Posts Tagged ‘Schulpflicht’

Wie die Gehirnwäsche im kommunistischen Deutschland funktioniert

4. August 2014

Leider etwas spät fand ich diesen offenen Brief von Dirk Wunderlich, dem Vater der deutschen Familie, der schon seit längerem die Ausreise nach Frankreich verweigert wird, und die ausserdem Opfer gewalttätiger Übergriffe von seiten deutscher Behörden geworden ist:

http://www.freiewelt.net/wie-laut-soll-ich-denn-noch-schreien-oder-die-schulpflicht-der-staat-und-der-tod-10036017/

Wunderlich analysiert darin eingehend, wie Deutschland 1968 eine (von der sogenannten „Frankfurter Schule“ initiierte) Kulturrevolution erlebte, und im Zuge der daraufhin einsetzenden allgemeinen Gehirnwäsche immer mehr zu einem Orwellschen Unrechtsstaat geworden ist. Es versteht sich von selbst, dass die Schulen ein entscheidendes Element dieser Gehirnwäsche sind, und dass von daher die Machthaber insbesondere die Schulpflicht mit brutaler und unverhältnismässiger Gewalt durchsetzen.

Dass die meisten Deutschen gar nicht bemerkt haben, dass diese Revolution stattgefunden hat, ist bei näherem Zusehen gar nicht so verwunderlich. Die Umstürzler haben aus den Erfahrungen des Sowjetkommunismus gelernt und wissen jetzt, dass es mehr Erfolg verspricht, ihre Revolutionen mittels allmählicher „Umerziehung“ des Volkes durchzuführen statt mit direkter Gewalt. „Der lange Marsch durch die Institutionen“ wurde diese verdeckte Operation von der „Frankfurter Schule“ genannt. Offenbar ist dieser lange Marsch jetzt an seinem Ziel angekommen, bevor es die meisten Deutschen überhaupt bemerkt haben.

Man vergleiche dazu den Fall Venezuela. Ausländische Beobachter erkannten ziemlich bald nach der Wahl von Hugo Chavez, dass er das Land allmählich in eine kommunistische Diktatur umgestaltete. Den Venezolanern selber ist das aber mehrheitlich erst in den letzten Jahren klargeworden, und einige haben es immer noch nicht bemerkt. (Als Chavez noch lebte, wurde er z.B. in mehreren evangelikalen Internet-Diskussionsforen als „Christ“ bezeichnet.) Wenn man selber das Ziel unterschwelliger Gehirnwäsche ist, dann bemerkt man das eben viel später als ein Aussenstehender – oder überhaupt nicht. Genau dasselbe geschieht anscheinend in Deutschland.

Es gab zwar einige wenige Warner (z.B. der dieses Jahr verstorbene Theologieprofessor Georg Huntemann), aber sie wurden anscheinend nicht ernst genommen. Man vergleiche auch den aufschlussreichen Artikel „60 Jahre DDR“.

Traurigerweise spürt man aus dem Brief der Wunderlichs auch die Verzweiflung einer Familie, deren psychische und physische Widerstandskraft durch den Staatsterror gezielt zerstört wurde. Und es gibt niemanden in Deutschland, der dagegen aufschreit?! Der Verdacht liegt nahe, dass die gegenwärtige Verfolgung christlicher Familien in Deutschland (schätzungsweise mindestens zwanzig Fälle in den letzten zehn Jahren) nur ein „Probelauf“ an einer gesellschaftlich isolierten Randgruppe ist (mehrheitlich „Homeschooler“), um zu erproben, wie weit man gehen kann, ohne dass die Allgemeinheit anfängt zu protestieren. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, immer weiter reichende Gruppen von Christen auf dieselbe Weise gesellschaftlich zu isolieren (indem sie z.B. von der Evangelischen Allianz und verwandten Organisationen als „Fundamentalisten“ u.ä. beschimpft werden), sodass man nach erfolgreichem „Probelauf“ zu einer allgemeinen Christenverfolgung übergehen kann. Ein vereinter Protest zumindest des „evangelikalen“ Sektors könnte diese Entwicklung eventuell noch aufhalten; aber anscheinend hat man daran kein Interesse. Bis jetzt ist mir im deutschsprachigen Raum keine einzige evangelikale Gemeinde oder Gemeindeverband bekannt, und auch kein übergemeindliches Werk, das sich für verfolgte Christen in Deutschland einsetzen würde. Sollte mein Verdacht zutreffen, so werden sich die evangelikalen Organisationen bald vor die Wahl gestellt sehen, sich entweder der Staatsideologie völlig zu unterwerfen (was sie ja ohnehin zunehmend schon tun), oder aber selber verfolgt zu werden.


Zusatz für jene Leser, die über den „Fall Wunderlich“ nicht informiert sind:
Die Familie Wunderlich lebte längere Zeit in Frankreich, musste aber 2012 arbeitshalber nach Deutschland zurückkehren. Doch schon bald nach ihrer Ankunft wurde ihnen das Sorgerecht für ihre vier Kinder entzogen, weil sie aus christlicher Verantwortung ihre Kinder selber erzogen und ausbildeten. Den Kindern wurden die Pässe weggenommen, um eine Rückkehr der Familie nach Frankreich zu verhindern. Im Jahre 2013 überfiel ein Aufgebot von 40 Polizisten das Heim der Wunderlichs und verschleppte die Kinder an einen unbekannten Ort. Nach einem längeren juristischen Seilziehen durften die Kinder zwar nach Hause zurückkehren, aber nur unter der Auflage, dass sie eine staatliche Schule besuchen würden; und der Familie wurde gerichtlich die definitive Wegnahme der Kinder angedroht für den Fall, dass sie Deutschland verlassen würden. Das Sorgerecht und die Pässe der Kinder haben sie bis jetzt nicht zurückerhalten. Diese Familie wird also nach bewährter DDR-Tradition in ihrem eigenen Land gefangengehalten, nur weil sie in ein Land ziehen möchten, wo sie ihre elterlichen Rechte frei ausüben dürfen. Für dieses Ansinnen wurden sie in Deutschland ihrer Elternrechte sowie ihres Menschenrechts auf Freizügigkeit beraubt, und sowohl Eltern wie Kinder stehen in Gefahr, der Freiheit überhaupt beraubt zu werden. So ist es um die „Rechststaatlichkeit“ im Deutschland des 21.Jahrhunderts bestellt.

Siehe dazu auch die Presseerklärung vom Dezember 2013.

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„Du sollst den Namen des HERRN nicht missbrauchen“

6. Oktober 2013

„Sie reden in meinem Namen, aber ich habe sie nicht gesandt“, sagte Gott über die falschen Propheten. Es ist anzunehmen, dass er dasselbe über ein gewisses Internetportal zu sagen hätte, das sich ganz unverschämt „Jesus.de“ nennt. Nicht nur dürfte es den Betreibern schwerfallen, ein göttliches Mandat zur Vertretung der Person Jesu im Internet nachzuweisen; sondern die dort veröffentlichten Nachrichten und Kommentare verherrlichen auch zu einem grossen Teil nicht Jesus, sondern verhandeln blosse weltliche Kirchenpolitik. Das ist ein eklatanter Verstoss gegen das dritte Gebot (Missbrauch des Namens Gottes).

Es gibt auf jenem Portal zwar eine ausführliche Sektion mit dem Titel „Fast alles über Jesus“. Aber was für ein „Evangelium“ wird da verkündet? – Zitat:

„Gott ist bereit, die Verantwortung für deine Schuld zu übernehmen. Eigentlich hat er es schon damals am Kreuz vor den Toren Jerusalems getan und es kann auch für dein Leben Wirkung haben – aber nur, wenn du es zulässt.
(…) Gott sein Leben anzuvertrauen ist wie zu seinem liebenden Menschen zu gehen und sich in seinen Schoß zu setzen. Das kann zum Beispiel ein einfaches Gebet sein, in etwa so:
Gott,
ich möchte dir mein Leben anvertrauen. Bitte trage du die Verantwortung für meine Schuld.
Hefte du alles, wo ich je an dir und an anderen Menschen schuldig geworden bin, und sicherlich auch noch schuldig werde, an das Kreuz von Golgatha. (…)“

Zuerst einmal fällt auf, dass hier die Bedeutung und die Wirkung des Opfers Jesu ganz in das Belieben des Menschen gestellt wird. Die Erlösung wird lediglich als ein „Angebot“ dargestellt (so weiter oben im Text), das der Mensch „annimmt“ bzw. „zulässt“. Damit werden die Rollen vertauscht: Der Mensch befiehlt, Gott gehorcht. Aber Jesus und seine Apostel haben nie die Menschen dazu aufgerufen, „ein Angebot anzunehmen“! Vielmehr riefen sie dazu auf, von der Sünde umzukehren und sich der Herrschaft Jesu zu unterstellen. (Matth.4,17; Lukas 24,47; Apg.2,36-40; 7,51-53; 10,42-43; 14,15; 17,30-31; 26,18-20; u.a.) Im biblischen Evangelium geht es nicht darum, ob ich mich dazu herablasse, gnädigerweise Gott und sein Angebot „anzunehmen“. Im Gegenteil, es geht darum, ob Gott mich annehmen kann!

Schockierend ist zudem die Aussage, dass Gott „die Verantwortung für meine Schuld“ übernähme. „Verantwortung übernehmen“ bedeutet doch: Für das eigene Verschulden geradestehen; die Sünde bekennen statt sie zu leugnen; und davon umkehren. Also genau das, was Gott von mir erwartet, damit er mich annehmen kann. Aber jesus.de stiftet seine Leser dazu an, Gott die Verantwortung zuzuschieben. Etwa so wie Adam, der auf Gottes Frage „Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?“, nicht mit einem schlichten „Ja“ antworten konnte. Stattdessen sagte er: „Die Frau, die du mir gegeben hast, hat mir von dem Baum gegeben.“ Mit anderen Worten: „Ich bin nicht verantwortlich; du bist schuld, dass ich gesündigt habe.“ Ja, der in Sünde gefallene Adam wäre ein vorbildlicher Christ nach der jesus.de-Theologie.
Das oben zitierte „Übergabegebet“ (es ist an sich schon eine unbiblische Lehre, dass man durch das Sprechen eines „Übergabegebets“ zu einem Christen würde) lehrt ausserdem den an Jesus interessierten Sünder, von vornherein mit weiterem fortgesetztem Sündigen zu rechnen. Das ist billige Gnade in Reinkultur. Eine Erlösung von der Macht der Sünde gibt es in diesem „Evangelium“ nicht. Im Gegenteil: Man sündigt fröhlich weiter und macht sogar noch Gott dafür verantwortlich. Dann kann man also, wie seinerzeit eine deutsche „Bischöfin“, betrunken am Steuer durch die Gegend rasen und sagen: „Macht nichts, Gott trägt die Verantwortung dafür“? – Nein, das hat Frau Kässmann nicht gesagt. Sie hat nach dem Vorfall zugegeben, dass sie für ihr Verschulden verantwortlich war, und ist folgerichtig von ihrem Amt zurückgetreten. Damit hat sogar diese erzliberale, modernistische Theologin mehr Integrität bewiesen, als die jesus.de-Theologie einem Christen für zumutbar hält.

Noch bedenklicher wird die Sache, wenn man in Betracht zieht, was alles in diesem falschen „Evangelium“ nicht vorkommt. Da steht kein Wort davon, dass ein Christ dem Vorbild Jesu folgt (1.Joh.2,6), seine Gebote hält (1.Joh.2,3-5), die Welt nicht lieb hat (1.Joh.2,15-17), sein Leben verliert um Jesu willen (Matth.16,24-26) – kurz, sich Jesus als dem absoluten HERRN unterstellt. In diesem falschen Konzept von Bekehrung findet kein Herrschaftswechsel statt. Trotz allem Gerede von „Gott sein Leben anzuvertrauen“ bleibt in Tat und Wahrheit der sündige Mensch weiterhin auf seinem eigenen Thron sitzen.

Um ganz sicherzugehen, dass ich nichts übersehen habe, habe ich auf der erwähnten Website mehrere Global-Suchen nach „Herrschaft Jesu“ und verwandten Begriffen durchgeführt. Kein Ergebnis. Nirgendwo auf dieser Website wird etwas darüber gesagt, was es bedeutet, dass Jesus der HERR über alles ist, oder dass ein Christ Jesus gehorcht.

Auch in der Berichterstattung zum „Fall Wunderlich“ wird deutlich, dass die Betreiber dieses Portals die Souveränität Jesu als HERR nicht anerkennen. Da wird unkritisch und einseitig die beschönigende Darstellung der Behörden übernommen, und die Familie Wunderlich als Gesetzesbrecher hingestellt. Die Sichtweise der betroffenen Familie kommt dagegen überhaupt nicht zur Sprache. Ebensowenig kommt zur Sprache, wem im Konfliktfall zu gehorchen sei: Gott oder der weltlichen Obrigkeit? (Apg.5,29) Und aus den Leserkommentaren ist ersichtlich, dass anscheinend die Mehrheit der Leser die Anschauungen der Redaktion teilt. Das ist kein gutes Omen für die Zukunft eines biblischen Christentums in Deutschland. Was ist davon zu halten, wenn ein „christliches“ Medium über eine christliche Familie ausschliesslich vom Standpunkt ihrer Feinde aus berichtet? Wird sich die deutsche Geschichte in baldiger Zukunft wiederholen?

Wie würde sich das ausnehmen, wenn über die Verfolgung von Christen in anderen Ländern wie z.B. China ebenso einseitig aus der Sichtweise des Staates berichtet würde? Etwa so:

„Vergangene Woche wurde der chinesische Dissident Li Sheng (Name frei erfunden) verhaftet und in einem summarischen Verfahren zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er fortgesetzt illegale Versammlungen abgehalten hatte. Nach Auskunft der zuständigen Behörde war dieser Schritt unumgänglich geworden, nachdem Li jahrelang entsprechende Verwarnungen missachtet hatte. Er hatte in seiner Unnachgiebigkeit sogar das Kompromissangebot ausgeschlagen, sich der gesetzlich zugelassenen Drei-Selbst-Kirche anzuschliessen. Bei der Verhaftung sei es ruhig und ordentlich zugegangen, und eine angebrachte Behandlung des Häftlings sei sichergestellt, informierte der zuständige Beamte.“

Und dazu noch einige „christliche“ Leserkommentare wie:

„Recht so! Diese Gesetzesbrecher gehören alle eingesperrt. Wem sogar die Kirche noch zuwenig fromm ist, der muss ja gefährlich extreme Anschauungen haben.“

Oder:

„Unglaublich, dass sich sogar Christen dazu hergeben, die staatlichen Gesetze zu missachten. Hat dieser Herr noch nie davon gehört, dass man sich der Obrigkeit unterordnen soll (Römer 13,1)? Offensichtlich gehört er einer sektiererischen Randgruppe an. In diesem Zusammenhang von ‚Christenverfolgung‘ zu sprechen, ist eine Verleumdung der chinesischen Regierung.“

Den Christen der ersten Jahrhunderte war es sonnenklar, dass Christsein bedeutet, Jesus als HERRN über alle Lebensbereiche und über alle weltlichen Machthaber anzuerkennen. Deshalb weigerten sie sich, bestimmte Bürgerpflichten wie z.B. das vorgeschriebene Weihrauchopfer an den Kaiser zu erfüllen. Der christliche Apologet Francis Schaeffer erklärt hierzu:

„Wir dürfen nicht vergessen, warum die Christen getötet wurden. Sie wurden nicht getötet, weil sie Jesus anbeteten. In der römischen Welt gab es zahlreiche verschiedene Religionen. (…) Niemand kümmerte sich darum, was man anbetete, solange der Anbetende nicht die Einheit des Staates störte, deren Mittelpunkt die formale Anbetung des Kaisers war. Die Christen wurden getötet, weil sie Rebellen waren. (…) Was die Cäsaren nicht tolerieren wollten, war die Exklusivität, mit der sie nur den einen Gott anbeteten. Das galt als Landesverrat. (…) Hätten sie Jesus und Cäsar angebetet, wäre ihnen nichts geschehen (…)
Wir können den Grund, warum die Christen verfolgt wurden, auch auf eine andere Weise ausdrücken: Keine totalitäre Autorität, kein autoritärer Staat kann diejenigen tolerieren, die einen absoluten Massstab besitzen, nach dem sie diesen Staat und seine Handlungen beurteilen. Die Christen hatten einen solchen absoluten Massstab in der Offenbarung Gottes. Weil die Christen einen absoluten, universal gültigen Massstab hatten, nach dem sie nicht nur die persönliche Ethik, sondern auch das Verhalten des Staates beurteilen konnten, galten sie als Feinde des totalitären Roms und wurden den wilden Tieren vorgeworfen.“
(Aus Francis Schaeffer, „Wie können wir denn leben?“)

Genau diese Situation haben wir auch heute wieder. Es herrscht ein Anschein von Religionsfreiheit, da ja jeder anbeten kann, wen oder was er will. Das Handeln des Staates nach übergeordneten Massstäben zu beurteilen, gilt aber als ungesetzlich und zieht Verfolgung nach sich. Christen dürfen zwar „privat ihre Religion ausüben“ (was auch immer darunter zu verstehen ist). Sobald sie aber versuchen, auch in ihrem familiären und gesellschaftlichen Zusammenleben der HERRSCHAFT Jesu gemäss zu leben, werden sie angeklagt, eine „Parallelgesellschaft“ errichten zu wollen (d.h. dem totalitären Herrschaftsanspruch des Staates ausweichen zu wollen), und werden dementsprechend verfolgt. Die deutsche Staatsideologie unterscheidet sich in ihrem Wesen nicht von der altrömischen: die Staatsregierung wird absolut gesetzt, d.h. vergöttlicht. Wer in dieser Konfliktsituation dem Staat den Vorrang gibt über dem Anspruch Jesu, der hat nicht verstanden, was es bedeutet, Jesus den HERRN zu nennen. Auf Englisch hat es einmal jemand so gesagt: „Either Jesus is Lord of all, or he is not Lord at all.“ („Entweder ist Jesus Herr über alles, oder er ist überhaupt nicht Herr.“)

Nachfolge Jesu bedeutet, in allem den Willen des HERRN zu tun (Matth.7,21, Lukas 6,46). Der Wille Gottes beschränkt sich nicht auf einen religiösen Privatbereich. Es gibt klare biblische Anweisungen z.B. über Geschäfte und den Umgang mit Geld; über Kindererziehung; über die Aneignung und Anwendung von Wissen; über die Hilfe an Bedürftige; über den Staat und die Regierung; u.v.m. – Was die Kindererziehung betrifft, so gehört diese aus biblischer Sicht eindeutig zum Autoritätsbereich der Familie. Eltern werden angewiesen, ihre Kinder dem Willen Gottes gemäss zu erziehen und zu lehren (5.Mose 6,6-9, Psalm 78,5-8, Epheser 6,4, u.a.). Kinder werden angewiesen, ihre Eltern zu ehren, ihnen zu gehorchen und von ihnen Belehrung anzunehmen (2.Mose 20,12, Sprüche 4,1-5, Epheser 6,1-3, u.a.). Es gibt keinerlei entsprechenden Gebote betreffend den Staat, Schulen, oder andere Institutionen. Die Kinder gehören Gott, nicht dem Staat; und Gott hat die Erziehung und Ausbildung der Kinder an die Eltern delegiert.

Es kann offensichtlich nur eine einzige absolute Herrschaft geben; und diese absolute Herrschaft relativiert alle anderen Gewalten. Wenn wir Jesus als HERRN anerkennen, bedeutet das, seinem Willen in allem den Vorrang zu geben vor allen anderen Gewalten. Die Konfliktpunkte können dabei je nach historischem, gesellschaftlichem und kulturellem Umfeld ganz verschieden aussehen. Im Römischen Reich war das Opfer für den Kaiser der hauptsächliche Kristallisationspunkt des Konflikts. Zur Reformationszeit war es der Ablasshandel und die Kindertaufe. Im heutigen Europa kristallisiert sich der Konflikt offensichtlich um die Rechte der Eltern und den Schutz der Familie, was sich z.B. im Bereich der Lebensrechts- und Sexualethik äussert. In Deutschland kommt dazu die völlig unverhältnismässige Erzwingung der Schulpflicht, deren Brutalität weltweit ihresgleichen sucht. Die deutschen Kirchen und ihr obenerwähntes Internetportal stellen sich in diesem Konflikt auf die Seite des Staates. Sie wollen Jesus und den Kaiser anbeten. Damit verabsolutieren sie aber den Staat (im Gegensatz zur Herrschaft Christi) und fördern somit den staatlichen Totalitarismus. Sie fügen sich so „politisch korrekt“ in die gegenwärtige Weltordung ein, verleugnen aber den exklusiven Herrschaftsanspruch Gottes zugunsten des Götzen „Staat“. Ihr Anspruch, den biblischen Jesus zu vertreten, verliert damit jegliche Legitimität.

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John Taylor Gatto: Eine kurze, zornige Geschichte der amerikanischen (und deutschen) Schulpflicht (Teil 2)

15. September 2013

Rede vor der Homeschooling-Konferenz des Staates Vermont (Fortsetzung)

Das Geheimnis des amerikanischen Schulsystems besteht darin, dass es nicht so unterrichtet, wie Kinder lernen – und dass das von ihm auch nicht erwartet wird. Die Schulen wurden erfunden, um der Wirtschaft zu dienen, nicht den Kindern und Familien. Das ist der Grund, warum die Schule obligatorisch ist. Deshalb kann die Schule niemandem helfen, erwachsen zu werden. Ihre erste Anweisung ist, die Reife zu verzögern. Sie tut dies, indem sie lehrt, alles sei schwierig, andere Menschen bestimmten unser Leben, und unsere Nächsten seien nicht vertrauenswürdig und sogar gefährlich. Die Schule ist der erste Eindruck, den Kinder von der Gesellschaft erhalten. Da die ersten Eindrücke oft die entscheidenden sind, erfüllt die Schule unsere Kinder mit Angst, Misstrauen gegeneinander, und mit gewissen lebenslangen Süchten. Sie legt einen Hinterhalt gegen die natürliche Intuition, den Glauben, und die Liebe zum Abenteuer, und ersetzt diese Dinge durch ein „Evangelium“ des rationellen Vorgehens und rationellen Managements.

Die New York Times sandte einen Reporter in drei Kindertagesstätten in Houston, Texas: eine für weisse Kinder, eine für schwarze Kinder, und eine für spanischsprechende Kinder. Zu jedermanns Überraschung fand er, dass alle drei identisch waren. Es waren wunderbare Orte, gut eingerichtet, sauber, hell, bunt. Aber die einzelnen Kinder erhielten nur ein absolutes Minimum an persönlicher Aufmerksamkeit von seiten ihrer Betreuer, weil mehr einfach nicht möglich war. Die Kommunikation beschränkte sich auf heitere Ermahnungen wie: „Wilma, tu das nicht!“, und auf Aussagen, die sich an alle und niemanden richteten, wie: „Es ist Zeit, sich in die Reihe zu stellen!“ Die Betreuer hatten als Ziel eher, die Kinder zu verwalten, als mit ihnen in Kontakt zu treten. Die öffentliche Kinderbetreuung in Amerika ist Kinderverwaltung. Die Schulen sind ein Teil des professionellen Kinderverwaltungs-Imperiums, und Bildung hat nichts damit zu tun.

Eine Untersuchung von tausend Staatsschulen fand, dass die Lehrer im Durchschnitt 7 Minuten pro Tag im persönlichen Austausch mit Schülern verbrachten. Verteilt auf 30 Schüler, gibt das 14 Sekunden pro Kind. Im Schulzimmer herrscht ein ständiges Gerangel um Aufmerksamkeit und Status, die nur von einem einzigen Erwachsenen erteilt werden können, welcher weder die nötige Zeit noch die nötige Information dazu hat. Dies lehrt uns, einander zu hassen und zu misstrauen. Diese ständige „Auktion der Aufmerksamkeiten“ hat etwas zu tun mit dem Ärger und der Unfähigkeit, ehrlich und verantwortlich zu sein, die wir noch als Erwachsene spüren. Aber ironischerweise ist Verantwortungslosigkeit viel nützlicher für das Management als ehrbares Verhalten. Sie rechtfertigt die ständige Überwachung, die vielen Anwälte und Gerichte, die Polizei und die Schulen…

Betrachten wir die seltsame Möglichkeit, dass wir vielleicht absichtlich gelehrt worden sind, verantwortungslos zu sein und einander zu hassen. Ich sage das nicht sarkastisch. Ich habe 19 Jahre als Schüler/Student verbracht und 30 Jahre als Lehrer. In all dieser Zeit wurde höchst selten von mir verlangt, verantwortlich zu handeln – ausser Sie verwechseln blinden Gehorsam mit Verantwortlichkeit. Sei es als Schüler oder als Lehrer, gehorchte ich blind fremden Menschen während 49 Jahren. Wenn das kein Rezept für Verantwortungslosigkeit ist! In der Schule werden Sie dafür belohnt, Ihre persönliche Verantwortung aufzugeben und einfach zu tun, was Fremde von Ihnen verlangen, sogar wenn das die teuersten Prinzipien Ihrer Familie verletzt. Ich habe beobachtet, dass drei Jahre genug sind, um ein Kind zu zerbrechen, drei Jahre Eingesperrtsein in einer Umgebung von emotionaler Bedürftigkeit, Liedern, Lächeln, grellen Farben, Gruppenspielen – diese Dinge funktionieren viel besser als ärgerliche Worte und Strafen. Das ständige Betteln um Aufmerksamkeit produziert die charakteristischen Merkmale von Schulkindern: Weinerlichkeit, Verrat, Unehrlichkeit, versteckte Bosheit, Grausamkeit, und ähnliches. In 50 Jahren Zeitungslesen habe ich diese Dynamik noch nie in der Presse untersucht gesehen. Schulkinder werden wie Ratten im Käfig, die eine Taste drücken müssen, um Nahrung zu erhalten, und die gemäss einem Verstärkungsmechanismus exzentrische Verhaltensweisen entwickeln. Diejenigen unter Ihnen, die Rattenpsychologie studiert haben, werden wissen, von was ich rede. Das bizarre Verhalten von Schulkindern ist eine Funktion des Verstärkungsmechanismus, dem sie in der Schule ausgesetzt sind – ebenso wie das abnormale Verhalten von Versuchsratten.

Nehmen wir an, dass die Produktion von unvollständigen Menschen der Zweck der modernen Schule ist. Nehmen wir weiter an, es gebe einen vernünftigen Grund, so etwas zu tun. Nehmen wir an, vor hundert Jahren hätten weitsichtige Menschen gesehen, dass der Grossteil der Bevölkerung verdummt werden müsse, nicht um ihnen wehzutun, sondern um ein Volk von Produzenten in ein Volk von Konsumenten zu verwandeln. Um die Werktätigen so angepasst zu machen, dass sie die moderne Maschinenarbeit aushielten, die sich schnell weiterentwickeln musste. Das war das spezifische Problem, welches diese Schlüsselgruppe von Unternehmern und Philosophen anfangs des 20.Jahrhunderts beschäftigte: Wie kann eine stolze, freiheitsliebende Nation von unabhängigen Familien und Dörfern von ihrer historischen Tradition von Eigenverantwortung und Unabhängigkeit abgebracht werden? Erwachsene würden sich kaum derart manipulieren lassen. Die Praxis der örtlichen Schulen bot eine andere Möglichkeit an.
Während Jahrtausenden haben Denker darüber spekuliert, dass ein Staat, der mit Erfolg die Kontrolle über die Jugend übernähme, wirtschaftliche Wunder hervorbringen könnte. Diese Idee ist mindestens 2300 Jahre alt. Das einzige Instrument zu ihrer Verwirklichung, die allgemeine Schulpflicht, galt aber in der westlichen Welt als eine verrückte Idee. Nur an einem Ort war sie erfolgreich: in der preussischen Militärdiktatur des 19.Jahrhunderts. Horace Manns Pilgerreise nach Preussen im Jahr 1840 wurde ein Auslöser für die spätere Entwicklung. Das 20.Jahrhundert endet damit, dass die Massenschulung droht, auch das Kleinkindalter zu erobern. Und sogar nach einem Jahrhundert siegreicher Schulpflichtgesetze, von Preussen her inspiriert, gibt es immer noch keine Einigkeit darüber, was unter einem gebildeten Amerikaner zu verstehen sei. Am Ende des 20.Jahrhunderts ist Schule immer noch eine Polizeitätigkeit – genauso wie am Anfang.

Am Anfang des 20.Jahrhunderts entschied eine Gruppe berühmter Akademiker unter Edward Thorndike und John Dewey sowie ihre industriellen Verbündeten, die Schulen der Wirtschaft und dem politischen Staat zu unterwerfen, genau wie in Preussen. Ausserdem würde es einen höheren Auftrag geben. Die Schulen würden als „Instrumente einer verwalteten Evolution dienen, die Bedingungen für eine selektive Fortpflanzung aufstellten, bevor die Massen die Dinge in ihre eigenen Hände nähmen.“ (Das ist ein Zitat aus einem 1911 veröffentlichten Essay von Thorndike.) Standardisierte Prüfungen würden zwischen den Fortpflanzungs­fähigen, den Arbeitsfähigen und den Unfähigen trennen. Schon vor dem 1.Weltkrieg hatte die Erziehungspsychologie herausgefunden, dass gewisse Formen geistiger Ausbildung z.B. in Geschichte, Philosophie und Rhetorik die Schüler gegen Manipulation resistent machte, weil es den unabhängigen Intellekt ent­wickelte. Dieses Wissen war Motiv genug, um die Schulbildung zu verdummen.

Zwischen 1906 und 1920 investierte eine kleine Gruppe von weltberühmten Industriellen, Bankiers und Universitätsdirektoren mehr Geld und Aufmerksamkeit in die Schulpflicht als die Regierung. Allein Andrew Carnegie und John D.Rockefeller investierten zwischen 1900 und 1920 mehr Geld als die Bundesregierung. So wurde das moderne Schulsystem abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit und abseits der Volksvertreter aufgebaut. Dies ist die erste Auftragserklärung der Allgemeinen Bildungskomission von John D.Rockefeller:

In unseren Träumen ergeben sich die Menschen vollkommen fügsam in unsere formenden Hände. Die gegenwärtigen Vorstellungen von Bildung, im Sinne von Bildung des Intellekts und des Charakters, verschwinden aus ihrem Sinn; und ungehindert von der Tradition führen wir unseren eigenen guten Willen aus über ein dankbares und willfähriges Volk. Wir werden nicht versuchen, diese Leute oder irgendeines ihrer Kinder zu Gelehrten oder Philosophen oder Wissenschaftern zu machen. Wir sollen unter ihnen keine zu Schriftstellern, Erziehern oder Dichtern machen, auch nicht zu grossen Künstlern, Malern oder Musikern, noch zu Anwälten, Ärzten, Staatsmännern, Politikern, Geschöpfe, mit denen wir“ (wer auch immer mit dem „wir“ gemeint ist) „reichlich versorgt sind. Die Aufgabe ist einfach. Wir werden Kinder organisieren und sie auf vollkommene Weise die Dinge lehren, die ihre Eltern auf unvollkommene Weise tun.“

Vielleicht werden Sie sagen, dass ich ausserhalb des Zusammenhangs zitiere. Aber wenn Sie den ganzen Zusammenhang haben möchten, das Zitat ist aus dem „Gelegenheitsbrief Nr.1 der Allgemeinen Bildungskommission“ – von der ich bereits sagte, dass sie in das Schulwesen mehr Geld investierte als die Regierung.

Der wirkliche Zweck der modernen Schule wurde vom legendären Soziologen Edward Roth in seinem Manifest von 1906 angekündigt, unter dem Titel „Soziale Kontrolle“. Zitat: „Pläne sind unterwegs, um die Familie, Gemeinwesen und Kirche zu ersetzen durch Propaganda, Massenmedien und Bildung“ (er meint natürlich Verschulung) „…die Leute sind nur kleine formbare Teighäufchen.

…Der erste Lehrplan wurde verdummt, dann wurden landesweite Prüfungen eingeführt, dann wurde die Moral geschwächt, und schliesslich, zwischen 1970 und 1974, wurde die Lehrerbildung im geheimen vollständig verändert. 1971 gab die Erziehungsdirektion der USA – die sich jetzt darin engagiert, sich Zugang zu Ihrem Privatleben und zu Ihren Gedanken zu verschaffen – bei der Rand Corporation eine siebenbändige Studie über „Veränderungs-Agenten“ (change agents) in Auftrag. Die Ausbildung von „Veränderungs-Agenten“ wurde mit Regierungsgeldern unter dem „Gesetz zur Entwicklung der Erziehungsberufe“ in Gang gesetzt. Kurz darauf erschien ein Buch mit dem Titel: „Führer des Veränderungs-Agenten zur Innovation in der Erziehung“. …Machiavelli ist modernisiert worden.

Hindernisse wie Religion, Tradition, Familie, und die natürlichen Rechte, die in unseren Gründungsdokumenten garantiert sind, wurden beharrlich zurückgetrieben. Schon vor 1950 wurde der traditionelle Gott verbannt, um durch psychologische Missionare in einer Sozialarbeits-Priesterschaft ersetzt zu werden. Die Staatsschulen wurden zu sozialen Laboratorien umfunktioniert, ohne Wissen und Zustimmung der Öffentlichkeit. Das war wie eine zweite amerikanische Revolution, die diese Gründungsdokumente umstiess, welche gewöhnlichen Leuten Souveränität zusprachen.

Die Schule war von Anfang an eine Lüge, und ist es weiterhin. Man hört viel Unsinn heutzutage über die Notwendigkeit von gebildeten Menschen in einer hochtechnisierten Wirtschaft; aber in Wahrheit besteht keine solche Notwendigkeit. Unsere rationalisierte und globalisierte Wirtschaft wird mehr und mehr zu einem zentral gesteuerten System, das keine abweichenden Denkweisen zulassen kann. Gebildete Menschen sind dessen Feinde, und eine nicht-pragmatische Moral ist ebenfalls dessen Feind.
(…) Was wir errichtet haben, diese zwangsweise Massenschulung, kann nicht reformiert werden; sie muss niedergeschlagen werden. Sie wurde von Menschen geschaffen, und Menschen können sie auch wieder auseinandernehmen.


Nachbemerkung: Die in dieser Artikelserie angesprochenen Themen (und viele weitere) sind ausführlich behandelt und dokumentiert in Gattos Hauptwerk, „Underground History of American Education“. Frei zugänglich auf der Website des Autors, http://www.johntaylorgatto.com . Da das amerikanische System, wie erwähnt, auf dem preussischen basiert, sind Gattos Untersuchungen auch für Deutschland bedeutungsvoll.

Siehe auch vom selben Autor: „Warum Schulen nicht bilden“.

John Taylor Gatto: Eine kurze, zornige Geschichte der amerikanischen (und deutschen) Schulpflicht

5. September 2013

Rede vor der Homeschooling-Konferenz des Staates Vermont

Zwischen 1967 und 1974 wurde die Lehrerbildung in den Vereinigten Staaten insgeheim umgewandelt durch die koordinierten Anstrengungen einer kleinen Zahl privater Stiftungen, gewisser Universitäten, weltweiter Unternehmen, und ähnlicher Interessengruppen.
Drei kritische Dokumente in dieser Transformation waren: Zuerst „Taxonomie der Lehrziele“, von Benjamin Bloom. Dann ein Projekt in mehreren Staaten, das 1967 begonnen wurde, unter dem Namen „Die Schulbildung der Zukunft entwerfen“. Und schliesslich das „Schulprojekt verhaltensorientierter Lehrer“. Diese wurden in den Erziehungsdepartementen aller Staaten verbreitet; und den Pionierdistrikten, die diese Neuerungen zuerst einführten, wurde eine Art Bestechungsgelder ausbezahlt.

Beginnen wir mit „Die Schulbildung der Zukunft entwerfen“. Die Autoren definierten Schulbildung neu, nach deutschem Vorbild des 19.Jahrhunderts, als „ein Mittel, um wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele nationalen Charakters zu erreichen“. Und ich beeile mich beizufügen, dass die Entwicklung Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter in keinem dieser Ziele enthalten ist. Die Schulbehörden der einzelnen Staaten würden von da an „handeln als Vollzugsinstanzen des Bundes, um sicherzustellen, dass die örtlichen Schulen die Anordnungen des Bundes erfüllen.“ Das Dokument sagt weiter, „das Erziehungsdepartement jedes Staates muss ein Veränderungs-Agent sein“, und „die Veränderung muss institutionalisiert werden“. Ich zweifle daran, dass irgendetwas darüber in irgendeiner Zeitung berichtet worden wäre.

Das „Schulprojekt verhaltensorientierter Lehrer“ skizziert spezifische Reformen, die ab 1967 dem Land aufgezwungen werden sollten. Ihr Ziel ist (Zitat) „die unpersönliche Manipulation, durch die Schule, eines zukünftigen Amerika, in welchem nur wenige in der Lage sein werden, die Kontrolle über ihre eigenen Meinungen zu behalten.“ Ein Amerika, in welchem „jedes Individuum bei seiner Geburt eine Mehrzweck-Identifikationsnummer erhält, welche Arbeitgebern und anderen Kontrollinstanzen erlaubt, ihnen nachzuspüren, und sie der unterschwelligen Einflussnahme des Erziehungsdepartements auszusetzen …“
Die Leser – Sie und ich waren natürlich nicht unter diesen Lesern – erfuhren, dass ab 1967 chemische Experimente mit Minderjährigen ein normales Vorgehen sein würden. Das ist eine deutliche Vorahnung der gegenwärtigen massiven Ritalin-Interventionen. Es wurde erwartet, dass Lehrer als „Veränderungs-Agenten“ des Staates handeln würden; und die Lehrerbildner wurden darüber informiert, dass ab sofort die Verhaltenswissenschaft den akademischen Lehrplan ersetzen würde. Das Projekt beschreibt eine Zukunft, „in der eine kleine Liga alle wichten Angelegenheiten unter Kontrolle hat, und in der die partizipative Demokratie weitgehend verschwinden wird.“ Kinder sollten dazu erzogen werden, anzuerkennen, dass ihre Kameraden, und überhaupt alle durchschnittlichen Menschen, derart unangepasst und unverantwortlich seien, dass sie unter Kontrolle gehalten und reguliert werden müssten. Die immense Zunahme der Gewalt an Schulen, und das allgemeine Chaos in den späten sechziger Jahren, als Lehrer landesweit ihre Fähigkeit verloren, Kinder zu disziplinieren, wurde als willkommene Rechtfertigung gesehen, um die traditionellen Freiheiten drastisch einzuschränken.

(…) Die „Taxonomie der Lehrziele“ … war (Zitat) „ein Instrument, um die Arten zu klassifizieren, wie Individuen handeln, denken oder fühlen sollen, als Resultat der Teilnahme an einer bestimmten Lehreinheit.“ Ich zweifle daran, dass irgendein denkendes Elternpaar unter dieser Voraussetzung ihre Kinder zur Schule senden würde. Die Kinder würden die „angemessenen“ Haltungen lernen, und müssten ihre „unangemessenen Haltungen“ (die sie von zuhause mitbringen) korrigieren lassen.

Aber warum wird dies alles getan? Ein grosser Teil der Antwort findet sich in der neusten Ausgabe des „Magazins für äussere Angelegenheiten“, eine der einflussreichsten Zeitschriften der USA, in einem Artikel von Mort Zukerman. Er schreibt unsere wirtschaftliche Überlegenheit gewissen Merkmalen des amerikanischen Arbeiters und des amerikanischen Arbeitsplatzes zu. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass diese Überlegenheit von der Art herrührt, wie wir unsere Jungen ausbilden. Und worin besteht diese Überlegenheit? Nach Zukerman in erster Linie darin, dass der Amerikaner ein Dominostein ist, der sich vom Management dominieren lässt und nicht viel zu sagen hat. Im Gegensatz dazu, sagt Zukerman, „leidet“ Europa unter einer starken handwerklichen Tradition, die verlangt, dass der Arbeiter bei Entscheidungen mitredet. (…)
Ausserdem sagt er, „die Arbeiter in Amerika leben in einem ständigen Panikzustand, einer Angst, übergangen zu werden, sie wissen, dass die Unternehmen ihnen nichts schulden, es gibt keine Macht, gegen Entscheidungen des Managements zu apellieren. Die Angst ist unser geheimes Aufladegerät; sie gibt dem Management die Flexibilität, die andere Länder nie haben werden.“ … 1996 fürchteten fast die Hälfte der Angestellten grosser Firmen, entlassen zu werden. Das ist der doppelte Prozentsatz von 1991, als die Wirtschaftslage längst nicht so gut war. Diese Angst hält die Löhne unter Kontrolle.
Und unser endloser Konsum schliesst den goldenen Kreis. Zukerman sagt, die erstaunliche amerikanische Sucht nach Neuem gibt den amerikanischen Unternehmen ihren einzigartigen inländischen Markt. Andernorts vertrocknet das Geschäft in schwierigen Zeiten; aber wir hier kaufen weiter ein, bis wir pleite gehen, und verpfänden unsere Zukunft, damit die Güter und Dienste weiter fliessen. – Zukerman schreibt keineswegs kritisch, sondern lobend über diese Dinge. Zweifellos ist der fantastische Reichtum der amerikanischen Unternehmen ein direktes Ergebnis der Schulbildung. Schulen, die eine gesellschaftliche Masse dazu erziehen, bedürftig, ängstlich, neidisch, gelangweilt, talentlos und unvollständig zu sein. Die Wirtschaft der Massenproduktion braucht ein derartiges Publikum. Das ist niemandes Schuld. Genauso wie das Kleingewerbe der Amischen Intelligenz, Kompetenz, Nachdenken und Mitleid erfordert, so erfordern unsere Grossunternehmen eine gut verwaltete Masse – nivellierte, ängstliche, geistlose Familien, gottlos und angepasst; Menschen, die glauben, der Unterschied zwischen Coca Cola und Pepsi sei ein Streitgespräch wert. … Wir lernen in der Schule, dass Freude und Erfüllung von äusserlichen Dingen kommt, vom Besitz, und nicht von innen. Die Schule verkürzt unsere Konzentrationsspanne auf wenige Minuten, sodass wir ein Leben lang nach Erleichterung der Langeweile schreien, durch äusserliche Stimulation. Zusammen mit dem Fernsehen und Computerspielen, welche dieselbe Lehrmethode anwenden, werden diese Lektionen bleibend eingeprägt …

Einschub von seiten des Übersetzers:
Was vor gut einer Generation in den USA geplant wurde, ist heute in den Schulsystemen der gesamten westlichen Welt Wirklichkeit: Lehrer und Schüler werden gezielt daraufhin programmiert, die (vom Staat) erwünschten Denkweisen und Haltungen anzunehmen. Offizielle Lehrpläne enthalten nicht mehr bloss Ziele über Wissen und Können, sondern zunehmend emotionelle, haltungs- und verhaltensmässige „Lernziele“, die mittels psychologischer Manipulation der Schüler erreicht werden sollen. Ganz zu schweigen von den „inoffiziellen“ Zielen, über die der Normalbürger gar nicht informiert wird.

Eine kurze Durchsicht einiger mehr oder weniger zufällig ausgewählter Lehrpläne ergab Folgendes:

Zuerst einmal fällt auf, wie umfangreich diese Dokumente sind! Bis ins kleinste Detail wird vorgeschrieben, was (und z.T. auch wie) Lehrer lehren und Schüler lernen sollen. Der peruanische nationale Lehrplan von 2009 umfasst 484 Druckseiten. Allerdings sind darin nicht weniger als siebzehn „Schuljahre“ enthalten, weil der Staat heutzutage so ehrgeizig (oder totalitär) ist, schon die Erziehung von Kleinkindern von „null bis drei Jahren“ per Lehrplan zu regeln. – Entsprechend der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit hat der Lehrplan für die bayerische Grundschule (Juli 2000) 305 Seiten für lediglich vier Schuljahre, das macht 76 Seiten pro Schuljahr! Angesichts dieser Vorschreib- und Kontrollwut nimmt es sich wie ein schlechter Scherz aus, wenn auf Seite 7 dieses Dokuments steht: „Die Grundschule bahnt freiheitlich-demokratische (etc …) Werthaltungen an.“ Der Ort, der angeblich auf das Leben in einer „freiheitlich-demokratischen“ Gesellschaft vorbereiten soll, ist gerade der Ort, wo am wenigsten Freiheit herrscht.

Sehen wir uns einige dieser Lehr- und Lernziele an. Im bayerischen Lehrplan steht unter „Fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsaufgaben“ auf Seite 15:
Soziales Lernen und grundlegende politische Bildung
Im Sinne einer politischen Grundbildung werden in der Grundschule soziale Lernprozesse initiiert und unverzichtbare Werte menschlichen Zusammenlebens erfahrbar gemacht. Durch die Förderung sozialer Verhaltensweisen wie Rücksichtnahme, Verantwortungsbereitschaft, Solidarität, Toleranz, Urteilsfähigkeit und die Bereitschaft, Konflikte friedlich zu lösen oder auszuhalten, werden die Schüler auf ein Leben als Staatsbürger in einer demokratischen Gesellschaft vorbereitet.“
– Nichts dagegen, dass Kinder lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen oder nach einem Streit wieder Frieden zu schliessen. Aber ist es wirklich Aufgabe der Schule, Kindern bestimmte Verhaltensweisen „anzuerziehen“, als ob sie als Vollwaisen aufwüchsen? Und ist es Aufgabe des Staates, solche Werte und Verhaltensweisen im Detail vorzuschreiben? Und was ist mit jenen „Werten“, die den christlichen Prinzipien widersprechen (wie z.B. die seit einigen Jahrzehnten im Sinne von „politischer Korrektheit“ umdefinierte Bedeutung von „Toleranz“)?

Weiter: „Die Kinder sollen ein stabiles Selbstwertgefühl aufbauen, um so eine bejahende Lebenseinstellung zu gewinnen und eine eigene Identität zu entwickeln.“ (Fachprofil Ethik, S.23). – Man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob ein „stabiles Selbstwertgefühl“ von Vorteil ist oder nicht, und was genau darunter zu verstehen sei. Aber gerade in diesen Bereichen, wo man verschiedener Meinung sein kann, hinterlässt das Wörtchen „soll“ einen bitteren Nachgeschmack nach Gedankenpolizei.

„… sollen sich eine offene, realitätsbezogene Einstellung gegenüber Personen mit fremder Sprache und Kultur und damit Verständnisbereitschaft und Toleranz entfalten.“ (Fachprofil Fremdsprachen, S.28) – Wieder wird mit „Sollen“ eine Werthaltung vorgeschrieben, die mit dem eigentlichen Erwerb von Fremdsprachen nichts zu tun hat. Diese „Achtung und Toleranz vor Fremdem“ erscheint gehäuft im bayerischen Lehrplan; so auch in den Fachprofilen Heimat- und Sachunterricht sowie Kunsterziehung.

Weiter: „Pflanzen oder auch kleine Tiere nicht achtlos zertreten; nicht mit Lebensmitteln spielen.“ (S.74 Fachlehrplan Ethik 1./2.Jg, S.74) – Was hat das mit Schule zu tun? Und warum soll Kindern verboten werden, z.B. aus ihrem Kartoffelbrei im Teller eine Landschaft zu modellieren, oder aus Böhnchen Muster zu legen? Man wird an die Pharisäer erinnert, die Gottes Gebote durch eine Unzahl von Menschengeboten ersetzten (Matth.15,1-9).

Noch ein letztes Zitat aus Bayern, ohne Kommentar:
„Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen hinterfragen“ (Fachlehrplan Heimat- und Sachunterricht, 4.Jg, S.264).

Gehen wir nach Nordrhein-Westfalen. Da wird schon ganz zu Anfang in den allgemeinen Richtlinien festgehalten, dass die Schule den Kindern ganz bestimmte vorgeschriebene Wertvorstellungen und Haltungen anerziehen soll:
„Die Arbeit in der Schule zielt im Sinne eines erziehenden Unterrichts darauf ab, die Kinder zu unterstützen, die Welt zunehmend eigenständig zu erschließen, tragfähige Wertvorstellungen im Sinne der demokratischen Grundordnung zu gewinnen und dadurch Urteils- und Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Damit verbunden ist die Aufgabe der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu solidarischem Handeln in sozialer Verantwortung, zu Toleranz und Achtung der Menschenrechte und anderer, auch religiöser, Überzeugungen, zu einem friedlichen Miteinander in der Einen Welt sowie zur Achtung vor Natur und Umwelt zu erziehen.“ (S.14-15, „Erziehender Unterricht“)
Ebenso heisst es: „Lehrerinnen und Lehrer (…) bahnen Einstellungen und Haltungen an (…)“ (S.17, „Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer“).

Im Lehrplan für das Fach Deutsch wird den Schülern sogar vorgeschrieben, wie sie sich im Unterricht fühlen sollen: „Sie erfahren Freude an sprachlicher Gestaltung und sprachlichem Spiel, entwickeln ihr sprachliches Selbstvertrauen weiter und übernehmen Verantwortung im Gebrauch der deutschen Sprache.“ (S.23) – Wenn also ein Kind im Deutschunterricht trotz allen psychologischen Tricks des Lehrers keine Freude empfindet, dann hat es das Lernziel nicht erreicht?!

Der NRW-Lehrplan scheint ein Interesse daran zu haben, Mädchen und Jungen zwangsweise einander gleich zu machen: „Die unterschiedlichen Körper- und Bewegungserfahrungen können es notwendig machen, geschlechterbewusst zu differenzieren, um Mädchen zu stärken und Jungen für sich und andere zu sensibilisieren.“ (S.113, Lehrplan Sport). Von daher ist wohl auch der folgende Satz im Lehrplan für den Sachunterricht zu verstehen: „Einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Respekt und Toleranz gegenüber anderen Personen und Gruppen leistet die kritische Auseinandersetzung mit Rollenerwartungen und Rollenverhalten von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen.“ (S.42)

Der Lehrplan zum Sachunterricht verlangt auch „eine kritisch-konstruktive Haltung zu Naturwissenschaft und Technik“ (S.39). – In den „Kompetenzerwartungen am Ende der Klasse 4“ heisst es: „Die Schülerinnen und Schüler (…) erkunden Möglichkeiten der Partizipation von Kindern an Entscheidungen im Gemeinwesen und beteiligen sich daran (z.B. Planung von Spielplätzen und Schulwege (sic), Kulturprogramme für Kinder)“. (S.48) – Auch das sind Dinge, über die man verschiedener Meinung sein kann, bzw. die man der Entscheidung der einzelnen Kinder und deren Familien überlassen sollte. Aber nein, der Staat schreibt vor, wie Schüler zu denken und zu handeln haben.

Auch der Lehrplan für die Volksschule des Kantons Bern von 1995 schreibt ähnliche Dinge vor:
„Als sozialer Erfahrungsraum ermöglicht es die Schule, Regeln des Zusammenlebens anzuwenden und den Umgang mit Konflikten zu üben. Entsprechende Erfahrungen im Schulalltag fördern Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit. Rücksichtnahme, Geduld, Achtung, Toleranz, Einfühlungsvermögen, Verstehenwollen, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Engagement und Mut sind wichtige Ziele sozialen Lernens.
Die Schule fördert das partnerschaftliche Zusammenleben von Mädchen und Knaben. Sie berücksichtigt die Interessen der Kinder und Jugendlichen beider Geschlechter gleichwertig.
(…) Die Schule fördert Haltungen, welche Diskriminierung – sei es aufgrund des Geschlechts, der sozialen Herkunft, der Religion oder der Rasse – ablehnen. Sie setzt sich für die Solidarität gegenüber Benachteiligten ein.“ (S.19, „Leitideen zur Sozialkompetenz“)
– Wiederum kann man mit vielen dieser Werte einverstanden sein, aber es erheben sich dieselben grossen Fragen: Wie werden diese Haltungen in der Praxis genau definiert? Und warum muss der Staat diese überhaupt vorschreiben? Wird da nicht auf gravierende Weise in den Bereich der Familie eingegriffen?

Mehrere Fachlehrpläne im bernischen Lehrplan enthalten unter den „Richtzielen“ eine ganze Liste von vorgeschriebenen „Haltungen“. Zum Fach „Natur-Mensch-Mitwelt“ steht da z.B: „Sich mit Formen und Traditionen des Zusammenlebens, mit Werten und Normen und mit ideologischen Strömungen auseinander setzen und dabei eine kritische Distanz zu fundamentalistischen und totalitären Denk- und Handlungsweisen erwerben.“ (S.52) – Merkt überhaupt noch jemand, dass das Vorschreiben bestimmter Werte, Denkweisen und Haltungen an sich bereits eine totalitäre Handlungsweise (von seiten des Staates) ist??

Zuguterletzt noch einige Beispiele aus Perú. Da wird auf S.32 des nationalen Lehrplans ganz direkt vorgeschrieben, was für Charaktereigenschaften ein Schüler am Ende seiner Schulzeit aufweisen soll:
„Ethisch und moralisch. Sensibel und solidarisch. Kreativ und innovativ. Kommunikativ. Kooperativ. Organisiert. Forscht und informiert sich. Mitfühlend und tolerant. Kritisch und reflektierend. Unternehmerisch. Transzendent. Flexibel. Löst Probleme. Proaktiv. Autonom.“

In der Fortsetzung wird auch die „Konsensbereitschaft“ als wichtiges charakterliches Lernziel hervorgehoben – ein Punkt, der in den deutschsprachigen Lehrplänen unter dem Stichwort „Konfliktlösung“ in ähnlicher Weise erscheint. Im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima ist hier zu fragen, ob dieses Lernziel nicht zunehmend in dem Sinne verstanden wird, Schüler mit festen Überzeugungen (z.B. christlichen) dahingehend zu beeinflussen, dass sie „um des Friedens willen“ hinsichtlich dieser Überzeugungen Kompromisse eingehen?

Auch im peruanischen Lehrplan erscheint der Propagandaspruch, dass angeblich an der Schule „demokratisches Zusammenleben“ gelernt werden soll, obwohl jeder weiss, dass es die Lehrer bzw. deren Vorgesetzte sind, welche alle wichtigen Entscheidungen auf diktatorische Weise treffen.

Im weiteren enthalten die jahrgangsspezifischen Fachlehrpläne jeweils detaillierte Lernziele, nicht nur für „Kenntnisse und Fähigkeiten“, sondern auch für „Haltungen“. Auch da wird detailliert vorgeschrieben, wie sich die Kinder im Unterricht fühlen sollen, und an was für Tätigkeiten sie Freude haben sollen. Z.B. im Fachlehrplan „Kommunikation“ für den Kindergarten, Vierjährige (!): „Erfreut sich seiner künstlerischen Ausdrucksformen und zeigt Wertschätzung für die Produktionen der Gruppe und seiner eigenen.“ – Für Erstklässler: „Nimmt mit Begeisterung (!) an den persönlichen oder gruppenweisen Schreibprojekten teil.“ – „Zeigt Sicherheit und Vertrauen beim Schreiben.“ (Die Ironie dieser Sätze wird in ihrem vollen Ausmass erst verständlich, wenn man weiss, dass die Mehrheit der Schüler am Ende des ersten Schuljahres noch gar nicht lesen und schreiben können; aber alle lernen, wie man vorgibt, es zu können.) – Mathematik, erste Klasse: „Zeigt eine Neigung (!) zum Gebrauch der symbolischen und graphischen Sprache.“ – „Erfreut sich daran, geometrische Figuren in seiner Umgebung zu beschreiben.“

Noch ein paar spezifischere Beispiele aus dem Fach „Persönlich-Soziale Erziehung“: – „Beweist bürgerliches Verantwortungsbewusstsein darin, bei Käufen eine Quittung zu verlangen.“ (4.Klasse.) (Nicht etwa zum Zweck der eigenen Buchhaltung, sondern um dem Staat zu helfen, Kleingeschäftsinhaber aufzuspüren, die mittels Unterschlagung von Quittungen Steuern hinterziehen.) – „Organisiert sich verantwortungsbewusst in den Zivilschutzbrigaden der Schule und Gemeinde.“ (4. bis 6.Klasse.)

Aus dem Fach „Wissenschaft und Umwelt“: „Konfrontiert diskriminierende Situationen.“ (2.Klasse!) – „Anerkennt andere Standpunkte und neigt dazu, diese zu akzeptieren.“ (4.Klasse) – „Beurteilt die Ausbeutung natürlicher Ressourcen kritisch.“ (5.Klasse) – „Trifft verantwortliche und gesunde Entscheidungen über seine Sexualität.“ (6.Klasse) (Was soll das heissen??)
Die Beispiele sprechen für sich selbst.

(Fortsetzung folgt)


Nachbemerkung: Die in dieser Artikelserie angesprochenen Themen (und viele weitere) sind ausführlich behandelt und dokumentiert in Gattos Hauptwerk, „Underground History of American Education“. Frei zugänglich auf der Website des Autors, http://www.johntaylorgatto.com . Da das amerikanische System, wie erwähnt, auf dem preussischen basiert, sind Gattos Untersuchungen auch für Deutschland bedeutungsvoll.

Siehe auch vom selben Autor: „Warum Schulen nicht bilden“.

Ersetzt jeden Lehrer durch einen Computer und eine Grossmutter!

4. August 2013

Der Softwareingenieur und Lehrer Sugata Mitra aus New Delhi hat in indischen Armenvierteln und entlegenen Dörfern ein äusserst interessantes Bildungsexperiment durchgeführt. Er wollte herausfinden, wie viel Kinder von sich aus lernen können, wenn man nicht viel anderes tut, als ihnen Zugang zu einem Computer mit vorbereiteten Inhalten zu verschaffen. Vereinfacht gesagt, hat sein Experiment gezeigt, dass die Kombination von einem Computer und einer Grossmutter einen viel grösseren Bildungserfolg verspricht als der Unterricht durch einen Lehrer.

Sugata Mitra, „Build a School in the Cloud“ (auf Englisch, deutsche Untertitel verfügbar)

Alternativpädagogen wissen das schon lange. Kinder sind Lerner von Natur aus, und die stärkste Antriebskraft zum Lernen ist ihre eigene Neugier. Wenn sie genügend interessante Materialien zum Untersuchen und Experimentieren zur Verfügung haben – sowie die Freiheit, diese gemäss ihren eigenen Interessengebieten zu nutzen -, dann lernen sie fast von selber. Das war die Erfahrung von Maria Montessori, John Holt, Raymond Moore, Rebeca Wild, und vielen anderen.

Nun fand ich es bemerkenswert, wie Mitra dieses Konzept des Selbst-Lernens ergänzt mit der Grossmutter, die die Kinder ermutigt, weiter voranzugehen, und sich echt für ihre Tätigkeiten interessiert, indem sie neugierige Fragen stellt, statt selber den Kindern erklären zu wollen, „wie man es macht“. Im Gegensatz zu einem Lehrer braucht die Grossmutter also selber gar nichts von Computern usw. zu verstehen. Allein ihre Anteilnahme, ihre Ermutigung und ihre Fragen tragen bereits wesentlich zum Lernerfolg bei.

Bedenken habe ich allerdings, wenn Mitra meint, es gehe genauso gut mit einer „virtuellen Grossmutter“, die Tausende von Kilometern entfernt wohnt und nur auf dem Computerbildschirm zu sehen ist. Meiner Meinung nach ist der nahe persönliche Kontakt zwischen Kindern und Erwachsenen unerlässlich. Wobei es anstelle der Grossmutter natürlich die Eltern sein können, oder evtl. auch ein anderer den Kindern nahestehender Erwachsener.

Falls diese und ähnliche Ideen für die Zukunft der Bildung richtungsweisend sind – und für den konstruktiven, nicht-bürokratischen Flügel der Pädagogen sind sie das bestimmt -, dann dürfte das insbesondere für berufsmässige Lehrer ein schwerverdauliches Thema darstellen. Manche Lehrer reagieren äusserst allergisch, wenn sie mit Untersuchungsergebnissen konfrontiert werden, die nahelegen, dass ihr eigener Berufsstand für den Lernerfolg der Kinder gar nicht so notwendig ist. Insbesondere sehen sie sich zwei grossen Schreckgespenstern gegenüber:
1. Die Möglichkeit, die Kontrolle zu verlieren,
und 2. Die Möglichkeit, ihre Arbeit zu verlieren.

Zu 1: Für mich persönlich war es eine grosse Befreiung, als ich entdeckte, dass ich gar nicht die Kontrolle zu behalten brauche über das Lernen meiner Kinder und meiner Nachhilfeschüler. Zum Lernen ist es keineswegs notwendig, dass Programme und Lektionenpläne eingehalten werden, oder dass alle Kinder zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein müssten und ein bestimmtes Thema auf bestimmte Weise lernen müssten. Im Gegenteil, Kinder können gerade dann spektakuläre Fortschritte machen, wenn ihnen erlaubt wird, selber zu entscheiden, wo, wann, was und wie sie lernen möchten. (Siehe z.B „Ein kleines Englisch-Wunder“.) Gerade die heutzutage über Internet verfügbare Informationsvielfalt bietet eine Chance, dass jeder Schüler sein eigenes Lernprogramm zusammenstellen und zu einem selbständigen Lerner werden kann.

Natürlich meine ich damit nicht, dass den Kindern jegliche Art von schlechtem Benehmen, Gewalttätigkeit, Unlauterkeit, etc. erlaubt sein solle. (Solches Benehmen wird ja gerade durch das Zwangsschulsystem indirekt gefördert.) Aber was den Inhalt, den Schwierigkeitsgrad und die Art und Weise ihres Lernens betrifft, da dürfen wir ihnen getrost ein weitgehendes Mitbestimmungsrecht einräumen. Der Erfolg wird einem solchen Vorgehen Recht geben.

Zu 2: Im Zuge einer solchen Bildungsrevolution wird tatsächlich in Zukunft eine geringere Nachfrage nach Lehrern bestehen. Und jene Lehrer, die Teil dieser Zukunft sein möchten, werden ihre eigene Arbeit auf radikale Weise neu erfinden müssen. Sie werden kaum noch „Wissensvermittler“ sein; sie werden aber auch keine „Raubtierdompteure“ mehr sein müssen, die mit allen Kräften eine wilde Bande von dreissig ungezogenen Kindern im Zaum halten müssen. Stattdessen wird ihre Arbeit wahrscheinlich aus Tätigkeiten wie den folgenden bestehen:

– Den Kindern einen Freiraum zum Lernen verschaffen, in welchem es keine Lehr- und Lektionenpläne mehr gibt, keine obligatorischen Aufgaben, und natürlich auch keine Pflicht zum Schulbesuch. Stattdessen werden Lehrer lernen müssen, in die Rolle der ermutigenden Grossmutter zu schlüpfen.

– Die Kinder in ihren eigenen Lernprojekten beraten, und ihnen dabei helfen, die dazu erforderlichen Materialien und Informationen zu finden. Ein Lehrer, der die Interessen und Talente sowie den persönlichen Lernstil eines Kindes kennt, kann ihm helfen, jene Materialien und Lernmethoden zu finden, die am besten zu seiner Eigenart passen.

Nach Bedarf der Kinder Fragen beantworten, beim Lösen von Problemen helfen, und neue Ideen vorschlagen. Das wird viel Flexibilität und ein grosses Verständnis für die Wesensart von Kindern erfordern.

– Informatives Material schaffen (z.B. für auf Internet abrufbare „Wissensbanken“ oder Fernkurse), welches das Lernen erleichtert; oder den Spezialisten in den verschiedenen Wissensgebieten dabei helfen, solches Material herzustellen. Diese Materialien sollten nicht ein „programmiertes Lernen“ darstellen (wie gewisse Computerprogramme, die vorprogrammierte Antworten auf vorprogrammierte Fragen abfragen), sondern im Gegenteil ein Angebot, aus dem die Lernenden auswählen können. Ein solches Vorgehen würde es dann auch ermöglichen, die Tauglichkeit der Materialien in der Praxis zu überprüfen: Wenn die Kinder Wahlfreiheit haben, werden sie häufiger jene Materialien auswählen, die ihren Bedürfnissen angemessen sind; und ein grösserer Prozentsatz wird die Lernziele dieser Materialien erreichen.

All dies wird ein grosses Mass an Erfindergeist, Originalität und Kreativität erfordern. Ich fürchte, dass die meisten Lehrer hierzu am wenigsten vorbereitet sind, da sie in ihrer Ausbildung eher dazu vorbereitet werden, systemkonform zu unterrichten und die obrigkeitlichen Richtlinien zu befolgen. Eine Bildung der Zukunft in der Richtung, wie Sugata Mitra sie andeutet, wird an Lehrer die grosse Herausforderung richten, die Beschränkungen zu überwinden, denen sie von ihrer eigenen Berufsausbildung unterworfen wurden.

Manche Lehrer und Schulplaner üben ihren Beruf nur aus, weil sie sich auf irgendeine Weise den Lebensunterhalt verdienen müssen, aber sie haben keine Berufung dazu. Diese Lehrer und Funktionäre würden der Gesellschaft einen grossen Dienst leisten, wenn sie abträten und Platz machten für echte Pädagogen. Das mag hart klingen; aber ich glaube, dass die meisten dieser Lehrer in ihrem Beruf gar nicht glücklich sind und sich deshalb sogar selber einen Dienst erweisen würden, wenn sie sich einen anderen Beruf suchten.

Andererseits wird ein Lehrer, der seine Arbeit aus echter Berufung heraus tut, auch die Anstrengung unternehmen, die erforderlichen Änderungen durchzuführen und „sich selber neu zu erfinden“. Hauptsächlich deshalb, weil er seine Schüler wirklich liebt und aus dieser Liebe heraus auch dazu bereit ist, neue und ungewohnte Wege zu gehen, um des Wohles der Kinder willen.

Deutsche Bildungspolitiker sollten von Kolumbien lernen

15. November 2012

Warum gerade von Kolumbien?

Nun, die kolumbianischen Gesetze schreiben eine Schulpflicht vor – vergleichbar mit Deutschland. Dennoch gibt es in Kolumbien eine Homeschool-Bewegung – ebenso wie in Deutschland. Werden nun kolumbianische Homeschooler gerichtlich verfolgt wie in Deutschland, werden sie von Staates wegen ihres Besitzes beraubt wie in Deutschland, werden ihre Kinder mit Polizeigewalt zur Schule geschleppt oder zwangspsychiatriert wie in Deutschland, sehen sie sich zur Auswanderung und zur Suche nach politischem Asyl gezwungen wie deutsche Homeschool-Familien?

Überhaupt nicht. Die nachstehenden Ausführungen einer Vertreterin des kolumbianischen Bildungsministeriums zeigen, dass eine gesetzlich vorgeschriebene Schulpflicht keineswegs als Mandat zur gewalttätigen staatlichen Verfolgung von Homeschoolern aufgefasst werden muss. Die Gesetze können auch auf andere, viel humanere, friedfertigere und konstruktivere Weise ausgelegt werden:

„… es ist völlig klar, dass die Normen das Recht jedes Menschen zu verteidigen und zu schützen suchen, zu einer Bildung von Qualität Zugang zu haben und eine solche zu erhalten. In diesem Fall suchen sie das Recht der Kinder auf eine solche zu schützen, die wegen ihrer Situation eine durch Entscheidungen von Erwachsenen verletzliche Bevölkerungsgruppe darstellen, seien diese Erwachsenen nun Lehrer, der Staat, oder Familien und Eltern.
Die Alternative einer Bildung ohne Schule entspricht nicht der Wahl einer Mehrheit in Kolumbien, noch weltweit, und ist deshalb in der Gesetzgebung nicht ausdrücklich angeführt. Das ist verständlich, da die öffentliche Politik aufgrund ihrer eigenen Natur zu dem Zweck entworfen wird, sich mit den Mehrheiten zu befassen.
Dennoch, da die Gesetze klar in erster Linie die Eltern für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich machen, und die (Eltern) Autonomie besitzen, um über die Rechte ihrer Kinder zu wachen und diese zu schützen, können sie wählen, ob sie ihre Kinder an eine Bildungseinrichtung senden oder nicht. Die Bildung ohne Schule kann eine mögliche Wahl sein, vorausgesetzt, dass die Eltern dem Staat gegenüber sicherstellen, dass die Kinder eine Ausbildung von Qualität erhalten.
Und durch welche Mechanismen können diese Wahlmöglichkeiten verwirklicht werden? – Durch die Anerkennungsprüfungen (exámenes de validación), die die Kinder und Jugendlichen ablegen können. Die Reglemente (genaugenommen das Dekret Nr.2832 von 2005) sehen vor, dass jedes Kind und jeder Jugendliche unter Beweis stellen kann, dass er die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erreicht hat in jedem der obligatorischen und grundlegenden Fächer für die Grund- und mittleren Schuljahre, indem seine Studien durch Prüfungen oder akademische Aktivitäten kostenlos für gültig erklärt werden, an Bildungseinrichtungen, die die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.“

(Heublyn Castro Valderrama, Subdirektorin für die Normierung und Überprüfung der Bildungsqualität, Nationales Bildungsministerium Kolumbien.)

Man beachte, dass die erwähnten Anerkennungsprüfungen den Homeschoolern (und anderen Kindern und Jugendlichen) nicht als Pflicht (im Sinne staatlicher Beaufsichtigung) aufgezwungen werden, sondern ihnen vom Staat angeboten werden als eine Möglichkeit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und offiziell beglaubigen zu lassen – dann, wenn sie selber der Ansicht sind, sie seien zu einer solchen Prüfung bereit. Jeder zuhause ausgebildete Jugendliche kann also selber entscheiden, wann und wo er diese Prüfung ablegen will.
Hier sind die Prioritäten noch ziemlich in Ordnung: Der Staat verpflichtet sich, ein zureichendes Angebot bereitzustellen, um das Recht der Bevölkerung auf Bildung sicherzustellen. Die Familien ihrerseits sind frei zu entscheiden, ob sie von diesem Angebot Gebrauch machen möchten, oder ob sie auf andere Möglichkeiten zurückgreifen möchten, ihre Kinder auszubilden (z.B. mittels Privatschule, Fernschule, oder eben Homeschooling). Wenn schon ein Staatsschulsystem, dann sollte es so verstanden werden: als Hilfe und Angebot an jene Eltern, die ihre Kinder nicht selber ausbilden können oder wollen; aber nicht als ein Mittel zur diktatorischen Kontrolle und Gleichschaltung der ganzen Bevölkerung, wie es leider u.a. in Deutschland geschieht.

Das obige Zitat ist ein Ausschnitt aus einem Vortrag am Kongress „Bildung ohne Schule, Kollaboratives eigenständiges Lernen und Bildung in der Familie“, welcher in den Jahren 2009 und 2010 an der Nationalen Universität von Kolumbien in Bogotá durchgeführt wurde. Da führt also eine staatliche Universität einen Kongress über Homeschooling durch, und eine Vertreterin der obersten staatlichen Schulbehörde hält einen Vortrag, in welchem sie die Rechtmässigkeit des Homeschooling verteidigt!
Das Beispiel Kolumbien zeigt somit, dass auch bei einer mit Deutschland vergleichbaren Rechtslage ein friedliches Nebeneinander und sogar ein fruchtbarer gegenseitiger Austausch zwischen Schulbehörden, staatlichen Universitäten und Homeschoolbewegung möglich ist. Wenn sich deutsche Bildungspolitiker schon nicht für das US-amerikanische Konzept von Freiheit und Menschenrechten erwärmen können, dann sollten sie sich doch wenigstens an Kolumbien ein Beispiel nehmen.

Schon wieder: Verfolgung von deutschen Homeschoolern

27. Oktober 2012

Die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland gehen weiter. Mit einiger Verspätung erfuhr ich vom folgenden Fall:

„Wie jetzt bekannt geworden ist, hat das Familiengericht Darmstadt am 6. September 2012 Dirk W. und seiner Frau Petra die elterliche Sorge über ihre vier schulpflichtigen Kinder weitgehend entzogen. Damit gab es einem Antrag des Staatlichen Schulamtes statt, das um eine derartige gerichtliche Maßnahme gebeten hatte, da die Kinder nicht zur Schule gehen würden.“
(Quelle: http://derblauebrief.net/sorgerechtsentzug-ultima-ratio-des-unrechtstaats/)

Es handelt sich hierbei um eine christliche Familie, die aus christlicher Glaubensüberzeugung ihre Kinder selber erzieht, statt sie staatlichen Einrichtungen zu überlassen. Dass es sich bei solchen Massnahmen zur Durchsetzung des staatlichen Schulzwangs um grobe Menschenrechtsverletzungen handelt, ist u.a. von einem US-amerikanischen Gericht deutlich bestätigt worden, indem es einer deutschen Homeschooling-Familie politisches Asyl gewährte. (Siehe „Homeschooling ist ein Menschenrecht“.)

Besonders hässlich ist an diesem neuerlichen Fall, dass im selben Monat der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder – der sich u.a. für verfolgte Christen einsetzt! – einem Homeschool-Aktivisten einen Brief schrieb, in welchem er erklärte, solche Fälle stellten keineswegs eine Verfolgung dar, denn die deutsche Schulpflicht (und deren unverhältnismässig gewaltsame Durchsetzung??) sei völlig verfassungsgemäss. Dieser „Christ“ fällt also in seinem eigenen Land verfolgten Christen in den Rücken!

Gerade Christen (insofern sie wirklich Christen sind) sollten eigentlich zumindest die folgenden einfachen Tatsachen verstanden haben:

– dass die Familie die von Gott eingesetzte Kerngemeinschaft des christlichen Lebens, der christlichen Gemeinde, und der Gesellschaft überhaupt darstellt, und deshalb Vorrang hat vor allen anderen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Institutionen (insbesondere vor dem Staat).

– dass von der Bibel her eindeutig die Eltern mit der Erziehung der Kinder beauftragt sind, nicht der Staat.

– dass die Schule die familienfeindlichste Institution ist, die es überhaupt gibt, und dass die gegenwärtige galoppierende Zerstörung der Familien parallel läuft zur zunehmenden schulischen Belastung und Inanspruchnahme der Kinder.

– dass die Staatsschulen gegenwärtig auch zu immer antichristlicheren Institutionen werden und deshalb keine geeigneten Aufenthaltsorte sind für Kinder aus christlichem Elternhaus.

Könnten wir uns z.B. angesichts von Epheser 6,1-4 den Apostel Paulus vorstellen, wie er die Familien seiner Gemeinden dazu anhalten würde, ihre Kinder an heidnische Schulen zu schicken, wo seine apostolischen Worte (z.B. zur Auferstehung Jesu, zur Sexualethik, oder zur Nichtigkeit griechischer Gelehrsamkeit) mit Füssen getreten werden? – Oder würde der Apostel Petrus den Besuch solcher Schulen empfehlen, nachdem er gesagt hatte: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg.5,29)?

Von daher finde ich es etwas vom Befremdlichsten an der deutschen Homeschooling-Situation, dass die christliche Gemeinschaft zu dieser Verfolgung mehrheitlich einfach schweigt, oder sie sogar ausdrücklich gutheisst. Merken die deutschen Christen denn gar nicht, dass sie damit fleissig an ihrer eigenen Abschaffung mitarbeiten? Wenn es denn überhaupt Christen sind – vielleicht liegt da der Hund begraben…


Im folgenden zitiere ich die ersten Seiten aus der fast hundertseitigen Stellungnahme der Familie W. an das Familiengericht Darmstadt. Die hier ausgesprochenen Grundsätze scheinen mir äusserst wichtig und lesenswert. Ein Staat, der die im folgenden ausgeführten Rechtsgrundsätze missachtet, arbeitet nicht nur auf die Abschaffung des Christentums hin, sondern auf seine eigene Abschaffung als Staat, Gesellschaft und Kultur überhaupt. (Siehe „Die weisen Lektionen der Geschichte für Erzieher“.)

„Die ganze Sache ist eigentlich eine sehr einfache Angelegenheit: Wir berufen uns nämlich in der Schulsache auf unser naturrechtlich verankertes ELTERNRECHT, dessen Ausübung auch das grundsätzliche Recht beinhaltet, unsere Kinder selbst zu unterrichten, wenn wir dies für gut und richtig ansehen. Auch wenn das NATURRECHT heutzutage geleugnet wird, um statt dessen Willkür-»Staatsrecht« erfinden1 (und an Stelle des NATURRECHTS setzen) zu können, so bleibt es dennoch bis zum Jüngsten Tag bestehen. Unser ELTERNRECHT entspringt höherer Instanz als positives (von unzulänglichen Menschen gesetztes) Recht und bricht somit letzteres. Punkt! Diese Begründung reicht völlig aus und leuchtet auch jedem einfachen (und juristisch nicht ausgebildeten) Menschen ein.

Kompliziert wird es erst dadurch, daß dieser einfache Sachverhalt gar nicht (mehr) bekannt ist und lediglich auf § 182 HSchG gebannt geschaut wird wie das Kaninchen auf die Schlange. Doch das HSchG ist drei Stufen unter dem ELTERNRECHT angesiedelt, weshalb dessen § 182 in unserem Fall gar nicht angewendet werden darf.

Das ELTERNRECHT ist ein Teil des NATURRECHTS
In den Anfangsjahren der Bundesrepublik bekannte sich das BVerfG (und deutlicher noch der BGH) zum NATURRECHT:

Das Bundesverfassungsgericht erkennt die Existenz überpositiven, auch den Verfassungsgesetzgeber bindenden Rechtes an und ist zuständig, das gesetzte Recht daran zu messen.2

Daß das ELTERNRECHT ein Teil des NATURRECHTS ist, gibt das BVerfG auch zu (auch wenn es diesen Bezug nicht direkt ausspricht), indem es dessen Besonderheit klarstellt:

1. Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG garantiert den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Die Erziehung des Kindes ist damit primär in die Verantwortung der Eltern gelegt, wobei dieses „natürliche Recht“ den Eltern nicht vom Staate verliehen worden ist, sondern von diesem als vorgegebenes Recht anerkannt wird.3

Folgende »Besonderheiten« des ELTERNRECHTS lassen sich hier feststellen: Erstens, unser ELTERNRECHT wurde uns »nicht vom Staate verliehen«. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den es zu beachten gilt. Wenn es aber »nicht vom Staate verliehen« wurde, wer gibt uns Eltern dann dieses Recht bzw. woher kommt es? Die Antworten darauf sind sehr einfach bzw. liegen auf der Hand, nur will sie heute niemand mehr hören: Das ELTERNRECHT ist natürlich von DEM »verliehen«, der auch den Menschen geschaffen hat, und es ist Bestandteil des NATURRECHTS (welches nicht nur »Menschenrechte«, sondern auch Pflichten gegenüber GOTT und seinem Nächsten enthält). Wer sollte es sonst »verliehen« haben bzw. wer käme sonst noch in Betracht? Es gibt – wie in allen grundsätzlichen Fragen – keine vernünftige Alternative zu einem personalen Schöpfer einschließlich der von IHM festgelegten Rahmenbedingungen (wie z. B. Naturgesetze, NATURRECHT). Es gibt nur wüste (und völlig unhaltbare) Spekulationen,die alle dem gleichen Motiv entspringen: die Gegenwart GOTTES zu verneinen/leugnen, um sich damit seiner geschöpflichen Verantwortung zu entziehen.

Zweitens, auch die Formulierung »vorgegebenes Recht« macht unmißverständlich deutlich, daß es sich bei dem ELTERNRECHT um ein Recht völlig anderer, nämlich höherer Qualität handelt. Was bedeutet »vorgegeben« anderes, als daß man eine höhere Rechtssphäre voraussetzt, aus der die unveränderliche Natur des RECHTS entspringt, und an der sich »das gesetzte Recht« – z. B. § 182 HSchG – »messen« lassen muß? Wo finden wir sonst noch »Vorgegebenes«? Wir finden z. B. Naturgesetze »vorgegeben«, d. h. wir finden diese vor und finden uns mit ihnen (mehr oder weniger) ab. Wir haben sie also nicht gemacht. Genauso verhält es sich mit dem NATURRECHT/ELTERNRECHT: Die Verfassungsväter haben es »als vorgegebenes Recht« vorgefunden, es brauchte deshalb nicht »gesetzt«, positiviert werden. Im Gegensatz zu den Naturgesetzen (denen man sich unmöglich entziehen kann) ist der deutsche Staat mit der Gegebenheit ELTERNRECHT leider viel weniger geneigt sich abzufinden und versucht – durch Leugnung des Tatbestands ELTERNRECHT = NATURRECHT einerseits und Erfindung von »Staatsrecht« andererseits – seinen unrechtmäßigen Schulzwang pseudo zu legitimieren.

Drittens, anscheinend war das BVerfG in seinem Urteil der Meinung, die zuvor beschriebene Gegebenheit des ELTERNRECHTS sei von den Verfassungsvätern »anerkannt« worden. Es stimmt natürlich, daß der einzig richtige Umgang mit solch einer Gegebenheit wie der des ELTERNRECHTS nur der des Anerkennens sein kann (und heute nach wie vor sein sollte). Doch einig waren sich die Verfassungsväter bzgl. des naturrechtlichen Wesens des ELTERNRECHTS nicht4, weshalb es eine »Anerkennung« (wie vom BVerfG unterstellt) leider so nicht gab, was auch an der unzureichenden Formulierung des Art. 6 GG zu ersehen ist.

Viertens, wenn das ELTERNRECHT »nicht vom Staate verliehen« wurde, dann kann der Staat es den Eltern auch nicht streitig machen! Dieser Punkt wird in den aktuellen Diskussionen völlig außer acht gelassen. Denn wenn das ELTERNRECHT solcher Art ist wie dargelegt, dann
ist es »unantastbar« und kann auch nicht eingeschränkt werden. Und: Es kann ebenfalls nicht dadurch eingeschränkt werden, indem es von irgendwelchen Verfassungsvätern nur unzureichend ausformuliert wurde. Das ist ebenfalls sehr wichtig zu beachten. Es gilt nicht das, was als Formulierung in Art. 6 GG zu finden ist (und etwa das nicht, was weggelassen wurde), auch gilt nicht das, was das BVerfG oder eine Mehrheit von Kommentatoren des GG aus Art. 6 herauszulesen meint, sondern es gilt das, was es tatsächlich beinhaltet. Was aber sollte es anderes beinhalten als das RECHT der Eltern, den Lebensentwurf, der ihnen als der beste erscheint (und die »Freiheit der Andersdenkenden« nicht beeinträchtigt) gemeinsam mit ihren Kindern umzusetzen? (Und welches »Recht« vermag dies einzuschränken?)“

1 Auf den Erfindungsreichtum bundesdeutscher Verfassungsrichter werden wir im weiteren Verlauf noch eingehen.
2 BVerfGE 1, 14 – 2 BvG 1/51 vom 23.10.1951, Leitsatz 27.
3 BVerfGE 59, 360 – 1 BvR 845/79 vom 9.2.1982, Abs. 85.
4 Näheres dazu auf S. 54.

(Die gesamte Stellungnahme kann hier eingesehen werden.)

Bemerkenswerte Zitate: Über Schule, Lehrer und Schulpflicht (Teil 3)

22. Februar 2012

Teil 3: Über die Schulpflicht

„Die Grundlage einer echten Demokratie besteht nicht darin, dass die Leute ihre Regierung wählen können. Echte Demokratie besteht, wenn die Leute ihre Lehrer auswählen können.“
Dayal Chandra Soni, Shikshanjali, 1992

„Kinder von 12 oder 13 Jahren an haben bereits sehr lange Schultage und zusätzlich abends zwei, drei oder mehr Stunden Hausaufgaben. (…) Lange bevor sie in eine höhere Schule eintreten, werden viele Kinder einer Arbeitswoche von 70 Stunden oder mehr unterworfen. Seit den frühen und brutalen Tagen der industriellen Revolution haben Kinder nie mehr so hart gearbeitet.“
John Holt (Homeschooling-Pionier)

„Die Entwicklung der Schulbänke bedeutete, dass die Schüler einem Regime unterworfen wurden, welches ihnen möglich machte, obwohl sie stark und aufrecht geboren worden waren, bucklig zu werden! Das Rückgrat, biologisch der ursprünglichste, grundlegende und älteste Teil des Skeletts, der festeste Teil unseres Körpers, (…) das Rückgrat, welches den verzweifelten Kämpfen des Menschen gegen den Wüstenlöwen widerstand; welches stark blieb, wenn er das Mammut bezwang, den harten Felsen bearbeitete und das Eisen zu seinem Gebrauch formte; krümmt sich und bricht unter dem Joch der Schule.
Es ist unverständlich, dass die sogenannte Wissenschaft in den Schulen ein Instrument zur Sklaverei vervollkommnete, ohne auch nur von einem einzigen Lichtstrahl der sozialen Befreiungsbewegung erleuchtet zu werden, welche in aller Welt wuchs und sich entwickelte. Denn das Zeitalter der wissenschaftlichen Schulbänke war zugleich das Zeitalter der Befreiung der Arbeiterklasse vom Joch ungerechter Arbeit.“
Maria Montessori

(Anm: Im unmittelbaren Zusammenhang des obigen Zitats ist vordergründig nur von den anatomischen Auswirkungen des Schulmobiliars die Rede; aber der weitere Zusammenhang zeigt, dass ein Doppelsinn von der Autorin offenbar beabsichtigt war.)

„Unsere Schulpflicht (in den USA) ist eine Erfindung des Staates Massachusetts um 1850. Etwa 80% der Bevölkerung widersetzte sich – einige sogar mit Gewehren -; ihr letzter Stützpunkt in Barnstable, Cape Cod, übergab ihre Kinder erst nach 1880, als das Gebiet militärisch besetzt wurde und die Kinder unter militärischer Bewachung zur Schule gehen mussten.
Etwas merkwürdiges zum Nachdenken: Das Büro von Senator Ted Kennedy gab ein offizielles Dokument heraus, wonach vor der Einführung der Schulpflicht 98% der Einwohner des Staates (Massachusetts) lesen und schreiben konnten; danach blieb die Ziffer ständig unter 91%, wo sie heute (1990) noch ist. Ich hoffe, das interessiert Sie.“
John Taylor Gatto (Preisträger „Lehrer des Jahres“ New York 1990)

„Jene Menschen, die nur gelernt haben, einem von aussen vorgegebenen Programm zu folgen, stehen in Gefahr, ebenfalls von aussen her ‚umprogrammiert‘ zu werden, wenn der Druck einer neuen Gesellschaft es erfordert. Ohne ein aktives inneres Leben und ohne Bewusstsein seiner eigenen Menschlichkeit fehlen selbst dem intelligentesten Menschen jene spezifisch menschlichen Qualitäten, die er von innen her den von aussen aufgezwungenen Programmierungen entgegensetzen könnte, wenn die Integrität seines Seins bedroht wäre.“
Rebeca Wild (Pionierpädagogin in Ecuador)

Die folgenden zwei Zitate zeigen, dass eine solche „Umprogrammierung“ mittels des Schulsystems tatsächlich schon längst von langer Hand geplant und ausgeführt wird:

„In unseren Träumen ergeben sich die Menschen vollkommen fügsam in unsere formenden Hände. Die gegenwärtigen Vorstellungen von Bildung, im Sinne von Bildung des Intellekts und des Charakters, verschwinden aus ihrem Sinn; und ungehindert von der Tradition führen wir unseren eigenen guten Willen aus über ein dankbares und willfähriges Volk. Wir werden nicht versuchen, diese Leute oder irgendeines ihrer Kinder zu Gelehrten oder Philosophen oder Wissenschaftern zu machen. Wir sollen unter ihnen keine zu Schriftstellern, Erziehern oder Dichtern machen, auch nicht zu grossen Künstlern, Malern oder Musikern, noch zu Anwälten, Ärzten, Staatsmännern, Politikern – Geschöpfe, mit denen wir reichlich versorgt sind. Die Aufgabe ist einfach. Wir werden Kinder organisieren und sie auf vollkommene Weise die Dinge lehren, die ihre Eltern auf unvollkommene Weise tun.“
John D.Rockefeller (von dessen Finanzen das amerikanische Schulsystem zwischen 1900 und 1920 abhängig war.)

„Ich bin überzeugt, dass der Kampf um die Zukunft der Menschheit in den Schulzimmern der Staatsschulen gekämpft und gewonnen werden muss, von Lehrern, die ihre Rolle richtigerweise als Proselytenmacher eines neuen Glaubens sehen … Das Schulzimmer wird zum Konfliktschauplatz zwischen dem Alten und dem Neuen werden; zwischen dem verwesenden Leichnam des Christentums mit seinen Übeln und seinem Elend, und dem neuen Glauben des Humanismus…“
John J.Dunphy in „Der Humanist“, Jan.-Feb. 1983

Es folgt ein gegensätzliches Zitat – obwohl es wie das vorige den Begriff „Humanismus“ verwendet. Ich überlasse es dem Leser, über den kontrastierenden Gebrauch dieses Begriffs in den beiden Zitaten nachzudenken… :

„Vor zwei Jahrhunderten führten die Vereinigten Staaten die Welt an in einer Bewegung zur Abschaffung des Monopols einer einzigen Staatskirche. Jetzt brauchen wir die verfassungsmässige Abschaffung des Monopols der Schule, und damit eines Systems, das auf legale Weise Vorurteile mit Diskriminierung verbindet. Der erste Artikel einer Menschenrechtserklärung für eine moderne, humanistische Gesellschaft würde dem Ersten Zusatzartikel zur Verfassung der USA entsprechen: ‚Der Staat erlässt keinerlei Gesetz über die Einrichtung eines Bildungssystems.‘ Es soll keinerlei Ritual geben, das für alle obligatorisch ist.“
Ivan Illich

„Der Anspruch, eine freiheitliche Gesellschaft könne auf den modernen Schulen aufgebaut werden, ist paradox. Alle Sicherungen der persönlichen Freiheit werden aufgehoben im Umgang eines Lehrers mit seinen Schülern. Wenn der Lehrer in seiner Person die Funktionen eines Richters, Ideologen und Arztes vereinigt, dann wird der grundlegende Charakter der Gesellschaft pervertiert durch eben jenen Prozess, der auf das Leben vorbereiten soll. Ein Lehrer, der diese drei Gewalten in sich vereinigt, trägt viel mehr zur Verkrümmung des Kindes bei als alle Gesetze, welche dessen legale oder wirtschaftliche Minderjährigkeit festlegen oder dessen Versammlungs- oder Wohnsitzfreiheit beschränken.“
Ivan Illich

„Jeden Tag stellen die Schulen von neuem sicher, dass die Macht absolut und willkürlich ist, indem sie den Zugang zu grundlegenden Notwendigkeiten wie Toiletten, Wasser, Privatsphäre und Bewegungsfreiheit willkürlich gestatten bzw. verweigern. Auf diese Weise werden grundlegende Menschenrechte, die normalerweise nur den Willen der betroffenen Person erfordern, in Vorrechte verwandelt, die keineswegs garantiert sind.“
John Taylor Gatto

„Von den wichtigeren gesellschaftlichen Institutionen in westlichen Demokratien zeichnen sich nur drei durch die Anwendung von Zwang aus: die Gefängnisse, das Militär und die Staatsschulen.“
Denis P. Doyle

„Faust in meiner Hand“

Als ich an diesem Morgen mit ihm vor dem Schulhaus stand,
Unter dem Arm die grosse bunte Tüte,
Da spürt‘ ich seine kleine, heisse Faust in meiner Hand
Und wusste, dass er ahnte, was ihm blühte.
Mein erster Schultag endete in einem Tränenmeer,
Doch hatte ich nie vor ihm davon gesprochen –
Wie wurde schon am ersten Tag mein Ranzen mir so schwer –
Doch schlau hatte er den Braten längst gerochen.
Und als die anderen Kinder mit der Lehrerin fortgingen,
Hab‘ ich seine Verzweiflung und Verlassenheit gespürt
Und musst‘ ihn flehend, bittend dennoch in die Klasse bringen
Und fühlte mich, wie wenn man ein Kälbchen zur Schlachtbank führt.

Es gab nur Liebe und Versteh‘n, gab nur Freiheit bislang,
Und nun droh‘n Misserfolge und Versagen.
Der Wissensdurst versiegt unter Bevormundung und Zwang,
Die Gängelei erstickt die Lust am Fragen.
Die Schule macht sich kleine graue Kinder, blass und brav,
Die funktionier‘n und nicht infragestellen,
Wer aufmuckt, wer da querdenkt, der ist schnell das schwarze Schaf.
Sie wollen Mitläufer, keine Rebellen,
Ja-Sager wollen sie, die sich stromlinienförmig ducken,
Die ihren Trott nicht stör‘n durch unplanmäss‘ge Phantasie,
Und keine Freigeister, die ihnen in die Karten gucken
Und die vielleicht schon ein Kapitel weiter sind als sie.

Wie oft bist du in all den Jahren aus dem grauen Tor
Bemäkelt und getadelt rausgekommen,
Wie oft habe ich ahnungsvoll und stillschweigend davor
Den Delinquenten in den Arm genommen!
Wie oft hab‘ ich den Spruch gehört: Ihr Sohn hat nur geträumt,
Ihr Sohn hat mit Papierfitzeln geschossen,
Ihr Sohn hat trotz Ermahnung seinen Platz nicht aufgeräumt,
Ihr Sohn hat sein Tuschwasser ausgegossen!
Und nie: Ihr Sohn ist vor der ganzen Klasse aufgestanden
Für einen, den sie peinigten und quälten bis auf‘s Blut!
In dieser Welt kommen uns die wahren Werte abhanden,
In dieser Schule gibt es kein Fach Menschlichkeit und Mut.

Manchmal wünscht‘ ich, wir wär‘n an diesem Tag nicht mitgegangen
Und lieber, wie im Kinderlied, zu Doc David nach Fabuland.
Du hättest nicht nochmal an jener Stelle angefangen,
Wo ich schon einmal stand – die Faust in meines Vaters Hand!(Reinhard Mey in seinem Album Rüm Hart)
gefunden bei: http://hausunterricht.org/

Bemerkenswerte Zitate: Über Schule, Lehrer und Schulpflicht (Teil 2)

15. Februar 2012

Teil 2: Vom Elend der Schule

„Ich nehme an, es liegt daran, dass heute fast alle Kinder zur Schule gehen, wo alles für sie vorgeplant ist, dass sie anscheinend so völlig unfähig sind, eigene Ideen hervorzubringen.“
Agatha Christie (Schriftstellerin)

„Der Konkurrenzgeist, der in der Schule herrscht, zerstört alle Gefühle menschlicher Bruderschaft und Zusammenarbeit, und versteht Erfolg nicht als das Ergebnis einer Liebe zu produktiver und nachdenkender Arbeit, sondern als Produkt des persönlichen Ehrgeizes und der Angst vor Ablehnung.“
Albert Einstein

(Über sein Universitätsstudium): „In Physik jedoch lernte ich bald herauszuspüren, was zu den Grundlagen führte, und mich von allem anderen abzuwenden, von den vielen Dingen, die das Denken überhäufen und vom Wesentlichen ablenken. Der Haken daran war natürlich, dass man alle diese (unwesentlichen) Dinge für die Prüfungen in sein Gedächtnis stopfen musste, ob es einem gefiel oder nicht. Dieser Zwang hatte einen derart abschreckenden Effekt (auf mich), dass ich nach meiner letzten Prüfung ein ganzes Jahr lang auch nur den Gedanken an irgendein wissenschaftliches Problem als widerwärtig empfand. (…) Es ist ein sehr grosser Fehler zu denken, dass die Freude am Sehen und Untersuchen mit Zwang und Pflichtgefühl gefördert werden könnte. Im Gegenteil, ich glaube, dass sogar ein gesundes Raubtier seine Gefrässigkeit verlöre, wenn es mit einer Peitsche dazu gezwungen würde, ständig alles zu fressen, was ihm vorgesetzt würde, selbst wenn es nicht hungrig wäre.“
Albert Einstein

„Warum gehen in Deutschland viele Kinder zur Schule wie zum Zahnarzt? Warum erinnert ihr Lernen zuweilen an Bulimie: Informationen sammeln, Prüfungen bedienen und sich wieder entlasten?“
Reinhard Kahl (Journalist)

„Es gibt keine sicherere Art und Weise, die Begeisterung und das Interesse für ein Thema abzutöten, als es zu einem obligatorischen Bestandteil des Lehrplans zu erklären.“
Paul Lockhart (Mathematiker)

„Als ich für die Zulassungen zu den Diplomprüfungen zuständig war, und es kam ein Student mit lauter Bestnoten in seinem Zeugnis, dann wies ich ihn sofort ab. Es ist einfach nicht möglich, dass jemand in allen Fächern gleich gut oder gleich interessiert ist. (Ausser er tut es nur, um dem Lehrer zu gefallen.) Als Professor hatte ich keine Geduld mit Studenten, die dachten, das Wesentliche am akademischen Erfolg bestehe darin, mir zu wiederholen, was ich ihnen soeben gesagt hatte.“
Roger Shank

„Die Autorität der Lehrenden ist oft ein Hindernis für jene, die lernen wollen.“
Cicero

„Beim Lehren geht es nicht um Information. Es geht darum, eine ehrliche intellektuelle Beziehung zu den Schülern zu haben. Lehren erfordert keine Methode, keine Werkzeuge und keine Ausbildung. Nur die Fähigkeit, authentisch zu sein. Und wenn Sie nicht authentisch sein können, dann haben Sie kein Recht, sich unschuldigen Kindern aufzudrängen.“
Paul Lockhart

„Meine Zukunftsvision besteht darin, dass die Leute nicht mehr Prüfungen ablegen und aufgrund deren Ergebnisse von der Sekundarschule zur Universität wechseln; sondern dass sie als Einzelne von einer Stufe der Unabhängigkeit zu einer höheren gelangen, durch ihre eigene Aktivität, ihre eigene Willensanstrengung, worin die innere Enwicklung des Einzelnen besteht.“
Maria Montessori (Pionierpädagogin)

„Nur in der Theorie dienen die heutigen Bildungseinrichtungen den Schülern. Tatsächlich besteht die wirkliche Aufgabe eines Schülers an jeder ehrgeizigen Institution darin, durch seine Leistung das Ansehen dieser Institution zu steigern.“
John Holt (Homeschooling-Pionier)

„Ein Kind, das zum angemessenen Zeitpunkt und auf die angemessene Weise gelehrt wird, kann innerhalb von vier bis sieben Monaten ohne Schwierigkeiten den ganzen Stoff lernen, der in sechs Jahren Primarschule gelehrt wird. Es gibt deshalb keinen Grund, den offiziellen Lehrplan zu respektieren …“
Rebeca Wild (Pionierpädagogin in Ecuador)

„Der Psychiater J.T.Fisher ging erst mit dreizehn Jahren erstmals zur Schule, und schloss die Sekundarschule mit sechzehn Jahren ab. Später fühlte er sich enttäuscht, als er entdeckte, dass dies keineswegs ein Beweis besonderer Genialität war. Er musste akzeptieren, was die Psychologen sagten: Sie hatten gezeigt, dass ein normales Kind, das erst in der Pubertät mit seiner akademischen Bildung beginnt, bald denselben Leistungsstand erreichen kann, den es erreicht hätte, wenn es mit fünf oder sechs Jahren in die Schule eingetreten wäre.“
Raymond Moore (Psychologe, Schuldirektor und Homeschooling-Pionier)

„Die Schule ist eine Institution, die auf dem Axiom beruht, Lernen sei das Ergebnis von Lehren. Und die institutionelle Weisheit akzeptiert dieses Axiom weiterhin, trotz überwältigender Beweise für das Gegenteil.“
Ivan Illich

„Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass praktisch kein Zusammenhang besteht zwischen guten Noten in standardisierten schriftlichen Prüfungen, und Erfolg im Erwachsenenleben.“
Joe Nathan und Wayne Jennings, Phi Delta Kappan, Mai 1978

„Wenn geglaubt wird, diese Grundschulen würden vom Gouverneur und seinem Rat, von den Funktionären des Literaturfonds, oder von irgendeiner anderen Regierungsautorität besser verwaltet als von den Eltern in jedem Bezirk, dann ist das ein Glaube entgegen aller Erfahrung.“
Thomas Jefferson (Mitbegründer der USA)

„Warum wird es als normal angesehen, dass die Staatsschulen Millionen von Schulversagern produzieren; während eine einzige Familie, die ein Kind zuhause ausbildet, als grösste Bedrohung der öffentlichen Bildung und des Überlebens der Demokratie gilt?“
Stephen Arons, 1983

„(Die Schule) entreisst Kinder zwangsweise einer Welt voll von den Geheimnissen von Gottes eigener Handarbeit, voll von den Anregungen der Persönlichkeit. Sie ist lediglich eine disziplinarische Methode, die sich weigert, die Einzelperson zur Kenntnis zu nehmen. Sie ist eine Fabrik, speziell zu dem Zweck konstruiert, gleichförmige Resultate zu schleifen. (…) Gemäss der Schule ist das Leben dann vollkommen, wenn es einem erlaubt, es als tot zu behanden und es in handliche symmetrische Stücke zu schneiden. Und das war der Grund für mein Leiden, als ich zur Schule geschickt wurde. (…) Ich war keine Schöpfung des Schullehrers, und das Erziehungsministerium wurde nicht konsultiert, als ich geboren wurde. Aber war das ein Grund für sie, sich an mir zu rächen für diese Unterlassung meines Schöpfers? (…) Mein Geist musste also die Zwangsjacke der Schule akzeptieren, die wie die Schuhe einer Mandarinfrau meine Natur von allen Seiten und bei jeder Bewegung kniffen und quetschten. Glücklicherweise konnte ich mich selbst daraus befreien, bevor die Gefühllosigkeit einsetzte.“
Rabindranath Tagore (Literaturnobelpreis 1913)

„Immer mehr Kinder bilden ihre stärkste Bindung gar nicht mehr zu Erwachsenen aus, sondern zu Gleichaltrigen. Wir glauben dann, sie seien unabhängig, und freuen uns. In Wirklichkeit haben sie ihre Abhängigkeit nur auf die anderen Kinder verlagert und orientieren sich fortan an denen. Den Lehrern und Eltern fehlt damit die entscheidende Grundlage für jede Erziehung, nämlich die stabile, tiefe Bindung ihrer Kinder an sie. Deswegen ist das Unterrichten so mühsam geworden. Für die Kinder wiederum bedeutet die Gleichaltrigenorientierung höchsten Stress. Die normalen Verletzungen, die Kinder in ihrer Unreife sich schon immer zugefügt haben, treffen sie mit voller Wucht, denn die anderen Kinder sind nicht mehr einfach nur „Spielkameraden“, sondern das Wichtigste in ihrem Leben, die Erwachsenen sind blasse Randfiguren geworden. Viele dieser Kinder haben zu keinem Erwachsenen mehr eine so tiefe Bindung, dass sie bei ihm schwach sein und sich ausweinen können. Um sich in dieser Situation zu schützen, panzern sie sich gegen ihre Gefühle – sie werden „cool“. Mit den verletzlichen Gefühlen von Angst, Sorge etc., die sie verleugnen, verlieren sie aber auch den Zugang zu den anderen „weichen“ Gefühlen wie Interesse, Begeisterung, Fürsorglichkeit etc.“
Dagmar Neubronner („Die Freilerner“)

„Vielleicht denkst du nur an diese Welt, und vergisst, dass es eine zukünftige Welt gibt, und eine, die ewig dauern wird! Bitte denke ernsthaft daran, und schicke deine Kinder zu solchen Lehrern, die diese zukünftige Welt immer vor ihren Augen haben. Sonst – erlaubt mir, es klar zu sagen – ist es kaum besser, sie zur Schule zu schicken, als sie zum Teufel zu schicken.“
John Wesley (Erweckungsprediger und Begründer des Methodismus)

Was? Ihre Kinder essen nicht in der Staatsküche?

20. Oktober 2010

Was? Sie kochen selber zuhause? Und alle Ihre Kinder essen mit? Wie können Sie das verantworten? Sind Sie wenigstens staatlich zugelassener Ernährungswissenschafter? Nicht? Das ist ja unerhört! Wie sollen da Ihre Kinder je zu gesunden, kräftigen Bürgern heranwachsen? Nicht zu reden von den möglichen gesundheitlichen Schädigungen! Sie haben doch gar nicht das nötige Wissen, um Ihren Kindern die richtigen Nährstoffe zu verabreichen. Und können Sie etwa zuhause den ganzen Produktionsprozess einer Staatsküche originalgetreu nachbauen? Und überhaupt, das ist strafbar. Sie können froh sein, dass Ihre Kinder noch nicht in ein Heim eingewiesen worden sind.

Was, Sie wollen sich sogar dafür einsetzen, dass das Kochen zuhause gesetzlich erlaubt wird? Das wird ja immer schöner. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder für sich zuhause so kochen würde, wie er es für gut hält! Da würden ja einige fundamentalistische Gruppen sogar darauf bestehen, dass in ihrer Familie ihre religiösen Speisevorschriften befolgt werden. Das würde der Entwicklung religiöser Parallelgesellschaften geradezu Vorschub leisten. Wir haben als Kinder schliesslich auch alles gegessen, was man uns in der Staatsküche vorgesetzt hat. Und wenn wir nachher Bauchschmerzen hatten, dann war das nur eine angemessene Vorbereitung auf das wirkliche Leben, denn Bauchschmerzen gehören nun einmal zum wirklichen Leben.

Also wirklich, diese Selbstkocher gehörten alle eingesperrt. Und dann wagen sie es noch, die Erklärung der Menschenrechte für ihre extremen Positionen zu missbrauchen. Als ob ihr Elternrecht das Recht auf gesunde, staatlich geprüfte Ernährung ausser Kraft setzen würde. Und dazu operieren sie mit ausländischen Statistiken, wonach Kinder in den Ländern, wo zuhause Kochen erlaubt ist, gesünder seien. Die Situation jener Länder lässt sich doch überhaupt nicht mit der unsrigen vergleichen. Bei uns herrscht Ordnung und eine solide Ernährung. Dazu gehört, dass die Kinder lernen richtig zu essen, unter Aufsicht von staatlich geprüften Experten. Was andere Länder in dieser Hinsicht machen, geht uns doch gar nichts an. Dank der Staatsküchenpflicht sind wir heute ein fortschrittliches, einheitliches Land. Es lebe die Staatsküchenpflicht!

PS: Allfällige Ähnlichkeiten mit der aktuellen Diskussion um Schulpflicht und Homeschooling sind nicht zufällig, sondern beabsichtigt.