Posts Tagged ‘Menschenrechte’

Wie die Gehirnwäsche im kommunistischen Deutschland funktioniert

4. August 2014

Leider etwas spät fand ich diesen offenen Brief von Dirk Wunderlich, dem Vater der deutschen Familie, der schon seit längerem die Ausreise nach Frankreich verweigert wird, und die ausserdem Opfer gewalttätiger Übergriffe von seiten deutscher Behörden geworden ist:

http://www.freiewelt.net/wie-laut-soll-ich-denn-noch-schreien-oder-die-schulpflicht-der-staat-und-der-tod-10036017/

Wunderlich analysiert darin eingehend, wie Deutschland 1968 eine (von der sogenannten „Frankfurter Schule“ initiierte) Kulturrevolution erlebte, und im Zuge der daraufhin einsetzenden allgemeinen Gehirnwäsche immer mehr zu einem Orwellschen Unrechtsstaat geworden ist. Es versteht sich von selbst, dass die Schulen ein entscheidendes Element dieser Gehirnwäsche sind, und dass von daher die Machthaber insbesondere die Schulpflicht mit brutaler und unverhältnismässiger Gewalt durchsetzen.

Dass die meisten Deutschen gar nicht bemerkt haben, dass diese Revolution stattgefunden hat, ist bei näherem Zusehen gar nicht so verwunderlich. Die Umstürzler haben aus den Erfahrungen des Sowjetkommunismus gelernt und wissen jetzt, dass es mehr Erfolg verspricht, ihre Revolutionen mittels allmählicher „Umerziehung“ des Volkes durchzuführen statt mit direkter Gewalt. „Der lange Marsch durch die Institutionen“ wurde diese verdeckte Operation von der „Frankfurter Schule“ genannt. Offenbar ist dieser lange Marsch jetzt an seinem Ziel angekommen, bevor es die meisten Deutschen überhaupt bemerkt haben.

Man vergleiche dazu den Fall Venezuela. Ausländische Beobachter erkannten ziemlich bald nach der Wahl von Hugo Chavez, dass er das Land allmählich in eine kommunistische Diktatur umgestaltete. Den Venezolanern selber ist das aber mehrheitlich erst in den letzten Jahren klargeworden, und einige haben es immer noch nicht bemerkt. (Als Chavez noch lebte, wurde er z.B. in mehreren evangelikalen Internet-Diskussionsforen als „Christ“ bezeichnet.) Wenn man selber das Ziel unterschwelliger Gehirnwäsche ist, dann bemerkt man das eben viel später als ein Aussenstehender – oder überhaupt nicht. Genau dasselbe geschieht anscheinend in Deutschland.

Es gab zwar einige wenige Warner (z.B. der dieses Jahr verstorbene Theologieprofessor Georg Huntemann), aber sie wurden anscheinend nicht ernst genommen. Man vergleiche auch den aufschlussreichen Artikel „60 Jahre DDR“.

Traurigerweise spürt man aus dem Brief der Wunderlichs auch die Verzweiflung einer Familie, deren psychische und physische Widerstandskraft durch den Staatsterror gezielt zerstört wurde. Und es gibt niemanden in Deutschland, der dagegen aufschreit?! Der Verdacht liegt nahe, dass die gegenwärtige Verfolgung christlicher Familien in Deutschland (schätzungsweise mindestens zwanzig Fälle in den letzten zehn Jahren) nur ein „Probelauf“ an einer gesellschaftlich isolierten Randgruppe ist (mehrheitlich „Homeschooler“), um zu erproben, wie weit man gehen kann, ohne dass die Allgemeinheit anfängt zu protestieren. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, immer weiter reichende Gruppen von Christen auf dieselbe Weise gesellschaftlich zu isolieren (indem sie z.B. von der Evangelischen Allianz und verwandten Organisationen als „Fundamentalisten“ u.ä. beschimpft werden), sodass man nach erfolgreichem „Probelauf“ zu einer allgemeinen Christenverfolgung übergehen kann. Ein vereinter Protest zumindest des „evangelikalen“ Sektors könnte diese Entwicklung eventuell noch aufhalten; aber anscheinend hat man daran kein Interesse. Bis jetzt ist mir im deutschsprachigen Raum keine einzige evangelikale Gemeinde oder Gemeindeverband bekannt, und auch kein übergemeindliches Werk, das sich für verfolgte Christen in Deutschland einsetzen würde. Sollte mein Verdacht zutreffen, so werden sich die evangelikalen Organisationen bald vor die Wahl gestellt sehen, sich entweder der Staatsideologie völlig zu unterwerfen (was sie ja ohnehin zunehmend schon tun), oder aber selber verfolgt zu werden.


Zusatz für jene Leser, die über den „Fall Wunderlich“ nicht informiert sind:
Die Familie Wunderlich lebte längere Zeit in Frankreich, musste aber 2012 arbeitshalber nach Deutschland zurückkehren. Doch schon bald nach ihrer Ankunft wurde ihnen das Sorgerecht für ihre vier Kinder entzogen, weil sie aus christlicher Verantwortung ihre Kinder selber erzogen und ausbildeten. Den Kindern wurden die Pässe weggenommen, um eine Rückkehr der Familie nach Frankreich zu verhindern. Im Jahre 2013 überfiel ein Aufgebot von 40 Polizisten das Heim der Wunderlichs und verschleppte die Kinder an einen unbekannten Ort. Nach einem längeren juristischen Seilziehen durften die Kinder zwar nach Hause zurückkehren, aber nur unter der Auflage, dass sie eine staatliche Schule besuchen würden; und der Familie wurde gerichtlich die definitive Wegnahme der Kinder angedroht für den Fall, dass sie Deutschland verlassen würden. Das Sorgerecht und die Pässe der Kinder haben sie bis jetzt nicht zurückerhalten. Diese Familie wird also nach bewährter DDR-Tradition in ihrem eigenen Land gefangengehalten, nur weil sie in ein Land ziehen möchten, wo sie ihre elterlichen Rechte frei ausüben dürfen. Für dieses Ansinnen wurden sie in Deutschland ihrer Elternrechte sowie ihres Menschenrechts auf Freizügigkeit beraubt, und sowohl Eltern wie Kinder stehen in Gefahr, der Freiheit überhaupt beraubt zu werden. So ist es um die „Rechststaatlichkeit“ im Deutschland des 21.Jahrhunderts bestellt.

Siehe dazu auch die Presseerklärung vom Dezember 2013.

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China bereits freier als Deutschland?

25. Oktober 2013

In einem früheren Artikel habe ich gemutmasst, dass in nicht allzuferner Zukunft China die westlichen Länder auch hinsichtlich Freiheit und Menschenrechten zurechtweisen müsse. Das fängt jetzt tatsächlich an zu geschehen. Zwar noch nicht auf offizieller Ebene, aber in einem privaten Blog-Kommentar. Auf der Seite http://wunderlich-children.com hat ein Chinese einen Kommentar eingestellt, der in deutscher Übersetzung wie folgt lautet:

„Uns in China liegt es daran, dass die Wunderlich-Kinder freigelassen werden. Das ist eine traurige Situation, wenn ein beschäftigtes Regierungsamt seine Zeit darauf verschwenden muss, kleine Kinder zu traumatisieren, statt seine Pflicht zu erfüllen, jenen Familien zu helfen, die wirklich ihre Kinder vernachlässigen oder missbrauchen.

Wir dachten, Deutschland sei ein hochentwickeltes Land. Ist (dieses Land) derart paranoid, dass es nicht tolerieren kann, wenn Eltern ihre eigenen Kinder in einer liebenden Umgebung lehren? Die meisten entwickelten Länder verstehen, dass Homeschooling eine Eins-zu-Eins-Situation oder zumindest eine Mentoring-Situation ist. Das ist grossartig, um die Fähigkeiten zum kreativen Problemlösen und zum kritischen Denken zu entwickeln. Warum sollte eine Nation davor Angst haben? Es würde Eure Nation stärken. Ihr solltet die Eltern dazu ermutigen, sich mehr um das Leben ihrer Kinder zu kümmern. Die Untersuchungen zeigen beständig, dass dies die besten Studenten hervorbringt.

Wir bildeten unsere Kinder zuhause aus, und jetzt sind sie an der Universität und erhalten die höchsten Ehren und Bestnoten. Warum sollte man davor Angst haben? (…)

Sun Bao Ling“

Tatsächlich erlebt China – obwohl immer noch offiziell ein kommunistisches Land – anscheinend den Beginn eines Homeschooling-Booms, der von den Behörden stillschweigend toleriert wird. So berichtet Rachel Terry im März 2012 nach einem China-Aufenthalt: (Original-Artikel bei http://www.kgnw.com/homeschool/11689022/)

„Im Jahre 2005 veröffentlichte China Daily ein Interview mit einem Lehrer am Baiyun-Institut in Guangzhou, der seine neunjährige Tochter zuhause ausbildete. Der Vater, Wei Yuan, sagte, er hätte sich dazu entschieden, weil die Lehrmethoden der Schule „veralbernd“ seien. „Die Kinder müssen ihre Additionen wieder und wieder wiederholen, und es wird ihnen nicht erlaubt, sich offen in Aufsätzen auszudrücken.“

Der inzwischen berühmte Han Han kann sich damit identifizieren. Seine Eltern erlaubten ihm, die Sekundarschule abzubrechen, die in China strenger ist als in den USA. Die Schulen wussten nicht, was sie mit Han Han anfangen sollten. Als er noch in der Schule war, gewann er den ersten Preis in Chinas landesweitem Schreibwettbewerb, fiel aber im selben Schuljahr in sieben Fächern in der Jahresabschlussprüfung durch.

Nachdem er die Schule verlassen hatte, begann er wie wild zu schreiben. Von seinem ersten Roman, „Die dreifache Tür“, wurden über zwei Millionen Exemplare verkauft. Es ist damit Chinas meistverkauftes literarisches Werk der letzten zwanzig Jahre. Ein anderer seiner Romane wurde in Hollywood verfilmt. (…) Han Han gedeiht offenbar, ohne eine traditionelle chinesische Bildung erhalten zu haben. Die Leute sprechen darüber und verwundern sich.“

Obwohl Homeschooling von Gesetzes wegen in China einer strengen Bewilligungspflicht unterliegt, gehen die Behörden anscheinend selten gegen Familien vor, die ohne Bewilligung ihre Kinder zuhause ausbilden. Gemäss dem oben zitierten Artikel hat es zwar einige wenige Gerichtsfälle gegeben, aber keinen Fall, in welchem die Behörden ein zuhause ausgebildetes Kind gezwungen hätten, zur Schule zu gehen. Im Juli dieses Jahres hat sogar China Radio International wohlwollend über die chinesische Homeschooling-Bewegung berichtet.

Gemäss einem kürzlichen Bericht im renommierten „Wall Street Journal“ meldeten sich auf eine Internetumfrage eines Forschungsinstituts in Beijing 18’000 Eltern, die sich zum Homeschooling entschieden hatten. (Nach anderen Quellen werden in China bereits 18’000 Kinder tatsächlich zuhause ausgebildet.) 54% der Eltern begründeten ihre Entscheidung damit, sie seien nicht einverstanden mit der strengen Lehrphilosophie der traditionellen Schulen. 6% gaben religiöse Gründe an, darunter viele Christen.

Die Umfrage fand auch, dass in China mindestens 100’000 Kinder keine traditionellen Schulen besuchen, sondern private Alternativschulen verschiedenster Ausrichtungen, inbegriffen kirchliche Schulen. Eine bemerkenswerte Bildungsvielfalt und -freiheit für ein „kommunistisches“ Land!

Bildungsfreiheit ist ein wesentlicher Indikator für den allgemeinen Grad der Freiheit, die ein Land geniesst. Zumindest nach diesem Indikator gemessen, ist China offenbar bereits ein freieres Land als z.B. Deutschland oder Schweden.

– Nur so aus Neugier habe ich nebenbei ein paar Statistiken über einen anderen klassischen Freiheitsindikator angesehen, nämlich die Bedingungen, die der Staat der Privatwirtschaft auferlegt (also die wirtschaftliche Freiheit). Siehe z.B. http://data.worldbank.org/topic/private-sector. In dieser Hinsicht sind gegenwärtig die Bedingungen in Deutschland (noch) günstiger als in China. Es fällt aber auf, dass in praktisch allen Bereichen die Freiheit in China rapide zunimmt, während sich in Deutschland die Bedingungen nur zögerlich verbessern, oder sich sogar verschlechtern. So hat z.B. zwischen 2008 und 2012 in Deutschland der durchschnittliche Zeitaufwand für einen Unternehmer zugenommen, die steuerlichen Formalitäten zu erledigen, während er in China um 23% abgenommen hat. – Der durchschnittliche Gesamtsteuerfuss für Unternehmen ist gemäss den Weltbank-Daten zwischen 2008 und 2012 in Deutschland von 50,5% auf 46,8% gesunken (3,7 Prozentpunkte), in China aber im selben Zeitraum von 79,9% auf 63,7% (16,2 Prozentpunkte). Rechnet man die Daten hoch, so findet man, dass ca. ab 2020 die steuerlichen Bedingungen für Unternehmer in China voraussichtlich besser sein werden als in Deutschland, falls sich die gegenwärtigen Tendenzen in derselben Weise fortsetzen. Auch dieser Indikator bestärkt also die Annahme, dass freiheitsliebende Menschen bald in China besser aufgehoben sein werden als in Deutschland.

Unterzeichnen Sie diese Petition zugunsten einer verfolgten christlichen Familie!

20. Mai 2013

Im Januar 2010 hat die deutsche Familie Romeike in erster Instanz politisches Asyl in den USA erhalten, weil sie in Deutschland verfolgt werden aufgrund ihrer Entscheidung, ihre Kinder selber zu erziehen und auszubilden. Bei einer allfälligen Rückkehr nach Deutschland würde ihnen der Entzug ihrer Kinder drohen (sprich staatliche Entführung), sowie die Enteignung ihrer Güter und evtl. auch eine Gefängnisstrafe. Dies alles, weil sie aus christlicher Überzeugung ihr Menschen- und Elternrecht auf die Erziehung ihrer eigenen Kinder wahrnehmen.

Ich habe damals hier einen kurzen Bericht über jenes Gerichtsurteil geschrieben.

Vor wenigen Tagen hat jetzt ein Berufungsgericht jene erstinstanzliche Entscheidung umgestossen – merkwürdigerweise aber aufgrund einer Entscheidung von nur drei der fünfzehn amtierenden Richter. Ein Bericht darüber kann hier eingesehen werden:

http://derblauebrief.net/dieselbe-verfolgung-wie-vorher/

Die HSLDA,  welche die Romeikes rechtlich vertritt, wird weiter für ihre Freiheit kämpfen und das Urteil anfechten. Gleichzeitig ist eine Petition an die amerikanische Regierung lanciert worden, um eine allfällige Abschiebung der Familie Romeike nach Deutschland zu verhindern. Diese Petition kann von Menschen aus der ganzen Welt unterzeichnet werden. (Zuerst auf  „Create an Account“ klicken, Namen und E-Mail-Adresse eingeben. Dann muss noch ein Bestätigungs-Link in einem eingehenden e-Mail angeklickt werden, wonach die Petition unterzeichnet werden kann.)

https://petitions.whitehouse.gov/petition/immediate-action-requested-romeikes%E2%80%94grant-permanent-legal-status-persecuted-german-homeschool-family/06vqtgCp

Bitte schreiben Sie auch an Organisationen, die sich für verfolgte Christen einsetzen, wie z.B. die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ oder „Open Doors“. Solche Organisation, die sich weltweit gegen Christenverfolgung einsetzen, sollten zuallererst aktiv werden, wenn ein Fall ihr eigenes Land und ihre eigenen Mitbürger betrifft.

Der Blog „Der blaue Brief“ berichtet regelmässig über den Fall.

Deutsche Bildungspolitiker sollten von Kolumbien lernen

15. November 2012

Warum gerade von Kolumbien?

Nun, die kolumbianischen Gesetze schreiben eine Schulpflicht vor – vergleichbar mit Deutschland. Dennoch gibt es in Kolumbien eine Homeschool-Bewegung – ebenso wie in Deutschland. Werden nun kolumbianische Homeschooler gerichtlich verfolgt wie in Deutschland, werden sie von Staates wegen ihres Besitzes beraubt wie in Deutschland, werden ihre Kinder mit Polizeigewalt zur Schule geschleppt oder zwangspsychiatriert wie in Deutschland, sehen sie sich zur Auswanderung und zur Suche nach politischem Asyl gezwungen wie deutsche Homeschool-Familien?

Überhaupt nicht. Die nachstehenden Ausführungen einer Vertreterin des kolumbianischen Bildungsministeriums zeigen, dass eine gesetzlich vorgeschriebene Schulpflicht keineswegs als Mandat zur gewalttätigen staatlichen Verfolgung von Homeschoolern aufgefasst werden muss. Die Gesetze können auch auf andere, viel humanere, friedfertigere und konstruktivere Weise ausgelegt werden:

„… es ist völlig klar, dass die Normen das Recht jedes Menschen zu verteidigen und zu schützen suchen, zu einer Bildung von Qualität Zugang zu haben und eine solche zu erhalten. In diesem Fall suchen sie das Recht der Kinder auf eine solche zu schützen, die wegen ihrer Situation eine durch Entscheidungen von Erwachsenen verletzliche Bevölkerungsgruppe darstellen, seien diese Erwachsenen nun Lehrer, der Staat, oder Familien und Eltern.
Die Alternative einer Bildung ohne Schule entspricht nicht der Wahl einer Mehrheit in Kolumbien, noch weltweit, und ist deshalb in der Gesetzgebung nicht ausdrücklich angeführt. Das ist verständlich, da die öffentliche Politik aufgrund ihrer eigenen Natur zu dem Zweck entworfen wird, sich mit den Mehrheiten zu befassen.
Dennoch, da die Gesetze klar in erster Linie die Eltern für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich machen, und die (Eltern) Autonomie besitzen, um über die Rechte ihrer Kinder zu wachen und diese zu schützen, können sie wählen, ob sie ihre Kinder an eine Bildungseinrichtung senden oder nicht. Die Bildung ohne Schule kann eine mögliche Wahl sein, vorausgesetzt, dass die Eltern dem Staat gegenüber sicherstellen, dass die Kinder eine Ausbildung von Qualität erhalten.
Und durch welche Mechanismen können diese Wahlmöglichkeiten verwirklicht werden? – Durch die Anerkennungsprüfungen (exámenes de validación), die die Kinder und Jugendlichen ablegen können. Die Reglemente (genaugenommen das Dekret Nr.2832 von 2005) sehen vor, dass jedes Kind und jeder Jugendliche unter Beweis stellen kann, dass er die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erreicht hat in jedem der obligatorischen und grundlegenden Fächer für die Grund- und mittleren Schuljahre, indem seine Studien durch Prüfungen oder akademische Aktivitäten kostenlos für gültig erklärt werden, an Bildungseinrichtungen, die die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.“

(Heublyn Castro Valderrama, Subdirektorin für die Normierung und Überprüfung der Bildungsqualität, Nationales Bildungsministerium Kolumbien.)

Man beachte, dass die erwähnten Anerkennungsprüfungen den Homeschoolern (und anderen Kindern und Jugendlichen) nicht als Pflicht (im Sinne staatlicher Beaufsichtigung) aufgezwungen werden, sondern ihnen vom Staat angeboten werden als eine Möglichkeit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und offiziell beglaubigen zu lassen – dann, wenn sie selber der Ansicht sind, sie seien zu einer solchen Prüfung bereit. Jeder zuhause ausgebildete Jugendliche kann also selber entscheiden, wann und wo er diese Prüfung ablegen will.
Hier sind die Prioritäten noch ziemlich in Ordnung: Der Staat verpflichtet sich, ein zureichendes Angebot bereitzustellen, um das Recht der Bevölkerung auf Bildung sicherzustellen. Die Familien ihrerseits sind frei zu entscheiden, ob sie von diesem Angebot Gebrauch machen möchten, oder ob sie auf andere Möglichkeiten zurückgreifen möchten, ihre Kinder auszubilden (z.B. mittels Privatschule, Fernschule, oder eben Homeschooling). Wenn schon ein Staatsschulsystem, dann sollte es so verstanden werden: als Hilfe und Angebot an jene Eltern, die ihre Kinder nicht selber ausbilden können oder wollen; aber nicht als ein Mittel zur diktatorischen Kontrolle und Gleichschaltung der ganzen Bevölkerung, wie es leider u.a. in Deutschland geschieht.

Das obige Zitat ist ein Ausschnitt aus einem Vortrag am Kongress „Bildung ohne Schule, Kollaboratives eigenständiges Lernen und Bildung in der Familie“, welcher in den Jahren 2009 und 2010 an der Nationalen Universität von Kolumbien in Bogotá durchgeführt wurde. Da führt also eine staatliche Universität einen Kongress über Homeschooling durch, und eine Vertreterin der obersten staatlichen Schulbehörde hält einen Vortrag, in welchem sie die Rechtmässigkeit des Homeschooling verteidigt!
Das Beispiel Kolumbien zeigt somit, dass auch bei einer mit Deutschland vergleichbaren Rechtslage ein friedliches Nebeneinander und sogar ein fruchtbarer gegenseitiger Austausch zwischen Schulbehörden, staatlichen Universitäten und Homeschoolbewegung möglich ist. Wenn sich deutsche Bildungspolitiker schon nicht für das US-amerikanische Konzept von Freiheit und Menschenrechten erwärmen können, dann sollten sie sich doch wenigstens an Kolumbien ein Beispiel nehmen.

Schon wieder: Verfolgung von deutschen Homeschoolern

27. Oktober 2012

Die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland gehen weiter. Mit einiger Verspätung erfuhr ich vom folgenden Fall:

„Wie jetzt bekannt geworden ist, hat das Familiengericht Darmstadt am 6. September 2012 Dirk W. und seiner Frau Petra die elterliche Sorge über ihre vier schulpflichtigen Kinder weitgehend entzogen. Damit gab es einem Antrag des Staatlichen Schulamtes statt, das um eine derartige gerichtliche Maßnahme gebeten hatte, da die Kinder nicht zur Schule gehen würden.“
(Quelle: http://derblauebrief.net/sorgerechtsentzug-ultima-ratio-des-unrechtstaats/)

Es handelt sich hierbei um eine christliche Familie, die aus christlicher Glaubensüberzeugung ihre Kinder selber erzieht, statt sie staatlichen Einrichtungen zu überlassen. Dass es sich bei solchen Massnahmen zur Durchsetzung des staatlichen Schulzwangs um grobe Menschenrechtsverletzungen handelt, ist u.a. von einem US-amerikanischen Gericht deutlich bestätigt worden, indem es einer deutschen Homeschooling-Familie politisches Asyl gewährte. (Siehe „Homeschooling ist ein Menschenrecht“.)

Besonders hässlich ist an diesem neuerlichen Fall, dass im selben Monat der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder – der sich u.a. für verfolgte Christen einsetzt! – einem Homeschool-Aktivisten einen Brief schrieb, in welchem er erklärte, solche Fälle stellten keineswegs eine Verfolgung dar, denn die deutsche Schulpflicht (und deren unverhältnismässig gewaltsame Durchsetzung??) sei völlig verfassungsgemäss. Dieser „Christ“ fällt also in seinem eigenen Land verfolgten Christen in den Rücken!

Gerade Christen (insofern sie wirklich Christen sind) sollten eigentlich zumindest die folgenden einfachen Tatsachen verstanden haben:

– dass die Familie die von Gott eingesetzte Kerngemeinschaft des christlichen Lebens, der christlichen Gemeinde, und der Gesellschaft überhaupt darstellt, und deshalb Vorrang hat vor allen anderen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Institutionen (insbesondere vor dem Staat).

– dass von der Bibel her eindeutig die Eltern mit der Erziehung der Kinder beauftragt sind, nicht der Staat.

– dass die Schule die familienfeindlichste Institution ist, die es überhaupt gibt, und dass die gegenwärtige galoppierende Zerstörung der Familien parallel läuft zur zunehmenden schulischen Belastung und Inanspruchnahme der Kinder.

– dass die Staatsschulen gegenwärtig auch zu immer antichristlicheren Institutionen werden und deshalb keine geeigneten Aufenthaltsorte sind für Kinder aus christlichem Elternhaus.

Könnten wir uns z.B. angesichts von Epheser 6,1-4 den Apostel Paulus vorstellen, wie er die Familien seiner Gemeinden dazu anhalten würde, ihre Kinder an heidnische Schulen zu schicken, wo seine apostolischen Worte (z.B. zur Auferstehung Jesu, zur Sexualethik, oder zur Nichtigkeit griechischer Gelehrsamkeit) mit Füssen getreten werden? – Oder würde der Apostel Petrus den Besuch solcher Schulen empfehlen, nachdem er gesagt hatte: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg.5,29)?

Von daher finde ich es etwas vom Befremdlichsten an der deutschen Homeschooling-Situation, dass die christliche Gemeinschaft zu dieser Verfolgung mehrheitlich einfach schweigt, oder sie sogar ausdrücklich gutheisst. Merken die deutschen Christen denn gar nicht, dass sie damit fleissig an ihrer eigenen Abschaffung mitarbeiten? Wenn es denn überhaupt Christen sind – vielleicht liegt da der Hund begraben…


Im folgenden zitiere ich die ersten Seiten aus der fast hundertseitigen Stellungnahme der Familie W. an das Familiengericht Darmstadt. Die hier ausgesprochenen Grundsätze scheinen mir äusserst wichtig und lesenswert. Ein Staat, der die im folgenden ausgeführten Rechtsgrundsätze missachtet, arbeitet nicht nur auf die Abschaffung des Christentums hin, sondern auf seine eigene Abschaffung als Staat, Gesellschaft und Kultur überhaupt. (Siehe „Die weisen Lektionen der Geschichte für Erzieher“.)

„Die ganze Sache ist eigentlich eine sehr einfache Angelegenheit: Wir berufen uns nämlich in der Schulsache auf unser naturrechtlich verankertes ELTERNRECHT, dessen Ausübung auch das grundsätzliche Recht beinhaltet, unsere Kinder selbst zu unterrichten, wenn wir dies für gut und richtig ansehen. Auch wenn das NATURRECHT heutzutage geleugnet wird, um statt dessen Willkür-»Staatsrecht« erfinden1 (und an Stelle des NATURRECHTS setzen) zu können, so bleibt es dennoch bis zum Jüngsten Tag bestehen. Unser ELTERNRECHT entspringt höherer Instanz als positives (von unzulänglichen Menschen gesetztes) Recht und bricht somit letzteres. Punkt! Diese Begründung reicht völlig aus und leuchtet auch jedem einfachen (und juristisch nicht ausgebildeten) Menschen ein.

Kompliziert wird es erst dadurch, daß dieser einfache Sachverhalt gar nicht (mehr) bekannt ist und lediglich auf § 182 HSchG gebannt geschaut wird wie das Kaninchen auf die Schlange. Doch das HSchG ist drei Stufen unter dem ELTERNRECHT angesiedelt, weshalb dessen § 182 in unserem Fall gar nicht angewendet werden darf.

Das ELTERNRECHT ist ein Teil des NATURRECHTS
In den Anfangsjahren der Bundesrepublik bekannte sich das BVerfG (und deutlicher noch der BGH) zum NATURRECHT:

Das Bundesverfassungsgericht erkennt die Existenz überpositiven, auch den Verfassungsgesetzgeber bindenden Rechtes an und ist zuständig, das gesetzte Recht daran zu messen.2

Daß das ELTERNRECHT ein Teil des NATURRECHTS ist, gibt das BVerfG auch zu (auch wenn es diesen Bezug nicht direkt ausspricht), indem es dessen Besonderheit klarstellt:

1. Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG garantiert den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Die Erziehung des Kindes ist damit primär in die Verantwortung der Eltern gelegt, wobei dieses „natürliche Recht“ den Eltern nicht vom Staate verliehen worden ist, sondern von diesem als vorgegebenes Recht anerkannt wird.3

Folgende »Besonderheiten« des ELTERNRECHTS lassen sich hier feststellen: Erstens, unser ELTERNRECHT wurde uns »nicht vom Staate verliehen«. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den es zu beachten gilt. Wenn es aber »nicht vom Staate verliehen« wurde, wer gibt uns Eltern dann dieses Recht bzw. woher kommt es? Die Antworten darauf sind sehr einfach bzw. liegen auf der Hand, nur will sie heute niemand mehr hören: Das ELTERNRECHT ist natürlich von DEM »verliehen«, der auch den Menschen geschaffen hat, und es ist Bestandteil des NATURRECHTS (welches nicht nur »Menschenrechte«, sondern auch Pflichten gegenüber GOTT und seinem Nächsten enthält). Wer sollte es sonst »verliehen« haben bzw. wer käme sonst noch in Betracht? Es gibt – wie in allen grundsätzlichen Fragen – keine vernünftige Alternative zu einem personalen Schöpfer einschließlich der von IHM festgelegten Rahmenbedingungen (wie z. B. Naturgesetze, NATURRECHT). Es gibt nur wüste (und völlig unhaltbare) Spekulationen,die alle dem gleichen Motiv entspringen: die Gegenwart GOTTES zu verneinen/leugnen, um sich damit seiner geschöpflichen Verantwortung zu entziehen.

Zweitens, auch die Formulierung »vorgegebenes Recht« macht unmißverständlich deutlich, daß es sich bei dem ELTERNRECHT um ein Recht völlig anderer, nämlich höherer Qualität handelt. Was bedeutet »vorgegeben« anderes, als daß man eine höhere Rechtssphäre voraussetzt, aus der die unveränderliche Natur des RECHTS entspringt, und an der sich »das gesetzte Recht« – z. B. § 182 HSchG – »messen« lassen muß? Wo finden wir sonst noch »Vorgegebenes«? Wir finden z. B. Naturgesetze »vorgegeben«, d. h. wir finden diese vor und finden uns mit ihnen (mehr oder weniger) ab. Wir haben sie also nicht gemacht. Genauso verhält es sich mit dem NATURRECHT/ELTERNRECHT: Die Verfassungsväter haben es »als vorgegebenes Recht« vorgefunden, es brauchte deshalb nicht »gesetzt«, positiviert werden. Im Gegensatz zu den Naturgesetzen (denen man sich unmöglich entziehen kann) ist der deutsche Staat mit der Gegebenheit ELTERNRECHT leider viel weniger geneigt sich abzufinden und versucht – durch Leugnung des Tatbestands ELTERNRECHT = NATURRECHT einerseits und Erfindung von »Staatsrecht« andererseits – seinen unrechtmäßigen Schulzwang pseudo zu legitimieren.

Drittens, anscheinend war das BVerfG in seinem Urteil der Meinung, die zuvor beschriebene Gegebenheit des ELTERNRECHTS sei von den Verfassungsvätern »anerkannt« worden. Es stimmt natürlich, daß der einzig richtige Umgang mit solch einer Gegebenheit wie der des ELTERNRECHTS nur der des Anerkennens sein kann (und heute nach wie vor sein sollte). Doch einig waren sich die Verfassungsväter bzgl. des naturrechtlichen Wesens des ELTERNRECHTS nicht4, weshalb es eine »Anerkennung« (wie vom BVerfG unterstellt) leider so nicht gab, was auch an der unzureichenden Formulierung des Art. 6 GG zu ersehen ist.

Viertens, wenn das ELTERNRECHT »nicht vom Staate verliehen« wurde, dann kann der Staat es den Eltern auch nicht streitig machen! Dieser Punkt wird in den aktuellen Diskussionen völlig außer acht gelassen. Denn wenn das ELTERNRECHT solcher Art ist wie dargelegt, dann
ist es »unantastbar« und kann auch nicht eingeschränkt werden. Und: Es kann ebenfalls nicht dadurch eingeschränkt werden, indem es von irgendwelchen Verfassungsvätern nur unzureichend ausformuliert wurde. Das ist ebenfalls sehr wichtig zu beachten. Es gilt nicht das, was als Formulierung in Art. 6 GG zu finden ist (und etwa das nicht, was weggelassen wurde), auch gilt nicht das, was das BVerfG oder eine Mehrheit von Kommentatoren des GG aus Art. 6 herauszulesen meint, sondern es gilt das, was es tatsächlich beinhaltet. Was aber sollte es anderes beinhalten als das RECHT der Eltern, den Lebensentwurf, der ihnen als der beste erscheint (und die »Freiheit der Andersdenkenden« nicht beeinträchtigt) gemeinsam mit ihren Kindern umzusetzen? (Und welches »Recht« vermag dies einzuschränken?)“

1 Auf den Erfindungsreichtum bundesdeutscher Verfassungsrichter werden wir im weiteren Verlauf noch eingehen.
2 BVerfGE 1, 14 – 2 BvG 1/51 vom 23.10.1951, Leitsatz 27.
3 BVerfGE 59, 360 – 1 BvR 845/79 vom 9.2.1982, Abs. 85.
4 Näheres dazu auf S. 54.

(Die gesamte Stellungnahme kann hier eingesehen werden.)

Warum Gott China segnet

1. März 2012

Vor einigen Wochen liess mich eine kleine Nachricht aufhorchen: Die Europäische Union hat China um Wirtschaftshilfe ersucht. So weit ist es also gekommen. Ich erinnere mich noch, vor einigen Jahrzehnten, da war das kommunistische Osteuropa um Hilfe aus dem Westen angewiesen, obwohl in der offiziellen Propaganda ständig die Überlegenheit des Kommunismus betont wurde. Und einige wenige westliche Politiker wagten es damals noch, ihren Amtskollegen im Osten zu sagen, sie möchten aber bitte aufhören, die Menschenrechte ihrer Untertanen mit Füssen zu treten.

Heute ist China längst nicht mehr so kommunistisch wie damals Osteuropa. Menschenrechtsverletzungen kommen dennoch immer wieder vor – insbesondere gegen Christen. Aber in den westlichen Medien und bei westlichen Politikern ist das kein Thema mehr – wie könnte es auch, wenn man vom Hilfeleistenden zum Hilfsbedürftigen geworden ist.

Beruht diese Umkehrung der wirtschaftlichen Verhältnisse darauf, dass China – zumindest was die Wirtschaft betrifft – einen Wandel zum Kapitalismus vollzogen hat, während Westeuropa immer sozialistischer wird? Das mag ein Teilaspekt sein; aber ich glaube, dass diese Erklärung zu kurz greift. Ich glaube, es gibt da tieferliegende geistliche Hintergründe, die damit zu tun haben, wann, wo und wen Gott segnet.

In einem Buch über Missionsgeschichte las ich einmal einen höchst interessanten Gedanken über den Untergang des Römischen Reiches. (Leider kann ich mich beim besten Willen nicht mehr an den Autor oder den Titel des Buches erinnern, sonst würde ich die Quelle angeben.) Es wurde da erwähnt, dass sich etwa ab dem 4.Jahrhundert der christliche Glaube immer stärker auch ausserhalb des Römischen Reiches auszubreiten begann, unter den „barbarischen“ Germanenstämmen. Parallel dazu wurde das Römische Reich zwar offiziell „christlich“ (indem Kaiser Theodosius das Christentum zur obligatorischen Staatsreligion erklärte), in der Praxis aber wurde das Heidentum jetzt einfach unter dem Deckmantel der entstehenden römisch-katholischen Kirche weiter praktiziert. So kam es zu einem Punkt, wo die mehrheitlich heidnischen Barbarenstämme in Tat und Wahrheit „christlicher“ waren als das offiziell christliche Römische Reich. Es war deshalb nur recht, wenn Gott sie mit militärischer Überlegenheit über das Römische Reich segnete.

In der offiziellen Kirchengeschichte liegt auch im 4. und 5.Jahrhundert der Schwerpunkt des Christentums immer noch im Römischen Reich. Es gibt aus dieser Zeit viel Literatur von bekannten römischen „Kirchenvätern“ und Theologen, während nur eine einzige germanische christliche Schrift bekannt ist (die gotische Bibelübersetzung von Wulfila). Widerspiegelt das aber den tatsächlichen Zustand des geistlichen Lebens? Ist theologische Gelehrsamkeit tatsächlich ein Beweis dafür, dass der Autor in einer christlich geprägten Kultur lebte? Oder könnte es sein, dass sich unter den heidnischen Barbarenstämmen mehr geistliches Leben, mehr Gehorsam Gott gegenüber, mehr echte Gottesfurcht fand als in Rom? – Wahrscheinlich nicht unter den einflussreichen Anführern und Kriegern; aber vielleicht unter dem einfachen Volk, das der Geschichtsschreibung unbekannt blieb?

Ich kann diese Fragen nicht mit Sicherheit beantworten. Aber die Parallele zum gegenwärtigen Verhältnis zwischen der westlichen Welt und China drängt sich geradezu auf. Noch immer nennt sich die Mehrheit der Westeuropäer „Christen“ – vielleicht nicht gerade „wiedergeboren“, aber immerhin „Christen“, Kirchenmitglieder. Und die grosse Mehrzahl christlicher Bücher wird weiterhin in Europa und den USA produziert. Gemäss offiziellen Kirchenstatistiken ist Europa immer noch einer der „christlichsten“ Kontinente der Welt. Dies im unübersehbaren Kontrast zum Blickwinkel von eher biblisch ausgerichteten Christen: Bereits vor einem Jahrzehnt vermerkten Missionsstatistiken, Europa sei der am wenigsten evangelisierte Kontinent der Erde, mit nur gerade 2,4% Einwohnern (nein, das Komma ist kein Tippfehler), die nach evangelikalen Massstäben als Christen bezeichnet werden können. (Die gegenwärtige Zahl dürfte noch um einiges tiefer liegen.) Und was das geistliche Leben betrifft – nicht nur die Grosskirchen, sondern inzwischen auch die Freikirchen haben die biblischen Wahrheiten derart demontiert, dass so gut wie nichts davon übriggeblieben ist. Soweit ich es beobachten kann, befinden sich die evangelikalen Freikirchen heute etwa auf demselben geistlichen Niveau wie die grossen Landeskirchen vor 30 bis 40 Jahren. Das Christentum wird zwar noch bekannt, aber nicht mehr gelebt.

China hingegen ist weiterhin ein offiziell atheistisches Land. Das Christentum und andere Religionen werden zwar geduldet, solange sie sich der staatlichen Aufsicht (mit den entsprechenden Beschränkungen) unterwerfen und nichts tun oder lehren, was im Widerspruch zur Staatsdoktrin steht. Echte Religionsfreiheit besteht jedoch nicht, und eine grosse Zahl von Leitern inoffizieller Kirchen befinden sich ihres Glaubens wegen im Gefängnis.
Trotzdem (oder gerade deswegen?) erlebt China eine der langandauerndsten und intensivsten geistlichen Erweckungen der Gegenwart. Die Anzahl der Christen hat während der letzten vierzig Jahre ständig zugenommen. Da sich viele von ihnen im Untergrund befinden, sind keine genauen Zahlen bekannt; ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung dürfte aber um die 10% betragen. Und ihre Hingabe an Jesus, ihre Konsequenz und ihre Leidensbereitschaft übertrifft westliche Christen bei weitem.

Der Untergrundkirchenleiter „Bruder Yun“, der selber in chinesischen Gefängnissen aufs Schrecklichste gefoltert wurde, macht in seinem Buch „Heavenly Man“ eine erstaunliche Aussage:

„Wir haben auch verstanden, dass die letzten dreissig Jahre des Leidens, der Folter und Verfolgung der chinesischen Hauskirchen zur Ausbildung Gottes für uns gehörten. Der Herr hat uns entsprechend vorbereitet, um Missionare in der moslemischen, buddhistischen und hinduistischen Welt zu sein.
Einmal sprach ich an einem Ort im Westen, und ein christlicher Bruder sagte zu mir: ‚Schon viele Jahre bete ich, dass die kommunistische Regierung in China gestürzt werde, damit die Christen in Freiheit leben können.‘ Das ist nicht die Art, wie wir beten! Wir beten nie gegen unsere Regierung, und wir bitten erst recht nicht, dass Flüche über sie fallen. Im Gegenteil, wir haben gelernt, dass Gott die Kontrolle hat über unser Leben und über die Regierung, unter der wir leben. Wie Jesaja über Jesus prophezeite: ‚Die Herrschaft wird auf seinen Schultern ruhen.‘ (Jesaja 9,6). Gott hat die chinesische Regierung zu seinen Zwecken gebraucht, indem er seine Kinder so geformt hat, wie es am besten war. (…) Betet nicht dafür, dass die Verfolgung aufhöre! Wir sollten nicht um eine leichtere Last bitten, sondern um einen stärkeren Rücken, um die Last zu tragen. Dann wird die Welt sehen, dass Gott mit uns ist, und uns stärkt zu einem Leben, das seine Liebe und seine Macht widerspiegelt. Das ist die wahre Freiheit!“

Die Kulturrevolution hat China vom Ausland abgeschnitten. Das hatte für die chinesische Kirche die positive Auswirkung, dass sie lange Zeit unberührt blieb von dem beispiellosen moralischen und geistlichen Zerfall der westlichen Kirchen während der vergangenen Jahrzehnte, und auch von den fruchtlosen theologischen Streitigkeiten zwischen verschiedenen Denominationen. So ist der grösste Teil der chinesischen Kirche zu einer Gemeindeform zurückgekehrt, die näher am Neuen Testament liegt als die allermeisten Kirchen der westlichen Welt. Was das geistliche Leben betrifft, so ist China heute wahrscheinlich eines der christlichsten Länder der Erde.

Das muss zwangsläufig Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Nicht nur indirekt in der Form eines vielleicht nicht ganz konkret zu fassenden „Segens“, sondern ganz direkt durch das bewusste Praktizieren eines christlichen Lebensstils in der Wirtschaft, wie letztes Jahr über eine christliche Unternehmerkonferenz in China berichtet wurde:

„(…) Durch das rasante Wachstum des Christentums im bevölkerungsreichsten Land der Welt gibt es inzwischen Firmen mit mehreren tausend Mitarbeitern, die von Christen nach biblischen Prinzipien geleitet werden.
(…) ist in der 8-Millionen-Einwohner-Stadt Shenyang nahe der nordkoreanischen Grenze bereits eine Akademie für christliche Führungskräfte im Bau. In den Gebäuden auf dem 230 Hektar grossen Gelände sollen Christen lernen, wie sie chinesische Firmen und Abteilungen erfolgreich führen und gleichzeitig christliche Werte leben und weitergeben können. Die christlichen Unternehmer fördern Integrität und Gerechtigkeit in der von Turbokapitalismus geprägten chinesischen Wirtschaft. In China beschäftigen christliche Unternehmer schon heute zahlreiche Firmenseelsorger, die sich ausschliesslich um das geistliche Wohl der Mitarbeiter kümmern.“
(„Zeltmacher-Nachrichten“, http://zeltmacher-nachrichten.eu, 6.Oktober 2011)

Ich würde annehmen, dass selbst die „evangelikale Hochburg“ USA noch weit zurückbleibt hinter dem hier gezeichneten Bild. Wundern wir uns also nicht, wenn Gott China segnet. Und wer weiss, vielleicht muss sich Europa bald von China auch punkto Menschenrechte zurechtweisen lassen.

Bemerkenswerte Zitate: Über Schule, Lehrer und Schulpflicht (Teil 3)

22. Februar 2012

Teil 3: Über die Schulpflicht

„Die Grundlage einer echten Demokratie besteht nicht darin, dass die Leute ihre Regierung wählen können. Echte Demokratie besteht, wenn die Leute ihre Lehrer auswählen können.“
Dayal Chandra Soni, Shikshanjali, 1992

„Kinder von 12 oder 13 Jahren an haben bereits sehr lange Schultage und zusätzlich abends zwei, drei oder mehr Stunden Hausaufgaben. (…) Lange bevor sie in eine höhere Schule eintreten, werden viele Kinder einer Arbeitswoche von 70 Stunden oder mehr unterworfen. Seit den frühen und brutalen Tagen der industriellen Revolution haben Kinder nie mehr so hart gearbeitet.“
John Holt (Homeschooling-Pionier)

„Die Entwicklung der Schulbänke bedeutete, dass die Schüler einem Regime unterworfen wurden, welches ihnen möglich machte, obwohl sie stark und aufrecht geboren worden waren, bucklig zu werden! Das Rückgrat, biologisch der ursprünglichste, grundlegende und älteste Teil des Skeletts, der festeste Teil unseres Körpers, (…) das Rückgrat, welches den verzweifelten Kämpfen des Menschen gegen den Wüstenlöwen widerstand; welches stark blieb, wenn er das Mammut bezwang, den harten Felsen bearbeitete und das Eisen zu seinem Gebrauch formte; krümmt sich und bricht unter dem Joch der Schule.
Es ist unverständlich, dass die sogenannte Wissenschaft in den Schulen ein Instrument zur Sklaverei vervollkommnete, ohne auch nur von einem einzigen Lichtstrahl der sozialen Befreiungsbewegung erleuchtet zu werden, welche in aller Welt wuchs und sich entwickelte. Denn das Zeitalter der wissenschaftlichen Schulbänke war zugleich das Zeitalter der Befreiung der Arbeiterklasse vom Joch ungerechter Arbeit.“
Maria Montessori

(Anm: Im unmittelbaren Zusammenhang des obigen Zitats ist vordergründig nur von den anatomischen Auswirkungen des Schulmobiliars die Rede; aber der weitere Zusammenhang zeigt, dass ein Doppelsinn von der Autorin offenbar beabsichtigt war.)

„Unsere Schulpflicht (in den USA) ist eine Erfindung des Staates Massachusetts um 1850. Etwa 80% der Bevölkerung widersetzte sich – einige sogar mit Gewehren -; ihr letzter Stützpunkt in Barnstable, Cape Cod, übergab ihre Kinder erst nach 1880, als das Gebiet militärisch besetzt wurde und die Kinder unter militärischer Bewachung zur Schule gehen mussten.
Etwas merkwürdiges zum Nachdenken: Das Büro von Senator Ted Kennedy gab ein offizielles Dokument heraus, wonach vor der Einführung der Schulpflicht 98% der Einwohner des Staates (Massachusetts) lesen und schreiben konnten; danach blieb die Ziffer ständig unter 91%, wo sie heute (1990) noch ist. Ich hoffe, das interessiert Sie.“
John Taylor Gatto (Preisträger „Lehrer des Jahres“ New York 1990)

„Jene Menschen, die nur gelernt haben, einem von aussen vorgegebenen Programm zu folgen, stehen in Gefahr, ebenfalls von aussen her ‚umprogrammiert‘ zu werden, wenn der Druck einer neuen Gesellschaft es erfordert. Ohne ein aktives inneres Leben und ohne Bewusstsein seiner eigenen Menschlichkeit fehlen selbst dem intelligentesten Menschen jene spezifisch menschlichen Qualitäten, die er von innen her den von aussen aufgezwungenen Programmierungen entgegensetzen könnte, wenn die Integrität seines Seins bedroht wäre.“
Rebeca Wild (Pionierpädagogin in Ecuador)

Die folgenden zwei Zitate zeigen, dass eine solche „Umprogrammierung“ mittels des Schulsystems tatsächlich schon längst von langer Hand geplant und ausgeführt wird:

„In unseren Träumen ergeben sich die Menschen vollkommen fügsam in unsere formenden Hände. Die gegenwärtigen Vorstellungen von Bildung, im Sinne von Bildung des Intellekts und des Charakters, verschwinden aus ihrem Sinn; und ungehindert von der Tradition führen wir unseren eigenen guten Willen aus über ein dankbares und willfähriges Volk. Wir werden nicht versuchen, diese Leute oder irgendeines ihrer Kinder zu Gelehrten oder Philosophen oder Wissenschaftern zu machen. Wir sollen unter ihnen keine zu Schriftstellern, Erziehern oder Dichtern machen, auch nicht zu grossen Künstlern, Malern oder Musikern, noch zu Anwälten, Ärzten, Staatsmännern, Politikern – Geschöpfe, mit denen wir reichlich versorgt sind. Die Aufgabe ist einfach. Wir werden Kinder organisieren und sie auf vollkommene Weise die Dinge lehren, die ihre Eltern auf unvollkommene Weise tun.“
John D.Rockefeller (von dessen Finanzen das amerikanische Schulsystem zwischen 1900 und 1920 abhängig war.)

„Ich bin überzeugt, dass der Kampf um die Zukunft der Menschheit in den Schulzimmern der Staatsschulen gekämpft und gewonnen werden muss, von Lehrern, die ihre Rolle richtigerweise als Proselytenmacher eines neuen Glaubens sehen … Das Schulzimmer wird zum Konfliktschauplatz zwischen dem Alten und dem Neuen werden; zwischen dem verwesenden Leichnam des Christentums mit seinen Übeln und seinem Elend, und dem neuen Glauben des Humanismus…“
John J.Dunphy in „Der Humanist“, Jan.-Feb. 1983

Es folgt ein gegensätzliches Zitat – obwohl es wie das vorige den Begriff „Humanismus“ verwendet. Ich überlasse es dem Leser, über den kontrastierenden Gebrauch dieses Begriffs in den beiden Zitaten nachzudenken… :

„Vor zwei Jahrhunderten führten die Vereinigten Staaten die Welt an in einer Bewegung zur Abschaffung des Monopols einer einzigen Staatskirche. Jetzt brauchen wir die verfassungsmässige Abschaffung des Monopols der Schule, und damit eines Systems, das auf legale Weise Vorurteile mit Diskriminierung verbindet. Der erste Artikel einer Menschenrechtserklärung für eine moderne, humanistische Gesellschaft würde dem Ersten Zusatzartikel zur Verfassung der USA entsprechen: ‚Der Staat erlässt keinerlei Gesetz über die Einrichtung eines Bildungssystems.‘ Es soll keinerlei Ritual geben, das für alle obligatorisch ist.“
Ivan Illich

„Der Anspruch, eine freiheitliche Gesellschaft könne auf den modernen Schulen aufgebaut werden, ist paradox. Alle Sicherungen der persönlichen Freiheit werden aufgehoben im Umgang eines Lehrers mit seinen Schülern. Wenn der Lehrer in seiner Person die Funktionen eines Richters, Ideologen und Arztes vereinigt, dann wird der grundlegende Charakter der Gesellschaft pervertiert durch eben jenen Prozess, der auf das Leben vorbereiten soll. Ein Lehrer, der diese drei Gewalten in sich vereinigt, trägt viel mehr zur Verkrümmung des Kindes bei als alle Gesetze, welche dessen legale oder wirtschaftliche Minderjährigkeit festlegen oder dessen Versammlungs- oder Wohnsitzfreiheit beschränken.“
Ivan Illich

„Jeden Tag stellen die Schulen von neuem sicher, dass die Macht absolut und willkürlich ist, indem sie den Zugang zu grundlegenden Notwendigkeiten wie Toiletten, Wasser, Privatsphäre und Bewegungsfreiheit willkürlich gestatten bzw. verweigern. Auf diese Weise werden grundlegende Menschenrechte, die normalerweise nur den Willen der betroffenen Person erfordern, in Vorrechte verwandelt, die keineswegs garantiert sind.“
John Taylor Gatto

„Von den wichtigeren gesellschaftlichen Institutionen in westlichen Demokratien zeichnen sich nur drei durch die Anwendung von Zwang aus: die Gefängnisse, das Militär und die Staatsschulen.“
Denis P. Doyle

„Faust in meiner Hand“

Als ich an diesem Morgen mit ihm vor dem Schulhaus stand,
Unter dem Arm die grosse bunte Tüte,
Da spürt‘ ich seine kleine, heisse Faust in meiner Hand
Und wusste, dass er ahnte, was ihm blühte.
Mein erster Schultag endete in einem Tränenmeer,
Doch hatte ich nie vor ihm davon gesprochen –
Wie wurde schon am ersten Tag mein Ranzen mir so schwer –
Doch schlau hatte er den Braten längst gerochen.
Und als die anderen Kinder mit der Lehrerin fortgingen,
Hab‘ ich seine Verzweiflung und Verlassenheit gespürt
Und musst‘ ihn flehend, bittend dennoch in die Klasse bringen
Und fühlte mich, wie wenn man ein Kälbchen zur Schlachtbank führt.

Es gab nur Liebe und Versteh‘n, gab nur Freiheit bislang,
Und nun droh‘n Misserfolge und Versagen.
Der Wissensdurst versiegt unter Bevormundung und Zwang,
Die Gängelei erstickt die Lust am Fragen.
Die Schule macht sich kleine graue Kinder, blass und brav,
Die funktionier‘n und nicht infragestellen,
Wer aufmuckt, wer da querdenkt, der ist schnell das schwarze Schaf.
Sie wollen Mitläufer, keine Rebellen,
Ja-Sager wollen sie, die sich stromlinienförmig ducken,
Die ihren Trott nicht stör‘n durch unplanmäss‘ge Phantasie,
Und keine Freigeister, die ihnen in die Karten gucken
Und die vielleicht schon ein Kapitel weiter sind als sie.

Wie oft bist du in all den Jahren aus dem grauen Tor
Bemäkelt und getadelt rausgekommen,
Wie oft habe ich ahnungsvoll und stillschweigend davor
Den Delinquenten in den Arm genommen!
Wie oft hab‘ ich den Spruch gehört: Ihr Sohn hat nur geträumt,
Ihr Sohn hat mit Papierfitzeln geschossen,
Ihr Sohn hat trotz Ermahnung seinen Platz nicht aufgeräumt,
Ihr Sohn hat sein Tuschwasser ausgegossen!
Und nie: Ihr Sohn ist vor der ganzen Klasse aufgestanden
Für einen, den sie peinigten und quälten bis auf‘s Blut!
In dieser Welt kommen uns die wahren Werte abhanden,
In dieser Schule gibt es kein Fach Menschlichkeit und Mut.

Manchmal wünscht‘ ich, wir wär‘n an diesem Tag nicht mitgegangen
Und lieber, wie im Kinderlied, zu Doc David nach Fabuland.
Du hättest nicht nochmal an jener Stelle angefangen,
Wo ich schon einmal stand – die Faust in meines Vaters Hand!(Reinhard Mey in seinem Album Rüm Hart)
gefunden bei: http://hausunterricht.org/

Homeschooling ist ein Menschenrecht! – USA gewährt Deutschen politisches Asyl

5. Februar 2010

Der Fall machte kürzlich Schlagzeilen: Ein amerikanisches Gericht hat der deutschen Familie Romeike politisches Asyl gewährt, weil sie in Deutschland verfolgt wurden wegen ihrer Entscheidung, ihre Kinder selber zu erziehen. Damit ist jetzt offiziell festgestellt worden, dass die deutsche Regierung (mehrmals auch von EU-Instanzen gedeckt) mit ihrem Vorgehen gegen „Homeschooler“ grundlegende Menschenrechte massiv verletzt.

Ich habe mir ein paar Pressestimmen und Kommentare dazu angesehen. Grösstenteils traurig, was dazu geschrieben und gedacht wird (zumindest im deutschen Sprachraum):

Da wird gedankenlos die Argumentation deutscher Regierungsstellen und Lehrerverbände wiederholt, Eltern könnten ihren Kindern keine angemessene Bildung vermitteln, und deshalb müsse die Schulpflicht mit Gewalt durchgesetzt werden. Dabei ist schon längst durch die Forschung gezeigt worden, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Zuhause ausgebildete Kinder sind generell den Schulkindern überlegen, nicht nur intellektuell, sondern auch psychologisch und sozial. (In einem späteren Artikel gedenke ich konkrete Daten dazu zu veröffentlichen. – Nachtrag: Ist hiermit geschehen!)

Ein zweites häufiges „Totschlag-Argument“ in den deutschen Kommentaren war, die Romeikes seien religiöse Fundamentalisten und deshalb habe der Staat das Recht, ihnen ihre Überzeugungen zu verbieten. Da muss man sich wirklich fragen, auf welcher Seite die Intoleranz liegt: auf der Seite einer Familie, die einfach ihren Überzeugungen nachleben will, ohne andere Menschen zu belästigen; oder auf der Seite eines Staates, der solche Überzeugungen unter Gewaltanwendung verfolgt? – Ich erlaube mir hier die neue Wortschöpfung „Staatsfundamentalisten“: für alle jene, die glauben, der Staat hätte das Recht, seinen Bürgern eine bestimmte Ideologie aufzuzwingen und Andersgläubige zu verfolgen.

Und ein dritter Punkt, wo ich mich beklommen frage, was für ein gesellschaftliches Klima zur Zeit in deutschen Landen herrscht (ich wohne ja zum Glück weit weg…): Kaum ein Kommentator zeigte irgendwelches Mitgefühl mit dem unsäglichen Leiden, das die Familie Romeike auf sich nehmen musste: Unverhältnismässige Geldbussen und Enteignungen, als sie die Bussen nicht mehr bezahlen konnten; monatelange Gerichtsstreitigkeiten; Drohungen mit Gefängnis und Kindesentzug; zweimal drang die Polizei in ihr Haus ein, um die Kinder gewaltsam zur Schule zu schleppen. Das alles wird offenbar in Deutschland heute als normal empfunden?! – Kommentatoren behaupteten, die Familie Romeike schade mit ihrer Erziehung ihren eigenen Kindern. Aber kaum jemand fragte danach, was für Schädigungen diese Kinder durch das brutale Vorgehen der deutschen Behörden erlitten haben.

Es handelt sich ja nicht um einen Einzelfall. Wer im deutschsprachigen Bereich des Internets nach „Homeschooling“, „Bildungsfreiheit“ usw. sucht, wird bald auf weitere ähnliche Horrorgeschichten stossen. Eltern, die in Deutschland ihre Kinder selber erziehen, müssen damit rechnen, dass sie ihr Hab und Gut verlieren, ins Gefängnis gesperrt werden, ihre Kinder in Heime oder psychiatrische Kliniken zwangsinterniert werden, und dass sie sogar im Ausland noch von deutschen Behörden weiter verfolgt werden.

Dass es sich hier tatsächlich um politische Verfolgung handelt, ist jetzt im amerikanischen Asylverfahren klar festgestellt worden. Im Blog „Freie Bildung“ wurde die Urteilsbegründung detailliert dargestellt und kommentiert. Ebenso wurde herausgestellt, dass der „religiöse Fundamentalismus“ nur ganz am Rande etwas mit der Sache zu tun hat (deshalb der Titel des Blog-Artikels: „Der Religionskrieg lebt“), sondern dass es um die Grundüberzeugung geht, Kindererziehung gehöre in die Familie.

Da die Zitate in dem erwähnten Blog-Artikel auf Englisch sind, habe ich hier einige davon übersetzt:

Verfolgung

(…) Herr Romeike und seine Frau und Kinder erlitten ständige Verfolgung, weil sie ihre Kinder zuhause ausbildeten. Nachstehend eine nicht vollständige Liste der Verfolgung, die sie erlitten:

Bedrohung:
(Es werden acht Vorfälle innerhalb von drei Monaten aufgeführt, wo der Familie von Behörden und Polizei konkret Bussen, Polizeigewalt und andere Zwangsmassnahmen angedroht wurden.)

Körperliche Schädigungen:
Am 20.10.2006, um ca. 7.30 Uhr, betraten bewaffnete und uniformierte Polizeibeamte das Heim der Romeikes. Ohne einen schriftlichen Befehl zu haben, führten die Beamten die Kinder gewaltsam ab und fuhren die weinenden, traumatisierten Kinder zu der staatlichen Schule.
Am 23.10.2006, um ca. 8.30 Uhr, kamen wiederum bewaffnete und uniformierte Polizeibeamte zum Heim der Romeikes, um die Kinder gewaltsam wegzuführen. Sie hätten damit Erfolg gehabt, wenn nicht eine Gruppe deutscher Bürger vor dem Heim der Romeikes protestiert hätte.

Einschüchterung und Verachtung:
Im November 2006 wurden Herr und Frau Romeike von Dr.Klein konfrontiert, der zu dem Treffen unangekündigt einen Beamten des Jugendamts mitbrachte (welches das Recht hat, den Eltern ihre Kinder wegzunehmen).
Die deutschen Behörden dispensierten die Kinder Romeike vorübergehend vom Schulbesuch, begründet mit einem Arztzeugnis vom 13.November 2006, wonach ein zwangsweiser Schulbesuch den Kindern unangemessenen Stress mit psychosomatischen Konsequenzen bereiten würde. (…) Diese Begründung alarmierte Herrn und Frau Romeike, weil solche Gründe in anderen Fällen in Deutschland dazu benützt worden waren, zuhause ausgebildete Kinder zwangsweise in eine psychiatrische Klinik einzuweisen und sie den Eltern wegzunehmen.
Die deutschen Behörden, inbegriffen Zivilrichter, lehnten ständig die Argumente der Romeikes ab betreffend ihr Gewissen, elterliche Rechte, und die Freiheit in der Wahl der Bildung.

Geldbussen und Enteignung:
(Es werden sieben Fälle aufgeführt, wo die Romeikes gebüsst wurden, insgesamt mit einem fünfstelligen Betrag, und der Androhung einer Zwangsenteignung. Das Enteignungsverfahren war bereits eingeleitet worden, als die Familie in die USA floh.)

Im weiteren wird begründet, dass die Verfolgung von „Homeschoolern“ in Deutschland eindeutig auf ihrer Zugehörigkeit zu einer definierten sozialen Gruppe mit bestimmten Überzeugungen beruht:

Homeschooler, als Mitglieder einer besonderen und sichtbaren sozialen Bewegung, können ihrem Gewissen in jedem grösseren westlichen Land folgen, mit Ausnahme von Deutschland. Die deutsche Regierung, unterstützt von den höchsten Gerichten, hat stattdessen eine Position der offiziellen Intoleranz gegen diese besondere soziale Gruppe eingenommen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht stellte fest, dass die deutsche Regierung ein berechtigtes Interesse daran hat, auf individuelle Homeschooler abzuzielen, mit dem eigentlichen Zweck, die Homeschool-Bewegung zu unterdrücken und diese besondere soziale Gruppe an ihrer Ausbreitung zu hindern.

(…) Die besondere soziale Gruppe, zu der Herr Romeike gehört, besteht aus jenen Eltern, die aus religiösen, politischen, sozialen, akademischen oder Gewissensgründen ihre Kinder nicht in staatlich genehmigte Schulen schicken, sondern sie zuhause erziehen. (…) Ihre religiösen und Gewissensüberzeugungen sind so grundlegend für ihre Identität, dass sie nicht gezwungen werden sollten, diese zu ändern. Homeschooler in Deutschland sind ohne Frage eine besondere soziale Gruppe.

(Anm: Das wird herausgehoben, weil Verfolgung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer besonderen sozialen Gruppe ein Grund für politisches Asyl ist.)

(Die Verfolgung dieser Gruppe) wird bewiesen durch das Zeugnis der zahlreichen Familien, die diesem Gericht eidesstattliche Erklärungen vorgelegt haben. Der deutsche Staat betrachtet Homeschooler als eine soziale Gruppe und hat ministerielle Erklärungen über Homeschooling abgegeben, sowohl auf Bundes- wie auf Länderebene. Bezeichnend ist hierzu das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts, wonach die Regierung berechtigt sei, Homeschooler zu unterdrücken, „um der Entwicklung religiös oder philosophisch motivierter Parallelgesellschaften entgegenzuwirken“.
(…) Eltern, die ihr Menschenrecht auf die Ausbildung und Erziehung ihrer Kinder in der Form von Homeschooling ausüben, haben gemeinsame Merkmale, die sie zu einer erkennbaren Gruppe machen und sie von der allgemeinen deutschen Gesellschaft unterscheiden. Somit ist der deutsche Staat motiviert, Herrn Romeike zu verfolgen, weil er ein Homeschooler ist.
(…) Der deutsche Staat nimmt Homeschooler aufs Korn, nicht wegen der individuellen bildungsmässigen Folgen für jedes Kind, sondern wegen der mutmasslichen weiteren Folgen für die Gesellschaft. Deutsche Beamte gehen gegen Homeschooler härter vor als gegen Eltern von Kindern, die einfach die Schule schwänzen und keinerlei Bildung erhalten, weder in der Schule noch zuhause.
Anscheinend mit dem Segen des Verfassungsgerichts in Konrad, bewirkt das harte Vorgehen gegen Homeschooler einen Terroreffekt, um andere Mitglieder derselben sozialen Gruppe abzuschrecken, sowie Menschen aus der allgemeinen Bevölkerung, die gerne dieser Gruppe beitreten würden. Das harte und gezielte Vorgehen der deutschen Regierung gegen Homeschooler trägt dazu bei, diese besondere soziale Gruppe zu definieren, beweist deren Existenz, und zeigt den Zusammenhang zwischen der Schädigung und dem geschützten Grund für die Gewährung von Asyl.

(…) Im vorliegenden Fall würden andere westliche Staaten kein Verbrechen sehen, da sie Homeschooling erlauben. Die Schwere der Bestrafung, der Herr Romeike unterzogen wurde (…), ist völlig unverhältnismässig im Vergleich zu dem geringen Vergehen. Seine politische Ansicht, dass es ihm erlaubt sein solle, seine Kinder zuhause auszubilden, ist motiviert durch seine religiöse Sicht von seiner Rolle als Vater. In diesem Fall besteht die „Natur der Tat“ darin, seinen Kindern eine gute Erziehung zu geben; aber der deutsche Staat hat dies als irrelevant angesehen. (…) Es ist klar, dass die gerichtliche Verfolgung gegen Herrn Romeike sich auf seine politische Ansicht gründet, seine Kinder zuhause ausbilden zu sollen (…). Dass der Staat überhaupt nicht um die Qualität der Ausbildung der Kinder besorgt war, zeigt, dass die Verfolgung politisch ist, nicht einfach bildungsmässig.
(…) Auch die Beweise, dass die Bestrafung für eine politische motivierte Tat unverhältnismässig ist, können auf Verfolgung aufgrund politischer Ansichten hinweisen, statt rechtmässiger gerichtlicher Verfolgung. Wie oben behandelt, ist die Bestrafung für die politische Tat des Homeschooling unverhältnismässig. Das beweist nicht nur, dass es sich wirklich um Verfolgung handelt (…); es beweist auch, dass die Verfolgung wegen Herrn Romeikes politischer Ansicht geschieht.

Wie das amerikanische Gericht festgestellt hat, ist also der einzige „religiöse“ Konfliktpunkt in dieser Auseinandersetzung Herrn Romeikes Überzeugung über seine Aufgabe als Vater – eine Überzeugung, die er durchaus auch mit nichtreligiösen oder „anders religiösen“ Menschen teilt. Der Kern der Auseinandersetzung ist politisch: wer hat das Recht, Kinder zu erziehen, die Eltern oder der Staat?

Nun möchte ich auch noch positiv einen Medienkommentar erwähnen, wo offenbar jemand gemerkt hat, worum es geht. Unter dem Titel „Deutschland muss noch viel lernen“ sagt ein Kommentator des WDR u.a.

Wenn hier einer spinnt, dann ist es Deutschland mit seiner obrigkeitsstaatlichen Tradition, die für Länder, die aus Freiheitswillen entstanden, unbegreiflich, ja geradezu abstoßend ist. Die USA sind geboren als eine Nation gegen die damals in Europa herrschende Unfreiheit und Unterdrückung. Grundlegend ist die Überzeugung, dass die Menschen nicht dem Staat gehören, sondern sich selber, und dass der Staat nur eine dienende Funktion hat (…)
Durch die Bank führt aber der Hausunterricht nicht zu schlechteren Ergebnissen, ganz im Gegenteil: durchweg sind sie besser als die der staatlichen Schulen.
Wenn es nicht nur im großen Wissenschaftsland USA und in mehr als einem Dutzend renommierter Staaten Mitteleuropas ohne Schulzwang geht, dann stimmt doch was mit Deutschland nicht. Und so ist es: Es hat ein Bildungsdefizit in punkto Freiheit. Es muss noch viel lernen.