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Kennzeichen der Urgemeinde in Apostelgeschichte 2 (5.Teil)

31. Juli 2017

Sie blieben im Brotbrechen und gemeinsamem Essen.

Das „Brotbrechen“ war ein so wichtiger Aspekt der christlichen Gemeinschaft, dass es in unserem kurzen Abschnitt (Apg.2,42-47) gleich zweimal erwähnt wird. Der Text sagt es hier nicht ausdrücklich, aber vom Gesamtzusammenhang des Neuen Testamentes her können wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass dieses „Brotbrechen“ gemäss der Anweisung des Herrn „zu seiner Erinnerung“ geschah (Lukas 22,19; 1.Korinther 11,24-25). D.h. es handelt sich um das, was Paulus auch „das Mahl des Herrn“ nennt (1.Korinther 11,20). Wir stellen aber fest, dass die Urgemeinde dies auf ganz andere Weise tat als die meisten heutigen Kirchen.

Erstens einmal lesen wir hier von keinem „Ritual“ und von keiner formellen Zusammenkunft. Das „Brotbrechen“ war gleichbedeutend mit „zusammen essen“. Die Christen kamen zusammen, um ihr Essen miteinander zu teilen, und im Rahmen dieses Essens erinnerten sie sich auch an den Tod und die Auferstehung des Herrn, so wie er es ihnen geboten hatte. Das „Mahl des Herrn“ war also eine wirkliche Mahlzeit, nicht ein Ritual mit einem kleinen symbolischen Stück Keks.

Wir stellen auch fest, dass dieses Brotbrechen in der Privatsphäre des eigenen Heims geschah. Es war ein normaler Teil der koinonía und der familiären Gemeinschaft in den Häusern, wie in den vorhergehenden Artikeln beschrieben.

Jesus setzte dieses Mahl im Zusammenhang mit dem jüdischen Passahfest ein (Lukas 22,7-20 und Parallelen). D.h. das Mahl des Herrn ist die natürliche Fortsetzung des Passah. Nun ist auch das Passah eine sehr familiäre Feier. Es versammeln sich eine, zwei, oder vielleicht drei Familien; gerade die Anzahl Personen, die gemeinsam ein Lamm aufessen können (2.Mose 12,3-4). Sie versammeln sich zuhause, und der Familienvater leitet die Feier, im Gespräch mit seinen Kindern (2.Mose 12,25-27). Kein Priester, Rabbiner, oder sonst eine „besondere Person“ muss dabei zugegen sein.

Infolgedessen feierte auch die neutestamentliche Gemeinde das Mahl des Herrn in den Häusern, in einem familiären Rahmen, und ohne irgendeinen „Pfarrer“, „Pastor“ oder „Priester“. Solche Ämter gab es in der neutestamentlichen Gemeinde gar nicht. Die Jerusalemer Gemeinde wurde zuerst von den Aposteln geleitet, und später lesen wir auch von Ältesten (Apg.11,30; 15,2). Aber bei der grossen Anzahl der Jünger war es ganz unmöglich, dass jedes Mal ein Apostel zugegen gewesen wäre. Da die ersten Christen alle Juden waren, ist die natürliche Schlussfolgerung, dass es auch bei ihnen die Familienväter waren, die bei diesem gemeinsamen Essen Verantwortung übernahmen, wo es nötig war.

Stellen wie 1.Korinther 11,17-22 und Judas 12 weisen darauf hin, dass nach der ursprünglichen Idee dieses gemeinsame Essen auch zur Unterstützung der Bedürftigen diente: Wer viel besass, brachte viel Essen mit und teilte mit jenen, die wenig oder nichts hatten. Judas nennt diese Mahlzeiten „agapes“ (das griechische Wort für „Liebe“).
Aber die genannten Bibelstellen zeigen auch, dass schon in der apostolischen Zeit die fleischliche und eigensüchtige Gesinnung einiger Teilnehmer Probleme verursachte, zumindest an einigen Orten. Deshalb rät Paulus den Korinthern für den Fall, dass diese Probleme weiterbestünden, dass besser jeder zuhause für sich essen solle – oder zumindest jene, die eigensüchtigerweise in der Versammlung assen, ohne mit den Bedürftigen zu teilen.
Es scheint, dass dieser Brauch der „agape“-Mahlzeiten wie eine sehr zarte Blume ist, die nur unter ganz bestimmten vorteilhaften Bedingungen wachsen kann. In der ursprünglichen Gemeinde waren diese Voraussetzungen von Reinheit, Heiligkeit und Bruderliebe erfüllt; aber in den folgenden Jahrzehnten begannen sie bereits abzunehmen. Es überrascht deshalb nicht besonders, dass schon gegen Ende des ersten Jahrhunderts die meisten Gemeinden die „agape“-Mahlzeiten ganz aufgegeben hatten. Aber das war ein grosser Verlust, denn von da an begann das Mahl des Herrn zu dem sterilen Ritual zu werden, das es bis heute in fast allen Kirchen ist.

Zusammengefasst: Die ersten Christen assen täglich gemeinsam in den Häusern, und anlässlich dieser Mahlzeiten feierten sie auch die Erinnerung an den Tod und die Auferstehung des Herrn. Das waren familiäre Zusammenkünfte; es gab keine „Pfarrer“, „Pastoren“ oder „Priester“. Wenn jemand Verantwortung übernehmen musste für den guten Verlauf einer Zusammenkunft, dann taten das die Ältesten oder Familienväter, gemäss dem jüdischen Vorbild. Eine Kirche, die lehrt, die Feier des Herrenmahls hänge irgendwie von einem Priester- oder Pfarramt ab, ist vom neutestamentlichen Vorbild abgewichen.
Das gemeinsame Teilen des Essens (agape) ist nicht ausdrücklich vorgeschrieben, ist aber implizit enthalten in der Form, wie Jesus selber das Mahl des Herrn einsetzte. Wenn es einer christlichen Gruppe schwerfällt oder gar unmöglich ist, öfters zu „agapes“ zusammenzukommen, dann sollte sie dringend vor Gott ihr geistliches Leben überprüfen.

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