Archive for Oktober 2010

Von der evangelikalen Zensur

27. Oktober 2010

Ich sehe mich veranlasst, eine neue Kategorie in diesem Blog zu eröffnen: „Zensurierte Artikel“. Dies, weil in den vergangenen Jahren bereits vier meiner Artikel der evangelikalen Zensur zum Opfer gefallen sind – und hätte ich weiterhin versucht, mich in diesem Umfeld hörbar zu machen, dann wären es bestimmt noch mehr geworden. Zwei dieser Artikel schrieb ich „auf Verlangen“, aber dann wurden sie von der Organisation, die sie verlangt hatte, so massiv gekürzt und zurechtgestutzt, dass das Wesentliche wegfiel; oder gar nicht veröffentlicht. Die zwei anderen Artikel hatte ich aus eigener Initiative verbreitet, aber mehrere evangelikale Leiter verboten mir die Weitergabe dieser Artikel an Mitglieder ihrer Organisation, und/oder verboten ihren Mitgliedern, sie zu lesen.

Natürlich hat jede Organisation das Recht, darüber zu entscheiden, was für Informationen „vereinsintern“ an ihre Mitglieder weitergegeben werden. Wenn aber eine grundsätzliche „Informationssperre“ für Mitglieder einer bestimmten Organisation verhängt wird, dann ist das sehr bedenklich. Noch bedenklicher wird es, wenn evangelikale Organisationen Artikel zensurieren, die genau jene Werte verteidigen, welche die Evangelikalen offiziell auf ihre Fahnen geschrieben haben: die Notwendigkeit einer Bekehrung zu Jesus Christus, und die Autorität der Bibel als Gottes Wort. Eine solche Kluft zwischen offiziellem Bekenntnis und tatsächlichem Handeln wird von Jesus „Heuchelei“ genannt, und er verbrachte ziemlich viel Zeit damit, diese Sünde anzuprangern.

Hätte ich in meinen Schriften Grundlagen des christlichen Glaubens in Frage gestellt, dann könnte ich solche Zensur vielleicht verstehen. Ebenso, wenn ich am Thema vorbeigegangen wäre und statt über Mission und Gemeindeaufbau zu schreiben, z.B. für eine neue hausgemachte Zahnpasta Werbung gemacht hätte. Aber wenn ich gerade darum kämpfe, dass die Grundlagen des christlichen Glaubens wieder auf den Leuchter gestellt werden, und dann genau von jenen Leuten zensuriert werde, die sich offiziell als die rechtgläubigsten Hüter dieses Glaubens ausgeben, dann muss ich annehmen, da sei ein ziemlich dicker Hund begraben.

Da es sich bei den „Zensoren“ sowohl um Europäer wie auch um Peruaner handelt, und aus verschiedenen Denominationen, habe ich keinen Anlass, diesbezüglich irgendwelche Unterschiede zu machen. Ich spreche deshalb hier gesamthaft von der „evangelikalen Zensur“, und dies sogar international.
 – Vielleicht wird mir jetzt jemand vorwerfen, ich verallgemeinere zu stark, und sicher handelten nicht alle Evangelikalen auf die beschriebene Weise. Richtig, ich muss das (bisher einzige) leuchtende Gegenbeispiel hier auch erwähnen: Die STH (Staatsunabhängige Theologische Hochschule) in Basel hat einen Artikel von mir veröffentlicht und hat vor der Veröffentlichung alle vorgesehenen Kürzungen und Änderungen mit mir abgesprochen. Das ist das korrekte Vorgehen, das aber heute leider selten zu finden ist.

Wenn Sie ein evangelikaler Leiter sind und davon überzeugt sind, Sie seien auch ein Gegenbeispiel, dann hindert Sie nichts daran, hiermit den Tatbeweis anzutreten und die Artikel dieser Kategorie zu veröffentlichen. Die auf diesem Blog veröffentlichten Artikel sind frei zur Wiedergabe, sofern die Bedingungen beachtet werden:
– Diese Artikel sind und bleiben geistiges Eigentum des Autors.
– Sie müssen vollständig und unverändert wiedergegeben werden, d.h. ohne Kürzungen, Zusätze oder andere Änderungen. Ausnahmen nur mit vorheriger Zustimmung des Autors. (Offensichtliche Rechtschreibe- und Tippfehler dürfen selbstverständlich korrigiert werden.)
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Immer noch vermisst: Das neutestamentliche Christentum

27. Oktober 2010

Bem: Dies ist ein kleiner Nachtrag zum Artikel „Auf der Suche nach dem neutestamentlichen Christentum“, den ich ursprünglich vor einigen Jahren auf Anfrage der Organisation schrieb, die mich (zumindest als Lippenbekenntnis) unterstützte. Gleichzeitig ist er aber Anlass, die neue Kategorie „Zensurierte Artikel“ zu eröffnen; denn die betreffende Organisation weigerte sich, den untenstehenden Artikel zu veröffentlichen.

Zehn Jahre lang habe ich im peruanischen Hochland mit Gemeinden verschiedenster Denominationen zusammengearbeitet; hauptsächlich in der Mitarbeiterschulung zum Dienst an Kindern und Jugendlichen, und in der theologischen Lehre. Ich spürte aber eine zunehmende Ablehnung der Gemeindeleiter gegen biblische Kernaussagen; und als wir als Familie von tragischen und skandalösen Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurden, erlebten wir keine Unterstützung, sondern noch mehr Ablehnung. So musste ich mir die Grundsatzfrage stellen: Sind die Gemeinden überhaupt christlich?

Ich kehrte zum Neuen Testament zurück und fand da grosse Unterschiede zu den heutigen Gemeinden.
Die Urchristen bekehrten sich nicht mit einem Übergabegebet an einer Evangelisation. Sie wurden vom Heiligen Geist in der Tiefe überführt (Joh.16,8), sodass sie von sich aus fragten: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ (Apg.2,37).
Sie ahmten nicht äussere Formen nach, sondern wurden von Jesus in der Tiefe verändert.
Sie wurden nicht Untergebene eines Pastors oder Missionars, sondern folgten selber Jesus nach (Joh.10) und „forschten in der Schrift“ (Apg.17,11).
Sie kamen nicht zu einem Sonntagsgottesdienst zusammen, sondern zu einer natürlichen, persönlichen Gemeinschaft, wo „jeder etwas hatte“, um die anderen aufzubauen (Apg.2,44-47, 1.Kor.14,26).
Sie waren auch nicht in Denominationen aufgeteilt, die ihre Schäfchen eifersüchtig für sich hüteten – ausser in Korinth, wo Paulus dies tadelte (1.Kor.1,11-15; 3,4-11).
Leiterschaft war keine Karriere und keine Machtposition, sondern wurde als natürliche Anerkennung jenen zuteil, die Jesus am meisten liebten und bereit waren, für ihn zu leiden (Luk.22,24-27, 1.Kor.4,9-14).

Solche Unterschiede sind nicht belanglos. „Kirche wie alle sie kennen, verhindert Kirche wie Gott sie will.“ (Wolfgang Simson)

Ich höre oft das Argument, man müsse die historisch gewachsene Situation anerkennen und es gäbe doch keine perfekte Gemeinde. Dann hätten aber auch die Reformatoren die katholische Kirche anerkennen sollen, wie sie war, und wir müssten alle nach Rom zurückkehren.

Ich glaube stattdessen, wir sollten zur biblischen Originalgemeinde zurückkehren. Deshalb suche ich jetzt nach Mitchristen, die dasselbe Anliegen im Herzen tragen. Bei einigen Gelegenheiten konnte ich mit Gruppen von jugendlichen Mitarbeitern diese Art Gemeinschaft praktizieren. Aber nur wenige sind dazu bereit, und diese wenigen werden oft von ihren eigenen Gemeinden zurückgebunden. Ein übernatürliches Eingreifen Gottes ist hier nötig. Ich bitte Euch, für dieses Anliegen zu beten.

Was? Ihre Kinder essen nicht in der Staatsküche?

20. Oktober 2010

Was? Sie kochen selber zuhause? Und alle Ihre Kinder essen mit? Wie können Sie das verantworten? Sind Sie wenigstens staatlich zugelassener Ernährungswissenschafter? Nicht? Das ist ja unerhört! Wie sollen da Ihre Kinder je zu gesunden, kräftigen Bürgern heranwachsen? Nicht zu reden von den möglichen gesundheitlichen Schädigungen! Sie haben doch gar nicht das nötige Wissen, um Ihren Kindern die richtigen Nährstoffe zu verabreichen. Und können Sie etwa zuhause den ganzen Produktionsprozess einer Staatsküche originalgetreu nachbauen? Und überhaupt, das ist strafbar. Sie können froh sein, dass Ihre Kinder noch nicht in ein Heim eingewiesen worden sind.

Was, Sie wollen sich sogar dafür einsetzen, dass das Kochen zuhause gesetzlich erlaubt wird? Das wird ja immer schöner. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder für sich zuhause so kochen würde, wie er es für gut hält! Da würden ja einige fundamentalistische Gruppen sogar darauf bestehen, dass in ihrer Familie ihre religiösen Speisevorschriften befolgt werden. Das würde der Entwicklung religiöser Parallelgesellschaften geradezu Vorschub leisten. Wir haben als Kinder schliesslich auch alles gegessen, was man uns in der Staatsküche vorgesetzt hat. Und wenn wir nachher Bauchschmerzen hatten, dann war das nur eine angemessene Vorbereitung auf das wirkliche Leben, denn Bauchschmerzen gehören nun einmal zum wirklichen Leben.

Also wirklich, diese Selbstkocher gehörten alle eingesperrt. Und dann wagen sie es noch, die Erklärung der Menschenrechte für ihre extremen Positionen zu missbrauchen. Als ob ihr Elternrecht das Recht auf gesunde, staatlich geprüfte Ernährung ausser Kraft setzen würde. Und dazu operieren sie mit ausländischen Statistiken, wonach Kinder in den Ländern, wo zuhause Kochen erlaubt ist, gesünder seien. Die Situation jener Länder lässt sich doch überhaupt nicht mit der unsrigen vergleichen. Bei uns herrscht Ordnung und eine solide Ernährung. Dazu gehört, dass die Kinder lernen richtig zu essen, unter Aufsicht von staatlich geprüften Experten. Was andere Länder in dieser Hinsicht machen, geht uns doch gar nichts an. Dank der Staatsküchenpflicht sind wir heute ein fortschrittliches, einheitliches Land. Es lebe die Staatsküchenpflicht!

PS: Allfällige Ähnlichkeiten mit der aktuellen Diskussion um Schulpflicht und Homeschooling sind nicht zufällig, sondern beabsichtigt.

Ziffern-Kryptogramme – von ganz leicht bis ganz schwierig.

12. Oktober 2010

Diese Ziffernrätsel oder Kryptogramme sind gute „Denktrainer“: Sie lassen sich nicht einfach nach „Schema F“ lösen, sondern fordern die Kombinationsfähigkeit immer wieder neu heraus. Gleichzeitig fördern sie das Verständnis der Eigenschaften der mathematischen Grundoperationen, weil bei jeder Aufgabe wieder andere Eigenschaften der Zahlen und ihrer Operationen ins Spiel kommen.

In den Schulen hierzulande werden den Schülern verschiedene Arten von „Denkaufgaben“ gegeben, die angeblich ebenfalls die Denkfähigkeit fördern sollen: Zahlenreihen, die logisch weitergeführt werden sollen; geometrische Figuren, in denen man zählen soll, wieviele Rechtecke, Dreiecke usw. darin enthalten sind; willkürlich erfundene neue mathematische Operatoren, mit denen man rechnen soll; und ähnliches. Das Problem dabei ist aber, dass den Schülern mit der Aufgabe gleichzeitig ein Schema mitgegeben wird, nach dem sie gelöst werden kann: Bei Zahlenreihen probiert man zuerst, ob sich mit Addieren eine logische Sequenz ergibt; wenn nicht, dann eben mit Multiplizieren; resp. mit Wegzählen oder Teilen (wenn es sich um eine fallende Folge handelt). Beim Zählen von geometrischen Figuren teilt man die Gesamtfigur in ihre kleinsten Bestandteile auf, die numeriert werden, und dann versucht man die gesuchte Art von Figur (Dreieck, Rechteck) zuerst aus einem, dann aus zwei, dann aus drei (etc.) Bestandteilen zusammenzusetzen. Natürlich, die Methode führt zum Ziel. Aber die Schüler lernen damit nicht das Denken; sie lernen nur, eine weitere Methode stur anzuwenden. (Mein Verdacht ist ausserdem, dass der eigentliche Zweck gar nicht darin liegt, die Denkfähigkeit zu schulen, sondern lediglich die Schüler auf die Aufnahmeprüfungen an die Sekundarschule bzw. an die Universität vorzubereiten, wo nämlich genau solche Aufgaben vorkommen.)

Die Ziffern-Kryptogramme hingegen, obwohl auch eine recht bekannte Art Denkaufgabe, sind an den peruanischen Schulen auffallend abwesend. Ich habe deshalb angefangen, meinen Nachhilfeschülern einige solche Aufgaben zu geben. Einige wenige haben die Serie der „einfachen“ Kryptogramme lösen können; bis jetzt ist aber noch keiner von ihnen zu den „mittelschweren“ vorgestossen. (Meine eigenen Kinder hingegen mögen diese sehr!) Und die „schwierigen“ – ich gebe zu, vor diesen müssen sogar manche Erwachsene kapitulieren. (Für die mittelschweren und schwierigen werde ich Lösungshilfen angeben, falls jemand versucht ist aufzugeben.)

Hier die „Spielregeln“:

1. Innerhalb eines Kryptogrammes – auch wenn es mehrere Rechnungen enthält – bedeuten immer gleiche Buchstaben (bzw. Symbole) gleiche Ziffern; unterschiedliche Buchstaben (bzw. Symbole) bedeuten unterschiedliche Ziffern. Die Aufgabe besteht darin herauszufinden, welcher Buchstabe (bzw. Symbol) welche Ziffer bedeutet, so dass alle Rechnungen stimmen.

2. Keine (ganze) Zahl beginnt mit einer Null.

3. Von Kryptogramm zu Kryptogramm kann die Bedeutung der Buchstaben (bzw. Symbole) ändern. Wenn also z.B. das Kryptogramm Nr.2 den Buchstaben A enthält und das Kryptogramm Nr.4 enthält auch den Buchstaben A, dann bedeutet dieser Buchstabe nicht unbedingt in beiden Kryptogrammen dasselbe. (In anderen Worten: Jedes Kryptogramm ist eine eigene, von den anderen unabhängige Aufgabe. Wenn aber ein einziges Kryptogramm mehrere Rechnungen enthält, dann gehören diese zusammen.)

4. Kryptogramme sind keine Algebra! „AB“ bedeutet also nicht „A multipliziert mit B“, sondern eine zweistellige Zahl mit den Ziffern A und B.

5. Für echte Tüftler ist es Ehrensache, die Rechnungen von Hand auszurechnen. Also keine Taschenrechner, Computer usw.!

Und hier ein erstes, ganz einfaches Beispiel:

Die einzigen Ziffern, die diese Bedingungen erfüllen, sind 2 und 4. Die Lösung ist also: A = 2, B = 4. Oder in die Rechnungen eingesetzt:

2 + 2 = 4
2 x 2 = 4


Einfache Kryptogramme

Die folgenden Denkaufgaben sind so einfach, dass sie ca. ab dem dritten Schuljahr gelöst werden können. Ich gebe deshalb keine weiteren Kommentare dazu.


Mittelschwere Kryptogramme

Diese erfordern schon etwas mehr Nachdenken und mathematisches Verständnis. Die Lösungsmöglichkeiten sind aber begrenzt. Deshalb sollten auch diese Aufgaben durch geduldiges Probieren und geschicktes Ausschliessen unmöglicher Kombinationen relativ leicht lösbar sein.

Lösungshinweis (nur nachlesen, wenn Du die Lösung wirklich nicht selber finden kannst!)

Lösungshinweis (nur nachlesen, wenn Du die Lösung wirklich nicht selber finden kannst!)

Lösungshinweis (nur nachlesen, wenn … na, Du weisst schon!)

Lösungshinweis (für jene, die es wirklich nötig haben …)


Schwierige Kryptogramme

Und hier noch ein paar Kostproben von den schwierigen.

Lösungshinweis (bla, bla, bla …)

– Ich weiss, die Worte in den Kryptogrammen machen nicht so viel Sinn; aber so sieht es wenigstens besser aus als ein völliger Unsinn…
Lösungshinweis

Lösungshinweis

Genug für heute! Ein andermal mehr…

(more…)

„Christlicher Aussteiger“ – und wann kommt der Einstieg?

5. Oktober 2010

Ich sehe mich veranlasst, nochmals etwas über den Titel meines Blogs zu schreiben. Ich wurde nämlich darauf aufmerksam gemacht, dass er missverständlich ist: „Das klingt, als wolltest du vom Christentum nichts mehr wissen.“ Und jemand anders meinte: „Aussteiger – das klingt so negativ. Warum nicht ‚christlicher Einsteiger‘?“

Zur Eröffnung dieses Blogs habe ich zwar unter dem Titel „Warum christlicher Aussteiger?“ schon einige Stichworte dazu geschrieben. Aber ich denke, einige zusätzliche Bemerkungen sind jetzt dran.

Zuerst: Ich bin tatsächlich aus manchem ausgestiegen, was so landläufig mit dem „Christentum“ in Verbindung gebracht wird. Das „Kirchentum“, das „Pfarrertum“, und viele damit verbundene Erscheinungen, sagen mir tatsächlich nichts mehr. Aber nicht weil ich gegen das Christentum wäre, sondern im Gegenteil: Ich habe festgestellt, dass diese Dinge ein echtes Christentum verhindern. Wenn wir zum Anfang des Christentums zurückgehen, d.h. zur Urgemeinde, dann finden wir keine „Kirche“ (in der Art der heutigen kirchlichen Organisationen), keine Kirchengebäude (weder mit Turm noch ohne), keine Pfarrer, keine Sonntags-Predigtgottesdienste, keine theologischen Fakultäten oder Bibelschulen, etc. So manches, was heute untrennbar mit dem „Christentum“ verbunden scheint, ist in Wirklichkeit völlig unwesentlich (und z.T. sogar hinderlich) für ein echtes Christenleben. In anderen Worten: Ich bin aus einem missverstandenen „Christentum“ ausgestiegen, um wieder näher an das ursprüngliche, echte Christentum heranzukommen.

Damit komme ich zur Frage nach dem „Einstieg“: Warum also nicht „Einsteiger“ in das ursprüngliche Christentum?

Das hat vor allem mit meiner persönlichen Situation zu tun. Ich bin schlicht noch nicht so weit! Ich musste feststellen, dass zwischen „Ausstieg“ und neuem „Einstieg“ eine Durststrecke liegt, die länger ist als erwartet. So wie zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem Einzug ins Gelobte Land eine lange Wüstenwanderung lag. Oder so wie der Prophet Jeremias zuerst den Ruf ausführen musste, „auszureissen, zu zerstören und niederzureissen“, bevor er dann auch „aufbauen und pflanzen“ durfte (Jer.1,10). Ein unnütz gewordenes und abbruchreifes Gebäude muss zuerst vollends abgerissen werden, bevor am selben Ort ein Neubau errichtet werden kann. Das Unkraut muss zuerst ausgerissen werden, bevor am selben Ort etwas Neues gepflanzt werden kann.

Ich glaube, dass die gegenwärtige Zeit tatsächlich eine Zeit des „Abbruchs“ oder des Niedergangs ist für das traditionelle, missverstandene Christentum. Nicht nur in meinem eigenen Leben, sondern überhaupt in der Welt. „Denn es ist Zeit, dass das Gericht anfange beim Hause Gottes …“, schreibt Petrus (1.Petrus 4,17). Viele der gegenwärtigen Krisen in den traditionellen Kirchen sind von Gott zugelassene „Abbrucharbeiten“, damit wenigstens ein Überrest zum echten Christentum zurückfinden möge. – Dazu muss ich auch die persönlichen Krisen rechnen, durch die Gott mich in den vergangenen Jahren hindurchgeführt hat. Er musste auch in mir selbst viel falsches „Christentum“ abbrechen, das auf menschlichen Traditionen aufgebaut war statt auf einem persönlichen Kennenlernen Gottes.

Wann also werde ich wieder „einsteigen“ können?

Wenn in mir selbst dieses alte Gebäude des Traditionschristentums abgebrochen sein wird, sodass Gott mich wirklich gebrauchen kann. (Manchmal habe ich das Gefühl, es sei bald so weit; aber ich weiss, mein eigenes Gefühl kann mich täuschen.)

Und wenn um mich herum andere Christen von Gott erweckt werden, die ebenfalls durch diesen „Abbruchprozess“ gegangen sind und dann anfangen können, auf dem wahren Fundament wieder aufzubauen. Wenn „Kirche“ wieder zur Familie wird unter Gott dem Vater (statt einer von Mietlingen beherrschten Institution). Wenn Jesus wieder zum Fundament wird – nicht Machtmenschen und Bürokraten, nicht von Menschen aufgestellte Kirchengesetze und Kirchentraditionen.

Hoffnung sehe ich in einigen Hausgemeindebewegungen, die an verschiedensten Orten der Welt aufspriessen. In manchen dieser Bewegungen wird ernsthaft versucht, auf urchristliche Prinzipien zurückzugehen. Aber selbst in diesen Bewegungen sehe ich z.T. noch die Gefahr des „Programmatismus“. Sie werfen zwar alte Traditionen über Bord, kommen aber in die Gefahr, stattdessen einfach neue Traditionen und Programme zu institutionalisieren, die ebenso zum Wort Gottes „hinzugefügt“ werden wie vorher die alten. (Ich hoffe, sie werden sich dieser Gefahr bewusst, bevor sie in dasselbe Fahrwasser kommen, das sie verlassen haben.) – Und hier in Perú gibt es noch nicht einmal eine Hausgemeindebewegung…

„Mehr Familie, weniger Institution“ – das ist mein persönliches Motto in diesem Wandlungsprozess. Wenn das eines Tages in meiner eigenen Familie sichtbar wird, und wenn Gott um uns herum Gleichgesinnte erweckt – dann werde ich mich wieder „Einsteiger“ nennen können. Wann es soweit sein wird, weiss Gott allein.