Posts Tagged ‘Pastoren’

Die neutestamentliche Gemeinde in Johannes 10 (4.Teil)

26. Januar 2017

Der Gute Hirte und die bösen Hirten im Alten Testament

Jesus sprach zu Juden, die das Alte Testament gut kannten. Als er begann, über den „Guten Hirten“ zu sprechen, mussten sie sich sofort an die alttestamentlichen Verheissungen eines „Guten Hirten“ erinnert haben, und besonders an das Kapitel 34 im Buch Ezechiel. Dieses Kapitel beginnt mit einer Zurechtweisung der bösen Hirten Israels:

„Wehe den Hirten Israels, die sich selber weiden! Sollen nicht die Hirten die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch und kleidet euch mit der Wolle; die Fetten schlachtet ihr, aber ihr weidet die Schafe nicht. Ihr habt die Schwachen nicht gestärkt und die Kranken nicht gepflegt; ihr habt das Gebrochene nicht verbunden, die Versprengten nicht zurückgebracht und die Verlorenen nicht gesucht; sondern ihr habt sie geknechtet mit Härte und Gewalt …“ (Ezechiel 34,2-4)

Danach muss der Prophet das Gericht Gottes über die bösen Hirten verkünden:

„So hat Gott der Herr gesagt: Siehe, ich bin gegen die Hirten; und ich werde meine Schafe aus ihrer Hand zurückfordern, und ich werde sie nicht länger die Schafe weiden lassen; und auch die Hirten werden nicht länger sich selber weiden; denn ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen reissen, und sie werden ihnen nicht länger zum Frass sein. Denn so hat Gott der Herr gesagt: Siehe, ich selber werde meine Schafe zurückfordern, und werde mich um sie kümmern.“ (Ezechiel 34,10-11)

Dann sagt Gott, dass er selber die Verantwortung eines Guten Hirten übernehmen wird:

„Auf guter Weide werde ich sie weiden, und auf den hohen Bergen Israels wird ihre Schafhürde sein: dort werden sie in einer guten Hürde ruhen, und auf fetten Weiden werden sie geweidet werden auf den Bergen Israels. (…) Ich werde die Verlorenen suchen und die Versprengten zurückbringen, und das Gebrochene verbinden und die Kranken pflegen (…)“ (Ezechiel 34,14-16)

Schliesslich verspricht Gott, dass er einen Guten Hirten über Israel setzen wird:

„Und ich werde über sie einen Hirten erwecken, und er wird sie weiden, meinen Diener David: er wird sie weiden, und er wird ihr Hirte sein. Ich, der Herr, werde ihr Gott sein, und mein Diener David Fürst mitten unter ihnen. Ich, der Herr, habe gesprochen.“ (Ezechiel 34,23-24)

Das ist eindeutig eine Prophetie auf Jesus hin, den „Sohn Davids“. Als Jesus sich selber als den Guten Hirten beschrieb, gab er zu verstehen, dass er gekommen war, um diese Prophetie Ezechiels zu erfüllen. Die Zeit war zu Ende gegangen, wo die religiösen Leiter nach Gutdünken regieren und das Volk knechten konnten. Jesus würde seine Schafe aus der Gewalt dieser Leiter befreien, und er selber würde sie weiden.

Vor diesem Hintergrund verstehen wir, dass nach dem Willen des Guten Hirten die christliche Gemeinde nie wieder unter die Gewalt anderer „Pastoren“ („Hirten“) oder Priester zurückkehren sollte. Wenn sie es trotzdem getan hat, so geschah das entgegen dem Willen des Guten Hirten. Aller Missbrauch, den Christen während all der Jahrhunderte erleiden mussten und noch erleiden müssen unter „Pastoren“, Priestern, und dem Papsttum, ist Konsequenz dieses Ungehorsams: Die Schafe Jesu hörten auf, Jesus den Herrn als ihren einzigen Guten Hirten anzuerkennen, und begaben sich wiederum unter die Herrschaft anderer Schafe (oder sogar von Wölfen in Schafskleidern). Aber das Wort Gottes bleibt weiterhin gültig: „Ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen reissen!“

Möchtest du WIRKLICH Erweckung? (Teil 3)

18. Mai 2016

Eine Erweckung bringt Verfolgung.

Viele Leiter und Anhänger vergangener Erweckungen mussten Verfolgung leiden. Manchmal kam die Verfolgung von seiten der Heiden, die sich dem Christentum widersetzten. Aber noch häufiger waren es gerade die Leiter der „christlichen“ Kirchen, welche die Erweckung verfolgten.

Von der Opposition der katholischen Kirche gegen Luther haben wir schon gesprochen. Nachdem er exkommuniziert worden war, wurde Luther auch noch vom Kaiser unter die Reichsacht gestellt. Das bedeutete praktisch sein Todesurteil, denn jeder, der ihn fand, konnte ihn straflos töten. Luther überlebte nur, weil der Kurfürst von Sachsen ihm wohlgesinnt war und ihn auf der Wartburg verborgen hielt. – Während die Reformation fortschritt, wurden Tausende von „Protestanten“ von der Inquisition und von katholischen Herrschern ermordet.

So unglaublich es erscheint, verfolgten doch die Leiter der Reformation ihrerseits die Täufer mit fast derselben Grausamkeit. Tausende von Täufern wurden in Flüssen und Seen ertränkt – eine grausame Art, sich über ihre Überzeugungen lustig zu machen, indem die Reformierten erklärten: „Da ihr euch gerne ein zweites Mal taufen lässt, taufen wir euch jetzt ein drittes Mal.“
Es ist gesagt worden: „Die Vertreter der Erweckung von gestern verfolgen die Erweckung von morgen“. Hier haben wir ein Beispiel dieser traurigen Wahrheit.

John Wesley schien an Verfolgung gewöhnt zu sein. Dies ist eine Zusammenfassung von Tagebucheinträgen Wesleys in der Anfangszeit der Erweckung:
„Sonntag, 5.Mai, morgens – Predigte in St.Anna; sie sagten mir, ich solle nie mehr zurückkommen.
Sonntag, 5.Mai, nachmittags – Predigte in St.John; die Diakone sagten: ‚Geh raus und bleibe draussen.‘
Sonntag, 12.Mai, morgens – Predigte in St.Judas; dahin darf ich auch nicht mehr zurückkehren.
Sonntag, 12.Mai, nachmittags – Predigte in St.George, auch da wurde ich hinausgeworfen.
Sonntag, 19.Mai, morgens – Predigte nochmals woanders; die Diakone beriefen eine ausserordentliche Sitzung ein und sagten, ich könne nicht mehr hierher zurückkommen.
Sonntag, 19.Mai, nachmittags – Predigte auf der Strasse; sie vertrieben mich von der Strasse.
Sonntag, 26.Mai, morgens – Predigte auf einer Wiese; ich musste fliehen, als jemand während des Gottesdienstes einen Stier auf mich losliess.
Sonntag, 2.Juni, morgens – Predigte am Eingang der Stadt; sie vertrieben mich von der Strasse.
Sonntag, 2.Juni, nachmittags – Zum Nachmittagsgottesdienst predigte ich draussen auf dem Feld; zehntausend Personen kamen.“

Eine andere Anekdote über Wesley:
Eines Tages war Wesley zu Pferd unterwegs, und plötzlich wurde ihm bewusst, dass drei ganze Tage ohne Verfolgung vergangen waren. Man hatte ihm nicht einmal einen Stein oder ein Ei nachgeworfen. Wesley hielt sein Pferd an und kniete nieder: „Könnte es sein, dass ich gesündigt habe oder zurückgefallen bin?“, fragte er, und bat Gott, ihm zu zeigen, ob er irgendwie fehlgegangen war. – Ein rauher Bursche, der auf der anderen Seite der Hecke vorüberging, hörte das Gebet, erkannte Wesley und dachte: „Ich werde diesem Prediger eine Lektion erteilen.“ Er ergriff einen Backstein und warf ihn nach Wesley. Der Backstein verfehlte sein Ziel knapp; aber Wesley erhob sich und rief aus: „Danke, Herr, alles ist gut! Ich bin noch in deiner Gegenwart.“

Eines der bekanntesten Werke der christlichen Literatur, und der Weltliteratur überhaupt, ist John Bunyans „Pilgerreise“. Dieses Buch wurde im Gefängnis von Bedford geschrieben. Was für ein Verbrechen hatte Bunyan begangen? – Er hatte ohne eine offizielle Erlaubnis der Kirche von England das Evangelium gepredigt. Dafür wurde er zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.

Auch die Heilsarmee war in ihren Anfangsjahren oft das Ziel von Verfolgung. Andrew Strom fasst zusammen: „Während des Jahres 1882 wurden allein in England 669 Heilssoldaten körperlich angegriffen, und 56 Lokale der Heilsarmee ganz oder teilweise zerstört. Es formten sich ‚Skelett-Armeen‘ von Verbrechern und Schlägern, um die Heilsarmisten anzugreifen … Und erstaunlicherweise waren an vielen Orten die örtlichen Pastoren daran beteiligt, diese Mobs aufzureizen.“

Gegenwärtig findet eine der erstaunlichsten und am längsten dauernden Erweckungen in China statt. Aber China ist gleichzeitig eines der Länder mit der stärksten Christenverfolgung. Viele christliche Leiter sind im Gefängnis und werden gefoltert. Es gibt sehr wenig religiöse Freiheit.

Verwundern wir uns darüber nicht. Jesus selber wurde verfolgt, und nach nur drei Jahren öffentlichen Dienstes wurde er getötet. Die Wirkungszeit seines Wegbereiters, Johannes des Täufers, war noch kürzer. Und Jesus warnte seine Jünger zum voraus, sie sollten sich auf dasselbe Schicksal vorbereiten:
„Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Denn jeder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; und jeder, der sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Matthäus 16,24.25)
„Dann werden sie euch der Drangsal überliefern und euch töten, und ihr werdet von allen Völkern gehasst sein um meines Namens willen… Aber wer bis zum Ende ausharrt, wird gerettet werden.“ (Matthäus 24,9.13)
„Sie werden euch aus den Synagogen ausschliessen; und es wird sogar die Stunde kommen, wo jeder, der euch tötet, denken wird, er leiste Gott einen Dienst.“ (Johannes 16,2)
„Fürchte nichts, was du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet zehn Tage lang Drangsal haben. Sei treu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben.“ (Offenbarung 2,10)

Aus der Geschichte der alten Kirche weiss man, dass elf der zwölf Apostel den Märtyrertod starben. Johannes war der einzige, der eines natürlichen Todes starb; aber auch er erlitt die Verbannung nach Patmos. Paulus zählt folgende Gründe auf, sich zu rühmen:
„Sind sie Diener Christi? Ich spreche, als ob ich wahnsinnig wäre: Ich noch mehr. Unter viel mehr Mühen; unter unzähligen Schlägen; öfter in Gefängnissen; viele Male in Todesgefahr. Von den Juden erhielt ich fünfmal die vierzig Schläge weniger einen. Dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen; einmal gesteinigt; dreimal erlitt ich Schiffbruch; eine Nacht und einen Tag lang trieb ich als Schiffbrüchiger auf hoher See; …“ (2.Korinther 11,23-25)

Über diese Dinge kann ich nur mit Furcht und Zittern schreiben, weil ich von mir selber nicht weiss, wie ich solche Situationen überstehen würde. Ich glaube, es ist überhaupt nur durch die Gnade Gottes möglich, solche Verfolgung um Christi willen auszuhalten. Paulus schrieb an die Philipper: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden …“ (Philipper 1,29)
Es ist eine Gabe Gottes und ein besonderes Vorrecht, für den Glauben an Jesus zu leiden. Nachdem die Apostel geschlagen worden waren, „gingen sie von dem Rat fort, voll Freude, dass sie für würdig erachtet worden waren, um des Namens (Jesu) willen Schmach zu leiden.“ (Apostelgeschichte 5,14)

Bist du bereit, mit den Aposteln dieses Vorrecht zu teilen?

John Wesley und die Methodisten – Teil 3

27. Juli 2013

Erweckung ist nötig, wenn die Kirche am Sterben ist

Der Aufruf zur Wiedergeburt war die wichtigste Botschaft überhaupt, die Wesley der Kirche seiner Zeit bringen konnte. Tatsächlich kann die Situation der Kirche vor der Erweckung nur als „geistlicher Tod“ beschrieben werden. Die englischen Protestanten hatten „einen Anschein der Frömmigkeit, aber verleugneten ihre Wirksamkeit“ (2.Tim.3,5). So beschreibt ein Historiker die englische Kirche anfangs des 18.Jahrhunderts:

„Die Anglikaner fürchteten die Extreme (Katholiken auf der einen, Puritaner auf der anderen Seite). Dies führte zu einer Mässigung, die leidenschaftliche Überzeugungen jeder Art beargwöhnte. Die Predigten verdorrten zu kraftlosen moralischen Traktätchen.
Das Fehlen einer persönlichen Glaubensüberzeugung führte zum Absinken der moralischen Kraft und Überzeugung. Eine grenzenlose Toleranz war an der Tagesordnung. Die orthodoxen Theologen führten zwar einen siegreichen Federkrieg mit zeitgenössischen philosophischen Strömungen des Deismus. Leider aber war das ’neue Leben in Christus‘, das sie theoretisch verteidigten, in der Wirklichkeit nirgendwo zu sehen.
(…) Wesley selbst sprach unmissverständlich von der Areligiosität der Zeit: ‚Was ist das Hauptkennzeichen des englischen Volkes in der Gegenwart?‘, fragte er. ‚Seine Gottlosigkeit. … Gottlosigkeit ist unser Nationalcharakter im allgemeinen und im besonderen!‘
(…) ‚Genau zu dieser Zeit‘, erinnert sich Wesley, ‚begannen zwei oder drei Pfarrer der Kirche von England ernsthaft, die Sünder zur Busse zu rufen … In zweien oder dreien brannte das Feuer der Liebe zu Gott.'“
(A.Skevington Wood und Renate Biebrach, „Pietismus und Erweckung“, in „Handbuch Die Geschichte des Christentums“, Wuppertal 1979)

So ist es oft vor einer Erweckung: die Kirche ist tot, ausgetrocknet, gottfern. Aber einige wenige treue Christen erkennen die Situation, rufen zu Gott um Erweckung, und beginnen Umkehr zu predigen.
Diese „Dürre“ der Kirche wird meistens von ihren eigenen Leitern und Pastoren verursacht. George Whitefield bemerkte zu jener Zeit: „Die Gemeinden waren so tot, weil tote Männer ihnen gepredigt hatten.“

Die Situation hat viele Parallelen zur gegenwärtigen Zeit. Auch heute sind die Kirchen voll von Unmoral und Korruption, sodass sie sich kaum noch von der Welt unterscheiden. Auch heute haben die Kirchen einen „Anschein der Frömmigkeit“, aber sie bringen keine veränderten Leben hervor. Die oben zitierte Beschreibung der englischen Kirche vor zweihundert Jahren könnte genausogut heute geschrieben worden sein. Wo sind heute die treuen Christen, die zu Gott um Erweckung rufen, und die das evangelische und evangelikale Volk zur Umkehr aufrufen?

Bekehrungen und eine Reform der ganzen Gesellschaft

Wesley predigte klar die Notwendigkeit einer Umkehr und Wiedergeburt. Aber er machte keine „Bekehrungsaufrufe“ im Stil vieler heutiger Evangelisten. Wesley wusste aus eigener Erfahrung, dass Gott zuerst ein tiefgehendes und intensives Werk der Überführung tun muss, bevor sich jemand wirklich bekehren kann; und dieses Werk Gottes braucht Zeit. Wesley vertraute auf Gott, dass er dieses Werk zu seiner Zeit tun würde. So sagte Wesley nach einer Predigt: „Ich habe mein Brot über das Wasser gesandt. Möge ich es nach vielen Tagen wiederfinden.“ (Nach Prediger 11,1). – Und bei einer anderen Gelegenheit, an seinem Geburtsort: „Es denke niemand, diese Liebesmühe sei vergeblich, nur weil die Frucht nicht sofort erscheint! Fast vierzig Jahre arbeitete mein Vater hier, aber er sah wenig Frucht von all seinen Bemühungen. Auch ich machte einige Anstrengungen unter diesem Volk, und auch mir schien es, ich verbrauchte meine Kräfte umsonst. Aber jetzt erschien die Frucht. … Der Same, der vor so langer Zeit gesät wurde, ist jetzt aufgegangen, und hat Umkehr und Vergebung der Sünden bewirkt.“

Wesley zählte also nicht die Anzahl der Bekehrten, wie es in heutigen Evangelisationsveranstaltungen getan wird. Er überliess das Werk Gott, und bei einigen Gelegenheiten konnte er später Frucht sehen. Die heutigen Evangelisationsmethoden bringen eine immense Zahl an oberflächlichen Scheinbekehrungen hervor, die nichts anderes sind als das Ergebnis von Manipulation. Die methodistische Erweckung hatte dieses Problem nicht, denn es wurde erwartet, dass die Bekehrten von selber kommen würden, um die Veränderung zu bezeugen, die Gott in ihnen bewirkt hatte. Und diese Veränderung geschah normalerweise beim Suchen nach Gott im stillen Kämmerlein.
(Wir werden später sehen, dass es auch spektakuläre öffentliche Bekehrungen gab. Aber Wesley förderte dies nie bewusst zu „Showzwecken“. Er predigte einfach Umkehr, und überliess es Gott, zu tun, was er für gut hielt.)

Im folgenden zwei Zeugnisse, wie Wesley im Nachhinein von der Frucht seiner Verkündigung erfuhr:

„Eine Frau hielt mich auf der Landstrasse auf und sagte: ‚Mein Herr, erinnern Sie sich nicht, als Sie vor zwei Jahren in Prudhoe waren und bei Thomas Newton frühstückten? Ich bin seine Schwester. Sie sahen mich beim Hinausgehen an und sagten: ‚Seien Sie ernsthaft.‘ Ich wusste damals nicht, was Ernsthaftigkeit bedeutet, und dachte nicht daran; aber die Worte drangen in mein Herz ein, sodass ich nicht ruhig bleiben konnte, bis ich Christus suchte und fand.“

„‚Vor zwei Jahren‘, sagte W.Row, ‚war ich auf dem Weg nach Gulval Downs und sah viele Leute versammelt. Ich fragte sie, worum es ging, und sie sagten mir, ein Mann würde predigen. Ich sagte: Nein, das ist kein verwirrter Mann. Sie hatten darüber gepredigt, wie Gott die toten Knochen auferweckte, und seit jener Zeit hatte ich keine Ruhe, bis Gott in seinem Wohlgefallen über mich blies und meine tote Seele auferweckte.'“

Ganze Städte wurden von der Erweckung umgewandelt, wie die folgenden Zeugnisse zeigen (ebenfalls aus dem Tagebuch Wesleys):

„Im letzten Winter sagten mehrere im Scherz über Herrn Whitefield: ‚Wenn er Heiden bekehren will, warum geht er dann nicht zu den Bergarbeitern von Kingswood?‘ – Im Frühling tat er es tatsächlich. Und da Tausende von ihnen nie zu einem Ort der öffentlichen Anbetung gehen würden, folgte er ihnen in ihre eigene Wüste, um die Verlorenen zu suchen und zu retten. Als er anderswohin gehen musste, führten andere die Arbeit weiter und ‚gingen auf die Landstrassen und an die Hecken, um sie zu nötigen, hereinzukommen.‘ Und durch die Gnade Gottes war seine Arbeit nicht vergeblich. Die Atmosphäre hat sich bereits verändert. Kingswood widerhallt nicht mehr von Flüchen und Lästerungen wie letztes Jahr. Es ist nicht mehr voll von Trunkenheit und den sich daraus ergebenden Unreinheiten und eitlen Vergnügungen. Es ist nicht mehr voll von Krieg und Schlägereien, von Geschrei und Bitterkeit, von Zorn und Neid. Friede und Liebe herrschen jetzt dort. Viele Leute sind jetzt sanftmütig, freundlich und umgänglich. Sie schreien nicht mehr und sind nicht mehr eifersüchtig, (…) und ihr Vergnügen besteht jetzt darin, ihrem Gott und Retter Loblieder zu singen.“

Über die Provinz Cornwall schreibt er:

„Diese abscheuliche Gewohnheit, den König zu betrügen (durch Schmuggel), findet sich nicht mehr in unseren Gesellschaften. Und seit sie sich von dieser verfluchten Sache losgesagt haben, hat das Werk Gottes überall zugenommen.“

Predigten im Freien

Wir haben in der vorherigen Folge gesehen, wie Wesley aus einer Kirche nach der anderen ausgeschlossen wurde. Die Kirche tolerierte Unmoral und geistlichen Tod, aber nicht Wesleys klare Predigten über die Wiedergeburt. Bald gab es in ganz England keine Kirche mehr, wo Wesley hätte predigen dürfen.
Damals hatte sein Freund Whitefield bereits begonnen, im Freien zu predigen – etwas völlig Neues zu jener Zeit. Whitefield begann Wesley in diese Art des Predigens einzuführen. Wesley schreibt darüber: „Anfangs konnte ich mich kaum an diese fremdartige Art des Predigens auf freiem Feld gewöhnen, wovon er (Whitefield) mir am Sonntag ein Beispiel gab. Mein ganzes Leben lang und bis vor kurzem hatte ich eisern an allem Anstand und Ordentlichkeit festgehalten, sodass es mir beinahe als Sünde erschien, Seelen zu retten an irgendeinem anderen Ort ausser in der Kirche.“

Aber wenig später erinnerte sich Wesley an die Bergpredigt und sagte, dies sei ein beachtenswerter Präzedenzfall einer Predigt im Freien. Wenn Jesus selber auf freiem Feld predigte, warum sollte John Wesley nicht dasselbe tun? – Am nächsten Tag predigte Wesley von einer kleinen Anhöhe neben der Landstrasse aus, am Ausgang der Stadt, und hatte dreitausend Zuhörer.

In Epworth, seinem Geburtsort, wurde ihm nicht nur verboten, in der Kirche zu predigen, sondern der Pfarrer weigerte sich auch, ihn zum Abendmahl zuzulassen, und sagte, Wesley sei „nicht tauglich“. Somit ging Wesley am Nachmittag desselben Sonntags zum Friedhof, stellte sich auf den Grabstein seines Vaters und predigte von dort aus; und er hatte mehr Zuhörer, als der Pfarrer in der Kirche gehabt hatte.

Von da an widmete sich Wesley dem Predigen im Freien; und meistens kamen Tausende, um ihm zuzuhören. So erwies es sich als vorteilhaft, dass er aus den Kirchen ausgeschlossen worden war, denn er konnte ausserhalb der Kirchen viel mehr Menschen erreichen, als es ihm innerhalb möglich gewesen wäre. Bei einer Gelegenheit, als er schon 70 Jahre alt war, hatte er ein Publikum von über 30’000 Personen. Es wird geschätzt, dass Wesley im Lauf seines Lebens etwa 40’000 Predigten hielt.

Der Neid der Pastoren

Es war unter diesen Umständen nur zu erwarten, dass die Pastoren noch neidischer wurden auf Wesley. Abgesehen davon, dass sie mit dem Inhalt seiner Predigten nicht einverstanden waren, klagten sie ihn an, er hätte kein Recht, ihren Gemeindegliedern zu predigen. Das ist ganz ähnlich wie bei den gegenwärtigen Pastoren, die jeden als „Schafsdieb“ bezeichnen, der ohne ihre Erlaubnis zu ihren Gemeindegliedern über das Evangelium spricht. Damals wie heute denken die Pastoren, ein Eigentumsrecht zu haben über die Mitglieder ihrer Gemeinden; und sie vergessen, dass nicht sie es waren, sondern Jesus, der mit seinem Leben für ihre Erlösung bezahlte.

Wesley gab seinen Kritikern folgende Antwort:

„Ihr denkt, dass ich in der Zwischenzeit still sitzenbleiben sollte, da ich sonst in ein fremdes Amt eindränge, mich in die Geschäfte anderer Leute einmischte, und mit Seelen zu tun bekäme, die mir nicht gehören. Deshalb fragt ihr: Wie ist es, dass ich Christen versammle, die nicht unter meiner Fürsorge stehen, um Psalmen zu singen, zu beten, und die Auslegung der Schrift zu hören?, und ihr denkt, es sei aufgrund katholischer Prinzipien nicht zu rechtfertigen, dass ich dies in den Pfarreien anderer Leute tue? (Anm: Heute würden sie sagen: „evangelische“ oder „ökumenische“ Prinzipien; aber im Grunde kommt das auf dasselbe heraus…)
Erlaubt mir, frei heraus zu reden. Wenn ihr euch mit „katholische Prinzipien“ auf irgendein Prinzip bezieht, das nicht schriftgemäss ist, dann hat dies für mich keinerlei Gewicht. Ich lasse keine andere Regel für den Glauben oder für die Praxis zu, ausser der Heiligen Schrift. Aber aufgrund schriftgemässer Prinzipien scheint es mir nicht schwierig zu rechtfertigen, was ich tue. Gott gebietet mir in der Schrift, nach meinen Kräften die Unwissenden zu lehren, die Bösen zu reformieren, die Tugendhaften zu bestärken. Die Menschen verbieten mir dies in ihren Pfarreien zu tun; was in Tat und Wahrheit bedeutet, es mir überhaupt zu verbieten, da ich keine eigene Pfarrei habe und aller Wahrscheinlichkeit nach nie eine haben werde. Auf wen soll ich also hören, auf Gott oder auf die Menschen?
Ich betrachte die ganze Welt als meine Pfarrei; d.h. wo immer auf der Welt ich bin, betrachte ich es als angebracht, rechtmässig und meine auferlegte Pflicht, allen, die zuzuhören bereit sind, die gute Nachricht der Erlösung zu verkünden. Das ist die Arbeit, wovon ich weiss, dass Gott mich berufen hat sie zu tun; und ich bin sicher, dass sein Segen sie begleitet. Deshalb bin ich ausserordentlich dazu ermutigt, die Arbeit, die er mir zu tun gab, getreu zu erfüllen. Ich bin sein Diener, und als solcher bin ich gemäss der klaren Führung seines Wortes damit beschäftigt, ’soweit ich die Gelegenheit habe, allen Menschen Gutes zu tun‘; und seine Vorsehung stimmt klar mit seinem Wort überein, denn er befreite mich von allem anderen, damit ich mich einzig ebendieser Sache annehme, und damit fortfahre, das Gute zu tun.“

(Fortsetzung folgt)