mensch!‘ Denn er war von Schrecken erfüllt worden, er und alle, die mit ihm waren …“ (Lukas 5,8-9). – Das war die erste übernatürliche Offenbarung, die Petrus empfing, und die ihn dazu führte, Jesus kennenzulernen: „Ich bin ein sündiger Mensch.“
Das ist kein Einzelfall; es ist ein allgemeines Prinzip. So sagt Jesus in Johannes 16,8: „Und wenn er (der Heilige Geist) kommt, dann wird er die Welt überführen von Sünde, von Gerechtigkeit und vom Gericht …“ – Das erste Werk des Heiligen Geistes in einem Menschen besteht darin, ihn von seiner Sündhaftigkeit zu überführen. Niemand kann ehrlicherweise behaupten, Jesus zu kennen, solange er nicht diese Erfahrung einer tiefen Überführung von seiner eigenen Sünde gemacht hat.
Diese Überführung ist nicht ein intellektuelles Bejahen der Aussage, dass „wir alle Sünder sind“. Im Gegenteil: Menschen, die so etwas sagen, sind oft jene, die ihre Sünde allzu leicht nehmen. Allzu viele nehmen diese Aussage als Entschuldigung, um weiterhin unbekümmert die Sünde in ihrem Leben zuzulassen.
Echte Überführung von Sünde ist begleitet von einer intensiven Gottesfurcht, und von dem tiefen Bewusstsein der Verlorenheit, und dass man das Gericht Gottes voll und ganz verdient hat. So wie Jesaja ausrief: „Wehe mir! Ich bin verloren! Denn ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen, und wohne inmitten eines Volkes, das unreine Lippen hat, und meine Augen haben den König gesehen, den Herrn der Heerscharen!“ (Jesaja 6,5) Wer nie eine ähnliche Bedrängnis erlebt hat aufgrund seiner eigenen Verlorenheit, der hat Gott nicht wirklich kennengelernt.

Nicht weniger bedeutungsvoll ist der letzte Vers in der Geschichte vom wunderbaren Fischfang: „Und als sie die Schiffe an Land gebracht hatten, liessen sie alles zurück und folgten ihm. (Lukas 5,11). Es ist nicht möglich, Jesus nachzufolgen, ohne die Verbindungen zum alten Leben definitiv durchzuschneiden. Um Jesus nachzufolgen, liessen Petrus und die anderen Jünger ihre Arbeit hinter sich, ihre Eltern, ihre Freunde, auch den Ort, wo sie aufgewachsen waren und lebten. Auch in dieser Hinsicht ist Petrus ein Beispiel für alle Gläubigen nach ihm.
Ich habe mehrere Personen kennengelernt, die daran interessiert waren, sich zu Jesus zu bekehren. Einige von ihnen waren bereits einer Kirche beigetreten. Aber während ihr Interesse an Jesus ernsthafter wurde, begann der Herr seinen Finger auf eine bestimmte Sache in ihrem Leben zu legen, die sie aufgeben mussten. Nicht dass irgendein Prediger oder irgendeine andere Person ihnen gesagt hätte, sie müssten diese Sache aufgeben. Sie selber begannen darüber nachzudenken, weil der Herr anfing, Überführung von Sünde in ihnen zu wirken. Traurigerweise waren die meisten dieser Menschen nicht dazu bereit, diese bestimmte Sache loszulassen, die der Herr ihnen gezeigt hatte. So gelangten sie nie zu einer echten Bekehrung.
Möglicherweise befindet sich die Mehrheit der gegenwärtigen Kirchenmitglieder in einer ähnlichen Situation. Sie interessieren sich für Jesus, sie bezeichnen sich als „Christen“ und nehmen an den Anlässen ihrer Kirche teil; aber sie gelangen nicht zur Wiedergeburt, weil sie ihr altes Leben nicht hinter sich lassen.
Einige machen unehrliche Geschäfte, die ihnen einen guten Gewinn einbringen, und wollen nicht darauf verzichten. Andere haben eine Liebesbeziehung mit jemandem, der den Herrn nicht liebt, oder sind sonstwie mit jemandem verbunden auf eine Weise, die sie daran hindert, dem Herrn nachzufolgen. Einige sind nicht dazu bereit, heidnische Gebräuche hinter sich zu lassen, die in ihrer Familie praktiziert werden. In anderen Fällen ist es die weltliche Schule, an die sie ihre Kinder schicken, ohne darüber nachzudenken, dass diese Schule ihre Kinder zu Gottesverächtern macht. Wieder in anderen Fällen geht es um Dinge, die nicht einmal an sich schlecht sind, wie z.B. gewisse zeitraubende Hobbies, gewisse Freundschaften, eine Arbeitsstelle – oder sogar ein kirchliches Amt. Aber wenn Gott jemandem zeigt, dass er etwas davon aufgeben sollte, um seinen Ruf zu erfüllen, dann muss er es tun. Das kann bei jeder Person wieder eine andere Sache sein. Aber jeder hängt an gewissen Dingen in seinem Leben, die er aufgeben muss, wenn der Herr ihn ruft.
In Matthäus 16 fährt Jesus fort: „Wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir. Denn jeder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; und jeder, der sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.“ (Matthäus 16,24-25). Die neutestamentliche Gemeinde besteht aus Menschen, die darauf verzichteten, ihr eigenes Leben zu leben.