Posts Tagged ‘Überführung von Sünde’

Der grosse Beginn der neutestamentlichen Gemeinde (Apostelgeschichte 2)

29. April 2017

(Petrus sagte): ‚… So soll das ganze Volk Israel mit Gewissheit erkennen, dass Gott ihn zum Herrn und Gesalbten gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.‘
Als sie das hörten, wurden ihre Herzen [schmerzhaft] durchbohrt, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: ‚Was sollen wir tun, ihr Brüder?‘
Und Petrus sagte zu ihnen: ‚Kehrt um, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen von Jesus dem Christus zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr das Geschenk des Heiligen Geistes erhalten. Denn für euch ist die Verheissung und für eure Kinder und für alle, die ferne sind, so viele der Herr unser Gott zu ihm rufen wird.‘ Und mit vielen weiteren Worten bezeugte er feierlich und ermutigte sie: ‚Lasst euch retten aus dieser verkehrten Generation!‘ So nahmen sie bereitwillig sein Wort auf und liessen sich taufen; und an jenem Tag wurden etwa dreitausend Seelen hinzugetan.“
(Apostelgeschichte 2,36-41)

Lasst uns einige Kennzeichen der Urgemeinde ansehen, wie sie in diesem Abschnitt ersichtlich sind.

Die neutestamentliche Gemeinde besteht aus wiedergeborenen Christen.

Dieses Kennzeichen unterscheidet die neutestamentliche Gemeinde von allen Organisationen, Institutionen und Gruppen dieser Welt. Beobachten wir, wie Gott wirkte, um die erste Gemeinde zu begründen:

Zuerst goss er den Heiligen Geist über die hundertzwanzig versammelten Jünger aus. (Apg.2,1-6). Das geschah mit sicht- und hörbaren Zeichen, sodass die Menschen in Jerusalem erkennen mussten, dass es sich um ein Werk Gottes handelte.

Dann, nachdem Petrus diese Erscheinungen erklärt und die Auferstehung Jesu bezeugt hatte, wurden viele Anwesende von ihrer Sünde und ihrer Erlösungsbedürftigkeit überführt: „Als sie das hörten, wurden ihre Herzen [schmerzhaft] durchbohrt, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: ‚Was sollen wir tun, ihr Brüder?‘ “ (Apg.2,37) – In diesem Moment tat der Heilige Geist sein Werk an den Zuhörern, wie Jesus es in Johannes 16,8 versprochen hatte: „Und wenn er (der Heilige Geist) kommt, wird er die Welt überführen von Sünde, von Gerechtigkeit und vom Gericht …“
Worin genau besteht die Überführung von Sünde? – Jesus fährt weiter: „Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben.“ (Joh.16,9). – „An Jesus glauben“ ist viel mehr als nur glauben, dass er einmal lebte und für uns starb. Es ist viel mehr als nur verstandesmässig damit einverstanden zu sein, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Am Pfingsttag konfrontierte Petrus (unter der Leitung des Heiligen Geistes) seine Zuhörer mit zwei spezifischen Punkten:

1. „Diesen (Jesus) habt ihr genommen und von den Gesetzlosen beseitigen lassen, indem sie ihn ans Kreuz nagelten.“ (Apg.2,23)

2. „So soll das ganze Volk Israel mit Gewissheit erkennen, dass Gott ihn zum Herrn und Gesalbten gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ (Apg. 2,36)

Zuerst also machte der Heilige Geist die Anwesenden für den Tod Jesu verantwortlich. Das war eine ziemlich skandalöse Anschuldigung, denn das waren ja nicht die Anhänger der Priester, die mit ihnen zusammen geschrieen hatten: „Kreuzige ihn!“. Im Gegenteil, wir müssen annehmen, dass sich unter den Dreitausend von Pfingsten viele befanden, die vorher schon Jesus nachgefolgt waren und seine Worte gehört hatten. (Wir erinnern uns, dass Jesus bei einer Gelegenheit fünftausend Menschen zu essen gegeben hatte, die alle gekommen waren, um ihm zuzuhören.) Menschlich gedacht, hätten viele von ihnen Grund gehabt zu protestieren: „Aber ich war mit seiner Kreuzigung nicht einverstanden!“
Doch das Wort „durchbohrte ihre Herzen“. Gott zeigte ihnen, dass in einem gewissen Sinn sie alle mitschuldig waren am Tod Jesu. Jesus war für die Sünden der ganzen Welt gestorben, die deinen und die meinen. Wenn du und ich nicht gesündigt hätten, dann hätte Jesus nicht sterben müssen.
Die Überführung von Sünde, die der Heilige Geist bewirkt, geht viel tiefer als ein gelegentliches schlechtes Gewissen wegen einer Lüge oder weil man jemanden schlecht behandelt hat. Der Heilige Geist offenbart dir, dass jede einzelne dieser „kleinen Sünden“ dich am Tod Jesu mitschuldig macht.

Gab es einen Moment in deinem Leben, als du von dieser schrecklichen Wahrheit überführt wurdest? Hat dir der Herr schon die Augen geöffnet für den Zusammenhang zwischen deiner Sünde und dem Tod Jesu?

Punkt 2 hängt mit der Auferstehung zusammen. (Siehe die vorhergehenden Verse, Apg.2,30-35.) Aber das ist kein oberflächlicher Trost: „Gott sei Dank, nun ist alles wieder gut.“ Im Gegenteil, die Auferstehung Jesu offenbart den Zuhörern eine weitere grosse und erschreckende Wahrheit: Nun steht fest, dass Jesus wirklich der Herr ist, der verheissene Messias, der König des Universums. Er war nicht einfach irgendein Unschuldiger, der da am Kreuz hing. Er ist der König und Herr, dem wir alle Treue und Gehorsam schulden. Wir haben nicht nur seine Herrschaft ignoriert; wir haben ihn verraten und getötet!

Es überrascht daher nicht, dass die Zuhörer an jenem Tag zutiefst erschraken. Es ging nicht einfach um eine „kleine Entscheidung“, sich einer religiösen Gruppe anzuschliessen, oder „ein Übergabegebet zu sprechen“. Jene Dreitausend sahen sich vor dem Thron der allerhöchsten Majestät stehen, des Hochverrats angeklagt. Beim oberflächlichen Lesen stellt man das vielleicht nicht fest; aber ihre Frage „Was sollen wir tun?“ drückt äusserste Verzweiflung aus: Wir sind für ewig verloren. Gibt es noch irgendeine Möglichkeit, dem Gericht Gottes zu entrinnen und begnadigt zu werden?

Hast du je einmal einen Eindruck von der wahren Macht und Majestät Gottes erhalten? Ist dir wirklich bewusst, was es bedeutet, dass er DER HERR ist?

Wir sehen hier, dass die Praxis und Erfahrung vieler heutiger Kirchen, auch der Evangelikalen, weit vom Neuen Testament entfernt ist. Sünder werden aufgefordert, „ein Übergabegebet zu wiederholen“, obwohl sie noch keinerlei Überführung durch den Heiligen Geist erfahren haben und ihre Sünden nicht wirklich bereuen. In ihrem Eifer, neue Mitglieder zu gewinnen, bringen manche Prediger nicht die Geduld auf zu warten, bis der Heilige Geist sein Werk in einem Menschen tut (was Tage, Wochen, oder auch Monate dauern kann). So füllen sich die Kirchen mit unwiedergeborenen Namenschristen.
Wer wirklich vom Heiligen Geist überführt wurde, dem muss niemand sagen: „Komm nach vorne“ oder „Sprich mir dieses Gebet nach.“ Durch das Werk des Heiligen Geistes sieht sich diese Person bereits vor dem Thron Gottes. Sie wird von selber ausrufen: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“

Nun verstehen wir besser das grosse Gewicht der Antwort, die Petrus gibt: „Kehrt um!“ (Apg.2,38) Oder, nach dem wörtlichen Sinn übersetzt: „Ändert euer Denken radikal!“ Biblische Umkehr ist eine vollständige Änderung unserer Art zu leben, zu handeln und zu denken. Der „natürliche Mensch“, der nicht zur Umkehr gekommen ist, ist ein Bürger dieser Welt. Er dient dieser Welt, sich selber, und dem Teufel. „Umzukehren“ bedeutet, die Nationalität zu wechseln, nicht nur symbolisch, sondern ganz real. Es bedeutet, zu einem Bürger des Reiches Gottes zu werden und zu einem Diener des Königs, ganz unter seinem Befehl. Wie Jesus sagte: „Wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir. Denn jeder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; und jeder, der sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.“ (Matthäus 16,24-25). – Oder wie es Paulus ausdrückte: „Durch ihn (Jesus) ist mir die Welt gekreuzigt und ich der Welt.“ (Galater 6,14) – Zu einem geringeren Preis kann man nicht ins Reich Gottes eintreten.

Um es noch klarer zu sagen: Biblische Umkehr hat nichts mit religiösen Riten zu tun, auch nicht mit „Gottesdiensten“ und Worten der Anbetung, auch nicht mit der Mitgliedschaft in einer Institution, die sich „Kirche“ oder „Gemeinde“ nennt.
Biblische Umkehr bedeutet, mein ganzes Leben unter die Herrschaft Jesu zu stellen. Ich verzichte auf meine Art zu leben, und beginne so zu leben, wie Christus mir befiehlt. Ich verzichte auf meine Art, meiner Familie vorzustehen, und mache es so, wie Christus sagt. Ich verzichte auf meine Art, meine Kinder zu erziehen, und erziehe sie so, wie Christus sagt. Ich verzichte auf meine Art zu arbeiten und Geschäfte zu machen, und mache es so, wie Christus sagt. Ich verzichte auf meine Freunde und meine Art, mit ihnen umzugehen, und lasse den Herrn darüber entscheiden, mit wem ich mich zusammentun soll und wie ich sie behandeln soll. Ich verzichte auf meine Art der Freizeitgestaltung und mache mit meiner Freizeit, was der Herr sagt. Ich verzichte auf die Mittel dieser Welt für meinen Lebensunterhalt, und setze mein ganzes Vertrauen auf Gott als meinen Versorger. Ich verzichte auch auf meine Ideen darüber, was „Kirche“ oder „Gemeinde“ ist, und unterstelle mich den Anweisungen des Herrn für die Gemeinschaft unter seinen Nachfolgern.

All das und noch viel mehr ist inbegriffen in dem kurzen Wort: „Kehrt um!“

Die Urgemeinde bestand aus Menschen, die ihr Leben auf diese radikale Weise geändert hatten.

Petrus als Säule der Gemeinde (Matthäus 16)

8. März 2017

„Simon Petrus antwortete: ‚Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.‘
Da antwortete ihm Jesus: ‚Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas, denn nicht Fleisch und Blut hat dir das offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Und ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen; und die Tore des Hades werden nicht bestehen gegen sie. Und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreichs geben; und alles, was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein; und alles, was du auf Erden lösen wirst, wird im Himmel gelöst sein.“
(Matthäus 16,16-19)

Das ist eine weitere der ganz wenigen neutestamentlichen Stellen, wo das Wort „Gemeinde“ in den eigenen Worten Jesu erscheint. In den vorhergehenden Betrachtungen haben wir gesehen, dass der Herr Jesus die Gemeinde als Versammlung von Geschwistern im Konsens beschreibt, ohne hierarchische Unterschiede und ohne Klerikalismus. Angesichts dieses Konzepts der Gemeinde als eine einfache Bruderschaft ist es ziemlich offensichtlich, dass diese Lieblingsstelle der römischen Apologeten nicht zugunsten eines Papsttums ausgelegt werden kann. Eine solche Auslegung würde allen anderen Worten des Herrn widersprechen. Sie würde auch den Worten von Petrus widersprechen, der schrieb, der „Grundstein“ der Gemeinde sei Jesus selber (1.Petrus 2,4-8), und der sich selber als nicht mehr als einen „Mitältesten unter Ältesten“ beschrieb (1.Petrus 5,1).
Es handelt sich also in Matthäus 16,18-19 vielmehr um eine Verheissung des Herrn an Petrus persönlich, und sie bezieht sich auf die anfängliche „Erbauung“ der Gemeinde in der apostolischen Zeit.

Das war auch der Konsens der alten Kirche während der ersten vier Jahrhunderte. Die „Kirchenväter“, auf deren Schriften die römisch-katholische Tradition gegründet sein soll, hatten unterschiedliche Auslegungen von Matthäus 16,18-19; aber in einem Punkt stimmten sie alle überein: Diese Stelle hat nichts zu tun mit einem angeblichen „Nachfolger“ von Petrus. Ich zitiere einen Autor, der gründlicher über dieses Thema geforscht hat:

„Es überrascht einen, dass in den ersten beiden Jahrhunderten der Petrus-Text“ (Matth.16,18-20) „kaum zitiert wird. (…) Erst am Anfang des dritten Jahrhunderts berief sich ein nicht näher bezeichneter Bischof – es dürfte der römische Bischof Kallist gewesen sein – auf diese Stelle. (…) Tertullian wandte sich gegen die Anmassung des Bischofs, das Wort, das Jesus in persönlicher Weise an Petrus gerichtet habe, umzudeuten. Er schrieb: ‚Wie kannst du dich erdreisten, die offenkundige Absicht des Herrn, der dieses dem Petrus nur persönlich überträgt, umzustossen und zu verdrehen! ‚Auf dir‘, sagt er, ‚will ich meine Kirche bauen‘, und ‚dir will ich die Schlüssel geben‘, nicht der Kirche, und ‚was du binden und lösen wirst‘, nicht was sie lösen und binden werden.‘ („De pudicitia“ 21)
(…) Augustin überliess dem Leser die Entscheidung, ob sich der ‚Fels‘ in Matth.16,18 auf Petrus oder auf Jesus selbst bezieht. (Retract.I,20,2). Hieronimus denkt, dass der Fels sich auf Christus bezieht, denn der Name Petrus bedeute ‚Stein‘: ‚Wahrlich gegründet auf dem festen Fels, welcher Christus ist.‘ *
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass von 77 Kirchenvätern, die über den Matthäustext geschrieben haben, 17 denken, der Fels habe sich auf Petrus bezogen, 44 sehen in ihm den Glauben von Petrus und 16 meinen, Jesus habe sich damit selbst bezeichnet. Keiner der Väter aber hat diese Stelle auf die Bischöfe von Rom als Nachfolger von Petrus angewandt.
(…) Leo I. der Grosse (440-461) war der erste römische Bischof, der konsequent die Papstidee verfochten hatte. Auf Berufung von Matth.16,18 begründete er den römischen Primat …“
(P.H.Uhlmann, „Die Lehrentscheidungen Roms im Licht der Bibel“, Telos-Taschenbuch 402, 1984)

* (Im griechischen Original heisst Petrus „Petros“; aber das Wort für „Fels“ ist „petra“. Somit besteht keine Übereinstimmung, sondern nur eine Ähnlichkeit, zwischen „Petrus“ und „Fels“.)

Die Lieblingsidee der Verfechter des Papsttums kam also keinem der Schriftsteller der frühen Kirche in den Sinn, und gehört deshalb nicht einmal zur „Tradition“ der alten Kirche.

Lassen wir also diese späteren Erfindungen, und sehen wir, was wir aus unserem Text über die neutestamentliche Gemeinde schliessen können.

Wie wir schon gesehen haben, ist der Name „Petrus“ nicht gleich, sondern nur ähnlich wie das griechische Wort für „Fels“. In welcher Hinsicht konnte Petrus einem Fels ähnlich sein?

Jesus sagte diese Worte, nachdem Petrus zu ihm gesagt hatte: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Vers 16). – Jesus antwortet ihm: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas, denn nicht Fleisch und Blut hat dir das offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.“ (Vers 17).
Jesus sagt hier, dass es für Petrus menschlich unmöglich war, Jesus in seiner irdischen Gestalt als den Messias und Sohn Gottes zu erkennen. Nur aufgrund einer übernatürlichen Offenbarung Gottes war es möglich, dass Petrus diese Erklärung aussprach. Und nur aufgrund dieser übernatürlichen Offenbarung konnte Petrus „fest wie ein Fels“ werden, um die Last einer wichtigen Verantwortung in der Gemeinde zu tragen.

Das wird noch deutlicher, wenn wir vergleichen, was gleich nachher geschah. Jesus kündigt seinen Jüngern an, dass er leiden und sterben muss (Vers 21). Petrus tadelt ihn und sagt: „Herr, habe Mitleid mit dir; keinesfalls soll dir das geschehen!“ (Vers 22). – Jesus antwortet: „Hinweg von mir, satan! Du bist mir ein Stolperstein, denn du denkst nicht Göttliches, sondern Menschliches.“ (Vers 23).
In diesem Moment hatte Petrus nicht mehr aufgrund göttlicher Offenbarung geredet; er sprach aus seinem menschlichen Herzen und wollte den stellvertretenden Opfertod Jesu verhindern. Und damit war er kein „Stein“ oder „Fels“ mehr, sondern „satan“ und „Stolperstein“! – Seine Fähigkeit, Autorität in der Gemeinde zu tragen, hing ganz davon ab, ob er in der Offenbarung Gottes verblieb. Nicht Petrus als Person konnte mit einem „Fels“ verglichen werden; auch nicht Petrus als Inhaber eines besonderen Amtes oder einer besonderen Position. Einzig Petrus in seiner Bereitschaft, die übernatürliche Offenbarung Gottes zu empfangen, zu verstehen, und ihr zu gehorchen.

Diese Ansicht wird gestützt durch jene andere Stelle, wo Jesus einen Vergleich mit einem Felsen vornimmt, Matthäus 7,24-27: „Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den vergleiche ich mit einem weisen Mann, der sein Haus auf den Felsen baute.“ – Hier bedeutet der feste Felsengrund, die Worte des Herrn zu hören und zu tun. Petrus war „auf Fels gebaut“, solange er auf die Offenbarung Gottes hörte und dementsprechend handelte.

Hier glaube ich, dass wir ein wenig verallgemeinern dürfen. Die neutestamentliche Gemeinde hat als „feste Steine“ oder „Säulen“ (Galater 2,9) Menschen, die durch übernatürliche Offenbarung Jesus als den Messias und Sohn Gottes erkannt und anerkannt haben. Nicht Menschen, die ihn nur deshalb kennen, weil sie über ihn studiert haben, oder weil sie die Rituale und Ausbildungsgänge durchlaufen haben, die eine kirchliche Institution vorschreibt. Es gab zu jener Zeit viele Menschen, die Jesus „nach dem Fleisch“ kannten, die seine Wunder gesehen und seine Worte gehört hatten; aber nur wenige erkannten ihn auf die Weise, wie Petrus ihn erkannte. Seien wir vorsichtig: Unterordnen wir uns nicht leichthin Menschen, die „in ein Amt eingesetzt wurden“, ohne dass sie Jesus persönlich kennengelernt hätten durch eine Offenbarung Gottes.

Dieses Kennenlernen Jesu beginnt zuallererst mit der Überführung von der eigenen Sündhaftigkeit. So ging es Petrus bei einer seiner ersten Begegnungen mit Jesus: „Und als er es sah, fiel Simon Petrus vor die Kniee Jesu und sagte: ‚Geh weg von mir, Herr, denn ich bin ein sündiger Mensch!‘ Denn er war von Schrecken erfüllt worden, er und alle, die mit ihm waren …“ (Lukas 5,8-9). – Das war die erste übernatürliche Offenbarung, die Petrus empfing, und die ihn dazu führte, Jesus kennenzulernen: „Ich bin ein sündiger Mensch.“
Das ist kein Einzelfall; es ist ein allgemeines Prinzip. So sagt Jesus in Johannes 16,8: „Und wenn er (der Heilige Geist) kommt, dann wird er die Welt überführen von Sünde, von Gerechtigkeit und vom Gericht …“ – Das erste Werk des Heiligen Geistes in einem Menschen besteht darin, ihn von seiner Sündhaftigkeit zu überführen. Niemand kann ehrlicherweise behaupten, Jesus zu kennen, solange er nicht diese Erfahrung einer tiefen Überführung von seiner eigenen Sünde gemacht hat.
Diese Überführung ist nicht ein intellektuelles Bejahen der Aussage, dass „wir alle Sünder sind“. Im Gegenteil: Menschen, die so etwas sagen, sind oft jene, die ihre Sünde allzu leicht nehmen. Allzu viele nehmen diese Aussage als Entschuldigung, um weiterhin unbekümmert die Sünde in ihrem Leben zuzulassen.
Echte Überführung von Sünde ist begleitet von einer intensiven Gottesfurcht, und von dem tiefen Bewusstsein der Verlorenheit, und dass man das Gericht Gottes voll und ganz verdient hat. So wie Jesaja ausrief: „Wehe mir! Ich bin verloren! Denn ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen, und wohne inmitten eines Volkes, das unreine Lippen hat, und meine Augen haben den König gesehen, den Herrn der Heerscharen!“ (Jesaja 6,5) Wer nie eine ähnliche Bedrängnis erlebt hat aufgrund seiner eigenen Verlorenheit, der hat Gott nicht wirklich kennengelernt.

Nicht weniger bedeutungsvoll ist der letzte Vers in der Geschichte vom wunderbaren Fischfang: „Und als sie die Schiffe an Land gebracht hatten, liessen sie alles zurück und folgten ihm. (Lukas 5,11). Es ist nicht möglich, Jesus nachzufolgen, ohne die Verbindungen zum alten Leben definitiv durchzuschneiden. Um Jesus nachzufolgen, liessen Petrus und die anderen Jünger ihre Arbeit hinter sich, ihre Eltern, ihre Freunde, auch den Ort, wo sie aufgewachsen waren und lebten. Auch in dieser Hinsicht ist Petrus ein Beispiel für alle Gläubigen nach ihm.
Ich habe mehrere Personen kennengelernt, die daran interessiert waren, sich zu Jesus zu bekehren. Einige von ihnen waren bereits einer Kirche beigetreten. Aber während ihr Interesse an Jesus ernsthafter wurde, begann der Herr seinen Finger auf eine bestimmte Sache in ihrem Leben zu legen, die sie aufgeben mussten. Nicht dass irgendein Prediger oder irgendeine andere Person ihnen gesagt hätte, sie müssten diese Sache aufgeben. Sie selber begannen darüber nachzudenken, weil der Herr anfing, Überführung von Sünde in ihnen zu wirken. Traurigerweise waren die meisten dieser Menschen nicht dazu bereit, diese bestimmte Sache loszulassen, die der Herr ihnen gezeigt hatte. So gelangten sie nie zu einer echten Bekehrung.
Möglicherweise befindet sich die Mehrheit der gegenwärtigen Kirchenmitglieder in einer ähnlichen Situation. Sie interessieren sich für Jesus, sie bezeichnen sich als „Christen“ und nehmen an den Anlässen ihrer Kirche teil; aber sie gelangen nicht zur Wiedergeburt, weil sie ihr altes Leben nicht hinter sich lassen.
Einige machen unehrliche Geschäfte, die ihnen einen guten Gewinn einbringen, und wollen nicht darauf verzichten. Andere haben eine Liebesbeziehung mit jemandem, der den Herrn nicht liebt, oder sind sonstwie mit jemandem verbunden auf eine Weise, die sie daran hindert, dem Herrn nachzufolgen. Einige sind nicht dazu bereit, heidnische Gebräuche hinter sich zu lassen, die in ihrer Familie praktiziert werden. In anderen Fällen ist es die weltliche Schule, an die sie ihre Kinder schicken, ohne darüber nachzudenken, dass diese Schule ihre Kinder zu Gottesverächtern macht. Wieder in anderen Fällen geht es um Dinge, die nicht einmal an sich schlecht sind, wie z.B. gewisse zeitraubende Hobbies, gewisse Freundschaften, eine Arbeitsstelle – oder sogar ein kirchliches Amt. Aber wenn Gott jemandem zeigt, dass er etwas davon aufgeben sollte, um seinen Ruf zu erfüllen, dann muss er es tun. Das kann bei jeder Person wieder eine andere Sache sein. Aber jeder hängt an gewissen Dingen in seinem Leben, die er aufgeben muss, wenn der Herr ihn ruft.
In Matthäus 16 fährt Jesus fort: „Wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir. Denn jeder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; und jeder, der sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.“ (Matthäus 16,24-25). Die neutestamentliche Gemeinde besteht aus Menschen, die darauf verzichteten, ihr eigenes Leben zu leben.