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Zeichen der Wiedergeburt

30. Mai 2017

Wir haben gesehen, dass die Urgemeinde aus Menschen bestand, die ihr Leben radikal geändert hatten, die durch den Heiligen Geist von neuem geboren wurden, und die ihr Leben unter die Autorität von Jesus Christus stellten als ihrem Herrn und König. Sehen wir nun einige Kennzeichen wiedergeborener Menschen:

Das innere Zeugnis des Heiligen Geistes, ein Kind Gottes zu sein. – „Denn alle, die vom heiligen Geist angetrieben werden, sind Kinder Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Sklaverei erhalten, sodass ihr wieder Angst hättet, sondern ihr habt einen Geist der Adoption erhalten, durch den wir rufen: ‚Abba („Papi“), oh Vater!‘ Der Geist selber bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ (Römer 8,14-17)
„Denn ihr alle sind Kinder Gottes durch den Glauben an den Christus, Jesus. Denn alle, die in den Christus getauft wurden, sind mit dem Christus bekleidet worden. (…) Und weil sie Kinder sind, sandte und beauftragte Gott den Geist seines Sohnes in ihre Herzen, der ruft: ‚Abba („Papi“), oh Vater!‘ “ (Galater 3,26-27; 4,6)

Wer wiedergeboren ist, hat in sich dieses kindliche Vertrauen: „Gott ist mein Vater. Er hat mich adoptiert und als sein Kind angenommen.“
Es ist nicht einfach zu beschreiben, worin genau dieses „Zeugnis des Heiligen Geistes“ besteht. Es ist (normalerweise) keine aussergewöhnliche Erfahrung wie z.B. eine Vision oder eine Stimme vom Himmel. (Solche Erfahrungen können sogar Fälschungen aus der bösen Geisterwelt sein, um einem Nichtwiedergeborenen eine falsche Sicherheit zu geben.) Aber es ist auch kein Produkt des eigenen Denkens oder der eigenen Vorstellungskraft. Nicht wie an einigen Orten zu Neubekehrten gesagt wird: „Du musst jetzt einfach glauben, dass du ein Kind Gottes bist.“ – Nein, das Zeugnis des Heiligen Geistes ist eine innere Gewissheit, die Gott selber seinen Kindern gibt. Wer dieses Zeugnis in sich hat, der weiss, dass es von Gott kommt und nicht aus seinem eigenen Denken. Wer es erfahren hat, der weiss, worum es sich handelt.

„Hunger und Durst“ nach göttlichen Dingen. – Petrus schreibt: „… Wie neugeborene Säuglinge, habt Verlangen nach der unverfälschten, logischen Milch (oder: nach der unverfälschten Milch des Wortes), damit ihr durch sie wachst zur Errettung, wenn ihr denn geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist.“ (1.Petrus 2,2-3)
Für einen neugeborenen Säugling ist es das Natürlichste von der Welt, nach Milch zu schreien. Ein Baby muss nicht erst überzeugt oder gezwungen werden, Milch zu trinken; es tut das von selber. Ausser es wäre schwer krank. Ebenso ist es für einen wiedergeborenen Christen das Natürlichste von der Welt, Verlangen nach Gott zu haben. Der Zusammenhang des obigen Zitats spricht hauptsächlich vom Wort Gottes (vgl. 1,23-25). Wer wiedergeboren wurde, hat ein natürliches Verlangen zu hören und zu lesen, was Gott ihm sagt.
Wir können unter „Milch“ auch einige andere Dinge verstehen: Gemeinschaft mit Gott im Gebet; Gemeinschaft mit anderen Christen; und alles, was wir tun können, um Gott zu dienen. Ein wiedergeborener Christ hat ein natürliches Verlangen nach diesen Dingen.
In manchen Gruppierungen, die sich „christlich“ nennen, beobachtete ich, dass die Mitglieder kein Verlangen hatten, selber in der Bibel zu lesen. In einigen Gruppen schien es den Leitern nötig, den Mitgliedern als „Pflicht“ vorzuschreiben, alle Versammlungen zu besuchen. Eine Kirche, die ich kennenlernte, kontrollierte sogar den „Gottesdienstbesuch“ mit einer Anwesenheitsliste. Das sind Anzeichen, dass wahrscheinlich die meisten Mitglieder nicht wiedergeboren sind (und vermutlich auch die Leiter nicht). Sonst wäre ein solcher Zustand ebenso unnatürlich wie ein Säugling, der zum Milchtrinken gezwungen werden muss.
Man müsste in solchen Fällen untersuchen, worin die „Krankheit“ besteht. Meist wird man finden, dass gar kein geistliches Leben vorhanden ist. Oder vielleicht ist jemand wiedergeboren, leidet aber an einer schweren geistlichen „Krankheit“; z.B, dass er in einer wichtigen Sache Gott nicht gehorchen will und deshalb keine Vertrauensbeziehung zu ihm hat. – Oder aber die „Milch“, die in jenen Versammlungen angeboten wird, ist verdorben.

Liebe zu den Glaubensgeschwistern. – Im ersten Petrusbrief lesen wir im selben Zusammenhang, einige Verse vorher: „Nachdem ihr eure Seelen durch den Gehorsam der Wahrheit gegenüber gereinigt habt, durch den Geist, zur ungeheuchelten Bruderliebe, so liebt einander innig aus reinem Herzen, da ihr wiedergeboren seid …“ (1.Petrus 1,22-23)
Beachten wir die Reihenfolge: Petrus sagt nicht: „Um gereinigt zu werden (bzw. um wiedergeboren zu werden), müsst ihr einander lieben.“ – Vielmehr sagt er: „Da ihr bereits gereinigt und wiedergeboren seid, so liebt einander jetzt mit der ungeheuchelten Bruderliebe, die Gott euch bereits gegeben hat.“ Bruderliebe und ein reines Herz sind nicht Dinge, die sich ein Christ mit äusserster Anstrengung erarbeiten müsste. Es sind Dinge, die Gott mit der Wiedergeburt bereits in ihn hineingelegt hat. Wenn also jemand diese Dinge bei sich findet, dann darf er daraus mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass er wiedergeboren ist – und wenn nicht, dann sollte er annehmen, dass er nicht wiedergeboren ist.

Zwei Punkte scheinen mir hier wichtig:

– Die Bruderliebe ist ungeheuchelt. Sie beschreibt also nicht das Lächeln und die Umarmungen nach einer Versammlung. Ungeheuchelte Liebe handelt immer zum Besten des Bruders, ohne versteckte Absichten, und ohne wichtig zu nehmen, was andere sehen oder denken könnten. Ein reines Herz gibt sich nicht den Anschein von etwas, was nicht ist; es ist ehrlich und transparent. Das muss sich nicht immer in „Liebenswürdigkeit“ ausdrücken. Ungeheuchelte Liebe kann auch einmal sagen: „Mein Bruder, hier liegst du aber ganz falsch!“ – wenn es zu seinem Besten ist, ihm das zu sagen.

– Christliche Bruderliebe ist nicht dasselbe wie allgemeine Nächstenliebe. Christliche Bruderliebe ist in einer „geistlichen Verwandtschaft“ begründet: Der Heilige Geist, der in mir lebt, antwortet auf denselben Heiligen Geist, der in meinem Bruder lebt.
Charles Finney hat diesen Unterschied sehr gut beschrieben in seinen „Reden über Erweckung“:

„Gott liebt alle Menschen mit wohlwollender Liebe, aber er fühlt keine Liebe des Wohlgefallens gegenüber jenen, die keine heiligen Leben führen. Ebenso können auch wir Christen einander keine Liebe des Wohlgefallens zeigen, ausser im Verhältnis zu unserer Heiligkeit. Wenn christliche Liebe die Liebe zum Bild Christi in seinem Volk ist, dann kann sie nirgends wirken, ausser wo dieses Bild existiert. Jemand muss das Bild Christi widerspiegeln und den Geist Christi zeigen, bevor andere Christen ihn mit einer Liebe des Wohlgefallens lieben können.
Es ist vergebens, uns Christen zu bitten, uns aneinander zu erfreuen, wenn wir nicht geistlich sind. Dann finden wir aneinander nichts, was diese Liebe hervorbringen würde. Wie könnten wir (in diesem Zustand) etwas anderes für den anderen empfinden, als was wir für die Sünder empfinden? Lediglich zu wissen, dass sie Kirchenmitglieder sind (…), wird keine christliche Liebe hervorbringen – ausser wir können in ihnen das Bild Christi sehen.“

In einigen Kirchen wird den Mitgliedern „mangelnde Liebe“ vorgeworfen, wenn sie die Sünden anderer Mitglieder (oder der Leiter) nicht gutheissen. Aber eine solche Situation könnte im Gegenteil ein Anzeichen dafür sein, dass die anderen Mitglieder nicht wiedergeboren sind. Ein Christ kann keine Bruderliebe empfinden für jemanden, der in Sünde lebt und nicht umkehrt.

Wer wiedergeboren ist, lebt nicht in Sünde.

„Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht; jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen noch erkannt. Kindlein, niemand soll euch täuschen: Wer Gerechtigkeit tut, ist gerecht, so wie er gerecht ist. Wer die Sünde praktiziert, ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, um die Werke des Teufels zunichte zu machen. Jeder, der aus Gott geboren ist, praktiziert die Sünde nicht, denn der Same Gottes bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“ (1.Johannes 3,6-9)

Einige jener, die sich Christen nennen, wollen nicht glauben, dass das in der Bibel geschrieben steht. Sie haben sich angewöhnt zu sagen: „Wir sind alle Sünder.“ In Wirklichkeit gibt es keine Stelle im Neuen Testament, wo die Christen „Sünder“ genannt werden! Die echten Christen sind „Gläubige“, „Gerechte“, „Heilige“.

Vielleicht sollte ich ein mögliches Missverständnis über 1.Johannes 3,9 aufklären. Wenn Johannes sagt: „…er kann nicht sündigen“, dann meint er damit nicht, ein Christ könne nie mehr eine Sünde begehen. Er wusste gut, dass auch Christen ab und zu sündigen. Deshalb schreibt er ein wenig vorher: „Und wenn jemand gesündigt haben sollte, so haben wir einen Anwalt beim Vater, Jesus den Christus, den Gerechten“ (1.Johannes 2,1). Aber damit es niemandem in den Sinn kommt zu denken, das sei der Normalfall, schreibt er im selben Vers: „Meine Kindlein, das schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt.
Der Normalfall ist also, dass ein Christ nicht sündigt. Im Vers 9 steht im griechischen Original das Verb in der Zeitform des kontinuierlichen Präsens, das genauer so übersetzt würde: „… er kann nicht ständig sündigen“, oder „…er kann nicht in Sünde leben“. Ab und zu kommt es vor, dass ein Christ sündigt. Aber dann reagiert sein Gewissen darauf, und der Christ bereut seine Sünde, bekennt sie und bringt die Dinge vor Gott und vor den betroffenen Menschen in Ordnung. Wenn jemand sündigen kann, ohne dass es ihn gross kümmert; oder wenn jemand nicht dazu bereit ist, einer bestimmten Sünde abzusagen; oder wenn jemand sündigt im vollen Bewusstsein, dass es Sünde ist – solche Menschen sind keine Christen, nach den Worten des Apostels Johannes.

Paulus schreibt etwas Ähnliches:

„Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht: Weder Unzüchtige, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Verweiblichte, noch jene, die mit Männern schlafen, noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trinker, noch Flucher, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. Und einige (von euch) waren solche. Aber ihr wurdet gewaschen, ihr wurdet geheiligt, ihr wurdet gerecht gemacht im Namen des Herrn Jesus und im Geist unseres Gottes.“ (1.Korinther 6,9-11)

Im Leben eines Christen gibt es klar ein „Vorher“ und ein „Nachher“. Einige der Korinther waren „vorher“ grobe Sünder im Sinne einer der erwähnten Kategorien. Aber das Verb steht in der Vergangenheit. Das bedeutet, dass sie es jetzt nicht mehr sind. Sie wurden von der Sünde befreit. Wenn jemand dieses „Vorher“ und „Nachher“ in seinem Leben nicht erlebt hat, dann ist er kein Christ nach den Worten des Apostels Paulus.

Für einen wahren Christen ist diese Botschaft weder „Perfektionismus“ noch eine „schwere Last“. Im Gegenteil, es ist eine befreiende Botschaft: In Christus ist es möglich, von der Sünde frei zu werden! Christus ist „mächtig, euch ohne Fall zu bewahren“ (Judas 24)!

Die neutestamentliche Gemeinde besteht aus Menschen, die durch den Heiligen Geist wiedergeboren wurden und somit die erwähnten Zeichen vorweisen:
– Sie haben
das innere Zeugnis des Heiligen Geistes, Kinder Gottes zu sein.
– Sie haben
Hunger und Durst nach göttlichen Dingen.
– Sie haben Bruderliebe gegenüber den Geschwistern, die wiedergeboren sind wie sie.
– Sie leben nicht in Sünde.
In jeder Gruppe, die sich auf irgendeine Weise vom Vorbild des Neuen Testamentes entfernt hat, ist das der erste Punkt, der in Ordnung gebracht werden muss: Die Mitglieder (und Leiter) müssen wiedergeboren werden. Solange das nicht geschieht, hat es keinen Sinn, über Aktivitäten, Leiterschaftsstrukturen, Versammlungen und Anlässe, usw. zu sprechen. Um neutestamentliche Gemeinde zu sein, müssen wir zuallererst „neutestamentliche Menschen“ sein!