Posts Tagged ‘Wunderlich’

Familie Wunderlich erneut vor Gericht

15. April 2015

Die Familie Wunderlich, deren Kinder im Jahre 2013 in einer gewaltsamen und widerrechtlichen Polizeiaktion von zuhause entführt wurden, wird sich wiederum vor Gericht verantworten müssen, weil sie ihre Kinder weiterhin in der idealen und von Gott bestimmten Umgebung aufziehen, nämlich in der Familie, statt sie den verrohenden und antichristlichen Einflüssen der Schule auszusetzen.

Wunderlichs schreiben:

„Der Termin zur Hauptverhandlung vor dem Strafrichter ist bestimmt auf den Dienstag, 28. April 2015 (9:45 Uhr), im Saal 5 des Amtsgerichts Darmstadt, Mathildenplatz 15 (200m vom Luisenplatz, Darmstadts Mitte, entfernt).
(…)
Strafprozesse sind in der Regel öffentlich, d. h. jeder Interessierte kann als Zuschauer an der Verhandlung teilnehmen. Eine rege Teilnahme von Prozeßbeobachtern kann sich jedenfalls nur förderlich auswirken, weshalb wir uns über eine solche grundsätzlich freuen würden. All diejenigen, die nicht an dem Prozeß teilnehmen können, haben außerdem die Möglichkeit der Fürbitte und des Gebets, über dessen reichlichen Gebrauch wir uns ebenfalls freuen.“

Was wird ihnen vorgeworfen? – „Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht“. Eine Familie, die bewiesen hat, dass sie für die Erziehung ihrer Kinder ein weit grösseres Mass an Zeit und Aufwand opfert als die meisten anderen Familien; eine Familie, die bereit ist, Verfolgung und Gefängnis auf sich zu nehmen (wie in anderen Homeschooling-Fällen schon geschehen) um des Rechtes willen, ihre eigenen Kinder zu erziehen – gerade diese Familie wird der „Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht“ angeklagt. Absurder geht es wirklich nicht mehr.

Ich muss annehmen, dass die Bürokraten, die hinter einer solchen Anklage stehen, allesamt Nachkömmlinge der 68er-Bewegung sind – also der Geistesrichtung, die dafür verantwortlich ist, dass die Mehrheit der gegenwärtigen Generation unerzogen aufwächst und sich entsprechend unerzogen benimmt. Infolgedessen wissen diese Bürokraten offenbar gar nicht mehr, was „Erziehung“ überhaupt ist, und missbrauchen jetzt dieses Wort sogar, um den letzten Rest von echter Erziehung auszurotten, der auf deutschem Boden noch übriggeblieben ist.

Was für eine Zukunft einer Gesellschaft blüht, die so handelt, kann u.a. hier nachgelesen werden.

Advertisements

Familie Wunderlich erhält Sorgerecht zurück: Kindeswohl nur in Deutschland gefährdet

4. September 2014

Ein Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt vom 15.August hat der Familie Wunderlich das komplette Sorgerecht für ihre Kinder zurückgegeben. Das ist meines Wissens das erste Mal, dass eine deutsche Behörde die Unrechtmässigkeit staatlicher Vollzugs- (und Gewalt-)Massnahmen gegen Homeschooling-Familien anerkennt. Damit ist ein erster Schritt hin zu einer ordentlichen Rechtsstaatlichkeit getan worden.

Das heisst nun aber noch lange nicht, dass damit auch das Recht der Eltern anerkannt worden sei, ihre Kinder selber zu erziehen und auszubilden. Wie in der Presseerklärung über diesen Beschluss ausgeführt wird, missachtet das Gericht weiterhin die diesbezüglichen Bestimmungen in den internationalen Verträgen, die auch von Deutschland unterzeichnet worden sind. Ja, es hält sogar weiterhin daran fest, das Wohl der Kinder sei „gefährdet“, solange sie sich nicht dem deutschen Schulzwang unterwerfen.

Warum hat das Gericht dann trotzdem entschieden, den Eltern das Sorgerecht zurückzugeben?

Ein Grund scheint darin zu liegen (wie ich aus der Presseerklärung schliesse), dass hier ausnahmsweise einmal anerkannt worden ist, wie unverhältnismässig das staatliche Vorgehen gegen die Familie Wunderlich war: gewaltsame Verschleppung der Kinder; Auferlegung von Kosten im fünfstelligen Bereich; Wegnahme der Pässe, um der Familie die Ausreise aus Deutschland zu verunmöglichen. Notorische Schuleschwänzer, die überhaupt keine Ausbildung erhalten, werden ja nicht so brutal behandelt!

Ein zweiter Grund ist aber ironischerweise genau der, der das Jugendamt und das Familiengericht Darmstadt ursprünglich dazu bewogen hatte, den Wunderlichs das Sorgerecht zu verweigern: nämlich ihr offen angekündigter Plan, nach Frankreich auszuwandern. Solche „Republikflucht“ müsse unbedingt verhindert werden, meinten damals die Darmstädter Richter. Dagegen stellt das Oberlandesgericht fest:

„Hingegen kann der Senat in der Planung der Kindeseltern, mit ihren Kindern ihren Wohnsitz dauerhaft nach Frankreich zu verlegen, keine Kindeswohlgefährdung erkennen. […] Unterliegen die Kinder aber durch eine Verlegung ihres Wohnsitzes nicht mehr der deutschen Schulpflicht, ist eine Einschränkung der elterlichen Rechte unter keinem Gesichtspunkt gerechtfertigt.

Damit hat das hohe Gericht indirekt festgestellt, dass das Kindeswohl von zuhause ausgebildeten Kindern nur in Deutschland gefährdet ist und nirgendwo sonst. Bleibt zu hoffen, dass man irgendwann auch zur Einsicht kommt, dass folgerichtig die Gefährdung vom deutschen Staat ausgeht und nicht von den Eltern. Und dass man die Wunderlichs dieses Mal in Frankreich unbehelligt lässt und nicht von Deutschland aus versucht (wie schon einmal geschehen), sogar dort noch französische Beamte anzuweisen, die deutsche Schulpflicht durchzusetzen.

Wie die Gehirnwäsche im kommunistischen Deutschland funktioniert

4. August 2014

Leider etwas spät fand ich diesen offenen Brief von Dirk Wunderlich, dem Vater der deutschen Familie, der schon seit längerem die Ausreise nach Frankreich verweigert wird, und die ausserdem Opfer gewalttätiger Übergriffe von seiten deutscher Behörden geworden ist:

http://www.freiewelt.net/wie-laut-soll-ich-denn-noch-schreien-oder-die-schulpflicht-der-staat-und-der-tod-10036017/

Wunderlich analysiert darin eingehend, wie Deutschland 1968 eine (von der sogenannten „Frankfurter Schule“ initiierte) Kulturrevolution erlebte, und im Zuge der daraufhin einsetzenden allgemeinen Gehirnwäsche immer mehr zu einem Orwellschen Unrechtsstaat geworden ist. Es versteht sich von selbst, dass die Schulen ein entscheidendes Element dieser Gehirnwäsche sind, und dass von daher die Machthaber insbesondere die Schulpflicht mit brutaler und unverhältnismässiger Gewalt durchsetzen.

Dass die meisten Deutschen gar nicht bemerkt haben, dass diese Revolution stattgefunden hat, ist bei näherem Zusehen gar nicht so verwunderlich. Die Umstürzler haben aus den Erfahrungen des Sowjetkommunismus gelernt und wissen jetzt, dass es mehr Erfolg verspricht, ihre Revolutionen mittels allmählicher „Umerziehung“ des Volkes durchzuführen statt mit direkter Gewalt. „Der lange Marsch durch die Institutionen“ wurde diese verdeckte Operation von der „Frankfurter Schule“ genannt. Offenbar ist dieser lange Marsch jetzt an seinem Ziel angekommen, bevor es die meisten Deutschen überhaupt bemerkt haben.

Man vergleiche dazu den Fall Venezuela. Ausländische Beobachter erkannten ziemlich bald nach der Wahl von Hugo Chavez, dass er das Land allmählich in eine kommunistische Diktatur umgestaltete. Den Venezolanern selber ist das aber mehrheitlich erst in den letzten Jahren klargeworden, und einige haben es immer noch nicht bemerkt. (Als Chavez noch lebte, wurde er z.B. in mehreren evangelikalen Internet-Diskussionsforen als „Christ“ bezeichnet.) Wenn man selber das Ziel unterschwelliger Gehirnwäsche ist, dann bemerkt man das eben viel später als ein Aussenstehender – oder überhaupt nicht. Genau dasselbe geschieht anscheinend in Deutschland.

Es gab zwar einige wenige Warner (z.B. der dieses Jahr verstorbene Theologieprofessor Georg Huntemann), aber sie wurden anscheinend nicht ernst genommen. Man vergleiche auch den aufschlussreichen Artikel „60 Jahre DDR“.

Traurigerweise spürt man aus dem Brief der Wunderlichs auch die Verzweiflung einer Familie, deren psychische und physische Widerstandskraft durch den Staatsterror gezielt zerstört wurde. Und es gibt niemanden in Deutschland, der dagegen aufschreit?! Der Verdacht liegt nahe, dass die gegenwärtige Verfolgung christlicher Familien in Deutschland (schätzungsweise mindestens zwanzig Fälle in den letzten zehn Jahren) nur ein „Probelauf“ an einer gesellschaftlich isolierten Randgruppe ist (mehrheitlich „Homeschooler“), um zu erproben, wie weit man gehen kann, ohne dass die Allgemeinheit anfängt zu protestieren. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, immer weiter reichende Gruppen von Christen auf dieselbe Weise gesellschaftlich zu isolieren (indem sie z.B. von der Evangelischen Allianz und verwandten Organisationen als „Fundamentalisten“ u.ä. beschimpft werden), sodass man nach erfolgreichem „Probelauf“ zu einer allgemeinen Christenverfolgung übergehen kann. Ein vereinter Protest zumindest des „evangelikalen“ Sektors könnte diese Entwicklung eventuell noch aufhalten; aber anscheinend hat man daran kein Interesse. Bis jetzt ist mir im deutschsprachigen Raum keine einzige evangelikale Gemeinde oder Gemeindeverband bekannt, und auch kein übergemeindliches Werk, das sich für verfolgte Christen in Deutschland einsetzen würde. Sollte mein Verdacht zutreffen, so werden sich die evangelikalen Organisationen bald vor die Wahl gestellt sehen, sich entweder der Staatsideologie völlig zu unterwerfen (was sie ja ohnehin zunehmend schon tun), oder aber selber verfolgt zu werden.


Zusatz für jene Leser, die über den „Fall Wunderlich“ nicht informiert sind:
Die Familie Wunderlich lebte längere Zeit in Frankreich, musste aber 2012 arbeitshalber nach Deutschland zurückkehren. Doch schon bald nach ihrer Ankunft wurde ihnen das Sorgerecht für ihre vier Kinder entzogen, weil sie aus christlicher Verantwortung ihre Kinder selber erzogen und ausbildeten. Den Kindern wurden die Pässe weggenommen, um eine Rückkehr der Familie nach Frankreich zu verhindern. Im Jahre 2013 überfiel ein Aufgebot von 40 Polizisten das Heim der Wunderlichs und verschleppte die Kinder an einen unbekannten Ort. Nach einem längeren juristischen Seilziehen durften die Kinder zwar nach Hause zurückkehren, aber nur unter der Auflage, dass sie eine staatliche Schule besuchen würden; und der Familie wurde gerichtlich die definitive Wegnahme der Kinder angedroht für den Fall, dass sie Deutschland verlassen würden. Das Sorgerecht und die Pässe der Kinder haben sie bis jetzt nicht zurückerhalten. Diese Familie wird also nach bewährter DDR-Tradition in ihrem eigenen Land gefangengehalten, nur weil sie in ein Land ziehen möchten, wo sie ihre elterlichen Rechte frei ausüben dürfen. Für dieses Ansinnen wurden sie in Deutschland ihrer Elternrechte sowie ihres Menschenrechts auf Freizügigkeit beraubt, und sowohl Eltern wie Kinder stehen in Gefahr, der Freiheit überhaupt beraubt zu werden. So ist es um die „Rechststaatlichkeit“ im Deutschland des 21.Jahrhunderts bestellt.

Siehe dazu auch die Presseerklärung vom Dezember 2013.

China bereits freier als Deutschland?

25. Oktober 2013

In einem früheren Artikel habe ich gemutmasst, dass in nicht allzuferner Zukunft China die westlichen Länder auch hinsichtlich Freiheit und Menschenrechten zurechtweisen müsse. Das fängt jetzt tatsächlich an zu geschehen. Zwar noch nicht auf offizieller Ebene, aber in einem privaten Blog-Kommentar. Auf der Seite http://wunderlich-children.com hat ein Chinese einen Kommentar eingestellt, der in deutscher Übersetzung wie folgt lautet:

„Uns in China liegt es daran, dass die Wunderlich-Kinder freigelassen werden. Das ist eine traurige Situation, wenn ein beschäftigtes Regierungsamt seine Zeit darauf verschwenden muss, kleine Kinder zu traumatisieren, statt seine Pflicht zu erfüllen, jenen Familien zu helfen, die wirklich ihre Kinder vernachlässigen oder missbrauchen.

Wir dachten, Deutschland sei ein hochentwickeltes Land. Ist (dieses Land) derart paranoid, dass es nicht tolerieren kann, wenn Eltern ihre eigenen Kinder in einer liebenden Umgebung lehren? Die meisten entwickelten Länder verstehen, dass Homeschooling eine Eins-zu-Eins-Situation oder zumindest eine Mentoring-Situation ist. Das ist grossartig, um die Fähigkeiten zum kreativen Problemlösen und zum kritischen Denken zu entwickeln. Warum sollte eine Nation davor Angst haben? Es würde Eure Nation stärken. Ihr solltet die Eltern dazu ermutigen, sich mehr um das Leben ihrer Kinder zu kümmern. Die Untersuchungen zeigen beständig, dass dies die besten Studenten hervorbringt.

Wir bildeten unsere Kinder zuhause aus, und jetzt sind sie an der Universität und erhalten die höchsten Ehren und Bestnoten. Warum sollte man davor Angst haben? (…)

Sun Bao Ling“

Tatsächlich erlebt China – obwohl immer noch offiziell ein kommunistisches Land – anscheinend den Beginn eines Homeschooling-Booms, der von den Behörden stillschweigend toleriert wird. So berichtet Rachel Terry im März 2012 nach einem China-Aufenthalt: (Original-Artikel bei http://www.kgnw.com/homeschool/11689022/)

„Im Jahre 2005 veröffentlichte China Daily ein Interview mit einem Lehrer am Baiyun-Institut in Guangzhou, der seine neunjährige Tochter zuhause ausbildete. Der Vater, Wei Yuan, sagte, er hätte sich dazu entschieden, weil die Lehrmethoden der Schule „veralbernd“ seien. „Die Kinder müssen ihre Additionen wieder und wieder wiederholen, und es wird ihnen nicht erlaubt, sich offen in Aufsätzen auszudrücken.“

Der inzwischen berühmte Han Han kann sich damit identifizieren. Seine Eltern erlaubten ihm, die Sekundarschule abzubrechen, die in China strenger ist als in den USA. Die Schulen wussten nicht, was sie mit Han Han anfangen sollten. Als er noch in der Schule war, gewann er den ersten Preis in Chinas landesweitem Schreibwettbewerb, fiel aber im selben Schuljahr in sieben Fächern in der Jahresabschlussprüfung durch.

Nachdem er die Schule verlassen hatte, begann er wie wild zu schreiben. Von seinem ersten Roman, „Die dreifache Tür“, wurden über zwei Millionen Exemplare verkauft. Es ist damit Chinas meistverkauftes literarisches Werk der letzten zwanzig Jahre. Ein anderer seiner Romane wurde in Hollywood verfilmt. (…) Han Han gedeiht offenbar, ohne eine traditionelle chinesische Bildung erhalten zu haben. Die Leute sprechen darüber und verwundern sich.“

Obwohl Homeschooling von Gesetzes wegen in China einer strengen Bewilligungspflicht unterliegt, gehen die Behörden anscheinend selten gegen Familien vor, die ohne Bewilligung ihre Kinder zuhause ausbilden. Gemäss dem oben zitierten Artikel hat es zwar einige wenige Gerichtsfälle gegeben, aber keinen Fall, in welchem die Behörden ein zuhause ausgebildetes Kind gezwungen hätten, zur Schule zu gehen. Im Juli dieses Jahres hat sogar China Radio International wohlwollend über die chinesische Homeschooling-Bewegung berichtet.

Gemäss einem kürzlichen Bericht im renommierten „Wall Street Journal“ meldeten sich auf eine Internetumfrage eines Forschungsinstituts in Beijing 18’000 Eltern, die sich zum Homeschooling entschieden hatten. (Nach anderen Quellen werden in China bereits 18’000 Kinder tatsächlich zuhause ausgebildet.) 54% der Eltern begründeten ihre Entscheidung damit, sie seien nicht einverstanden mit der strengen Lehrphilosophie der traditionellen Schulen. 6% gaben religiöse Gründe an, darunter viele Christen.

Die Umfrage fand auch, dass in China mindestens 100’000 Kinder keine traditionellen Schulen besuchen, sondern private Alternativschulen verschiedenster Ausrichtungen, inbegriffen kirchliche Schulen. Eine bemerkenswerte Bildungsvielfalt und -freiheit für ein „kommunistisches“ Land!

Bildungsfreiheit ist ein wesentlicher Indikator für den allgemeinen Grad der Freiheit, die ein Land geniesst. Zumindest nach diesem Indikator gemessen, ist China offenbar bereits ein freieres Land als z.B. Deutschland oder Schweden.

– Nur so aus Neugier habe ich nebenbei ein paar Statistiken über einen anderen klassischen Freiheitsindikator angesehen, nämlich die Bedingungen, die der Staat der Privatwirtschaft auferlegt (also die wirtschaftliche Freiheit). Siehe z.B. http://data.worldbank.org/topic/private-sector. In dieser Hinsicht sind gegenwärtig die Bedingungen in Deutschland (noch) günstiger als in China. Es fällt aber auf, dass in praktisch allen Bereichen die Freiheit in China rapide zunimmt, während sich in Deutschland die Bedingungen nur zögerlich verbessern, oder sich sogar verschlechtern. So hat z.B. zwischen 2008 und 2012 in Deutschland der durchschnittliche Zeitaufwand für einen Unternehmer zugenommen, die steuerlichen Formalitäten zu erledigen, während er in China um 23% abgenommen hat. – Der durchschnittliche Gesamtsteuerfuss für Unternehmen ist gemäss den Weltbank-Daten zwischen 2008 und 2012 in Deutschland von 50,5% auf 46,8% gesunken (3,7 Prozentpunkte), in China aber im selben Zeitraum von 79,9% auf 63,7% (16,2 Prozentpunkte). Rechnet man die Daten hoch, so findet man, dass ca. ab 2020 die steuerlichen Bedingungen für Unternehmer in China voraussichtlich besser sein werden als in Deutschland, falls sich die gegenwärtigen Tendenzen in derselben Weise fortsetzen. Auch dieser Indikator bestärkt also die Annahme, dass freiheitsliebende Menschen bald in China besser aufgehoben sein werden als in Deutschland.

„Du sollst den Namen des HERRN nicht missbrauchen“

6. Oktober 2013

„Sie reden in meinem Namen, aber ich habe sie nicht gesandt“, sagte Gott über die falschen Propheten. Es ist anzunehmen, dass er dasselbe über ein gewisses Internetportal zu sagen hätte, das sich ganz unverschämt „Jesus.de“ nennt. Nicht nur dürfte es den Betreibern schwerfallen, ein göttliches Mandat zur Vertretung der Person Jesu im Internet nachzuweisen; sondern die dort veröffentlichten Nachrichten und Kommentare verherrlichen auch zu einem grossen Teil nicht Jesus, sondern verhandeln blosse weltliche Kirchenpolitik. Das ist ein eklatanter Verstoss gegen das dritte Gebot (Missbrauch des Namens Gottes).

Es gibt auf jenem Portal zwar eine ausführliche Sektion mit dem Titel „Fast alles über Jesus“. Aber was für ein „Evangelium“ wird da verkündet? – Zitat:

„Gott ist bereit, die Verantwortung für deine Schuld zu übernehmen. Eigentlich hat er es schon damals am Kreuz vor den Toren Jerusalems getan und es kann auch für dein Leben Wirkung haben – aber nur, wenn du es zulässt.
(…) Gott sein Leben anzuvertrauen ist wie zu seinem liebenden Menschen zu gehen und sich in seinen Schoß zu setzen. Das kann zum Beispiel ein einfaches Gebet sein, in etwa so:
Gott,
ich möchte dir mein Leben anvertrauen. Bitte trage du die Verantwortung für meine Schuld.
Hefte du alles, wo ich je an dir und an anderen Menschen schuldig geworden bin, und sicherlich auch noch schuldig werde, an das Kreuz von Golgatha. (…)“

Zuerst einmal fällt auf, dass hier die Bedeutung und die Wirkung des Opfers Jesu ganz in das Belieben des Menschen gestellt wird. Die Erlösung wird lediglich als ein „Angebot“ dargestellt (so weiter oben im Text), das der Mensch „annimmt“ bzw. „zulässt“. Damit werden die Rollen vertauscht: Der Mensch befiehlt, Gott gehorcht. Aber Jesus und seine Apostel haben nie die Menschen dazu aufgerufen, „ein Angebot anzunehmen“! Vielmehr riefen sie dazu auf, von der Sünde umzukehren und sich der Herrschaft Jesu zu unterstellen. (Matth.4,17; Lukas 24,47; Apg.2,36-40; 7,51-53; 10,42-43; 14,15; 17,30-31; 26,18-20; u.a.) Im biblischen Evangelium geht es nicht darum, ob ich mich dazu herablasse, gnädigerweise Gott und sein Angebot „anzunehmen“. Im Gegenteil, es geht darum, ob Gott mich annehmen kann!

Schockierend ist zudem die Aussage, dass Gott „die Verantwortung für meine Schuld“ übernähme. „Verantwortung übernehmen“ bedeutet doch: Für das eigene Verschulden geradestehen; die Sünde bekennen statt sie zu leugnen; und davon umkehren. Also genau das, was Gott von mir erwartet, damit er mich annehmen kann. Aber jesus.de stiftet seine Leser dazu an, Gott die Verantwortung zuzuschieben. Etwa so wie Adam, der auf Gottes Frage „Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?“, nicht mit einem schlichten „Ja“ antworten konnte. Stattdessen sagte er: „Die Frau, die du mir gegeben hast, hat mir von dem Baum gegeben.“ Mit anderen Worten: „Ich bin nicht verantwortlich; du bist schuld, dass ich gesündigt habe.“ Ja, der in Sünde gefallene Adam wäre ein vorbildlicher Christ nach der jesus.de-Theologie.
Das oben zitierte „Übergabegebet“ (es ist an sich schon eine unbiblische Lehre, dass man durch das Sprechen eines „Übergabegebets“ zu einem Christen würde) lehrt ausserdem den an Jesus interessierten Sünder, von vornherein mit weiterem fortgesetztem Sündigen zu rechnen. Das ist billige Gnade in Reinkultur. Eine Erlösung von der Macht der Sünde gibt es in diesem „Evangelium“ nicht. Im Gegenteil: Man sündigt fröhlich weiter und macht sogar noch Gott dafür verantwortlich. Dann kann man also, wie seinerzeit eine deutsche „Bischöfin“, betrunken am Steuer durch die Gegend rasen und sagen: „Macht nichts, Gott trägt die Verantwortung dafür“? – Nein, das hat Frau Kässmann nicht gesagt. Sie hat nach dem Vorfall zugegeben, dass sie für ihr Verschulden verantwortlich war, und ist folgerichtig von ihrem Amt zurückgetreten. Damit hat sogar diese erzliberale, modernistische Theologin mehr Integrität bewiesen, als die jesus.de-Theologie einem Christen für zumutbar hält.

Noch bedenklicher wird die Sache, wenn man in Betracht zieht, was alles in diesem falschen „Evangelium“ nicht vorkommt. Da steht kein Wort davon, dass ein Christ dem Vorbild Jesu folgt (1.Joh.2,6), seine Gebote hält (1.Joh.2,3-5), die Welt nicht lieb hat (1.Joh.2,15-17), sein Leben verliert um Jesu willen (Matth.16,24-26) – kurz, sich Jesus als dem absoluten HERRN unterstellt. In diesem falschen Konzept von Bekehrung findet kein Herrschaftswechsel statt. Trotz allem Gerede von „Gott sein Leben anzuvertrauen“ bleibt in Tat und Wahrheit der sündige Mensch weiterhin auf seinem eigenen Thron sitzen.

Um ganz sicherzugehen, dass ich nichts übersehen habe, habe ich auf der erwähnten Website mehrere Global-Suchen nach „Herrschaft Jesu“ und verwandten Begriffen durchgeführt. Kein Ergebnis. Nirgendwo auf dieser Website wird etwas darüber gesagt, was es bedeutet, dass Jesus der HERR über alles ist, oder dass ein Christ Jesus gehorcht.

Auch in der Berichterstattung zum „Fall Wunderlich“ wird deutlich, dass die Betreiber dieses Portals die Souveränität Jesu als HERR nicht anerkennen. Da wird unkritisch und einseitig die beschönigende Darstellung der Behörden übernommen, und die Familie Wunderlich als Gesetzesbrecher hingestellt. Die Sichtweise der betroffenen Familie kommt dagegen überhaupt nicht zur Sprache. Ebensowenig kommt zur Sprache, wem im Konfliktfall zu gehorchen sei: Gott oder der weltlichen Obrigkeit? (Apg.5,29) Und aus den Leserkommentaren ist ersichtlich, dass anscheinend die Mehrheit der Leser die Anschauungen der Redaktion teilt. Das ist kein gutes Omen für die Zukunft eines biblischen Christentums in Deutschland. Was ist davon zu halten, wenn ein „christliches“ Medium über eine christliche Familie ausschliesslich vom Standpunkt ihrer Feinde aus berichtet? Wird sich die deutsche Geschichte in baldiger Zukunft wiederholen?

Wie würde sich das ausnehmen, wenn über die Verfolgung von Christen in anderen Ländern wie z.B. China ebenso einseitig aus der Sichtweise des Staates berichtet würde? Etwa so:

„Vergangene Woche wurde der chinesische Dissident Li Sheng (Name frei erfunden) verhaftet und in einem summarischen Verfahren zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er fortgesetzt illegale Versammlungen abgehalten hatte. Nach Auskunft der zuständigen Behörde war dieser Schritt unumgänglich geworden, nachdem Li jahrelang entsprechende Verwarnungen missachtet hatte. Er hatte in seiner Unnachgiebigkeit sogar das Kompromissangebot ausgeschlagen, sich der gesetzlich zugelassenen Drei-Selbst-Kirche anzuschliessen. Bei der Verhaftung sei es ruhig und ordentlich zugegangen, und eine angebrachte Behandlung des Häftlings sei sichergestellt, informierte der zuständige Beamte.“

Und dazu noch einige „christliche“ Leserkommentare wie:

„Recht so! Diese Gesetzesbrecher gehören alle eingesperrt. Wem sogar die Kirche noch zuwenig fromm ist, der muss ja gefährlich extreme Anschauungen haben.“

Oder:

„Unglaublich, dass sich sogar Christen dazu hergeben, die staatlichen Gesetze zu missachten. Hat dieser Herr noch nie davon gehört, dass man sich der Obrigkeit unterordnen soll (Römer 13,1)? Offensichtlich gehört er einer sektiererischen Randgruppe an. In diesem Zusammenhang von ‚Christenverfolgung‘ zu sprechen, ist eine Verleumdung der chinesischen Regierung.“

Den Christen der ersten Jahrhunderte war es sonnenklar, dass Christsein bedeutet, Jesus als HERRN über alle Lebensbereiche und über alle weltlichen Machthaber anzuerkennen. Deshalb weigerten sie sich, bestimmte Bürgerpflichten wie z.B. das vorgeschriebene Weihrauchopfer an den Kaiser zu erfüllen. Der christliche Apologet Francis Schaeffer erklärt hierzu:

„Wir dürfen nicht vergessen, warum die Christen getötet wurden. Sie wurden nicht getötet, weil sie Jesus anbeteten. In der römischen Welt gab es zahlreiche verschiedene Religionen. (…) Niemand kümmerte sich darum, was man anbetete, solange der Anbetende nicht die Einheit des Staates störte, deren Mittelpunkt die formale Anbetung des Kaisers war. Die Christen wurden getötet, weil sie Rebellen waren. (…) Was die Cäsaren nicht tolerieren wollten, war die Exklusivität, mit der sie nur den einen Gott anbeteten. Das galt als Landesverrat. (…) Hätten sie Jesus und Cäsar angebetet, wäre ihnen nichts geschehen (…)
Wir können den Grund, warum die Christen verfolgt wurden, auch auf eine andere Weise ausdrücken: Keine totalitäre Autorität, kein autoritärer Staat kann diejenigen tolerieren, die einen absoluten Massstab besitzen, nach dem sie diesen Staat und seine Handlungen beurteilen. Die Christen hatten einen solchen absoluten Massstab in der Offenbarung Gottes. Weil die Christen einen absoluten, universal gültigen Massstab hatten, nach dem sie nicht nur die persönliche Ethik, sondern auch das Verhalten des Staates beurteilen konnten, galten sie als Feinde des totalitären Roms und wurden den wilden Tieren vorgeworfen.“
(Aus Francis Schaeffer, „Wie können wir denn leben?“)

Genau diese Situation haben wir auch heute wieder. Es herrscht ein Anschein von Religionsfreiheit, da ja jeder anbeten kann, wen oder was er will. Das Handeln des Staates nach übergeordneten Massstäben zu beurteilen, gilt aber als ungesetzlich und zieht Verfolgung nach sich. Christen dürfen zwar „privat ihre Religion ausüben“ (was auch immer darunter zu verstehen ist). Sobald sie aber versuchen, auch in ihrem familiären und gesellschaftlichen Zusammenleben der HERRSCHAFT Jesu gemäss zu leben, werden sie angeklagt, eine „Parallelgesellschaft“ errichten zu wollen (d.h. dem totalitären Herrschaftsanspruch des Staates ausweichen zu wollen), und werden dementsprechend verfolgt. Die deutsche Staatsideologie unterscheidet sich in ihrem Wesen nicht von der altrömischen: die Staatsregierung wird absolut gesetzt, d.h. vergöttlicht. Wer in dieser Konfliktsituation dem Staat den Vorrang gibt über dem Anspruch Jesu, der hat nicht verstanden, was es bedeutet, Jesus den HERRN zu nennen. Auf Englisch hat es einmal jemand so gesagt: „Either Jesus is Lord of all, or he is not Lord at all.“ („Entweder ist Jesus Herr über alles, oder er ist überhaupt nicht Herr.“)

Nachfolge Jesu bedeutet, in allem den Willen des HERRN zu tun (Matth.7,21, Lukas 6,46). Der Wille Gottes beschränkt sich nicht auf einen religiösen Privatbereich. Es gibt klare biblische Anweisungen z.B. über Geschäfte und den Umgang mit Geld; über Kindererziehung; über die Aneignung und Anwendung von Wissen; über die Hilfe an Bedürftige; über den Staat und die Regierung; u.v.m. – Was die Kindererziehung betrifft, so gehört diese aus biblischer Sicht eindeutig zum Autoritätsbereich der Familie. Eltern werden angewiesen, ihre Kinder dem Willen Gottes gemäss zu erziehen und zu lehren (5.Mose 6,6-9, Psalm 78,5-8, Epheser 6,4, u.a.). Kinder werden angewiesen, ihre Eltern zu ehren, ihnen zu gehorchen und von ihnen Belehrung anzunehmen (2.Mose 20,12, Sprüche 4,1-5, Epheser 6,1-3, u.a.). Es gibt keinerlei entsprechenden Gebote betreffend den Staat, Schulen, oder andere Institutionen. Die Kinder gehören Gott, nicht dem Staat; und Gott hat die Erziehung und Ausbildung der Kinder an die Eltern delegiert.

Es kann offensichtlich nur eine einzige absolute Herrschaft geben; und diese absolute Herrschaft relativiert alle anderen Gewalten. Wenn wir Jesus als HERRN anerkennen, bedeutet das, seinem Willen in allem den Vorrang zu geben vor allen anderen Gewalten. Die Konfliktpunkte können dabei je nach historischem, gesellschaftlichem und kulturellem Umfeld ganz verschieden aussehen. Im Römischen Reich war das Opfer für den Kaiser der hauptsächliche Kristallisationspunkt des Konflikts. Zur Reformationszeit war es der Ablasshandel und die Kindertaufe. Im heutigen Europa kristallisiert sich der Konflikt offensichtlich um die Rechte der Eltern und den Schutz der Familie, was sich z.B. im Bereich der Lebensrechts- und Sexualethik äussert. In Deutschland kommt dazu die völlig unverhältnismässige Erzwingung der Schulpflicht, deren Brutalität weltweit ihresgleichen sucht. Die deutschen Kirchen und ihr obenerwähntes Internetportal stellen sich in diesem Konflikt auf die Seite des Staates. Sie wollen Jesus und den Kaiser anbeten. Damit verabsolutieren sie aber den Staat (im Gegensatz zur Herrschaft Christi) und fördern somit den staatlichen Totalitarismus. Sie fügen sich so „politisch korrekt“ in die gegenwärtige Weltordung ein, verleugnen aber den exklusiven Herrschaftsanspruch Gottes zugunsten des Götzen „Staat“. Ihr Anspruch, den biblischen Jesus zu vertreten, verliert damit jegliche Legitimität.

Verwandte Artikel:
Wer oder was ist ein Christ?
Wir brauchen wieder eine Bekennende Kirche!
Das „Tier“ in der Offenbarung, das Milgram-Experiment und die Kirchen
Die weltanschauliche Umwälzung Europas nach der Reformation
Homeschooling ist ein Menschenrecht!
Die weisen Lektionen der Geschichte für Erzieher

Zweifelhafte „Obhut“ des Staates: Wo kommen die Kinder dann hin?

20. September 2013

Die Diskussion um die sogenannte „Inobhutnahme“ von Kindern durch den Staat (wie z.B. im Fall Wunderlich) dreht sich oft darum, inwieweit es statthaft oder den Kindern zumutbar sei, von Eltern erzogen zu werden, deren Überzeugungen und Erziehungsstil weit von den Vorstellungen der Gesellschaft im allgemeinen abweichen (so z.B. im Fall von überzeugten Christen!!). Oder auch – in anderen Fällen – von Eltern, die ihre Kinder tatsächlich vernachlässigen oder schlecht behandeln. Seltener wird in Erwägung gezogen, wo diese ihren Eltern entrissenen Kinder dann hinkommen. Auch wenn ein Kind tatsächlich von seinen Eltern nicht besonders gut behandelt würde: wird es in staatlichen Einrichtungen etwa besser behandelt? Ist der Staat zur Kindererziehung besser geeignet als die leiblichen Eltern?

Ich habe seinerzeit selber eine Zeitlang in einem Kinderheim gearbeitet. Damals war die Heimerziehung bereits ziemlich „modernisiert“ worden. Die Kinder wurden im allgemeinen nicht mehr geschlagen – und wenn einem Erzieher aus Überforderung die Hand ausrutschte, dann musste er u.U. damit rechnen, dass das Kind zurückschlug. (Ein Erzieher ist einmal von einem 15jährigen Jungen k.o. geschlagen worden.) Die Kinder waren in Wohngruppen von je acht bis zehn Kindern aufgeteilt, je unter der Leitung eines Erzieherehepaars zusammen mit einem oder mehreren Miterziehern und Praktikanten. Die Idee dahinter, das Betreuungsumfeld der Kinder so familienähnlich wie möglich zu gestalten, ist m.E. eines der bestmöglichen Konzepte in der Heimerziehung. Aber selbst dieses bestmögliche Konzept funktionierte in der Praxis nicht. Beredtes Zeugnis davon war die Tatsache, dass jene Erzieher, die eigene Kinder hatten, diese in ihrer eigenen Wohnung getrennt von den Heimkindern aufzogen. Es wäre ihnen wohl unverantwortlich erschienen (!), ihre Kinder zusammen mit den Heimkindern aufwachsen zu lassen.

Die auch nur annähernde Schaffung einer Familienatmosphäre wurde schon durch den häufigen Wechsel der Bezugspersonen verunmöglicht. Ein Erzieher sagte mir einmal: „Diese Arbeit kannst du höchstens fünf bis zehn Jahre lang tun, nachher bist du ausgebrannt.“ (Wobei auch diese fünf bis zehn Jahre in der Regel mehrere Stellen- oder zumindest Gruppenwechsel einschliessen.) Auf der Wohngruppe, wo ich arbeitete, gab es innerhalb eines Jahres vier Mitarbeiterwechsel.

Die Heimkinder verhielten sich im allgemeinen rebellisch und gewalttätig, logen und stahlen, waren verschiedensten Suchtverhalten ergeben – so hatten sie z.B. die raffiniertesten Methoden entwickelt, um Zigaretten ins Heim zu schmuggeln und dort zu verstecken. (Drogen waren damals noch kaum verbreitet; so spielten Zigaretten deren Rolle.) Möglicherweise hatten die älteren auch Sex untereinander; das kann ich zwar nicht direkt bezeugen, konnte es mir aber im Nachhinein aus bruchstückhaften Aussagen zusammenreimen.

Allgemein herrschte das Klima eines ständigen „Kriegs“ zwischen Kindern und Erziehern. Letztere wurden von den Kindern hauptsächlich als Gefängniswärter erlebt – was von einigen Kindern unverblümt ausgesprochen wurde. Das erste, was ein Erzieher in der Praxis lernen musste, war den Kindern mit verschiedensten disziplinarischen Mitteln Herr zu werden. Umgekehrt lernten die Kinder von ihren ersten Tagen im Heim an, wie man Erzieher hintergeht, belügt und betrügt. Auch Kinder, die anfangs noch „normal“ waren, wurden bald von diesem Verhalten angesteckt. Ich muss annehmen, dass ein grosser Teil dieser Verhaltensweisen der Kinder durch die Heimeinweisung erst hervorgerufen oder zumindest verstärkt wurden. Es ist ein gravierender Einschnitt im Leben, wenn man in ein Heim gesteckt wird, um von Menschen erzogen zu werden, die man zuvor nie gesehen hat und die man sich nicht selbst ausgesucht hat; und wenn man nicht einmal mehr die Strasse überqueren darf, um ein Nachbarskind zu besuchen oder sich etwas zu kaufen. Es ist deshalb blanker Hohn, wenn christlichen Homeschooling-Familien vorgeworfen wird, ihre Kinder wüchsen isoliert auf – und dann steckt man sie in ein Heim, wo sie noch viel isolierter leben!
– Natürlich gab es im Heim auch Zeiten gemeinsamer Ausflüge, Spiele, Bastelarbeiten und anderer sinnvoller Tätigkeiten; aber selbst während diesen „harmonischeren“ Zeiten war allen klar, dass es sich nur um Zeiten des „Waffenstillstands“ handelte und nicht um einen echten Frieden. Es war illusorisch, unter solchen Bedingungen eine Vertrauensbeziehung zu den Kindern – die wichtigste Voraussetzung für eine echte „Erziehung“ – herstellen zu wollen. Ebenso illusorisch war es, unter diesen Umständen eine Besserung des Verhaltens der Kinder zu erwarten, oder ihnen Werte vermitteln zu wollen. Im Gegenteil, die Atmosphäre eines Kinderheims macht die Kinder zu Rebellen, und nicht wenige von ihnen zu Kriminellen.

Würde man das Verhalten von Heimkindern psychologisch analysieren und daraus Rückschlüsse ziehen auf die Fähigkeiten der Heimerzieher, dann müsste man diese als ebenso „erziehungsunfähig“ einstufen wie die Eltern, denen die Kinder weggenommen wurden.

Es muss also nicht nur gefragt werden, wo die Grenzlinie gezogen werden soll, ab der das Wohl eines Kindes tatsächlich gefährdet wäre, wenn es bei seinen Eltern verbleibt. (Bzw. ob ein solches Urteil überhaupt gefällt werden darf.) Es muss ebenso gefragt werden, ob die Alternative, die der Staat vorsieht (meistens die Einweisung in ein Heim) nicht das Wohl des Kindes noch viel stärker gefährdet.

Ein krasses Beispiel – aber leider kaum ein Einzelfall – wird in „Die Familie und ihre Zerstörer“ (Fassung vom 9.Sept.2013, S.485) dokumentiert:

„Vermutlich sind 99% der SOS-Kinderdorf Einsitzenden keine Waisenkinder, sondern Kinder mit lebenden Eltern oder Elternteilen. Jedes Kinderdorfkind bedeutet natürlich finanzielle Förderungen, Spendengelder und sonstige staatliche Unterstützungen. Auf jeden Fall bedeutet es Jobs für ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen.
‚Ein Kind wurde mit 6 Jahren den Eltern entzogen. Der Vater wurde von den Behörden des sexuellen Missbrauchs verdächtigt (Grund der Kindeswegnahme). Es kam jedoch niemals zu einer Anklage seitens der Staatsanwaltschaft. Die Mutter wurde von SozialarbeiterInnen unter Druck gesetzt, sich vom Kindesvater scheiden zu lassen. Aber die Kindesmutter blieb dem Mann treu. Deshalb musste das Kind im Heim bzw. Kinderdorf bis ins Erwachsenenalter bleiben. Unter der Obsorge des Kinderdorfes wuchs die Kleine zu einer nunmehr drogensüchtigen teilentmündigten Prostituierten heran. Schlechter hätten es die leiblichen Eltern wohl auch nicht vermocht.'“

Eltern werden vom Staat daraufhin überwacht, ob sie ihre Kinder „richtig“ erziehen. Wer aber überwacht die staatlichen „Erzieher“? Im Jahr 2012 haben deutsche Jugendämter insgesamt 40’227 Kinder „in Obhut genommen“, das sind täglich 110 Kinder, die ihren Eltern weggenommen wurden. Wieviele Kinder sind im selben Zeitraum aus Kinderheimen freigelassen worden? Was für eine staatliche Stelle wacht mit demselben Eifer über der Erziehung, die Heimkindern zuteil wird? Würden Kinderheime mit denselben Methoden psychologisch analysiert wie Familien, dann würden zweifellos eine Menge „gestörter Beziehungen“ diagnostiziert, die unbedingt „therapiert“ werden müssten, oder die sogar das Kindeswohl derart gefährdeten, dass die Kinder aus dieser Umgebung entfernt werden müssten. Warum werden solche Massstäbe nur an Familien angelegt, nicht aber an Kinderheime? Wer hat dem Staat das Recht gegeben, die seiner „Obhut“ unterstehenden Kinder in Verhältnissen aufzuziehen, die schlimmer sind als sogenannt „gestörte“ Familien?

Fragen, die im heutigen Zeitalter staatlicher Kindererziehung unbedingt aufgearbeitet werden sollten.

Links zum Fall Wunderlich

15. September 2013

Zwei Internetseiten (möglicherweise gibt es noch weitere) setzen sich für die Befreiung der vier Wunderlich-Kinder ein, die von den deutschen Behörden gewaltsam aus ihrem Elternhaus verschleppt wurden:

https://www.facebook.com/pages/Free-the-Wunderlich-Kids-now/422001337912289

.
http://wunderlich-children.com/de/